Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1894

Spalte:

1-3

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Maspero , G. (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Bibliothèque Égyptologique . Tom I 1894

Rezensent:

Wiedemann, Alfred

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

1. 6. Januar 1894. 19. Jahrgang.

Bibliotheque egyptologique publik sous la direc-
4 tion de Maspero t. I (Wiedemann).

Schubert, Die Compofition des pfeudopetri-
nifchen Evangelien-Fragments (Harnack).

Montefiore, Lectures on the origin and growth ,

of religion as illustrated by the religion of the Sammlung ausgewählter kirchen- und dogmen-
Tancient Hebrews (Budde). gefchichthcher Quellenfchnften 4. Augustin

De catechizandis rudibus, 6. Clemens Alexan-
Berger, Notice sur quelques textes latins inddits I drinus Quis dives salvetur? (Jülicher).

de l'Ancien Testament (Schürer).

Robinson, The Philocalia of Origen, the text

revised etc. (Koetfchau).
Woelbing, Die mittelalterlichen Lebensbe-

fchreibungen des Bonifatius (Loofs).
Häring, Zur Verföhnungslehre (Kaftan).
Friedberg, Die geltenden Verfaffungs-Gesetze

der evangelifchen deutfchen Landeskirchen,

3. Ergänzungsband (Frantz).

Bibliotheque Egyptologique publiee sous la direction
de G. Maspero. Tome I. G. Maspero, Etudes de Mythologie
et d'Archeologie Egypriennes. Paris, Leroux,
1893. (XII, 415 S. 8.)

Ein grofses Hindernifs für eine gefunde Entwicklung
der ägyptologilchen Wiffenfchaft bildet die Schwierigkeit
, fich einen Ueberblick über das zu verfchaffen, was
auf diefem Gebiete bisher geleiftet, welche Fragen bereits
eine erfchöpfende Behandlung erfahren haben. In
den erften Jahrzehnten nach Entzifferung der Hieroglyphen
fehlte es an Specialorganen und wurden daher die Arbeiten
in den verfchiedenften hiftorifchen, philologifchen,
belletriftifchen Zeitfchriften veröffentlicht. Als dann feit
den fechziger Jahren mehrere ägyptologifche Journale
entftanden, blieb deren Leferkreis auf die reinen Fachgelehrten
befchränkt, und zogen es daher viele Autoren
vor, ihre Auffätze, fobald fie allgemeineres, hiftorifches
oder culturhiftorifches Intereffe befafsen, lieber grofsen
Journalen zu übergeben und begnügten fich damit, den
Fachgenoffen Separatabzüge zur Verfügung zu ftellen.
Allein, diefe Abzüge wurden nach kurzer Frift fo gut
wie unfindbar, die fernerliegenden Zeitfchriften wurden
von der Aegyptologen im Allgemeinen nicht gelefen,
die Arbeiten vergeffen. So ift es gekommen, dafs die
Kenntnifs der Literatur bei den Aegyptologen eine fehr
geringe zu fein pflegt, dafs manche längft erkannte und
bewiefene Wahrheit von neuem behandelt und erwiefen
wird, dafs mancher längft widerlegte Irrthum wieder auftaucht
und neues Unheil anrichtet. Verfallen fchon die
Aegyptologen in diefen Fehler, fo ift dies bei den Gelehrten
benachbarter Gebiete noch weit fchlimmer, ihnen
ift es fo gut wie unmöglich, der Literatur über be-
ftimmte ägyptologifche Fragen habhaft zu werden. Um
diefem Leidwefen wenigftens theilweife abzuhelfen, hat
fich Maspero, der hervorragendfte lebende Vertreter der
Aegyptologie und zugleich einer der beften Kenner
ihrer Literatur, entfchloffen, die kleineren Schriften der
franzöfifchen Aegyptologen zu fammeln und in der handlichen
Ausgabe, deren erfter Band hier vorliegt, allgemein
zugänglich zu machen. Die Arbeiten der beiden
Champollion, von Neftor Lhöte, Mariette, Deveria, E. de
Rouge, u. f. f. follen allmählich erfcheinen, ift doch bisher
von allen auf aegyptifchem Gebiete thätigen Franzofen
nur Letronne eine Sammlung feiner kleinern Auffätze
zu Theil geworden.

Die Sammlung foll eröffnet werden durch zwei
Bände, welche die Studien Maspero's zur ägyptifchen
Religion enthalten, und mit Recht. Maspero ift in
erfter Reihe mit zu nennen, wenn der Gelehrten gedacht
wird, welche eine ftreng methodifche Behandlung der
altägyptifchen Religion begründeten und durchführten,

und gerade auf diefem Gebiete gilt es mehr als auf
anderen des ägyptifchen Alterthums gefunden, wiffen-
fchaftlichen Thatfachen Raum und Verbreitung zu verfchaffen
. Hier finden zwar unbegründete, aber um fo
abgerundetere Theorien noch immer ihr Publicum und
werden um fo eifriger aufgeftellt, je leichter es ift, mit
Hülfe einiger aus dem Zufammenhange geriffener Sätze
eine allgemein gehaltene Lehre fcheinbar zu ftützen.
Dafs diefen Lehren und den unklaren Vorftellungen von
einer tief philofophifchen, geheimnifsvollen religiöfen
Weisheit der Aegypter wenigftens in wiffenfchaftlichen
Kreifen entgegen getreten und gezeigt wird, wie wider-
fpruchsvoll und abfonderlich thatfächlich die altägyp-
tifche Götterlehre war, das ift ein Hauptverdienft der
in dem vorliegendem Bande vereinten Auffätze Maspero's.

Ausgegangen ift Maspero urfprünglich von der üblichen
, am klarften von E. de Rouge verfochtenen Reli-
gionsanfchauung, derzufolge fich in den Texten die
Lehre von einem unmateriellen, hoch erhabenen, mono-
theiftifchen Gotte finden mufste, der vor allem in der
Sonne thätig war. Ein genaueres Studium der Texte
hat Maspero bald von der Unnahbarkeit diefer Anficht
überzeugt, und er begann nunmehr die Infchriften und
Papyri in doppelter Weife zu durchforfchen. Einerfeits
arbeitete er einzelne religiöfe uns erhalten gebliebene
Werke in ihrem Zufammenhange durch, andererfeits
verfolgte er einzelne Lehren durch alle Zeiten und Texte
hindurch. Von erfteren Arbeiten find in dem vorliegenden
Bande die Befprechung des Ritualbuches für die
Todtenopfer, welches mit wenigen Abweichungen auch
beim Tempelopfer im Gebrauche war, und die des log.
Todtenbuches veröffentlicht. Die übrigen Schriften
find wefentlich den Lehren von dem Ka gewidmet,
welches Wort Maspero mit double wiedergiebt, einer
unfterblichen, aber materiell gedachten Nebenform der
menfchlichen Perfönlichkeit, welche mit dem Menfchen
geboren wird, bei Lebzeiten innig mit ihm verbunden
bleibt und nach dem Tode deffen wefentlichfte Er-
fcheinungsform bildet. Die verfchiedenen Auffaffungen
diefer Geftaltung, ihr Zufammenhang mit den Statuen
des Verftorbenen, die Mittel und Wege, welche der
Aegypter einfchlug, um dem Ka auf alle Zeiten Speife
und Trank zu verfchaffen, werden unter Beifügung der
ägyptifchen Belegftellen vorgeführt. Ergänzt werden
diefe vor allen von den Infchriften des Louvre-Mufeums
ausgehenden monographifchen Unterfuchungen durch
Berichte über die von Maspero 1881—6 in Aegypten
veranftalteten Ausgrabungen, welche insbefondere für
den Todtencult reiches Material ergaben.

Im Allgemeinen hat der Herausgeber feinen Arbeiten
ihre urfprüngliche Erfcheinungsform gelaffen, nur
gelegentlich finden fich Zufätze, vor allem dann, wenn