Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1894

Spalte:

187-188

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Breymann, Arnold

Titel/Untertitel:

Adam und Eva in der kunst des christlichen Alterthums 1894

Rezensent:

Dopffel, Hermann

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

l87

188

ferner aus verwandten Zügen, die das Syftem mit dem I zurückgeht, trägt durchweg das Gepräge tüchtiger archäo-
der Barbelo-Gnoftiker (Iren. 1,29) gemein hat. Feftzuhalten i logifcher Schulung. Das Material der vorhandenen Denk-
ift daran — mag auch im Detail manches noch eine mäler wird in lückenlofer Vollftändigkeit und gefchickter
fettere Begründung erheifchen — dafs das zweite Werk Gruppirung aufgeführt. Die Hinzunahme der Buchilluftra-

einen erheblich älteren Eindruck macht als die P.S. einer-

tionen der Wiener Genefis und der Cottonbibel recht-

feits und die beiden erften Abhandlungen andererfeits. fertigt fich hinreichend von dem Gefichtspunkt aus, dafs
Für die Kenntnifs der Entwickelung der rraormol wären i unter der Kunft des chriftlichen Alterthums, unter Ver-
demnach die neu mitgetheilten Schriften von aufser- j zieht auf genauere chronologifche Abgrenzung, ,die chrift-
ordentlicher Wichtigkeit. liehe Kunlt im fpätrömifchen Gewand' verftanden wird.

Auf Einzelheiten einzugehen fehlt hier der Raum; Zudem wirkt diefes weitere Element gegenüber der
ich mufs fchon fo fürchten, dafs meine Anzeige zu lang Monotonie des monumentalen Stoffes als willkommene

gerathen ift. Wenn ich auch in vielen Punkten anderer
Anficht bin, wie der Verf., fo darf ich doch dankbar
bekennen, wie viel werthvolle Anregung aus dem Buche
zu fchöpfen ift. Hoffentlich findet der Verf. noch öfters

Bereicherung und dient wefentlich zur Erweiterung des
Blickes auf die kunftgefchichtliche Entwickelung. Die
Befchreibung zeichnet fich ebenfo durch zuverläffige Genauigkeit
wie durch bündige Beflimmtheit aus. Die einGelegenheit
, feine Kenntnifs der koptifchen Sprache im fchlägige Literatur wird in umfaffender Weife mit felb
Dienfte der Theologie zu verwerthen. Wenn er noch ! Bändigern Urtheil verwerthet, wobei nur einigen mindermehr
lernt, dafs lieh in der Befchränkung erft der Meifter werthigen Producten faft zu viel Aufmerksamkeit gezeigt
, und dafs die glänzendften Hypothefen nicht immer 1 widmet wird. Was die kunftgefchichtliche Seite betrifft,

die beften find, wird er die Sache noch mehr fördern; i fo zeigt der Verf., wie gerade die Adam- und Eva-

darftellungen, die keineswegs blofs für die fepulcralen
Denkmäler in Betracht kommen, befonders deutlich ,die

aber dankbarer Aufnahme darf er dann auch ficher fein.
Steinbach a/Taunus, Oct. 1893. Erwin Preufchen.

tonangebende LIerrfchaft Roms auch im Gebiet der Kunft'

Achelis, Privatdoc.Lic.Dr.Hans, Acta SS. Nerei et Achillei. üluftriren. In ftetig abfteigender Linie (teilt fich der
„ ' . ,, , , „' , t. , Sterbeprocefs der romifch-antiken Kunft dar, denen BeText
und Untersuchung, [Texte u. Unterfuchgn. zur ; obach£ng bei dem vorliegenden Thema wegen der
Gefchichte der altchriftl. Literatur, hrsg. von O. v. Geb- j Behandlung des Nackten befonderes Intereffe bietet. Der
hardt u. A. Harnack, XI. Bd. 2. Hft.] Leipzig, Hinrichs, ' auf dem claffifch-archäologifchen Grenzgebiet wohlbe-
1893. (IV, 70 S. gr. 8.) M. 3. — | wanderte Verf. tritt dafür ein, dafs es fich bei den Dar-
T, . , ., , ~ . . , ,. , A „ i Stellungen der erften Menfchen um eine von der altchriftl.
Das gnechifche Original chefer Acten war 1890 von . Kunft gefchaffene Compofition handle, wobei fich das

Albrecht Wirth herausgegeben worden, der fich feiner
Aufgabe nicht im mindeften gewachfen zeigte (vgl. diefe
Zeitung 1891 Nr. 3). Wie Schlecht er gearbeitet hat, er-
giebt Sich klar aus der vortrefflichen Schrift von Achelis.
Sie bietet zunächst einen forgfältigen Abdruck des Textes,
fodann eine nach reichen Gesichtspunkten gegliederte
Unterfuchung, die Sich vortheilhaft von der wirr und
fchlecht gefchriebenen Einleitung Wirth's abhebt. Vor
Allem ift Achelis demjenigen näher nachgegangen,
was die Acten Intereffantes bieten: den topographifchen
Notizen über römifche Cömeterien und den Auffchlüffen,
die wir über die Verehrung mancher römifcher und mittel-
italifcher Heiligen erhalten. Es ergiebt Sich, dafs die 13
in den Acten erwähnten Märtyrer der Depositio marty-
runt a. 354 noch fämmtlich fremd find, und dafs der
römifche Kalender, der Sich aus dem Martyrologhau
Hieronymianum herausfehälen läfst, nur einen Theil von
ihnen kennt, nämlich Maro, Caefarius, Nereus-Achilleus,
Petronilla, Felicula (bezw. Feliculus), Victorinus (Nico-
medes), wobei Petronilla und Nicomedes vielleicht erft
im Lauf der handfehriftlichen Ueberlieferung in den Kalender
eingedrungen find. Der Verf. der Acten arbeitete
nicht auf Grund diefes Martyrologiums, fondern feine
Quellen find durch eine umfangreiche apokryphe Literatur
dargeftellt. Für mehrere feiner Heiligen hat er be-
fondere locale Traditionen gehabt. Mit de Roffi fetzt
Achelis die Acten in's 5.—6. Jh. Der griechifchen
Sprache wegen zieht er das Zeitalter Juftinian's und
Caffiodorius' vor. Der Verfaffer ein in Rom anfäfliger
Grieche.

Die Knappheit, Ueberfichtlichkeit und Schärfe der
Unterfuchung befonders hervorzuheben, veranlafst uns
der Umftand, dafs neuerdings das Gegentheil bei derartigen
Arbeiten öfter hervortritt.

Giefsen. G. Krüger.

Brey mann, Arnold, Adam und Eva in der Kunst des christlichen
Alterthums. Wolfenbüttel, Zwifsler, 1893. (VIII,
162 S. gr. 8.) M. 2. —

Die Monographie, die auf Anregungen des gegenwärtigen
Vertreters der chriftlichen Archäologie in Berlin

mit der heidnifchen Kunft Gemeinfame auf ,die allgemein
übliche Formenfprache' befchränke. Es bedarf in der
That künftlich ausgefuchter Mittel, um der altchriftl. Kunft
im Verhältnifs zur antiken auch auf dem fachlichen
Gebiet den Charakter völliger Unfelbftändigkeit aufzudrücken
. Die Kritik der bisher aufgehellten Deutungen
ift befonnen. Die Ausfchreitungen der alten Interpretationsweife
werden — freilich nicht zum erften Mal —
zurückgewiefen. Seine eigene Auffaffung der fundamentalen
Scene (des Sündenfalls), in der er die Abficht der
Hinweifung auf den Urfprung des Todes findet, will der
Verf. wenigftens als eine mögliche erweifen. So angenehm
folche Zurückhaltung auf einem Gebiet berührt, auf
dem fchon recht zweifelhafte Exegefen mit grofser Zu-
verficht vorgetragen worden find, fo hätte doch der Verf.
für feine Erklärung einen hohen Grad von Wahrfcheinlich-
keit in Anfpruch nehmen dürfen. Geben doch gerade hier
die Monumente, wenn auch erft die Sarkophage, durch
die fich unzweifelhaft felbft erklärende .Zuweifungsfcene'
einen deutlichen Fingerzeig. — Gegen den Satz S. 86,
dafs auf dem Sarkophag von S. Paolo die zweite Perfon
der Trinität nur vermittelnd erfcheine, ift einzuwenden,
dafs Verleihung des Lebens auch eine fchaffende Thätig-
keit ift. Ift doch auch gleich S. 87 auf einem anderen
Denkmal Chriftus als der Schöpfer bezeichnet. Was S. 89
mit ,Grenzbeftimmung' gemeint ift, ift nicht recht klar. Der
Druck wird entftellt durch ,Guratori'(öfters!) und ,Gacarius'
(S. 122).

Reutlingen. H. Dopffel.

Melzer, Dr. Ernft, Die Augustinische Lehre vom Kausalitätsverhältnis
Gottes zur Welt. Ein Beitrag zur Gefchichte
der patriftifchen Philofophie. [Aus: ,26. Bericht der
Gefellfch. Philomathie in Neifse'.J Neifse, Graveur,
1892. (III, 45 S. gr. 8.) M. —. 50.

Der Verfaffer hat fich fchon feit Jahrzehnten durch
eine Reihe von Abhandlungen aus dem Gebiete der
Gefchichte der Philofophie und der Philofophie der Gefchichte
bekannt gemacht, in denen er einerfeits, was
die perfönlichen Objecte der Betrachtung angeht, ein