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Ausgabe:

1893

Spalte:

87

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Vorbrodt, Gustav

Titel/Untertitel:

Principien der Ethik und Religionsphilosophie Lotzes. 2. (Titel-)Aufl 1893

Rezensent:

Besser, M.

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87

Theologifche Literaturzeitung. 1893. Nr. 3.

SS

(ich zu der vom Verf. angewandten Bezeichnung feines
Verdienftes verhalten. Aber keiner diefer Ausdrücke ift
im Stande, fo fcharf die Linie zu markiren, durch welche
eben die Theologie Ritfchl's und die Theologie feines
Zeitalters von einander gefchieden find, wie die Entgegen-
fetzung des Princips des religiöfen Bewufstfeins und des
Princips der gefchichtlichen Offenbarung. Diefe Formel
bildet einen werthvollen und bleibenden Beitrag zum
Verftändnifs der Dogmatik unferer Zeit, und ich wage
zu hoffen, dafs fie fich auch als Mittel der Verftändigung
in dem theilweife unfruchtbaren dogmatifchen Streit der
Gegenwart bewähren werde, um fo mehr da fie rein
methodifcher Natur ift und fich nicht direct auf den
Lehrinhalt bezieht. — Die vorliegende Schrift fei zum
Zweck der ,Orientirung' aufs wärmfte empfohlen.

Zürich. G. v. Schulthefs-Rechberg.

Vorbrodt, G., Principien der Ethik und Religionsphilosophie
Lotzes. 2. (Titel-) Aufl. Deffau, R. Kahle, (1891) 1892.
(VII, 186 S. gr. 8.) M. 3.-

Obfchon ich die Furcht des Verfaffers nicht theile,
dafs bereits ein Decennium nach Lotze's Hingang der
Immortellenkranz auf feinem Grabe zu welken droht, fchon
einfach deshalb nicht, weil Saft und Kraft Lotze'fchen
Denkens in ,namenlofer' Fülle das philofophifche Denken
der Gegenwart bereichert und durchdrungen hat, fo ift
doch dies Gedenkblatt zum 1. Juli 1891 mit Freuden zu
begrüfsen, da es wiederum bezeugt, wie Lotze im Stande
ift, nicht nur das Intereffe des Denkers, der die Welt in
das Netz feiner Begriffe einfangen möchte, zu feffeln,
fondern auch das Herz deffen zu gewinnen, den es drängt,
den werthvollen Sinn des Weltgetriebes zu deuten. Der
Verf. hat das Bedürfnifs empfunden, die von Lotze felbft
nicht vollendete Ausführung der praktifchen Philofophie
und der Religionsphilofophie in ihren Principien zu geben,
da gerade in diefen Disciplinen Lotze's Philofophie zu
einer einheitsvollen Weltanfchauung abgerundet wird.
Das ift unzweifelhaft ein vielfach empfundenes Bedürfnifs
und die Art, wie es der Verf. zu befriedigen fucht, verdient
Dank, obfchon natürlich die Löfung folcher Aufgabe
nicht mit einem Wurf vollendet werden kann. Jeder,
der Lotze's Bedeutung zu fchätzen weifs für eine Zeit,
wo die ,exacten' Einzelwiffenfchaften die gefammte Weltanfchauung
in ihren dürftigen Horizont einzudämmen
verfuchen, wird gern dem Verf. folgen, wenn er mit
feinem elektrifchen Scheinwerfer in grofsen Querfchnit-
ten den einheitlichen Idealismus Lotze's als das Ferment
aller Einzelerkenntnifs zu beleuchten versteht.

Der Verf. fetzt freilich für das Verftändnifs feines
Buches eine genauere Kenntnifs Lotze's bereits voraus,
um fo mehr als er die Darfteilung und Kritik Lotze'fcher
Gedanken häufig (z. B. S. 50. 51. 155—156) fo eng mit
einander verflicht, dafs es zweifelhaft bleibt, ob die
mit der Darftellung verbundene Kritik Lotze's oder des
Verf's Gedanken ausdrücken foll. Das Gleiche gilt da, wo
der Verf. felbfländig Confequenzen aus Lotze's Prämiffen
zieht, ohne zu markiren, an welcher Grenzlinie feine
eigene Fortfpinnung Lotze'fcher Gedankenreihen beginnt.
Die Darftellungsform ift meid klar und prägnant; es
begegnen jedoch Abfchnitte von merkwürdiger Unklarheit
des Ausdrucks (S. 21 unten u. a. a. O.); fie erinnern
faft an den Stil von ,Rembrandt als Erzieher', den der
Verf. feltfamer Weife mehrmals mit Lotze nach Seiten
des erkenntnifstheoretifchen Untergrundes in Parallele
ftellt.

Dem Buche wünfche ich viele Leier; nicht fowohl
folche, die fich erft in Lotze's Gedankenwelt einführen
laffen wollen, als vielmehr folche, die ihre Einficht in
Lotze's Anfchauung bereichern und ihre Würdigung der-
felben vertiefen möchten.

Salbke bei Wefterhüfen a./Elbe. Beffer.

Bibelkonkordanz, Caiwer, oder vollftändiges biblifches
Wortregifter. Nach der revidierten Lutherüberfetzung.
Herausgegeben vom Calwer Verlagsverein. Calw u.
Stuttgart, Vereinsbuchhandlung, 1893. (IV, 1442 S.
Lex.-8.) M. 6. —; geb. M. 7. —; in Halbfrz. M. 7. 80.

Zu der unlängft erfolgten Vollendung des ,Calwer
Kirchenlexikons' und dem Erfcheinen der ,Württem-
] bergifchen Kirchengefchichte' gefeilt der überaus rührige
Calwer Verlagsverein, das Dreigeftirn theologifcher Jahres-
erfcheinungen vollendend, eine neue Bibelconcordanz.
Dafs das Bedürfnifs einer folchen vorlag, wird unbe-
ftreitbar fein, denn fowohl Lanckifch als Büchner und
Bernhard waren Kinder ihrer Zeit; gerade an der wohl
am meiften gebrauchten Büchner-Heubner'fchen Concor-
danz fchadete der Ueberfichtlichkeit, die man doch in
erfter Linie von einem biblifchen Wortregifter verlangt,
die beigegebene Sacherklärung und die oft nach recht
veralteten Gefichtspunkten vorgenommene fyftematifche
Begriffseintheilung. Ein durchfchlagender Grund aber für
die Nothwendigkeit einer neuen C. liegt in der Vollendung
der Bibelrevifion mit ihren zahllofen. mehr oder weniger
eingreifenden Aenderungen am hergebrachten Luthertext.

Der Calwer Verlagsverein — oder fagen wir beffer,
der Herausgeber des vorliegenden Werkes, Herr Johannes
Ciaaffen in Calw, deffen mühevolle, mehrjährige Arbeit
nur beiläufig in einer Stelle des Vorworts erwähnt wird,
und der es durch diefe edle Befcheidenheit doppelt verdient,
dafs ihm auch namentlich gedankt wird, — hat alfo
ficherlich einen glücklichen Zeitpunkt für die Herausgabe
der C. gewählt und hat die fchwierige Aufgabe mit
grofser Treue gelöft. Das Buch will von vornherein gar
nichts anderes fein als ein ,Biblifches Wortregifter', d. h.
,ein alphabetifches Verzeichnifs aller in der h. Schrift
mit Einfchlufs der Apokryphen vorkommenden Haupt-,
Zeit-, Eigenfchafts-, Zahl- und Umftandswörter, fowie
einiger Für- und Formwörter in bedeutfamen Stellungen';
es will ,die bibl. Wörter nicht fachlich erklären, fondern
nur in überfichtlicher Weife vor Augen führen, fodafs der
Suchende im Stande ift, jedes Wort von irgendwelcher
Bedeutung mit einem Blick durch die ganze h. Schrift
zu verfolgen'. An Vollftändigkeit der angeführten Stellen
wird die C. BC. höchftens von Lanckifch's Riefenconcor-
danz, die ja aber viel unnöthigen Ballaft mit fich führt,
übertroffen, wie fie denn z. B. die doppelte Anzahl
Bibelftellen von Büchner und 300 Seiten mehr als diefer
enthält; an Ueberfichtlichkeit gebührt ihr vor allen vorhandenen
die Krone, woran nicht zum minderten die
vorzügliche Ausstattung: fchön weifses Papier und klarer
Druck, aber wefentlich auch die fcharfe Scheidung der
Capitel- und Verszahlen, überhaupt die ganze Anordnung
das Verdienft hat. Dafs, nach Bernhard's Vorgang, nur
•noch vollständiger als bei diefem, verfchiedene Perfonen
oder Orte desfelben Namens durch kleine Ziffern (z. B.
bei Johannes: I_9) unterfchieden wurden, wird jedermann
als eine dankenswerthe Erleichterung der Ueberfichtlichkeit
empfinden. Eigenthümlich fchien dem Ref. höchftens
die Behandlung der Zahlwörter; wir finden nämlich bei-
fpielsweife unter dem Stichwort dreihundert nicht blofs
diefe Zahl felbft, fondern auch 350, 318, 390, 3300, 1335,
ferner unter dreifsig auch 130, 930, 430, 33 und wiederum
1335, unter Dreitaufend wieder 3300 u. f. f. Durch diefe
Citationsweife ift der Herausgeber genöthigt, jede gröfsere
Zahl an verfchiedenen Orten zu bringen, alfo z. B. die
Zahl 4576 unter: viertaufend, fünfhundert, und fiebzig.
Es würde fich fragen, ob, wenn überhaupt die Zahlwörter
mit aufgenommen werden follen, es nicht das einfachtte
wäre, diefelben nach Schlufs des Alphabets genau in
die Reihenfolge der Cardinalzahlen aufzuführen.

Noch eine Bemerkung, welche fich auf das Verhält-
nifs der revidirten zur alten Luthcrbibel bezieht, möge
angefügt fein. Die Vorrede giebt an, dafs in allen den
Fällen, wo in der revidirten Ueberfetzung ein Wort