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Ausgabe:

1893

Spalte:

65-67

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lehmann, C. F.

Titel/Untertitel:

Samassumukîn, König von Babylonien 668 - 648 v. Chr. Inschriftliches Material über den Beginn seiner Regierung. Großentheils zum ersten Male hrsg., übersetzt und erläutert 1893

Rezensent:

Jensen, Peter

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint pre;s
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 3. 4- Februar 1893. 18. Jahrgang.

Lehmann, Samaääumultin König von Babylo-

nien (Jenfen).
Cornill, Einleitung in das Alte Teftament,

2. Aufl. (Siegfried).
Baentfch, Das Bundesbuch Ex. XX, 22—

XXIII, 33 (Siegfried).
Bevan, A short commentary on the book of

Daniel (Siegfried).
Blake, How to read the prophets P. I (Guthe).
Darmesteter, Les prophetes d'Israel (Horftj.
Lods, Le Livre d'H£noch, Eragments grecs

(Schürer).

Dill mann, Ueber den neugefundenen griechi-
fchen Text des Henoch-Buches (Derf.).

Krumbacher, Studien zu den Legenden des
h. Theodofios (Dräfeke).

Thomas, Theodor von Studion und fein Zeitalter
(Dräfeke).

Litteraturdenkmäler, lateinifche, des XV. u. XVI.
Jahrhunderts, 5. u. 6. Heft (Kawerau).

Luther's Werke für das chriftliche Haus, 8. Bd.
(Boffert).

Kattenbufch, Von Schleiermacher zu Ritfehl

(v. Schulthefs-Rechberg).
Vorbrodt, Principien der Ethik und Religions-

philofophie Lotzes (Beffer).
Bibelkonkordanz, Calwer, hrsg. vom Calwer

Verlagsverein (Mofapp).

Seydel, Bayerifches Kirchen-Staatsrecht (Koeh-
ler).

Schlaraffia politica (Koehler).
Göler, An einem gefchichtlichen Wendepunkt
(f'ricke).

Lehmann, C. F., Samassumukin, König von Babylonien 668 I Annahme einer Sprachmifchung in Babylonien von den

—648 v. Chr. Infchriftliches Material über den Beginn
feiner Regierung. Grofsentheils zum erften Male hrsg.,
überfetzt und erläutert. [Affyriolog. Bibliothek 8. Bd.]
Leipzig, Hinrichs, 1892. (XIV, 173 u. 118S. m. 47 autogr.
u. 1 Lichtdr.-Taf. gr. 4.) M. 40.—

Diefes Werk hat namentlich wegen des 4. Capitels
feines erften Theils, in welchem der Verfaffer eine feit
langem dringend nothwendige erneute Unterfuchung über
die ,fumerifche Frage' liefert, auch für weitere, insbe-
fondere theologische Kreife, Intereffe, jetzt vielleicht
mehr als je, da fich immer mehr ein aufserordentlich
grofser Einflufs der Cultur Affyriens und Babyloniens
auf den ganzen vorderen Orient nicht nur, fondern mittelbar
auch auf den Occident erkennen läfst, und je mehr
andererfeits der gröfste Theil der Affyriologen und der
Gefchichtsforfcher, die mit der Affyriologie vertraut find,
nachweifen zu können glaubt, dafs die affyrifch-baby-
lonifche Cultur ftatt auf die femitifchen Babylonier vielmehr
zunächft (und vielleicht in letzter Linie) auf ein in
Babylonien einft anfäffiges und fpäter mit den femitifchen
Babyloniern verfchmolzenes, gemeiniglich das der Sumerer
genanntes Volk zurückzufuhren ift. Aus dem Widerfpruch
Halevy's, welcher die Annahme von Sumerern, einer
fumerifchen Sprache und einer fumerifchen Cultur für
überflüflig und unbegründet hält, entfprang die ,fumerifche
Frage', ein Kampf um Sein und Nichtfein. Pur jeden Unvoreingenommenen
genügen noch heute die Darlegungen
Schrader's in der ,Zeitfchrift der Deutfchen Morgenlän-
difchen Gefellfchaft' Bd. XXIX unter dem Titel: ,Ift das
Akkadifche der Keilinfchriften eine Sprache oder eine
Schrift' und in d. Abhh. d. K. Preufs. Ak. d. W. zu B. 1883
unter dem Titel: ,Zur Frage nach dem Urfprung der
altbabylonifchen Cultur' im Grofsen und Ganzen als Wehr
und Waffe gegen Halevy. Aber feit jener Zeit hatte
fich das Material fehr vergröfsert, waren manche Argumentationen
gegenftandslos geworden und wiederum andere
, fcheinbar ftichhaltige hinzugekommen, fo dafs es fehr
zeitgemäfs erfcheinen mufste, eine neue Sichtung des
Stoffs vorzunehmen. Diefer Aufgabe hat fich Lehmann
unterzogen. Er behandelt feinen Gegenftand unter folgenden
Gelichtspunkten I) Widerlegung der gegen die
Exiftenz des Sumerifchen ins Feld geführten allgemeinen
Gründe. 1) Ift die Annahme der Exiftenz eines nicht

Antifumeriern in's Feld geführt? II) Das Sumerifche
keine babylonifch-femitifche Allographie. 1) Schriftlehre
und Wortfehatz. 2) (Zur) Lautlehre. 3) Zum Sprachbau.
Obwohl dies Capitel allerlei wichtiges Material vermiffen
läfst, auch von'dem dort Vorgelegten gar Manches zu modi-
ficiren wäre, fo mufs doch betont werden, dafs Lehmann
die Frage mit Gefchick behandelt hat. Denjenigen, die
mit der Sache vertraut find (derer giebt es aber nur fehr
wenige) fagt er nicht viel Neues, wie das indefs im Plane
diefes Abfchnittes lag, der fich ausdrücklich an weitere
Kreife wendet, aber dem weniger damit Bekannten
bringt er Material genug, um ihm ein felbftändiges Ur-
theil zu ermöglichen. Wenn ich auf der einen Seite
glaube, dafs Lehmann manchmal in feinen Schlüffen zu
weit geht, zu viel fieht, wo noch Nichts zu fehen ift,
fo, wenn er an der Hand des doch sehr dürftigen Rohmaterials
glaubt, tiefe Blicke in die fumerifche Lautlehre
th un zu können (doch liehe p. 152 Abfatz 2 in Th. I des
Buches), fo müfste ich auf der anderen Seite auf allerlei
Wichtiges,hinweifen, das Lehmann in diefem Abfchnitt
klar gelegt hat, vor Allem auf das, was er z. Th. im An-
fchlufs an Oppert über Sumer und Akkad fagt. Auch
hier freilich weichen meine Anflehten von denen Leh-
mann's im Einzelnen vielfach ab. Aber zugeben mufs
ich, dafs Lehmann mit Recht hervorhebt, dafs wir nur
von einer fumerifchen nichtfemitifchen Sprache reden
dürfen, dafs dagegen die akkadifche Sprache nichts Anderes
als die femitifch-babylonifche ift. Referent hatte
dies unbhängig von Lehmann aus Texten entnommen,
die diefem nicht bekannt fein konnten. Die Anflehten
der 2 Hauptantifumeriften, von denen der Eine, HaleVy,
unter Verkennung und Ignorirung einer Fülle wider-
fprechender Erfcheinungen in dem Sumerifchen nur eine
andere Schrift für's Affyrifch-Babylonifche, der Andere,
Delitzfch, confequent genug eine Kunftfprache zu erkennen
glaubt, widerlegt Lehmann mit Gründen, die in
der Hauptfache fchlagend find. Das war allerdings nicht
allzufchwer. Denn wirklich beweiskräftige Gründe haben
die Antifumeriften bisher für ihre Anficht nicht vorgebracht
. Aber immerhin erforderte die Aufgabe Scharf-
finn, Objectivität und eine Ueberficht über die Sachlage
wie bis zu einem gewiffen Grade eine Kenntnifs des Details.
Und das Alles zeigt Lehmann. Wenn der Laie oder Gelehrte
nicht mit Halevy zu den unglaublichften Aus-

femitifchen Volks- und Sprachelements (in Babylonien) flüchten und undenkbarften Hinterthüren feine Zuflucht
an fich unmöglich? 2) Sind ftichhaltige pofitive Gegen- nehmen, wenn er nicht dem Zufall eine fchier ungeheuergründe
gegen die (an lieh als nicht unmöglich erwiefene) liehe Rolle zuweifen will, dann mufs er zugeftehen, dafs
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