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1893 Nr. 24

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604

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(ohne Kategorisierung)

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Eine Handschrift (saec XI.) einer alten lateinischen Uebersetzung des 1. Clemensbriefes 1893

Rezensent:

Harnack, Adolf

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6o3

Theologifche Literaturzeitung. 1893. Nr. 24.

604

reiche Ausbeute gewährende Werk von J. N. Forkel: Allgemeine
Gefchichte der Mufik 1788—1801 und das jüngft
erfchienene Werk von Fh. Wolfrum: Die Entftehung und
erfte Entwickelung des deutfchen evangelifchen Kirchenliedes
in mufikalifcher Beziehung 1890, deffen Benutzung
auch im dritten Abfchnitt vermifst wird, unbekannt geblieben
zu fein; allzu eng fchliefst der Verf. fich an die
zwar verdienftliche, aber auch recht unkritifche Gefchichte
des Kirchenliedes von E. E. Koch an. In literarifcher
Beziehung würde: R. Wolkan: Das deutfche Kirchenlied
der Böhmifchen Brüder im 16. Jahrh. 1891 manchen
Fingerzeig gegeben haben. An Einzelheiten bemerke ich,
dafs S. 17, 3 v. u. ein Name ausgefallen ift; 22, 12 ift
M. Weifse ftatt Weifs (richtig S. 49) zu lefen; 27, 9 findet
fich der öfter begegnende Irrthum, dafs unter ,Neumen'
(richtig 24, 6 als Notenfchrift erklärt) dasfelbe zu verliehen
fei, wie unter der Bezeichnung Jubiii und Landes.

Im dritten Abfchnitt folgt der Herr Verf. aufser dem
angeführten Werke von E. E. Koch oft bis aufs Wort
den Darlegungen, welche Th. Harnack im erften Bande
feiner Praktifchen Theologie über das evangelifche Kirchenlied
gegeben hat. Wie Harnack theilt auch Wirth
das evangelifche Kirchenlied in drei Perioden ab, deren
erfte von 1517—1680 verlaufen foll, deren zweite von
1680—1817 fo völlig heterogene Dinge wie die Lieder
des Pietismus, der Brüdergemeinde, die von Geliert und
Klopflock und ihren Schulen, und die der Aufklärung
umfafst, während die dritte Periode das religiöfe Lied
der Neuzeit behandelt. Auch die doch recht anfechtbaren
Urtheile, wie wir fie S. 60. 67. 70 finden, find dem Werke
von Harnack entlehnt. S. 67 ift leider Luife Henriette
noch als Kirchenliederdichterin aufgeführt. S. 73 ift
Laurenti ftatt Laurentii zu lefen; J. J. Rambach wird
ohne weiteres den jungen Hallenfern, J. A. Rothe den
Oberlaufitzer Pietiften zugezählt, S. 74 wird G. W. Leibniz

von der Mitfreude Verfehlungen wird. Allerdings wenn
der Herr Verfaffer in demfelben Tempo fortfahren und
auch nur die etwa 250 Nummern des eifernen Beftandes
unferer Gefangbücher — und weniger kann er doch ,den
evangelifchen Liederfchatz' nicht enthalten laffen — durchnehmen
will, fo wird die Anzahl feiner Bände ftattlich
werden. Doch das find curaeposteriores! Freuen wir uns
an dem, was da ift, und danken wir dem Herrn Verfaffer
für feine reiche Gabe.

Marburg. E. Chr. A che Iis.

Eine Handschrift (saec. XI.) einer alten lateinischen
Uebersetzung des I. Clemensbriefes.

Die Lefer diefer Zeitung find durch die Bibliographie
Col. 582 darauf aufmerkfam gemacht worden, dafs eine
alte lateinifche Ueberfetzung des I. Clemensbriefes entdeckt
worden ift. Bei dem Intereffe, welches diefer Fund
hat, fei die betreffende Notiz mitgetheilt:

Revue Benedictine 1893 Nr. 9 p. 403 theilt Herr
G. Morin mit: ,Ceux qui s'interessent aux antiquitös
ecclesiastiques apprendront avec plaisir qu'on vient de
retrouver dans un ms. provenant de l'abbaye benedictine
de Florennes, dans la province Namur, une traduetion
latine de la premiere lettre de St. Clement aux Corin-
thiens. Le codex semble avoir ete" ecrit dans la premiere
moitie du XI. siecle, et peut ainsi remonter aux origines
memes de l'abbaye. Quant ä la version qu'il contient,
eile parait de beaueoup anterieure ä cette epoque, et se
rapproche sensiblement, par les particularites du style,
des anciennes traduetions latines du texte biblique ante-
rieures ä la Vulgate. Elle semble devoir eure d'un grand
secours pour preciser le sens qu'on a attache ä l'origine
ä certaines expressions dont la portee doctrinale a donne
den Bahnbrechern der Aufklärung, S. 76 M. Claudius ^ ^cemment encore a des discussions interessantes.
Am nwftiOh™ DirWrn KeicrpMlT S U ift KWrhm. Ce precieux document, dans un etat parfait d integnte,

den myftifchen Dichtern beigefeilt. S. 73 ift Kirchen-
und Ketzerhiftorie (Sing.) zu lefen, und Zeile 3 v. u. ift
,fo dafs' ftatt ,damit' zu fetzen.

In dem vierten Abfchnitt vermifst der Lefer grund-
fätzliche Erörterungen über denUnterfchied des religiöfen
Liedes vom Kirchenlied, über die Statthaftigkeit der Textveränderungen
, eventuell über die dabei zu verfolgenden
Grundfätze u. dergl. mehr. S. 83 gehört die Notiz in
Anm. 2: ,R. E. VIT zu Anm. i; zu S. 84 ift zu bemerken,
dafs das Jahr 1524 zwei Erfurter Enchiridien gebracht
hat; zu S. 86, dafs bereits im Anfang des 17. Jahrh.
Landgraf Moritz der Gelehrte in Heften ein Gemeindegefangbuch
einführte. Die Ausführungen S. 91—97 hätten
wohl ohne Schaden fehlen können. Endlich ift zu S. 91
und 117 die Bemerkung zu beanftanden, dafs wahrfchein-
lich Luther der Verfaffer des Liedes fei: ,Mag ich Unglück
nit widerftahn'.

Sehr werthvolle Mittheilungen über den Strophenbau
der Kirchenlieder, die auch der Hymnologe von Fach mit
Freude und Nutzen lefen wird, enthält der fünfte Abfchnitt.

Damit ift der Weg der Vorbereitung zurückgelegt,
und es beginnt des Herrn Verfaffers eigentliche Aufgabe
. Nach einer Aufzählung von Luther's Liedern, in
der auch die zwölf Hymnen, die Luther bearbeitet hat, im
lateinifchen Urtext mitgetheilt werden, und einem kurzen
biographifchen Abrifs werden die genannten drei Lieder:

et demeure, on ne sait comment, si longtemps dans
l'oubli, sera prochainement l'objet d'une publication
soignee, et formera le I. fasc. du tome II. des ,Anecdota
Maredsolana'. A. Harnack.

Bibliographie

von Bibliothekar Dr. Johannes Müller.

Berlin W., Opernplatz, Königl. Bibliothek.

iDeutfcbe Literatur.

Sammlung theologifcher u. fozialer Reden u. Abhandlungen. Unter Red.

v. Weber-M.-Gladbach. V.Serie, i.u. 3. Hft. Leipz., Wallmann, 1893.

(gr. 8.) n. —. 70

Inhalt: i. Die Bibel u. die evangelifche Kirche in ihrem Verhältnis zur
fozialen Frage u. Die chriftlich - fozialen Reformbeftrebungen in England.
3 Auffätze v. J. Werner. (18 S.) —. 30. — 3. Die heilige Taufo im Lichte
des göttlichen Wortes u. der Gegenwart. Von Dienemann. Vortrag. (S.

. 33—69). —. 4°-

Delitzich u. v. Hofmann, theologifche Briefe. Hrsg., bevorwortet u.
m. Regiftern verfehen v. W. Volck. 2. Ausg. Leipz., Hinrichs,
1893. (XIV, 233 S. gr. 8.) Geb. 3. —

Runze, G., Studien zur vergleichenden Religionswiffenfchaft. II. Berlin,
Gaertner, 1893. (gr- 8.) 5. —

Inhalt: Unfterblichkeit u. Auferftehung. I. Tl.: Die Pfychologie des Unfterb-
lichlceitsglaubens u. der Unfterblichkeitsleugnung. (IX, 224 S.)
Bohnenberger, K., Der altindifche Gott Varuna nach den Liedern des
Rgveda. Eine religionsgefchichtl. Unterfuchung. Tüb., Laupp, 1893.
(IV, 127 S. gr. 8.) 3. -

Handwörterbuch, biblifches, illuftriert. (Calwer Bibellexikon.) Red. v.

un&ayuu^»*^*™^ " A11T * P- Zeller- *• Aufl. Calw u. Stuttg., Vereinsbuchh., ,893. (992 S. m.

,Aus tiefer Not, Ein fefte Burg, Wir glauben All' einer farb. Biid, 3 Karten u. 537 Illuftr Lex.-8.) 8. -

reichen Erklärung unterzogen. Welch eine Sorgfamkeit,
welch innige Verfenkung in Geift und Ausdruck der
Lieder. Wort für Wort, oft zurückgehend in etymolo
gifche Fernen, werden fie durchgenommen, aus bibli

Kinzler, A., Die biblifchen Altertümer. Hrsg. vom Calwer Verlagsverein.
7. Aufl. Calw u. Stuttg., Vereinsbuchh., 1893. (XII, 5G4 S. m.
86 Abbildgn. 12.) 2. —

Petran. J., Hat der evangelifche Chrift v. der kritifchen Behandlung der
Bibel etwas zu fürchten? Ein Wort zur Verftändigg. Braunfchw.,

fchen Parallelen wird Sinn und Tragweite der einzelnen Schwetfchke & s., 1893. (71 S. gr. 8.) 1.

Worte erklärt, Erzählungen von der bewiefenen Kraft und 1 König, E., Altteftamentliche Kritik u. Chriflenglaube. Ein Wort zum

Wirkung der Lieder werden mitgetheilt, und das Alles ! Frieden. Bonn, Weber, 1893. (89 S. gr. 8.) 2. —

mit fo warmem Herzen, mit folcher Freude an der Sache, j Buh(8'6s' Gefchichte der Edomiter. Progr. Leipz., Edelmann, 1893.

dafs dem Lefer der mitunter auffteigende Gedanke, das j Bachmann,j, Praeparation u. Commentar zur Genefis. 4. Hft.: Capp°

Werk fei doch gar zu weitfehweifig angelegt, ftets wieder 1 34—44. Berk, Mayer & Müller, 1893. (niu. S. 151—198. gr.8.) —.80