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Ausgabe:

1893

Spalte:

38-39

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Halfmann, Herm.

Titel/Untertitel:

Beiträge zur Syntax der hebräischen Sprache. 2. Stück 1893

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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Annahme von James (S. 53—58), dafs das apokalyptische
Stück, welches Lagarde aus dem Syrifchen in's Grie-
chifche überfetzt und in den Reliquiae juris ecclesiastici
graece (1856) /. 80 sqq. mitgetheilt hat, ein Niederfchlag
tles verlorenen Theiles der Petrus-Apokalypfe fei. Ueber
diefen verlorenen Theil wiffen wir fo wenig, dafs jene
Vermuthung völlig in der Luft fchwebt. Vgl. gegen
James auch.Harnack S. 49. Beachtenswerth find befonders
die Parallelen in der Gefchichte des Barlaam und Jofaphat
(James S. 58—60, Harnack S. 49), allenfalls auch in den
Acten der Perpetua und Felicitas [Vifion des _Saturus]
(James S. 6of.) und in Hippolyts Schrift jieqi tov scavxbq
(James S. 67—69, Harnack S. 70). Anderes, was James
herbeizieht, ift zu allgemeiner Art, um auch nur zu
einem Wahrfcheinlichkeits-Schlufs zu berechtigen. Die
apokalyptifchen Bilder find fo fehr das Gemeingut weiter
Kreife gewefen, dafs man mit der Behauptung literarifcher
Abhängigkeit fehr vorfichtig fein mufs.

Nähere Unterfuchung verdient noch das Verhältnifs
unterer Apokalypfe zum zweiten Petrusbrief. Starke
Berührungen zwifchen beiden liegen unverkennbar vor
(f. James S. 52h Harnack S. 54h). Darf eine literarifche
AbhäncDkeit der einen Schrift von der anderen angenommen
werden? Und auf welcher Seite liegt die Priorität
, wenn jene Frage zu bejahen ift?

Da uns aufser dem jetzt gefundenen Stück auch noch
ein paar kleinere Fragmente erhalten find, fo fühlt man
fich zu dem Verfuch einer Reconftruction des Ganzen
gereizt. Die kleinen Fragmente handeln vom Weltgericht
und dem Untergang Himmels und der Erde. Unfer
grofses Stück beginnt mit dem Schlufs einer apokalyptifchen
Rede Chrifti an die Jünger, in welchem es
heifst, dafs Gott zu den Gläubigen kommen und die
Uottlofen richten wird. Darauf folgen dann die beiden
Vifionen, welche den Hauptinhalt unferes Stückes ausmachen
. Chriftus zeigt den Jüngern (oder dem Petrus
allein) — und zwar noch während feines Erdenlebens —
im Geficht die Seligkeit der vollendeten Gerechten und
das Gefchick der Sünder am Ort der Strafe. Es liegt
nahe, die kleinen Fragmente als Bruchftücke der vorangehenden
apokalyptifchen Rede anzufehen (fo Lods S.
35). Dem fcheint mir jedoch entgegenzuftehen, dafs vom
Weltgericht und Weltuntergang nicht die Rede gewefen
fein kann vor dem ,Kommen Gottes zu den Gläubigen'.
Die Anlage ift alfo doch wohl etwas mannigfaltiger gewefen
. Auch ift zu beachten, dafs die Seligkeit und die
Höllenftrafen, welche in den Vifionen gefchildert werden,
das Weltgericht nicht zur Vorausfetzung haben. Es wird
vielmehr, wie im Gleichnifs vom reichen Mann und armen
Lazarus (Luc. 16), vorausgefetzt, dafs die Verftorbencn
fofort an den Ort der Seligkeit und der Qual kommen
(vgl. Lods S. 37).

Hinfichtlich der Textkritik gilt dasfelbe wie beim
Evangelium Petri. Eine glückliche Conjectur, welche Lods
allein und mit einem fchüchternen Fragezeichen giebt,
ift mir von meinem Collegen von Schubert fchon vor
Erfcheinen von Lods' Schrift mitgetheilt worden. Beide
fchlagen vor, in § 20 ovxog eöxiv 6 xoscoq xcov agyiQmv
vficöv xcov dixcdcov ävfrQcostcov ftatt des fehlerhaften aQ%&-
qcov nicht clgyiegtcov zu lefen, fondern agyrrycöv. Ich
zweifle nicht, dafs dies das Richtige ift.

Kiel. E. Schürer.

In v. 6 des Petrusev. habe ich das von Harris richtig ermittelte
,avownev' durch ,fchleifen' überfetzt. Die Bedeutung ,verhöhnen', welche
dem Compofitum diaoipciv, das Juftin bietet, zukommt, ift bisher m. W.
für das Simplex nicht belegt. Dennoch ift es mir wahrfcheinlich, dafs
hier fo zu überfetzen ift; denn 1) Matth. 27, 29. 30, Marc. 15, 20 (die
Parallelftellen) bieten ivinai^uv = ,fie verfpotteten', 2) der Zufammen-
hang ift nur dann ftraff, wenn im Petrusev. fo überfetzt wird; denn nun
enthält v. 6 die Aufforderung, die v. 7—9 ausgeführt wird, 3) das von
Juftin, der unfer Ev. hier benutzt hat, gebotene öittOVQtiv beweift, dafs
er ovostr in übertragenem Sinn (wie unfer ,zerren') verftanden, aber
durch das deutlichere StaavQfiv erfetzt hat. A. Harnack.

Seffer's, Dr. G. H., Elementarbuch de. hebräischen Sprache.

Eine Grammatik für Anfänger. Mit eingefchalteten
fyftematifch geordneten Ueberfetzungs- und anderen
Uebungsftücken, einem Anhange von zufammen-
hängenden Lefeftücken und den nötigen Wort-, Stellen-
u. Sachregiftern. Zunächft zum Gebrauch auf Gym-
nafien. 9. Aufl., mit Benutzung der von Dr. F. Sebald
beforgten 8. Auflage völlig neu bearb. v. G. R. Hau-
fchild. Leipzig, Brandftetter, 1892. (XXXIV, 431 S.
gr. 8.) M. 4.50.

Von den vielen hebräifchen Sprachlehren, die in der
Welt herumlaufen, hat es die Seffer'fche auf neun Auflagen
gebracht. Sie hat das wahrlich nicht verdient.
Indeffen mufs man dem Verfaffer der vorliegenden ,völlig
neu bearbeiteten' Auflage nachfagen, dafs er im Grofsen
und Ganzen mit Verftändnis gearbeitet hat, und dafs das
Buch wegen feiner breiten Redeweife und des geringen
Auffaffungsvermögens, das es bei den Lefern vorauszu-
fetzen fcheint, vielen Autodidakten gute Dienfte leiften
wird. Im einzelnen ift an dem Buche viel auszufetzen,
und wenn ich Zeit und Luft hätte, könnte ich wohi
zu jedem Paragraphen eine Correctur geben. Deshalb
nur einiges. So wenig etwas darauf ankommt, dafs ein
folches Buch auf dem Standpunkt der Sprachwiffenfchaft
fleht, fo follten deren Ergebnifse doch da aufgegriffen
werden, wo durch ihre Verwendung eine entfchiedene Erleichterung
des Verftändnifses herbeigeführt wird. Dies
ift namentlich in den § 64. 65. 72 zu vermiffen, welche
die fogenannten Verba l"Jz u. rf'b behandeln. Der Verfaffer
kann fich hier nicht von der antiquirten Betrachtungsweife
losmachen, nach der die Sprache aus Buchftaben,
nicht, wie es die Wahrheit ift, aus Lauten befteht. Deshalb
ift es ihm nicht klar geworden, dafs es fich hier um
mittelvocalige (O) und hintenvocalige Wurzeln handelt,
deren Theorie Stade nach dem Vorgange des unvergefs-
lichen Auguft Müller mit grofser Klarheit vorgetragen
hat. Der Ausdruck in den Paragraphen ift nicht feiten
fchwerfällig, die Transfcription wunderlich, z. B. die
Wiedergabe von X durch 'h. Die Auswahl der Uebungs-
ftücke zeugt von Gefchmack; neben diefen find die zufam-
menhängenden Lefeftücke überflüffig, da wir ja die Bibel
haben, und jedes hebr. Lexikon auf der Stufe eines Specialwörterbuches
fleht. Die Aufnahme eines Textes aus dem
neuen Teftamente, jedenfalls nach der Ueberfetzung
Franz Delitzfch's, ift ein methodifcher Fehler. Ob mit
dem Abdruck der Vorreden zu fämmtlichen 8 vorangegangenen
Auflagen ein pädagogifcher Zweck erreicht
werden foll, weifs ich nicht. S. VII feiner eigenen fieben-
feitigen Vorrede fpricht der Herausgeber von den ,zum
Theil doch fchon recht ausgefahrenen Geleifen des
Ewald'fchen Syftems'. Das kommt ihm nicht zu, auch
wenn er fachlich im Rechte wäre.

Strafsburg i. Elf. Friedrich Schwally.

Half mann, Dr. Herrn., Beiträge zur Syntax der hebräischen
Sprache. 2. Stück. Wittenberg, (Wunfehmann), 1892.
(VII, 25 S. 4.) M. 2.—

Jeder Kenner des Hebräifchen weifs, dafs das fog.
Niphal ein Reflexivftamm ift, der dann auch zur Bezeichnung
des Paffivums gebraucht worden ift. Darnach
verlieht es fich von felbft, dafs die reflexive Bedeutung
diefes Verbalftamms immer mehr erlöfchen mufste. Der
Verfaffer der vorliegenden Abhandlung fucht nun für
diefe Thatfache den mathematifchen Beweis zu erbringen
. Von diefem hat er vorläufig ein Verzeichnifs
fämmtlicher Niphalformen geliefert, beftimmt, ob im einzelnen
Fall reflexiver oder paffiver Sinn vorliegt, und die
Beifpiele einzelnen Sprachperioden zugewiefen. Die
eigentliche Verarbeitung diefer Materialienfammlung

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