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Ausgabe:

1893

Spalte:

33-37

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Harnack, Adolf

Titel/Untertitel:

Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus (Texte und Untersuchungen zur Gesch. der altchristl. Literatur, hrsg. von Gebhardt und harnack, 9. Bd. Heft 2) 1893

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnaek, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 2. 2i- Januar 1893. 18. Jahrgang.

Robinson and James, The Gospel according

to Peter and the Revelation of Peter (Schürer).
Lods, Evangelii secundum Petrum et Petri

apocalypseos qnae supersunt (Derf.).
Harnaek, Bruchftücke des Evangeliums und

der Apokalypfe des Petrus (Derf.).
S effer's Elementarbuch der hebräifchen Sprache,

9. Aufl. (Schwally).
Halfmann, Beiträge zur Syntax der hebräifchen

Sprache, 2. Stück (Schwally).

Iffel, Die Lehre vom Reiche Gottes im N. T. i Thomae Kempensis de imitatione libri IV ed.
(Gunkel). Hirsche, ed. II (K. Müller).

Schmoller, Die Lehre vom Reiche Gottes in

den Schriften des N. T. (Derf.).
Wei f s, DiePredigtJefu vom Reiche Gottes(Derf.).
Acta martyrum et sanetorum, syriace ed. Bedjan,

3 voll. Zweiter Artikel (Neftle).
Mirbt, Die Wahl Gregors VII (K. Müller).
Befs, Zur Gefchichte des Konftanzer Konzils

(K. Müller).

Hauser, Krancois de la Noue (Schott).
Rabaut, Ses lettres a Antoine Court (Schott).
Rabaut, Ses lettres ä divers (Derf.).
Souvenir du troisieme centenaire de l'erglise

wallone de la Haye (Schott).
Kauffmann, Juftinus Heinrich Knecht (Küftlin).
Blech, Pfarramtsideal (Köftlin).

Robinson, J. Armitage, B. D., and James, Mont. Rhodes,

M. A., The Gospel according to Peter and the Revelation

of Peter. Two Lectures on the newly recovered frag-

ments together with the greek texts. London, Clay

and Sons, 1892. (96 S. 8.) 2 sh. 6.
Lods, Adolphe, Evangelii secundum Petrum et Petri apocalypseos
quae supersunt ad fidem codicis in Aegypto

nuperinventi edidit cum latina versione et dissertatione

critica. Paris, Leroux, 1892. (61 S. gr. 8.)

Harnaek, Adolf, Bruchstücke des Evangeliums und der
Apokalypse des Petrus (Texte und Unterfuchungen zur
Gefch. der altchriftl. Literatur, hrsg. von Gebhardt

und Harnaek, IX. Bd. Heft 2). Leipzig, Hinnchs, 1893. /xa&iöav avxcv ixL^xalHögav xolGsrnq Xtynvrfg- ötxalojg

manchen Stellen, an welchen es von unteren kanonifchen
Evangelien abweicht, einen Text giebt, deffen Spuren wir
auch fonft begegnen, namentlich bei Juftin und in der
fyrifchen Didaskalia Apoftolorum. In der Auffindung
diefer Spuren find Lods und Harnaek, theilweife auch
Robinfon, unabhängig von einander zufammengetroffen.
Ein werthvoller Führer war hiebei die reiche Materialien-
Sammlung in Refch's Agrapha. Ueber Juftin f. Robinfon
S. 18, Lods S. 12—13, Harnaek S. 37—40. Er berichtet
Apol. I, 35, dafs man bei der Verf'pottung Jefum auf
ein ßijua gefetzt und ihm zugerufen habe: ,Richte uns'
(xal yäg . . . öiaGvpovxsq avxov txa&iöav sxl ßi'uaxoq
xal eItcov KqIvov i[Hv). Eben dies fteht aber in unterem
Ev. Petri Vers 7 (nach der von Harnaek ausgeführten

(II, 78 S. gr. 8.) M. 2

Die wichtigen Funde, über welche wir im vorigen
Jahrg. Nr. 25 berichten konnten, haben, wie zu erwarten,
bei den evangelifchen Theologen Englands, Frankreichs
und Deutfchlands das lebhaftefte Intereffe erregt und
einen Wettbewerb hervorgerufen um die möglichft baldige
und allfeitige Deutung und Verwerthung der be-
deutfamen Urkunden. Bald nach Harnack's erfter Ausgabe
und Befprechung in den Sitzungsberichten der Berliner
Akademie der Wiffenfchaften (f. Nr. 25 des vorigen
Jahrgangs) erfchien die obengenannte Monographie von
Robinfon und James. In den letzten Tagen des ver-
fioffenen Jahres folgten die Ausgabe von Lods und die
erweiterte und bereicherte von Harnaek. Alle hier
Genannten behandeln nur die Fragmente der beiden
pfeudo-petrinifchen Schriften; alle mit berichtigtem Abdruck
der Texte. Das viel umfangreichere Fragment des
Buches Henoch ift inzwischen auch von Lods und von
Dillmann genauer unterfucht worden, worüber wir
demnächft ebenfalls berichten werden.

Die Arbeiten von Lods und Harnaek haben besonders
dem Evangelien-Fragment ihre Aufmerkfamkeit
zugewandt; in der englifchen Publication nehmen die
reichhaltigen Parallelen, welche James zu dem Apoka-
lypfen-Fragment beibringt, den gröfseren Raum ein.
Alle bisherigen Bearbeiter betrachten es als Scher, dafs
uns in den neuen Funden Bruchftücke des alten Petrus-
Evangeliums und der alten Petrus-Apokalypfe gefchenkt
feien, deren Entftehung in's zweite Jahrhundert n. Chr.
fällt. Dies wird in der That keinem Zweifel mehr unterliegen
.

Die Unterfuchungen über das Evangelium Petri

xqIvs, ßaoiXsv xov IagarjX. Auch Juftin's öiaovoovxEq hat
hier feine Parallele; denn in dem unmittelbar vorhergehenden
Satz svom/iEV xov vlov xov &eov Egovaiav
avxov loyryxöxEq ift ftatt des erften Wortes höchft wahrscheinlich
zu lefen gvqojuev oder geradezu diaovQojfisr*.
Die kanonifchen Evangelien haben nichts von alledem;
höchftens kann man bei Joh. 19, 13 daran denken,
txad ioev tranfitiv zu nehmen und auf Jefum zu beziehen
(Robinfon S. 18, Harnaek S. 57). Aber auch dann bleibt
die Parallele eine fehr fchwache. An einer anderen
Stelle, wo Juftin von der Verloofung der Kleider fpricht
(Dia/, c. Tryp/i. c. 97), gebraucht er den feltenen Ausdruck
Xayfiöq, der fich nicht in unferen kanonifchen
Evangelien findet, wohl aber Ev. Petri Vers 12. Auf
Grund diefer und einiger andern Beobachtungen nehmen
Lods und Harnaek eine Benützung unferes Petrus-Evangeliums
bei Juftin an, indem fie, wie Credner, eben diefes
auch in der bekannten Stelle Dia/, c. Tryph. 106 erwähnt
finden (uExtavouaxivai avxov IIexqov Iva xä.v ajcooxöXmv
xal yEygä<p)ai_EV xolq änoiivwuovEvpaoiv avxov ysyEVtj-
uivov xal xovxo). Die Controverfe über die Deutung
diefer Stelle wird damit auf's Neue angeregt. Ich möchte
hier nicht in diefelbe eintreten, fondern nur meine Bedenken
gegen die Sicherheit des von Lods und Harnaek
gezogenen Schluffes ausfprechen. Bei der Dürftigkeit
unferes Materiales bleibt es doch fehr wohl möglich,
dafs Juftin und das Petrus-Evangelium auf eine gemeinsame
Quelle zurückgehen.

Die uns nur fyrifch erhaltene Didaskalia Apoftolorum
ift bekanntlich die Grundlage der apoftolifchen
Conftitutionen. (Eine Rück-Ueberfetzung in's Griechifche
hat Lagarde gegeben bei Bunfen Ana/ecta Ante-Nicaena
II, 225—338). Auf die Eigentümlichkeit ihrer Evan-

haben vor allem die wichtige Thatfache ergeben, dafs es an geliencitate hat befonders Refch aufmerkfam gemacht
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