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Ausgabe:

1893

Spalte:

513-515

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schaff, Theological Propaedeutic. A general introduction to the study of Theology exegetical

Titel/Untertitel:

historical, systematic and practical, including Encyclopaedia, Methodology and Bibliography. Part. 1 1893

Rezensent:

Reischle, Max

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 21. H- October 1893. 18. Jahrgang.

Schaff, Theological Propaedeutic (Reifchle).
Handkommentar zum Alten Teftament, 2. lid.

Die Pfalmen überf. und erkl. vonBaethgen

(Dalman).

Heller, Die echten hebräifchen Melodien (Dalman
).

Jolley, The synoptic problem (Holtzmann).
Der Glaube Jefu, ein Evangelium für das deutfche
Volk aus den Evangelien (Holtzmann).

Leeuwen, van, Bijbelsche godgeleerdheid, I,
De leer aangaande God (Holtzmann).

Berger, De la tradition de l'art grec dans les
manuscrits latins des evangiles (v. Gebhardt).

Schaumkell, Der Kultus der heiligen Anna
(Enders).

Luthers Werke für das chriftliche Haus, Namen-
und Sachregifter (Boffert).

Maifch, Religion und Revolution nach ihrem
gegenfeitigen Verhältnifs , in drei Gefchichts-
bildern (Eck).

V o r b r o d t, Pfychologie in Theologie und Kirche ?
(Reifchle).

Rocholl, Die Philofophie der Gefchichte, 2. Bd.
(Härtung).

Hart, Judas Ifcharioth (Härtung).

Schaff, Prof. Phil., D. D., L. L. D., Theological Propaedeutic. I fchrieben, ihr Wörthdem Lefer ans Herz gelegt, ihr fleifsiger
A general introduetion to the study of Theology j Betrieb empfohlen; an Stelle allfeitiger Begriffsbeftim-
exegetical, historical, systematic and practical, inclu- munpn treten behältliche Formeln in rhetorifch zuge-
6 . .. «/.. . , , . fpttzter Porm. So wird die Sprache des N. Teft. s befchrie-

d.ng Lncyclopaedia, Methodology and Bibhography. , ben mit dem Satz. jfie ift trichotomifch. fie hat einen

Part. I. New York, Chriftian Literature Company, 1892. griechifchen Leib, eine hebräifche Seele und einen chrift-
(VII, 233 S. gr. 8.) i liehen Geift'; gutgewählte Beifpiele illuflriren den fo ver-

anfchaulichten Sprachcharakter. Gerade für ein propä-
deutifches Buch hat ein folches Verfahren einen grofsen
Vorzug. Aber die Kehrfeite ift, dafs fich in der gewandten
Formulirung die wiffenfehaftlichen Probleme oft zu
einfach ausnehmen. Und doch foll von ihnen der Student
gleich von Anfang an einen Eindruck bekommen. Aber
einen Begriff von der Arbeit der Philofophie und von
den bedeutungsvollen Fragen und Kämpfen, die im Verhältnifs
von Theologie und Philofophie liegen, wird er
nie bekommen durch hübfehe Antithefen wie: Theologie
verhält fich zur Philofophie wie Offenbarung zur Vernunft
, wie die Gnadenordnung zur Naturordnung; Theologie
geht vom Gottesbewufstfein aus, Philofophie vom
Selbftbewufstfein etc. etc. — Und eine andere Gefahr
ift, dafs die Formel mit künftlichen Schablonen operirt,
fo z. B. wenn die Lehre von der Infpiration oder der Vereinigung
des Göttlichen und Menfchlichen in der Schrift
mit der Chriftologie parallelifirt und fogar die falfchen
Infpirationstheorien mit den chriftologifchen Irrlehren,
Ebionismus, Doketismus, Apollinarismus etc. zufammen-
geftellt werden. — Wird diefe etwas compacte Art des
Denkens auch beim Beurtheilen theologifcher Erfchei-
nungen angewandt, fo mufs auch ein Teil der WeitherzD-
keit verloren gehen, welche, bei aller Furcht vor der
Auflöfung der chriftlichen Wahrheit, folche Männer wie
Hagenbach auszeichnet. Gewifs ift es hoch anzufchlagen,
dafs Schaff überhaupt das gute Recht wiffenfchaftlicher
Unterfuchung begründet und den Werth auch der Kritik für
die biblifche Wahrheit betont. Aber er umzäunt das Feld,
das er für die wiffenfchaftliche Arbeit frei gemacht hat'
doch wieder durch die Art, wie er den Begriff der gefunden
Kritik' handhabt. Liebe zur Wahrheit und Beugung
vor dem göttlichen Inhalt der Schrift werden zwar mit
Recht als Kennzeichen derfelben angegeben. Aber wenn
der Verf. zwifchen pofitiven oder confervativen und
negativen oder radicalen Kritikern unterfcheidet, wenn
er in feiner Gefchichte der Exegefe Männer wie Gefenius,
Fritzfche, Hitzig und De Wette als Vertreter der rationa-
liftifchen Schrifterklärung namhaft macht und von diefer
die moderne evangelifchc Exegefe unterfcheidet, die fich
im Kampf mit der rationaliftifchen Bewegung gebildet
habe, wenn er in feinem Ueberblick über den heutigen
Stand der exegetifchen Wiffenfchaft die einzelnen Werke
ihrem Standpunkt nach zu claffificiren fucht und z. B.

Der Verf., der fein Lebenswerk daran gefetzt hat,
deutfche Theologie nach Amerika zu verpflanzen, und der
im November vorigen Jahres unter verdienter Theilnahme
von Seiten deutfeher und amerikanifcher Theologen fein
fünfzigjähriges Docentenjubiläum feiern durfte, hat mit dem
vorliegenden Buch ,das erfte Originalwerk über Propädeutik
' gefchaffen, das in Amerika erfcheint. Für englifch-
fprechende Studenten foll es etwa dasfelbe fein, was das
Hagenbach'fche ,Studentenbuch' für unfere theologifchen
Anfänger ift. In der That hat der Verf. ein felbftändiges
Werk gefchaffen, das im Stande fein wird, die amerikani-
fchen Bearbeitungen von Hagenbach zu verdrängen. Auch
dem deutfehen Originalwerke ift Schaffs Buchau gewandter
Anordnung des Stoffes, gefälliger Darfteilung, über-
fichtlichem Druck, hübfeher Ausstattung entfehieden überlegen
. Es nimmt fich gegenüber dem vielüberarbeiteten
Werk Hagenbach's recht modern aus. Und doch, der
Standpunkt, von dem aus Schaff die theologifche Entwicklung
überblickt, ift dem Hagenbach's noch recht nahe
verwandt. Als die Führer einer neuen evangelifchen Theologie
verehrt Schaff Männer wie Schleiermacher, Neander,
Tholuck, Nitzfeh, Tweften, Julius Müller, Bleek, Lücke,
Rothe, Dorner, Lange und andere, welche eine Generation
von Denkern und Gelehrten bilden, wie fie die Kirche
feit dem 16. Jahrhundert nicht gefehen hatte' [227). Im
zweiten Theil, in deffen Druckbogen mir zum Theil Einficht
gewährt war, ift allerdings auch die neuere deutfche,
befonders die Ritfchl'fche Theologie eingehend befpro-
chen und die .chriftocentrifche Methode' im Wefentlichen
gebilligt. Aber bei aller Milde des Unheils auch über die
neuere Theologie lebt der Verfaffer doch felbft in dem
Gedankenkreis jener Vermittlungstheologie; nur hat er
ihn durch hiftorifche exaete Forschung ausgeweitet.

Mit dem Geift diefer deutfehen Theologie hat fich
in dem Verf. der aufs Praktifche gerichtete Sinn des
Amerikaners verfchmolzen. Er zeigt fich in den prakti-
fchen Anleitungen für Studenten, z. B. in den trefflichen
.Winken für ein gewinnbringendes Studium der Theologie',
oder in den knappen Rathfchlägen für die Bibliothek
des Studenten; aber er offenbart fich auch in der geflammten
Darftellungs- und Urtheilsweife. Statt dafs Aufgabe
und Methode der einzelnen Disciplinen begrifflich
entwickelt werden, wird ihr Gegenftand anfehaulich be-

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