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Ausgabe:

1893 Nr. 19

Spalte:

480-483

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Marcks, Erich

Titel/Untertitel:

Gaspard von Coligny. Sein Leben und das Frankreich seiner Zeit. 1. Bd. 1. Hälfte 1893

Rezensent:

Virck, H.

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Theologifche Literaturzeitung. 1893. Nr. 19.

480

Haussleiter. Prof. Dr. Johs., Zur Vorgeschichte des aposto- nifse kurz zufammenzufaffen; es find in der Hauptfache
lischen Glaubensbekenntnisses. Ein Beitrag zur Symbol- ! folgende, denen fchwerlich widerfprochen werden dürfte:
forfchung. München, Beck, 1893. (VII, 58 S. gr. 8.) . Amalarms wurde um 780 im nördlichen Burgund oder

dem unmittelbar daran grenzenden Gebiet geboren, bekleidete
bereits zu Beginn der Regierung Ludwigs des
Frommen das Amt eines Diakonus, wirkte mit bei Ab-
faffung der vom Aachener Concile 816 angenommenen
Regel, wonach Chrodegang's Benimmungen in überarbeiteter
Geftalt für das ganze Reich bindend wurden,
ift Lehrer an der Hoffchule, auf der er felbft einft als
Schüler durch Aknin zu den gelehrten Studien vorgebildet
war, fpäter Abt und Chorbifchof gewefen, jedoch
nicht identifch mit dem Abte Amalhart oder Amalardus,
wie früher irrthümlich vielfach angenommen wurde.
Späteftens zu Anfang des Jahres 825 ift Amalarius zum
jchorepiscopus1, ernannt; er war mithin ein mit den bifchöf-
lichen Weihen verfehener Gehülfe des Bifchofs, durfte
aber ohne deffen Krlaubnifs keine Amtshandlungen vornehmen
. Amalarius lebte und wirkte ferner, wie fich
aus des Calviniften Edm. Albertinus (Aubertin) Schrift
,de eucharistiae sacramenlo', p. 924 ergiebt, in der Diö-
cefe von Soiffons, nicht in oder bei Metz; geftorben ift
er 850 oder 851 kurz nach Beendigung feines gegen
Gottfchalk gerichteten Werkes über die Prädeftination,
weil der nach dem Tode des Erzbifchofs Amolo 852
oder 853 entftandene Uber de tribus epistolis die Verbrennung
der Schriften des Amalarius wenigftens nach
deffen Tode wünfcht. Sein liturgifches Hauptwerk ,de
ccclesiasticis officiis libclli IV" welches Agobard, Erz-
bifchof von Lyon, fcharf angriff, ift nicht 820, fondern
etwa 827 verfafst; die unerhörten Verbalinjurien, welche
Agobard in verfchiedenen anderen polemifchen Schriften
gegen Amalarius, namentlich in den Abhandlungen ,dc
divina psalmodicP und ,de correctione antiphonarii1 aus-
fpricht, erklären fich nicht nur aus des erfteren Beftreben,
jede finnreizende, romanifirende Form des liturgifchen
Gottesdienftcs zu verbannen, fondern auch aus politifchen
Gründen. Agobard befand fich unter den Prälaten, die
den Kaifer Ludwig den Frommen zu der fchimpflichen
Kirchenbufse zu Attigny und Soiffons veranlafsten,
Amalarius ftand auf Seiten des Kai fers.

S. 52 zählt Verf. alle Schriften des Amalarius auf,
von denen er treffend behauptet, dafs fie in völliger
Uebereinftimmung mit der Bildung ihrer Zeit Bänden,
rühmt alsdann das ziemlich gute Latein, in dem fie ab-
gefafst find, beweift ferner, dafs des Amalarius Kenntnifs
der griechifchen und namentlich der hebräifchen Sprache
recht dürftig war, und er in feinen Schriften faft immer
an Früheres, befonders die Patriftiker anknüpfte. Richtig
hat Sahre auch erkannt, dafs Alcuin's Allegoriftik
und Zahlenfymbolik fich in den von Amalarius gefchil-
derten Cultusformen wiederfindet.

Dresden. Dr. K. Löfchhorn.

M. 1. 20.

In diefem erweiterten Abdruck eines auf der Dor-
pater theologifchen Conferenz (1. Februar 1893) gehaltenen
Vortrags will der Vef. die bisher wohl geäufserte,
nicht aber wiffenfehaftlich erwiefene Behauptung begründen
, ,dafs, wie das Bekenntnifs zu Jefus Chriftus,
dem Sohne Gottes, der centrale Inhalt des chriftlichen
Glaubens ift, fo auch vom zweiten Artikel aus das drei
gliederige Glaubensbekenntnifs ervvachfen fei'. Als
Grundftock des Taufbekenntnifses ift das Bekenntnifs zu
Jefu, dem Sohne Gottes, anzufehen. Die zweite Ent-
wickelungsftufe hat das Taufbekenntnifs auf heiden-
chriftlichem Boden befchritten: nun verband das der
Miffionspredigt unter den Heiden folgende Tauffymbol
mit dem Bekenntnifs zu Jefu das zu dem einen allmächtigen
Gott. Die dritte Entwickelungsftufe wurde
durch das bedrohliche Eindringen der Haerefie in die
Kirche hervorgerufen. Zu ihrer Abwehr verwies das
apoftolifche Lehrwort die Schwankenden auf das in Lehre
und Leben hervortretende, wahrhaftige Zeugnifs des
heiligen Geiftes, und im Anfchlufs daran wurde das Bekenntnifs
zum heiligen Geift in das Tauffymbol aufgenommen
. — Bei allen intereffanten und mitunter be-
achtenswerthen Einzelbemerkungen, hat der Verf. m. E.
eine nicht ohne Gefchick aufgeführte dogmatifche Con-
ftruetion an die Stelle einer Schilderung des wirklich erkennbaren
und noch herftellbaren gefchichtlichen Pro-
zeffes treten laffen. Wenn er als Denkmal der zweiten
Entwickelungsftufe die Paftoralbriefe nennt, wenn er die
dritte Stufe aus dem erften Johannesbriefe conftruirt,
wenn er verfichert, der Nachweis dafür, dafs das Taufbekenntnifs
anfänglich nur den ein en Artikel von Chriftus
umfafst habe, fei unabhängig von der Beantwortung der
Frage, ob die Taufe in der Urgemeinde auf den Namen
Jefu Chrifti oder von Anfang an auf den Namen des
Vaters, des Sohnes und des heiligen Geiftes vollzogen
worden fei, wenn er in dem johanneifchen Ausdruck
fiovoytv>']g einen zwingenden Beweis für die übernatürliche
Erzeugung des Sohnes erblickt, fo fpricht in folchen
Ausfagen nicht der Hiftoriker und Exeget, fondern der
allerdings über ein grofses Mafs von Kenntnifsen verfügende
, aber doch in erfter Linie nach einer Vermitte-
lung der traditionellen Intereffen mit dem Ertrag des
Symbolftreites ringende Apologet, deffen polemifcher
und irenifcher Ton durch den ftets bewahrten Anftand
wohlthuend berührt und welcher dem auch nicht zu-
ftimmenden Lefer manche Belehrung und Förderung
bringt. Man wird nicht ohne Intereffe vorliegenden Beitrag
zur Symbolforfchung mit der in den Neuen Jahrbüchern
für deutfehe Theologie 1893, Heft I, er-
fchienenen Studie Lemme's über die Wurzeln des Tauf-
fymbols, vergleichen.

Strafsburg i/E. P. Lobftein.

Sahre, Rud., Der Liturgiker Amalarius. Programm des
Gymnafiums zum heiligen Kreuz in Dresden. 1893.
(52 S. 4°.)

Die Arbeit erfcheint um fo beachtenswerther, als
es bisher Niemandem gelungen ift, über Geburts- und
Todesjahr, Aufenthaltsort und Wirkungskreis des Amalarius
einigermafsen fichere Angaben zu machen. Verf.,
der das gefammte einfehlägige, allerdings nicht umfangreiche
Quellen- und fonftige literarifche Material gründlich
durchgearbeitet hat, kommt zu Refultaten, die ent-
fchieden wenigftens auf gröfseren Beifall rechnen können,
als die von anderen über des Amalarius Leben und
Schriften beigebrachten Daten. Wir begnügen uns an
diefer Stelle damit, die von Sahre gewonnenen Ergeb-

Marcks, Erich, Gaspard von Coligny. Sein Leben und das
Frankreich feiner Zeit. I. Bd. 1. Hälfte. Stuttgart,
Cotta Nachf., 1892. (VIII, 423 S. gr. 8.) M. 8. —

Wie bei fo vielen grofsen Männern ift die Ueber-
lieferung über das Leben des Admirals Coligny bis zu
feinem felbftändigen Eingreifen in die Gefchicke Frankreichs
eine fehr lückenhafte. Sollen wir nichtsdeltoweniger
ein einigermafsen befriedigendes Bild von feinem allmählichen
Werden gewinnen, fo mufs der Biograph verfuchen,
auf einem Umwege zum Ziele zu kommen, indem er uns
die Zeitverhältnifse und die Umgebung fchildert, in der
Coligny aufwächft, und fo die Einflüffe aufzudecken verliehen
, die auf ihn wirken und feine äufsere und innere
Entwickelung beftimmen mufsten. Diefe Aufgabe hat
Mareks mit aufserordentlich feinem Verftändnifs zu löfen
verftanden. Wie er durch die Schilderung des väterlichen
Haufes, der Charakteriftik der Eltern und feines
humaniftifchen Erziehers Nicolaus Berauld die Kindheit