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Ausgabe:

1893

Spalte:

475

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hoberg, Gottfried

Titel/Untertitel:

Die Psalmen der Vulgata übersetzt und nach dem Literalsinn erklärt 1893

Rezensent:

Siegfried, Carl

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475

Theologifche Literaturzeitung. 1893. Nr. ig.

476

Charakteriftiken der prophetifchen Perfönlichkeiten geboten
werden. Die Ueberfetzung ahmt vielfach mit
Glück den erhabenen Schwung der prophetifchen Diction
nach, in den poetifchen Stücken ift fie ftichifch gefetzt.
— Das ganze Werk ift auf 7 Bände berechnet. Vom 3
ift bereits ein Theil erfchienen. Im Allgemeinen kann
man nur wünfchen, dafs ein Werk, welches fo fehr geeignet
ift, den Gebildeten das A. T. wieder lieb zu
machen, eine recht weite Verbreitung finde.

Jena. C. Siegfried.

Hoberg, Prof. Dr. Gfr., Die Psalmen der Vulgata, überfetzt
und nach dem Literalfinn erklärt. Freiburg i. B.,
Herder, 1892. (XXXII, 389 S. gr. 8.) M. 8. —

Da die katholifchen Theologen nun einmal das
Schickfal haben, die Vulgata als die eigentliche Bibel
anfehen zu müffen, fo ift es immerhin zweckmäfsig, fie
in die Kenntnifs diefes Latein gründlich einzuführen, und
dafs dazu des Verf.'s vorliegendes Buch eine brauchbare
Anleitung bietet, wird man anerkennen müffen. Nur
hätte er dann es offen eingeftehen follen, dafs fein Verfahren
durch kirchliche Rückfichten beftimmt werde, und
das wiffenfchaftlich fein follende Mäntelchen weglaffen
follen, dafs ,dem Vulgatatext gröfsere Bedeutung zukomme
als dem mafforethifchen' (p. XIII), denn da die
Bedeutung des Vulgatatextes doch eben lediglich an
der des LXX-Textes hängt, fo würde daraus doch folgen,
dafs man fich in erfter Linie mit diefem zu befchäftigen
habe und nicht mit einer doch bisweilen recht fragwürdigen
Ueberfetzung desfelben. Ganz vergeffen wird
zudem dabei, dafs es für uns doch vor allen Dingen
auf die hebräifche Vorlage der LXX ankommt, und
dafs wir diefe werthvolle hebräifche Vorlage eben erft
künftlich aus den LXX zu conftruiren haben, und dafs
infolge diefes Umftandes der MT, trotz feiner Fehler
doch immer von unerfetzlichem Werthe und für jede
Textkritik der erfte Ausgangspunkt bleiben mufs. Der
Verfuch, den MT, fpeciell gegen die Vulgata herabfetzen |
zu wollen, mufs daher als ein in jeder Beziehung fchiefer
und verunglückter bezeichnet werden. — Seine eigentümliche
Aufgabe hat der Verf. p. XXI richtig beftimmt:
wenn er fagt ,der Flrklärer der Vulgatapfalmen hat die
Aufgabe, den Sinn des Vulgatatextes zu ermitteln, nicht
aber zu entfcheiden, welche Lesart in einem einzelnen
Falle die beffere ift'. Aber eben hieraus geht hervor,
wieviel höher die eigentliche biblifche Kritik fleht, und
eine wie traurige Befchränkung den jungen katholifchen
Studirenden der Theologie auferlegt wird, wenn fie an
den Vulgatatext als den officiellen der Kirche gewiefen
werden. — Während die fprachlichen Erläuterungen des
Vulgatalateins auch von proteftantifchen Theologen mit
Dank werden hingenommen werden, find die gelegentlichen
literar-kritifchen Anläufe des Verf.'s bedauerliche
Beweife der Unfähigkeit hiftorifchen Denkens. Man vgl.
nur, was S. 6 zu Gunften der Ueberfchrift von Pf. 3 beigebracht
wird. — Auf p. XXX war hinter Wilke-Loch,
lexicon vor Allen W. Grimm, lex. Graeco-Latinum in
libros Novi Test. 3. A. 1888 anzuführen, denn was wäre
das dort genannte Wörterbuch von H. Cremer ohne
Grimm? —

Jena. C. Siegfried.

Kamphausen, Prof. D. Adf., Das Buch Daniel und die
neuere Geschichtsforschung. Ein Vortrag mit Anmerkungen
. Leipzig, Hinrichs, 1893. (VI, 46 S. gr. 8.)
M. 1. 20.

In freundlichem Entgegenkommen gegen die Wünfche
einer gröfseren Anzahl rheinifcher und weftphälifcher j
Paftoren, die mit der Wiffenfchaft Fühlung zu behalten I

I verlangten — ein Wunfeh, der der Luthardt'fchen
, Kirchenzeitung (1892 Nr. 31) fehr ungelegen kam, —
in freundlicher Berückfichtigung alfo jener Wünfche find
J die Bonner Docenten der Theologie zufammengetreten,
um einen theologifchen Feriencurfus abzuhalten.

Wenn alle Vorträge durch ein fo reichhaltiges Material
die ftrebfamen praktifchen Theologen auf dem Laufenden
zu erhalten gewufst haben, wie der vorliegende, dann
kann man dem Bonner Theologencurfus zu feinen Erfolgen
nur Glück wünfchen. Es ift bekannt, dafs Kamphaufen
für die Gefchichte der biblifchen Kritik als eine
wahrhaft unerfchöpfliche Pundgrube gelten kann. Nach
diefer Seite hin ift wenigftens dem Ref. der Bleek-Kamp-
haufen, trotz aller vortrefflichen neueren Werke über
altteftamentliche Einleitung, noch immer unentbehrlich
geblieben. So hat denn der Vf. auch hier wieder feine
Zuhörer über die verfchiedenen kritifchen Arbeiten zum
Daniel in einer Volftändigkeit und mit einem fo be-
fonnenen Urtheil orientirt, dafs fie in diefen wenigen Zeilen
ein ganzes Compendium der Danielkritik erhalten haben.
Die Kritiker von rechts und links, er hat fie alle gelefen
und hat über jeden fein Urtheil. — Und nicht nur trifft
das zu in Bezug auf die Hauptfragen: auch viele nebenfächliche
Punkte werden in Anmerkungen eingehend erörtert
, ja gelegentlich auch eine Menge allgemeiner
Fragen geftreift und überall mit reichem Material beleuchtet
. So Lagarde's Septuagintaftudien S. I f., Cornill's
Einleitung S. 9—11, König's Deutung der Zeichen im
A. T. S. 41, die infallible Orthodoxie und ihr Infpirations-
glaube S. 40 u. a. m. Befonders werthvoll ift die zu-
fammenfaffende Betrachtung über die hiftorifchen Ver-
ftöfse im Danielbuche S. 28—32. Man möchte nur
wünfchen, dafs der Verf. ftatt der zahlreichen, immer
zwar lehrreichen, aber doch etwas zerftreuenden, Nebenbemerkungen
, und ftatt der doch fruchtlofen Apologetik
gegen die Buchftabenorthodoxie S. 41 ff. den Blick des
Lefers auch fonft fefter bei den grofsen hiftorifchen und
biblifch-theologifchen Hauptfragen gehalten hätte, durch
welches Verfahren demfelben das Refultat von S. 38 ff.
mehr eingeleuchtet haben würde.

Jena. C. Siegfried.

A Concordance tu the Septuagint and the other Greek Versions
of the Old Testament (including the Apocryphal
Books) by the late Edwin Hatch, M. A., D. D., and
Henry A. Redpath, M. A., assisted by other scholars.
P. II. V—"Eituivog. Oxford, Clarendon Press, 1893.
(P- 233 — 504 gr- 4-) 1 guinea.

Auf die hohe Bedeutung diefes grofsen Werkes,
welches den alten Trommius zu erfetzen beftimmt ift,
ift bei Befprechung der erften Lieferung bereits hinge-
wiefen worden (Theol. Litztg. 1892, 369). Nach etwa
Jahresfrift liegt nun eine zweite Lieferung vor, vom Beginn
des Buchftabens ■/ bis zum Wort i'jiaivog gehend.
Damit ift das erfte Viertel des Ganzen überfchritten, und
fomit gegründete Hoffnung vorhanden, dafs in etwa fünf
Jahren der Abfchlufs erreicht fein wird. Beim Durchblättern
diefer Bogen kann man nur ftaunen über die
Riefenarbeit, welche hier aufgewendet ift. Wenn auch
eine gröfsere Zahl von Kräften zufammengewirkt hat,
fo ift doch von jedem Einzelnen ein ungewöhnliches
Mafs von Ausdauer und felbftverleugnendem Fleifse
erforderlich, um eine folche Frucht zur Reife zu bringen.
Es würde darum, felbft wenn bei genauerer Prüfung fich
einzelne Mängel herausftellen follten (was wir indeffen nicht
für wahrfcheinlich halten), doch den Männern, welche
das Werk unternommen und bis hieher gefördert haben,
unfer wärmfter Dank gebühren. Es ftellt auf alle Fälle —
fo verdienftvoll auch die Arbeit von Trommius war —
einen bedeutenden Fortfehritt über diefe hinaus dar. Am