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Ausgabe:

1893

Spalte:

465-466

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schuster, C. F. Th.

Titel/Untertitel:

Das Studium der Theologie in der Gegenwart 1893

Rezensent:

Reischle, Max

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

jjo. ^ 16. September 1893. 18. Jahrgang.

Schuft er, Das Studium der Theologie in der

Gegenwart (Reifchle).
Gomperz, Griechifche Denker, i. Lfg. (Glo-

gau).

Hommel, Auffälze und Abhandlungen arabi-
ftifch-femitologifchen Inhalts, I. Hälfte
(Schwally).

Neftle, Marginalien und Materialien (Budde).

Reufs, Das alte Teftament, überfetzt, eingeleitet
und erläutert, I—12. Lfg. (Siegfried).

Hoberg, Die Pfalmen der Vulgata (Siegfried).

Kamphaufen, Das Buch Daniel und die neuere
Gefchichtsforfchung (Siegfried).

A Concordance to the Septuagint by Hatch
and Redpath P. II (Schürer).

Gebhardt, Das Evangelium und die Apoka-

lypfe des Petrus (Schürer).
Swete, The Akhmlm fragment of the apocry-

phal gospel of St. Peter (Derf.).
Haufsleiter, Zur Vorgefchichte des apoftoli-

fchen Glaubensbekenntnifses (Lobftein).
Sahre, Der Liturgiker Amalarius (Löfchhorn).
Mareks, Gaspard von Coligny, i.Bd. I.Hälfte

(Virck).

Schuster, Gen.-Superint. Konfift.-R. D. C. F. Th., Das
Studium der Theologie in der Gegenwart. Anleitung
für Anfänger. Stuttgart, Greiner & Pfeiffer, 1892
# (VII, 96 S. gr. 8.) M. 1.80.

Nach Anficht des Verfaffers mufs es ,als eine un-
abwcisliche Pflicht und Aufgabe der evangelifchen Kirche
in der Gegenwart bezeichnet werden, dafs fie in der
Berathung ihrer noch unerfahrenen jungen Theologen
eine gröfsere Thätigkeit als bisher entfalte' (III). Beachtung
verdient die Frage, die er anregt, ob nicht den
angehenden Theologen eine Anweifung für ihr Studium
von Seiten des Kirchenregiments und der theologifchen
Facultäten in die Hand gegeben werden follte; jedenfalls
ift es gut, wenn den akademifchen Lehrern die
Frage ans Herz gelegt wird, ob nicht mehr, als gewöhnlich
gefchieht, für die Studienberarhung und -Leitung der
theologifchen Studenten gethan werden könnte. Ob
aber das dringende Bedürfnifs vorhanden ift, durch
neue Schriften über das theologifche Studium Hilfe zu
fchaffen, möchte man faft bezweifeln, wenn man findet,
wie häufig und wie anerkennend der Verf. aufser dem
alten Hagenbach die Rathfchläge von Frank, Kähler,
Luthardt, Haupt, Bornemann, Lemme, Seeberg citirt.
Doch mufs man fich heutzutage freuen, wenn ein Mann
in hohem kirchlichem Amte in verftändiger, weitherziger
und warmer Weife zu den theologifchen Studenten
fpricht. Der Verf. hat ein befonderes Recht dazu auf
Grund der Erfahrungen, die er ,in fünfzehnjähriger Thätigkeit
als Studiendirector im Predigerfeminar desKlofters
Loccum und fodann in fpäteren zehn Jahren als theo-
logifcher Examinator gemacht hat'.

Im erften Theil feiner Schrift befpricht der Verf.
den eigentlich theologifchen Studienkreis: verhältnifs-
mäfsig recht kurz, auf zwölf Seiten, behandelt er die
wiffenfehaftliche Aufgabe der einzelnen theologifchen
Disciplinen, im ganzen im Anfchlufs an Hagenbach:
dafür, dafs er, abweichend von demfelben, die biblifche
Gefchichte und biblifche Theologie unter die exegetifche,
nicht unter die hiftorifche Theologie Hellt, laffen fich,
wenn man einmal diefe beiden Gebiete unterfcheidet,
gute Gründe anführen; aber für ganz unmöglich halte
ich es, die biblifche Gefchichte im Allgemeinen unter
die exegetifche Theologie zu ftellen (S. 9), dagegen die
befonderen Ausfchnitte aus der N.T.lichen Gefchichte,
wie das ,Leben Jefu', das ,Leben der Apoftel' etc. unter
die hiftorifche (S. 12). Ob in diefer letzteren eine be-
fondere Disciplin der Polemik, welche der Dogmenge-
fchichte und der Symbolik zur Seite geht, aufgezählt
werden darf, ift mir fehr zweifelhaft. Ausführlicher und
recht gut handelt der Verf. von der Methode des theologifchen
Studiums, und zwar von Vorlefungen, Socie-
täten und Seminarien, Privatftudium und Specialftudien.
Auf dem Vorlefungsplan S. 28 mufs ich es beanftanden,
dafs dem Johannesevangelium fchon im zweiten, dem
Römerbrief im dritten, den anderen paulinifchen Briefen
im vierten Semefter die Stelle angewiefen wird. Ich
möchte diefe Reihenfolge geradezu umdrehen. Auch
ob die Pfalmen vor den prophetifchen Schriften zu hören
find, kann man bezweifeln. Dafs drei bis vier philofo-
phifche Vorlefungen aufgenommen find, ift fehr aner-
kennenswerth. Freilich will, wie der Verf. felbft andeutet
, ein Triennium dann kaum genügen. Im zweiten Theil
wird der weitere Studienkreis (Philologie, Philofophie,
Nationalökonomie etc.) in's Auge gefafst; das, was dabei
über den Grundunterfchied von Philofophie und Theologie
bemerkt wird, ift zwar nicht befonders tiefgehend,
enthält aber doch eine willkommene Apologie des phi-
lofophifchen Studiums. Der dritte Theil giebt dem Studenten
treugemeinte Mahnungen für den geiammten
Lebenskreis, in den er eintritt; der vierte endlich lenkt
den Blick noch einmal auf die eine Hauptfache, auf die
Prüfung der Berufstüchtigkeit, auf die Nothwendigkeit
von oratio, vieditatio, tentatio; unter dem letzteren Titel
finden wir befonnene Worte über Glaubenszweifel und
Kritik.

Das Buch weift keinerlei neue Wege, aber es ift ein
wohlwollender Rathgeber für den angehenden Studenten
. Er bekommt von ihm auch diefe und jene
nützlichen Kenntnifse mit. Ganz erfprieslich ift z. B. die
S. 78 gegebene Belehrung über die richtigen Kanzlei-
formen bei Eingaben. — Theologifche Literatur wird
nur fpärlich angegeben, auch ziemlich ungleichmäfsig.
Bekanntere Namen follten in einem Studentenbuch peinlich
genau gefchrieben fein, alfo S. 41. Joh. Janssen ftatt
Janfen, S. 52. Ad. Monod ftatt Monot, S. 69. Guft. Baur
ftatt Bauer. Von fonftigen Ungenauigkeiten notire ich:
S. 53 werden ,das Chaldäifche, Syrifche, Aramäifche'
fälfehlich als drei Sprachen genannt, welche unfere
Väter zu ftudiren pflegten; Bunfen kann nicht, wie S. 52
gefchieht, als ein Hauptvertreter der englifchen theologifchen
Literatur aufgezählt werden; das Citat auf S.
64 flammt nicht von mir, fondern von Hagenbach felbft;
S. 40 lies noü^io, ftatt rrgdftg.

Giefsen. Max Reifchle.

Gomperz, Prof. Dr. Thdr., Griechische Denker. Eine Gefchichte
der antiken Philofophie. i. Lfg. Leipzig
Veit & Co. 1893. (96 S. gr. 8.) M. 2.-

Wer um religiöfes Leben und Denken ernftlich fich
kümmert, der fieht fich immerfort auch auf die angren-
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