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1893 Nr. 1

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25

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Pogge, Die neueren Gesetze auf dem Gebiete des preussischen Volksschulwesens. Zusammengestellt und erläutert 1893

Rezensent:

Köhler, Karl

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25

Theologifche Literaturzeitung. 1893. Nr. 1.

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nifse, die feitdem gefchehen find, nimmt fie keine Beziehung
. Sie würde gewonnen haben, wenn fie bis zur
Gegenwart fortgeführt worden wäre. Ob der Verf. jetzt
auch noch fchreiben würde, wie er in der Vorrede thut:
,den Frieden ftören meift nur einzelne fanatifche Prief-
ter, welche das Volk bearbeiten; aber Dank dem beffe-
ren Geift in der katholifchen Chriftenheit läfst fie fich
nicht mehr fo leicht durch folchen Lärm erfchrecken
und fanatifiren', mag bezweifelt werden.

Darmftadt. K. Köhler.

Pogge, Ob.-Reg.-R., Die neueren Gesetze auf dem Gebiete
des preussischen Volksschulwesens. Zufammengeftellt und
erläutert. Berlin, C. Heymann's Verl., 1893. (VII,
250 S. gr. 8.) M. 5.— ; geb. M. 6.—
Die in diefem Buch zufammengeftellten Gefetze find:
1. das Zuftändigkeitsgefetz v. 1. Aug. 1883, fo weit es fich
auf Schulangelegenheiten bezieht (Tit. VII), 2. das Gefetz
betr. die Feftftellung von Anforderungen für die
Volksfchulen v. 26. Mai 1887, 3. das Gefetz betr. die Erleichterung
der Volksfchullaften v. 14. Juni 1888 nebft
Novelle v. 31. März 1889, 4. das Gefetz betr. die Pen-
fionirung der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen
Volksfchulen v. 6. Juli 1885, 5. die drei Gefetze
v. 22. Dec. 1869, 24. Febr. 1881 und 19. Juni 1889 über
die Wittwen- und Waifencaffen für Elementarlehrer, 6.
das Gefetz betr. die Fürforge für Waifen der Lehrer an
öffentlichen Volksfchulen v. 27. Juni 1890. Jedem Gefetze
find einleitende Bemerkungen über feine Entftehungs-
gefchichte vorausgefchickt und den einzelnen Paragraphen
erläuternde Anmerkungen beigegeben, in welchen
die bezüglichen gerichtlichen und verwaltungsgerichtlichen
Entfcheidungen fowie Minifterialerlaffe wiedergegeben
find. Die Erläuterungen find, fo weit es fich aus der
Entfernung beurtheilen läfst, zweckmäfsig und mit eingehender
Sachkenntnifs gemacht. Da das verheifsene
Schulgefetz vorausfichtlich noch lang auf fich warten
laffen wird, fo erfcheint das Buch ficherlich nicht zu ungelegener
Zeit. Es mag einem grofsen Bedürfnifs der
Praxis entfprechen und wird von den Betheiligten willkommen
geheifsen werden. Auch dem Fernftehenden kann
es zur Orientirung gute Dienfte leinen. Ueber die Ge-
genftände, die den Theologen bei der Schulfrage zumeift
intereffiren, Confeffions- und Simultanfchulen, Religionsunterricht
, Kirchen- und Organiftendienft der Lehrer und
dgl. enthält es leider bei der dermaligen Lage der
Dinge nichts.

Darmftadt. K. Köhler.

Neue Christoterpe. Ein Jahrbuch, hrsg. von Emil Fromm el,
Wilh. Baur und Rud. Kögel. (14. Bd.) Bremen,
C. Ed. Müller, 1893. (V, 389 S. 8.) M. 4.—; geb.
M. 5.— ; m. Goldfehn. M. 5.20; Liebhaber-Ausg. in
Halbfrzbd. M. 12.—
Die werthvollfte Gabe diefes Jahrbuches macht, wie
billig, den Anfang, eine Abhandlung von L. Wiefe, betitelt
Jugend im Alter. Sehen wir von der unwefent-
lichen Einleitung und Einkleidung ab und wenden uns
der Hauptfache zu, fo tritt uns in claffifchen Formen der
ganze Reichthum biblifcher Gedanken entgegen, welche
der vielerfahrene Pädagog auf Grund langer Lebenserfahrung
und gründlichen Studiums des menfehlichen
Herzens in ihrem Zufammenhang entwickelt und in apo-
logetifchem Intereffe aneinander reiht. Hält man uns
das alltägliche Gleichnifs zu Gute, fo wollen wir fagen:
wir geniefsen ein oft fchon mit Dank genoffenes, nahrhaftes
Gericht, aber dies Mal trefflich zubereitet und
muftergültig angerichtet. Ein Stück Kirchengefchichte
ift in die Reifebefchreibung verflochten, welche Hermann

Dalton unter dem Titel: ,Ein Ausflug nach dem Klofter
Gelati im Kaukafus' liefert. Jedenfalls hat der in ruffi-
fcher Kirchengefchichte wohl bewanderte Verfaffer das
Verdienft, feine Lefer nicht auf ausgetretenen Pfaden zu
führen: der Zahl derer, welche fchon aus Kutais in
Imiretien von vier feurigen Roffen zum Klofter Gelati
im Kaukafus hinaufgezogen worden find, mag ungefähr
die Zahl der Chriften und Theologen entfprechen, welche
von der Kirchengefchichte Georgiens und von feinen
Beziehungen zu Byzanz genaue Kunde haben. So können
Viele Vieles lernen aus der Reifebefchreibung, wenn
auch die Fahrt gemäfs der Höhe des Klofters etwas be-
fchwerlich und die Wanderung durch das alte Klofter
und feine Bafilika etwas umftändlich ift. Gewinn aus
,verlorenen' Tagen heifst der diesmalige Beitrag Otto
Funcke's, eine vor vielen feiner Leiftungen hervorragende
tüchtige paränetifche Abhandlung über den Segen der
Krankheit. Die Anekdötchen find hier faft ganz in den
Winkel gebannt und es redet der in eigener Leidenserfahrung
gereifte Chrift, redet natürlich auch nur, was
fchon fehr Viele geredet haben, aber redet mit heiligem
Ernft und in der bekannten anziehenden Art der Dar-
ftellung. Die Abhandlung gehört zu jenen Lefeftücken,
die im Krankenzimmer vornehmlich in den Zeiten der
beginnenden Genefung irgend eine Wirkung ganz ficher
und oft eine gefegnete hervorbringen. Max Reichard
entwirft mit bekanntem Gefchick das Lebensbild des
letzten deutfehen Ammeifters von Strafsburg, Dominicus
Dietrich, des viel verleumdeten proteftantifchen Bekenners.
Obwohl feit der Herausgabe des Reifseifsen'fchen Memorials
und feiner tüchtigen Verwerthung durch Ludwig
Spach kaum mehr Neues zur Erforfchung jener ver-
hängnifsvollen Periode zu Tage gefördert ift, fo ift diefe
letztere doch für die grofse Mehrzahl deutfeher Lefer
ein noch ziemlich unbekanntes Gebiet und die genaue
Kenntnifs der Einzelheiten hat in Sachen der Einverleibung
des Elfafs auch eine fittliche Bedeutung. So
reiht fich diefe Reichard'fche Skizze in würdiger Weife
an manche frühere an, welche denfelben Grundgedanken
hatte, dafs die Zurücknahme des Elfafs zum deutfehen
Reich eine politifch und fittlich gerechtfertigte That war.

,Die befte Kraft der deutfehen Gefchichte in den
gröfsten deutfehen Männern', nennt Wilhelm Baur einen
Auffatz, in welchem er das Zufammenwirken von Deutfch-
thum und Chriftenthum in Karl dem Grofsen, Luther
und dem Freiherrn vom Stein mit feiner Charakterifirung
der geiftigen Perfönlichkeiten nachweift. Die mancherlei
weiteren Beiträge von Witte, Kögel, Frommel u. A.
können wir nicht alle befonders namhaft machen; wir erwähnen
nur, dafs die Herausgeber bemüht gewefen find,
nichts aufzunehmen, das nicht einen gewiffen bleibenden
Werth befäfse, und alfo auch auf dem Gebiet der dich-
terifchen Erzählung nur folche Leiftungen zu berück-
fichtigen, durch welche fich dem Lefer wenigftens ein
gefchichtlicher Hintergrund aufthut zur Belehrung und
Förderung der Erkenntnifs. Auf diefe Art erfcheint vor
dem Lefer die Zeit der Chriftenverfolgung Diocletian's
und der Proteftantenverfolgung im Salzburgifchen vermitteln
; zweier Erzählungen von C. von Hellen und
Max Vorberg.

Dresder»- Dr. phil. B. Kühn.

Schubring, Dir. Prof. Dr.Jul. Briefwechsel zwischen Felix
Mendelssohn Bartholdy und Julius Schubring, zugleich
ein Beitrag zur Gefchichte und Theorie des Oratoriums
. Leipzig, Duncker & Humblot, 1892. (VIII, 227
S. gr. 8.) M. 4.40.

Mit vollem Rechte darf der pietätvolle Herausgeber
die Hoffnung ausfprechen, dafs der vorliegende Brief-
wechfel ,aufser den Verwandten und Freunden auch in
theologifchen und mufikalifchen Kreifen, fowie bei dem