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Ausgabe:

1893

Spalte:

382-384

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Württembergische Kirchengeschichte 1893

Rezensent:

Kawerau, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung. 1893. Nr. 15.

382

vollftändigen Abdruck des von B. verfafsten Schreibens
des Legaten Gaetani gegen den Plan, im J. 1590 zu Tours
eine Verfammlung der franzöfifchen Bifchöfe zu halten
(I, 154), — ich konnte nur den Inhalt des Schreibens
mittheilen, — klagt dann, ich hätte behauptet. B. habe
in Frankreich ,faft nichts gethan', was nicht wahr ift, und
knüpft daran folgende Bemerkung: ,Ohne Zweifel nimmt
B. keinen hervorragenden Platz in der Gefchichte der
Ligue ein; aber wer kann fagen, dafs die Gefchicht-
fchreiber immer die verborgenen Mittel entdeckt haben,
deren Gott fich bedient, um feine erbarmungsvollen Abheilten
zu verwirklichen? Diefe Mittel find gewöhnlich in der
Hand von Heiligen und die Heiligen laffen he gewöhnlich
ohne Geräufch wirken. Eine Zeile genügt uns zu fagen, dafs
hch im Gefolge des Legaten ein grofser Diener Gottes
befand; man müfste einen Band fchreiben, um die viel

merkwürdige Gefchichte des Stifters der Congregation
der Feuillants (Fuliaiscs), Jean de la Barriere, der von
der Inquihtion abgefetzt und fuspendirt, 1599 aber durch
die Bemühungen B.'s rehabilitirt wurde.

Es ift zu bedauern, wenn auch zu erklären, dafs die
Jefuiten von den zahlreichen ungedruckten Schriften B.'s
nicht mehr edirt und nicht eine vollftändige Ausgabe
feiner Briefe veröffentlicht haben (Selbftb. S. 292). C.
theilt nur fehr wenig daraus mit, u. a. intereffante, zum
Theil wohl ungedruckte Briefe an den Jefuiten Car-
minata. ')

Die Verhandlungen über die Seligfprechung B.'s
werden von C. fehr unvollftändig befprochen, viel un-
vollftändiger als in der Einleitung und in den Erläuterungen
zur Selbftbiographie. Dafs die Seligfprechung
unter Benedict XIV. nicht erfolgte, weil der Cardinal

leicht verboro-enen, aber werthvollen Wohlthaten aufzu- j Tencin im Namen der franzöfifchen Regierung abmahnte,
zählen, die allein feiner Mitwirkung zu verdanken find, j war fchon bekannt (Selbftb. S. 17). C. theilt einen ab-

Aber kann man von den Altkatholiken, die die Selbft
biographie herausgegeben haben, den Geift des Glaubens
erwarten, den folche Betrachtungen vorausfetzen?' —
S. 118 zeige ich, dafs die Angabe in der von B. verfafsten
Vorrede zu Clemens' VIII. Ausgabe der Vulgata,
Sixtus V. habe einen neuen (verbefferten) Druck feiner
Ausgabe angeordnet, unwahr ift. C. bemerkt dagegen
I, 185: .Ohne allen Zweifel hat Sixtus fein Werk wieder
beginnen wollen. B., der fo ängftlich wahrhaftig war, B.,
der ohne Zweifel, vielleicht bald, auf die Altäre erhoben
werden wird, fagt es kaum zwei Jahre nach dem Tode
Sixtus' V. in einem urbi et orbi beftimmten, officiell von
den Päpften adoptirten Documcnte'.

In einigen Fällen hat C. beffere Gründe für feine
Ausftellungen an den Erläuterungen zur Selbftbiographie.
In diefen wird S. 218 im Anfchluffe an den Cardinal
Paffionei gezeigt, dafs die 1613 zu Köln unter dem Namen
des dortigen Profeffors A. Schulckenius erfchienene
Schrift gegen R. Widdrington von Bellarmin verfafst fei.
Dabei wird aus einem Briefe von B. vom 12. Sept. 1612
die Notiz angeführt, er habe im vorigen Jahre gegen
Widdrington gefchrieben; das Buch fei in diefem Jahre

gedruckt wordenaber die Veröffentlichung werde aus | Württembergische Kirchengeschichte. Herausgegeben vom

mahnenden Brief des franzöfifchen Minifters Boyer (früher
Bifchof von Aftros) an einen Jefuiten (den General) vom
J. 1754 mit (II, 394). Im J. 1828 wurde der Procefs wieder
aufgenommen. Dafs er lediglich in Folge des Todes
Leo's XII. und des Jefuitengenerals Fortis wieder in
Stocken gerathen fei (II, 393), klingt nicht glaublich. Der
Jefuit Ramiere fchrieb, — wie C. II, 393 fagt, ,mit Recht',
— während des Vaticanifchen Concils: ,Heutzutage, wo,
Gott fei Dank, die Regierungen fich nicht mehr inSelig-
fprechungs-Angelegenheiten einmifchen, würde der Wiederaufnahme
des Proceffes nichts im Wege ftehen; es
würde dafür vielleicht genügen, wenn das Vertrauen der
Chriften durch feine Fürfprache irgend ein augenfehein-
liches Wunder erlangte. Ift es nicht erlaubt zu glauben,
dafs Gott diefe Wunder nicht verweigern würde, wenn
fie inftändig erbeten würden, um denjenigen zu verherrlichen
, der fo tapfer die Prärogativen feines Stellvertreters
vertheidigt hat und der gerade darum jetzt fo
ungerecht angegriffen wird?'

Bonn. F. H. Reufch.

guten Gründen aufgefchoben. Gegen die Annahme, damit

Calwer Verlagsverein. Calw u. Stuttgart, Vereinsbuch-

fei das zu Köln erfchienene Buch gemeint, führt C. eine handlung i8a<- fVIII 7C6 S lex 81 M m • ™v,
bisher unbekannte Notiz des P. F. A. Zaccaria (f i795) ! Jf 1 g' 93' ( ' 7S& b> ^ *° M' IO'~' geb'

an, nach welcher ein Buch von Bellarmin gegen Widdrington
1612 zu Rom gedruckt, auf den Wunfeh Paul's
V. aber nicht veröffentlicht worden ift. Zaccaria hatte
ein Exemplar in Händen und dachte daran, es neu drucken
zu laffen. C. fagt II, 140: wenn ihm Gott die Gnade er-

weife, ihn diefes Exemplar wiederfinden zu laffen, werde j wiffenfehaften. Jetzt hat er auch der Kirchengefchichte
er es neu drucken laffen und mir zum Gefchenke ma- das Wort gegeben und ein Werk gefchaffen, um welches

M. 12 —

Der Calwer Verlagsverein hat fich fchon manches
Verdienft um die Ueberleitung fortfehreitender theologi-
fcher Erkenntnifse in die Kreife der Gebildeten in efer
Gemeinde erworben, befonders auf dem Gebiet der Bibelchen
. Die Vermuthung liegt nahe, dafs B., als die Veröffentlichung
des in Rom gedruckten Buches auf Schwierigkeiten
ftiefs, es unter einem anderen Titel und mit einigen
anderen Aenderungen in Köln durch Schulckenius hat veröffentlichen
laffen, zumal erinderSelbftbiographieeinBuch

jede andere Landeskirche die württembergifche beneiden
kann. Freilich haben auch wenige Gebiete deutfehen
Landes eine fo weit zurückreichende, fo inhaltreiche fo
viel bedeutende und eigenartige Perfönlichkeiten aufweifende
, und daher fo intereffante Kirchengefchichte

gegen Widdrington unter den von ihm herausgegebenen , intereffant auch für den, der nicht das landsmännifche
Büchern (edidi) anführt, was auf das in Rom gedruckte, Intereffe an der Gefchichte der Heimath herzubrinof Es

aber nicht veröffentlichte Buch nicht pafst. Wenn die von
C. in Ausficht geftellte Publication die Verfchiedenheit des
zu Rom und des zu Köln gedruckten Buches erweifen
follte, werde ich mich natürlich beeilen, die Vermuthung
zurückzunehmen. Dafs B. ein Buch unter einem fremden
oder angenommenen Namen veröffentlichte, ift nicht ohne
Beifpiel: die erfte Ausgabe feines Buches gegen Jakob I.
erfchien unter dem Namen feines Caplans Matteo Torti
und von dem unter dem Namen Franciscus Romulus
erfchienenen Buche gegen Heinrich IV., welches nicht
in der Gefammtausgabe der Werke B.'s fleht, fagt C.
I» '45, in der Selbftbiographie werde ausführlich bewiefen,
dafs es von B. fei.

Ein Punkt, der in den Erläuterungen ganz über-
fehen ift, wird von C. 1,285 ausführlich behandelt: die

ift eine grofse Aufgabe, von der Römerherrfchaft bis zur
Gegenwart diefe Gefchichte und zwar in allen ihren Verzweigungen
durch die verfchiedenen Confeffionen und
Sccten hindurch, in Theologie, kirchlicher Praxis und
chriftlichem Leben zu verfolgen, zumal das heutige Württemberg
dasErgebnifs einer gefchichtlichen Entwicklung ift,
welche die verfchiedenartigften, lange getrennten Gebiete
und Gebietstheile fchliefslich zufammengefügt hat: weltliche
und geiftliche Herrfchaft, katholifche und evange-

1) C. rügt es mit Recht, dafs der Name in den Erläuterungen immer
falfch angegeben wird (Caminata). Ich revanchire mich' i 222 u f
fleht Wittacher ft. Whitaker, 1,377 u. II, 53 Michel Fe Moine ft Mo-

rTCriV7 m6inaL'l « Cu0riaDft' ?-ire (,Chur)l 2°3 Card, du Munt
ft. del Monte (II, 326), II, 38S Rottini ft. llottini.