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Ausgabe:

1893 Nr. 14

Spalte:

360-361

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ryssel, V.

Titel/Untertitel:

Georgs des Araberbischofs Gedichte und Briefe 1893

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung. 1893. Nr. 14

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Ich halte für möglich, dafs Dräfeke's Bemerkungen
darüber in der Zeitfchr. f. wiff. Theol. XXXVI, 290ff.
die Bedenken vermehren werden. Dagegen des eben genannten
Gelehrten Angriff auf die Bücher v.azä lEl).r]vwv
und tzsqI si'ai'S-gco/irjaeojg %ov Adyoc(vgl.Stud. u.Krit. 1893,
S. 251fr.) dürfte aufR., wie er mir auch brieflich beftätigt
hat, kaum Eindruck machen. Von Dr.'s Argumenten
fcheint mir in der That kaum ein einziges ernftlicher
Erwägung werth zu fein. Ueber die nicht aufgenommenen
Bücher c. Apollinarium äufsert fich R. leife fkeptifch, ift
aber nach Kenntnifsnahme von Dräfeke's Auisatz darüber
geneigt, die Unechtheit zuzugeben (briefliche Notiz).
In Beziehung auf negi aagxdiaewg rov koyov fchliefst er
fich Gas pari an. De Virginitate hält er trotz Eichhorn
(de vita u. f. w. pp. 27fr.) für unecht.

Einige Einzelheiten. Für die Feffftellung des Geburtsjahres
des Athanafius find die von v. Lemm 1888 herausgegebenen
, R. unbekannt gebliebenen Fragmenteeines En-
comiums auf Athanafius, das vielleicht noch ins 4. Jh.
gehört, immerhin beachtenswerth. (Vgl. diefe Zeitung 1889,
Sp. 280.) Die dort mit Beflimmtheit auftretende Notiz,
dafs Athanafius 33Jahre alt war, als er Bifchof wurde,
darf nicht ohne Weiteres verworfen werden. Er wäre
fomit 295 geboren, wogegen fich ernftliche Bedenken
nicht erheben laffen'). Auch eine andere Notiz des En-
comiums, wonach Äthan, auf einer Reife nach Ifaurien
gekommen und in Seleucia gepredigt hat, kann gefchjcht-
lich fein: es würde das auf der Rückreife von Antiochien
nach der Zufammenkunft mit Jovian (Winter 363/364) ge-
fchehen fein. Natürlich ift das Encomium mit gröfster
Vorficht zu benutzen. Allein fchon feine confufe Nachricht
über Lucius beweift das. — Robertfon erklärt
fich (S. XLIV) gegen die Annahme eines zweimaligen
Aufenhaltes des Marcellus in Rom. Caspari's Gründe
dafür (Ungedruckte u. f. w. Quellen III, 28 Note) kann
auch ich nicht für überzeugend halten (trotz Katten-
bufch, Beiträge u. f. w., 1S92, S. 23). — Das Urtheil des
Philoftorgius, dem Athanafius verglichen mit Bafilius,
Gregor und Apollinaris als ein Kind erfcheint, erklärt
R. als Ausflufs des fchlechten, überladenen Gefchmacks
der Zeit und rühmt dem gegenüber A.'s Einfachheit und
männlichen Stil (S. LXVI). — Im Gegenfatz zu Har-
nack betont er (S. LXVIII), dafs die Theologie des A.
infofern einer Wandlung unterlag, als die origeniftifchen
Elemente darin nach der Berührung mit dem Arianismus
zurücktraten. — Zu den chronologifchen Unterfuchungen
ift zu bemerken, dafs R. der Auffatz von Gutfchmid
über die Patriarchen von Alexandrien (Kleine Schriften
II, 396—525), alfo auch deffen Bemerkungen zur Chronologie
des Athanafius noch nicht bekannt fein konnte. Er
hätte indeffen kaum etwas zu berichtigen gefunden. Gut-
fchmid's Auffatz ift ohneKenntnifs der Gwatkin'fchen
Unterfuchungen gefchrieben, auf denen R. fortbaut, und
die fich ihm in allem Wefentlichen beftätigt haben. Vgl.
die chronologifche Tabelle S. LXXXVIf. mit der von
Gwatkin (Studies of Arianism, 1882,S. XXIff.). — S. XCI
macht R. auf das Buch von De Rouge, Geographie de
la Basse-Egypte, Paris 1891, aufmerkfam, das eine kop-
tifche Lifte ägyptifcher Bifchofsfitze enthalten und als
Flrgänzung Le Quien's von Werth fein foll. — S. 98
findet fich eine überfichtliche Zufammenftellung der Docu-
mente, welche in der Apol. adv. Avianos aufbewahrt find.
S. 147 eine Aufzählung der Theilnehmer am Concil von
Sardica, das übrigens zweifellos 343 anzufetzen ift, nicht
— wie auch in der 12. Auflage von Kurtz noch gefchieht

1) Beiläufig bemerke ich, dafs A. dann 23 Jahre gewefen wäre, als
er die neuerdings von Dr. angefochtenen Bücher fchrieb. So wäre von
ungewöhnlicher Frühreife, von der ich übrigens auch bei dem 19- oder
20jährigen Orientalen nicht fprechen würde, vollends keine Rede. Auch
Dräfeke's Annahme, dafs ,die keufche Seele des 18. oder 19jährigen A.
mit all jenem fittlichen Schmutz des Heidentums' (deffen er in adv. gen-
tts gedenkt) ,durch Hören und Sehen' noch nicht ,in Berührung gekommen
fei', die mir an fich fchon falfch fcheint, wird nun ganz hinfällig.

— auf 344 oder 343. — Vom befonderen Werth ift die
Einleitung zu der Historia accpliala und den Feftbriefen.
Was von den Letzteren nur fragmentarifch erhalten ift,
hat R. geordnet und Alles in die Ueberfetzung aufgenommen
, um die fich eine Dame, Frl. Paine Smith, verdient
gemacht hat. — An zwei Stellen (LX, Note 3 und
590,3) fetzt fich R. mit der von mir in diefer Zeitung
1890, Sp. 626ff. angeftellten Berechnung über das Todesjahr
des Pachomius, bezw. feines Schülers Theodorus
auseinander. Ich hatte dafür 345 und 363 angenommen;
R. meint 346 und 364 feftfetzen zu müffen. Da ich die
Unterfuchung darüber jetzt nicht wieder aufnehmen konnte,
fo begnüge ich mich mit dem Hinweis darauf, dafs
mirR. nicht beachtet zuhaben fcheint, dafs Gregor von
Alexandrien (f 26. Juni 345) beim Tode des Pachomius
noch als lebend vorausgeletzt wird (Vgl. Amelineau,
Monuments u. f. w. S.642). Die Bedeutung feiner Argumente
für 364 will ich damit nicht unterfchätzt haben.

Auf den ausgezeichneten Index der Schriftftellen
weife ich befonders hin. Druckfehler und Verfehen finden
fich fo feiten, dafs die Erwähnung der mir aufgefallenen
ein Lob für die Correctheit des fchwierigen Druckes ein-
fchliefst. S. XXIII, Z. 5 v. u. lies dgxrj ft. ligyre, XXX, 2
v. u. question ft. qestion; XXXV, 13 Selbftzerfetzung ft.
Selbfterfetzung; LXI, 33 fehlt die auf die Note hinweifende
Ziffer 6; LXVII, 3 1. jealousy ft. jealously;
LXXXV, 6 v. u. Papebroch ft. Papebroke; LXXXVII,
44 1. Oct. 24 ft. 4; XCI, 6 v. u. Staatsverwaltung ft.
Staats-verwaltung; 190.16 Zeittafeln ft. Zeit-tafeln; 190,
Note Theol. ft. Theod. ; 246, N. 3 1. Jan. 6 ft. 5; 496,5 XI
ft. XII.

Ein leifes Bedauern vermag ich nicht zu unterdrücken,
dafs eine folche Summe von Arbeit nur einer Ueberfetzung
des Kirchenvaters zu Gute gekommen ift. So
arbeiteten vor 20ojahren Montfaucon und Loppin
für die Originalausgabe.

Giefsen. G. Krüger.

Ryssel, Prof. V., Georgs des Araberbischofs Gedichte und

Briefe. Aus dem Syrifchen überfetzt und erläutert.
Leipzig, Hirzel, 1891. (XX, 240 S. gr. 8.) M. 7.—

Durch allerhand Umftände ift die Anzeige diefes
Buches verzögert worden. Um fo nachdrücklicher möchte
ich gleich betonen, dafs wir es dabei mit einer vortrefflichen
Leiftung von bleibendem Werth zu thun haben.

Ryffel hatte zuerft in den Studien und Kritiken 1883
und in demfelben Jahre auch feparat den Brief Georg's
des Araberbifchofs (von ca. 640—724) an den Presbyter
Jefus (Jofua) aus dem Syrifchen überfetzt mit eingehenden
Erläuterungen herausgegeben. Siehe darüber Möller
in diefer Zeitung 1884 (nicht 1888, wie Ryffel S. 174
Z. 23 drucken läfst) Nr. 14, Sp. 343 f. Die neue Publi-
cation bringt fämmtliche Originalwerke des Bifchofs in
deutfcher Ueberfetzung, alfo auch den Brief an Jofua;
dagegen nicht die Ueberfetzung, welche Georg von einem
Theil des ariftotelifchen Organons angefertigt hat, auch
nicht die Scholien zu Gregor von Nazianz, weil fie rein
compilatorifcher Art find. Aufgenommen, gröfstentheils
erftmalig herausgegeben find alfo 1. Die Gedichte und
zwar d) über die Lebensweife der Mönche, b) über die
Confecration des Salböls; dazu ein Anhang: Erläuterung
der Sacramente der Kirche. 2. Die Briefe, jedoch nicht
nach der zeitlichen Aufeinanderfolge, londern nach ihrem
Inhalt geordnet. Wenn diefe Anordnung die Trennung
äufserlich zufammengehöriger Stücke zur Folge gehabt
hat, wie denn der Brief an Jofua an 6 verfchiedenen Stellen
auftaucht, fo hat der Lefer doch den grofsen Vortheil
, das, was der Bifchof zu einzelnen Materien zu fagen
gehabt hat, überfichtlich zufammengeftellt zu finden. Es
ergeben fich dabei 6 Rubriken: I. Kirchengefchichtliches,
II. Exegetifches, III. Dogmengefchichtliches, IV. Kirchen-