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Ausgabe:

1893

Spalte:

297

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Luthardt, Chr. Ernst

Titel/Untertitel:

Zur Einführung in das akademische Leben und Studium der Theologen 1893

Rezensent:

Achelis, Ernst Christian

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 12. IO- Juni 1893. 18. Jahrgang.

Luthardt, Zur Einführung in das akademifche
Leben und Studium der Theologen (Achelis).
Feiten, Die Apoftelgefchichte überfetzt und erklärt
(Wendt).
Voigt. Eine verfchollene Urkunde des antimon-
taniftifchen Kampfes (Loofs).

Damaskus zugefchriebenen Parallelen (Bon- Herrmann, Worum handelt es sich in dem
wetfch). Streit um das Apostolicum? (Lobftein).

Quellen und Forfchungen aus dem Gebiete der I Kawerau, Spurgeon ein Prediger von Gottes
Gefchichte, hrsg. von der Görres-Gefellfchaft, Gnaden (Achelis).
I. Bd. I. Thl. Nuntiaturberichte Morones [ Loofs, Predigten (Achelis).
1539, 1540, bearb. von Dittrich (Virck). j Nathufius, Die Mitarbeit der Kirche an der
Thieme, Aus der Gefchichte des Apostolicums , Löfung der fozialen Frage. I. Die foziale Frage.

Loofs, Studien Uber die dem Johannes von (Lobftein). (Naumann

Luthardt, D. Chr. Ernft, Zur Einführung in das akademische
Leben und Studium der Theologen. In Briefen an
einen angehenden Theologen. Leipzig, Dörffling &
Franke, 1892. (VI, 177 S. 8.) M. 2.—

Der Herr Verfaffer hat fchon als Repetent in Erlangen
vor nahezu 40 Jahren für einen Kreis junger Freunde
,einigeBemerkungen über das theologifcheStudium' nieder-
gefchrieben; in dem vorliegenden Büchlein haben wir die
in langer Erfahrung ausgereifte Frucht des damals Begonnenen
. Mit dem angehenden Theologen werden alle
Verhältnifse befprochen, die auf der Univerfität feiner
warten, von der akademifchen Freiheit und dem Verbindungsleben
an bis zu dem Betriebe der allgemeinen und
fachwiffenfchaftlichen Studien. Der väterliche freundliche
Ernft, das weitherzige Verftändnifs für die Neigungen und
Ideale eines jungen Studenten, die bei aller entfchiedenen
Wahrung des eigenen Standpunktes grofse Milde des kirchlichen
und theologifchen Urtheils, das Alles macht das
Büchlein zu einer fehr anziehenden und dem angehenden
Theologen ohne Zweifel förderlichen Leetüre. Referent
ilt freilich in einigen Punkten etwas anderer Meinung;
die das Büchlein durchziehende Vorausfetzung, dafs es
nur die Aufgabe des Studirenden fei, die Arbeiten der
Kritik und der f. g. .neueren' Theologie kennen zu lernen,
um fchliefslich bei den theologifchen Anfchauungen flehen
zu bleiben, die er auf die Univerfität mitgebracht habe,
kann Referent um fo weniger theilen, als auf diefem Wege
jenes ernfte Ringen um klare theologifche Erkenntnifs,
ohne welches heute kein tüchtiger und glaubensgewiffer
Theologe gebildet werden kann, nicht zu feinem Rechte
kommt. Die Gefahr ift da, das theologifche Studium zu
betreiben etwa wie die Befichtigung einer Mineralien-
fammlung, die einige höchft intereffante Stücke aufweift.
Es mag fich immerhin empfehlen, dem angehenden Studenten
feinen Beruf von vornherein nicht zu fchwer zu
machen; allein eine Hinweifung auf die Nothwendigkeit,
alle Kraft, ja fein Leben einzufetzen, eine noch ernftere
Mahnung, ,den Grund zu finden, der meinen Anker ewig
hält', würde dadurch doch nicht ausgefchloffen fein. Eine
klare Darlegung des Unterfchiedes zwifchen Glauben und
Theologie würde hierbei wohl unerläfslich fein. — An
Verfehen ift zu bemerken, dafs S. 66 der Sohn von
Friedrich Perthes, der juriftifche Profeffor in Bonn und
Begründer der Herbergen zur Heimath nicht Andreas,
fondern Clemens Theodor hiefs.

Marburg. E- Chr. Achelis.

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Feiten, Prof. Dr. Jofi, Die Apostelgeschichte, überfetzt und
erklärt. Freiburg i. B., Herder, 1892. (XII, 486 S. gr. 8.)
M. 8.—

Es ift ein ausführlicher katholifcher Commentar zur
Apoftelgefchichte, dem Erzbifchof Krementz von Köln
gewidmet. Wenn man, wie billig, einen relativen Mafs-
ftab anlegend fragt, wieweit der Verf. geleiftet hat, was
er auf feinem katholifchen Standpunkte leiften konnte, fo
mufs man m. Er. feiner Arbeit grofse Anerkennung zollen
. Er zeigt eine genaue Bekanntfchaft mit der ganzen
einfehlägigen wiffenfehaftlichen Literatur und hat auch
die proteftantifchen Werke möglichfl zu verwerthen ge-
fucht. Wo er von den proteftantifchen Erklärern abweicht,
bleibt feine Erörterung doch durchweg frei von häfslicher
Polemik. Seine Einzelexegefe trägt im Ganzen das Gepräge
der Sachlichkeit und Gründlichkeit. In der Textkritik
fleht er auf dem Boden der Arbeiten von Tregel-
les, Tifchendorf u. Weftcott-Hort.

Gebunden ift freilich das Urtheil des Verf.'s gegenüber
allen den Bedenken der proteftantifchen Kritik,
welche fich gegen die Glaubwürdigkeit einzelner Berichte
und Angaben der A. G. richten. Die A. G. ift für ihn
,der authentifche Bericht eines infpirirten Zeitgenoffen'.
(Vorwort). Auf das wunderbare Mittel der Infpiration
wird allerdings praktifch weniger Gewicht gelegt, als auf
die natürlichen Mittel und Wege, durch die der Verf. der
A. G. feine authentifche Kenntnifs der dargeftellten Gefchichte
gewonnen hat. Derfelbe war, wie fich aus den
Wirftücken ergiebt, ein Freund und Reifegefährte des
Paulus, welchem für die Abfchnitte, in denen er nicht
als unmittelbarer Augenzeuge erzählte, die zuverläffigften
mündlichen Berichte Gebote zu ftanden. Die Reden der A.
G. geben, wie aus ihrer Kürze folgt, nur den wefentlichen
Inhalt der wirklich gehaltenen Reden wieder. Gefchrieben
ift das Buch im Jahr 63. .Denn die natürlichfte Erklärung
des Umftandes, dafs Lucas feine Erzählung nicht weiterführt
und uns weder von der Befreiung Pauli, noch von
feinen weiteren Schickfalen, noch von feiner zweiten Ge-
fangenfehaft und feinem Tode etwas berichtet, ift die,
dafs er eben vor diefen Ereignifsen fchrieb' (S. 23). Der
Zweck der A. G. wird folgendermafsen beftimmt: ,Sie
will den göttlichen und univerfalen Charakter des Chriften-
thums an feiner vom h. Geifte bewirkten Ausbreitung ge-
fchichtlich nachweifen, bringt diefen Nachweis aberin innige
Beziehungen zu den beiden Apofteln, die dem Theophilus
befonders bekannt waren und über deren Wirken er
unterrichtet worden war, nämlich zu den Apofteln Petrus
und Paulus. Sie enthält die Grundzüge des römifchen
Unterrichts, bezw. der römifchen Gefchichtserzählung von
der Fortentwicklung des Erlöfungswerkes' (S. 8).

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