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Ausgabe:

1893 Nr. 11

Spalte:

287

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lubenow, Hugo

Titel/Untertitel:

Das Rätsel des Daseins und seine Lösung im Christentum 1893

Rezensent:

Kühn, Bernhard

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287

Theologifche Literaturzeitung. 1893. Nr. II.

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condamner dans le dogme grec. Lohnte es fich wirklich I pflicht trägt den Vermerk: Kaifers Geburtstag 1892,

allerhand fchweres und leichtes Gefchütz in Bewegung | und ift alfo wohl für irgend eine feltliche Vereinigung

zu fetzen, um diefen in feiner Allgemeinheit felbftver- I beftimmt gewefen. Die drei vorausgehenden über Ar-

ltändlichen Satz zu vertheidigen? Sollte dieUnterfuchung, muth und Reichthum, die Gleichheit aller Menfchen,

die der Verf. anftellt, einen pofitiven Gewinn abwerfen,
follte der von ihm fo keck und leicht unternommene
Feldzug nicht planlos und erfolglos verlaufen, fo durfte
B. fich nicht, wie dies gefchehen ift, um die lebendigen con-
creten Mächte der Gefchichte herumdrücken. Das eigentliche
Streitobject ift bei ihm ein unfafsbares Phantom;
unter griechifchem Dogma verfteht B. bald das ,durch

Herrfchaften und Dienftboten machen den Eindruck, als
feien fie auf Hausväterverfammlungen oder chriftliche
Familienabende berechnet. Wir erwähnen das, um damit
Ton und Ausdrucksweife auf's Kürzefte zu kennzeichnen.
Es wäre zuviel behauptet, wenn man von neuen Gedanken
und Anfchauungen reden wollte, die hier zu Tage
träten. Die biblifche Lehre über die erwähnten Themata

die Begegung des Evangeliums und der griechifchen ift eine fo klare und gewiffe, dafs wir alle Grundzüge
Philofophie entftandene Gedanken-Syftem', bald die grie- diefer Vorträge in chriftlichen Sittenlehren wie in der
chifche Metaphyfik, bald die claffifche Bildung, bald den Predigtliteratur aller Zeiten bereits vorfinden. Gründet
hellenifchen Geift. Nur das Eine beharrt unter allen Wan- fich doch auch der erfte einfach auf Spr. Sah 22, 2,
delungen jener Proteusgeftalt: le dogmc grcc ift dem der zweite auf Apgefch. 17, 26—27 und der dritte auf
Effayift eine willkommene Fiction, oder ein inhaltlofer Ephef. 6, 5—9, während für jenes letzte, viel feltener

behandelte Thema der Bericht von den Thränen Chrifti
über Jerufalem in feinfinniger Ausführung fo verwendet
wird, dafs die patriotifche Empfindung, wie fie thatfäch-
lich in dem univerfalen Menfchen Chriftus vorhanden war,
zu vorbildlicher Darfteilung kommt. So felbftverftänd-
lich nun auch jene Lehren find, fo wenig ift es bekanntlich
überflüffig, fie immer wieder zu entwickeln und
namentlich in neuer Form, welche ein directeres Herantreten
an die einzelnen Stände verftattet. Und deshalb
ift es keineswegs ausgefchloffen, dafs auch folche Lefer,
welche die betreffenden Gebiete der Sittenlehre zu be-
herrfchen glauben, manche fruchtbringende Anregung
aus diefen Vorträgen empfangen.

Dreden. Dr. phil. B. Kühn.

Rahmen, welcher ihm die Veranlaffung bietet, de omni
re scibili allerlei Intereffantes an den Tag zu fördern,
und wider eine Legion von Gegnern die Spitze feiner
formell durchaus artigen, fachlich mitunter recht fcharfen
Polemik zu kehren. Auch die Appendices (S. 217—299)
geben nicht die erwünfchte Ergänzung. Der Verf. hat
das Erftaunliche angeftrebt, eine Ehrenrettung des
griechifchen Dogma's zu verfuchen, ohne uns über Ur-
fprung, Wefen und Charakter desfelben Auffchlufs zu
geben; man wird dem beredten Anwalt claffifcher Bildung
in vielen Stücken von Herzen zuftimmen können,
und dabei doch bedauern müffen, dafs fein eigentliches
Unternehmen, fein Kämpfen nach Rechts und nach Links
ein xqiyuv adrjXcoq, ein aiqa ötQSiv (I Cor. 9,26) geblieben
ift.

Strafsburg i. E. P. Lobftein.

Treutier, C, Lebensweisheit aus Gottes Wort. In Abfchnitte
geordnet und hrsg. Berlin, Bibliograph. Bureau, 1893.
(IV, 127 S. 8.) M. 2.50.

Lubenow, Oberpfr. Hugo, Das Rätsel des Daseins und

seine Lösung im Christentum. Bielefeld, Velhagen & ' ' ~' "',. ".. , - , ,

„, . o / r- o ht Wie nothwendig für Bucherfreunde Bucheranzeigen

Klafing, 1892. (95 S. 8.) M. 1.20.

Das Buch verdankt feine Entftehung ebenfowohl
dem allgemein gefühlten Bedürfnifs der gläubigen Chriften-
heit, die Wahrheiten ihres Glaubens gegenüber materia-
liftifcher Weltanfchauung zu vertheidigen, wie dem fehr
erklärlichen Beftreben, allerlei apologetifchen Schriften
unferer Tage, die fich mehr auf einem allgemein reli-
giöfen Standpunkt bewegen, eine Rechtfertigung der

find, die ihnen etwas mehr fagen, als den blofsen Titel,
dafür ift die vorliegende Veröffentlichung mit ihrem Ver-
hältnifs zwifchen Titel und Inhalt ein deutlicher Beweis.
Was könnte fich ein Lefer vor dem Lefen alles denken,
was er in diefem Buche finden dürfte! Und doch befteht
der ganze Inhalt aus ungefähr 1100 Bibelfprüchen, welche
unter acht Hauptüberfchriften nebft etlichen Unterabtheilungen
gruppirt find, und aus gar nichts Anderem,

ftreng evangelifch-biblifchen Glaubensanfchauung an die j fo dafs des Herausgebers ganze Arbeit nur in der AufSeite
zu itellen. Als Lefer ift wohl der von allerlei j ftellung diefer Ueberfchriften und in der Einordnung der
religiöfen Zweifeln heimgefuchte gebildete Durchfchnitts- betreffenden Sprüche in ihre Abtheilungen beftanden hat.
menfch unferer Zeit vorausgefetzt. Der Gedankengang Das beigegebene alphabetifche Spruchverzeichnifs könnte
ift der, dafs die Nothwendigkeit einer göttlichen Offen- ! man noch als Leiftung gelten laffen, um folchen Freun-
barung, die auf wunderbare Weife in den Zufammen- 1 den der göttlichen Wahrheit, welche keine Concordanz
hang des Sinnlich-Vergänglichen hereintritt und herein- j befitzen, das Auffinden eines Spruches zu erleichtern,
greift, aus dem Begriff des Uebernatürlichen und des Bei aller Ehrfurcht vor dem Bibelwort im Ganzen und
Glaubens entwickelt wird. Bei der Kürze der Schrift im Einzelnen und bei aller Lebhaftigkeit des Wunfehes,
und ihrer Zerlegung in eine Anzahl einzelner felbftändiger es möchte dasfelbe möglichft weit bekannt werden, kann
Abfchnitte ift natürlich eine zwingende fyftematifche Be- man die Präge doch kaum unterdrücken, was der Druck
weisführung nicht möglich; der Verfaffer befchränkt fich diefes höchft eigenthümlichen Spruchbuches eigentlich
auf Hinweife und Andeutungen, deren Beweiskraft viel- i foll. Das Vorwort belehrt uns, dafs der Herausgeber
leicht bei vielen der vorhin angenommenen Lefer nicht I allerdings einen beftimmten Plan im Auge gehabt hat,
ftark genug fein wird. Immerhin enthält die Schrift die : nämlich der Reihe nach mit den Worten der Bibel felbft
herkömmlichen apologetifchen Gedanken, mit dem Nach- die Satzungen auszufprechen, auf denen die Erziehung
druck perfönlicher Ueberzeugung vorgetragen, und kann ] des gefammten Menfchengefchlechtes und fein Heil beruht,
in vielen Fällen gute Dienfte thun. j So könnten wir fagen, es fei hier ein Katechismus beab-

Dresden. Dr. phil. B. Kühn. 'f,tiglfr ohTnTe ,Text blo|;s rUf- den Beweisftellen be-

r flehen follte. Und etwas Aehnhches deutet der Ver-

- faffer auch an. Aber die Kirchengefchichte belehrt uns

Dresbach, Pfr. Ewald, Vornehm und Gering. Vier zeitge- darüber, dafs gerade ungelehrte Lefer, wie fie der Ver-

mäfse geiftliche Vorträge. Leipzig, Dürr'fche Buchh., {aff/f doc.i™ Auge habe" mu|f' ddlC ndern diefe

t8 ,ux c 0. . r Lebensweisheit fchon durch anderweitige Vermittlung

1093. HU, 102 S. 8.) M. 1.25. befitzen, bei folch eigenfter Geftaltung der religiöfen An-

Wir erfahren nicht, wo diefe Vorträge gehalten find, i fchauung aus der Bibel heraus häufig genug auf die

Der letzte über die Vaterlandsliebe als heilige Chriften- bedenklichften Irrwege gerathen und bei Bekenntnifsen