Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1893 Nr. 11

Spalte:

279-281

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

James, Montague Rhodes

Titel/Untertitel:

The testament of Abraham. The Greek text now first edited with an introduction and notes 1893

Rezensent:

Schürer, Emil

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

279

Theologifche Literaturzeitung. 1893. Nr. II.

280

Anmerkung zu Harmagedon S. 58: M. Spitta pense que
ce nom designe Megiddo. Ift dies denn eine Privatmeinung
Spitta's?

Kiel. E. Schürer.

fion find drei Handfchriften benützt, zwei Parifer und
eine Wiener, ebenfalls ziemlich jung [saec. XIV—XV).
Den bellen Text giebt auch hier eine Parifer [Fonds
Grec 1613). Auf Grund diefes Materiales wird der Text
beider Recenfionen vollftändig mitgetheilt (die längere
S. 77—104, die kürzere S. 105—119). Beide weichen fehr
James, Montague Rhodes, M. A., The testament of Abra- ftark von einander ab, auch im Erzählungsftoff felbft, und
ham. The Greek text now first edited with an intro- ! ftellenzweivölligfreieReproductionendesGegenftandesauf

duction and notes. With an appendix containing
extracts from the Arabic version of the testaments
of Abraham, Isaac and Jacob by W. E. Barnes,
B.D. [Texts and Studies, contributions to biblical and
patristic literature, edited by J. A. Robinson, B. D.,
II., 2.] Cambridge, at the University Press, 1892. (IX»
166 S. gr. 8.) 5 s.

Ein apokryphifches Buch über Abraham wird von
Or igen es erwähnt, in Lucam homil. 35 [de la Rue III,

Grund eines gemeinfamen Archetypus dar. James glaubt,
dafs der Gang der Erzählung in der längeren Recenfion
getreuer erhalten fei, der Wortlaut im Einzelnen mehr
in der kürzeren (p. 49, 51 unten). Zu diefen griechifchen
Texten kommen nun noch Ueberfetzungen, die zum
Theil auch wieder felbftändige Recenfionen darfteilen,
nämlich 3) mehrere flavifche Texte, f. Kozak, Jahrbb.
für proteft. Theol. XVIII, 1892, S. 134 und 135, wovon
einer längft gedruckt ift (Tichonrawow, Pamjatniki
otretschennoi russkoi literatury Bd. I, St. Petersburg 1863,
S. 79—90). 4) Ein rumänifcher Text, herausgeg. von

973, Lommatzsch V, 217): Legimus, st tarnen cui placet Gafter, The Apokalypse of Abraham from the Rou-
hujuscemodt scripturam reczpere, justittae et iniquitatis 1 ma,iian text discovered and translated [Transactions of
angelos super Abrahami salute et interitu disceptantes, the Society of Biblical Archaeology IX, 1887, S. 195—226).
dum utraeque turmae suo eum volunt coetui vendicare. j ,) Eine aethiopifche Ueberfetzung, unvollftändig in einer
Man darf vermuthen, dafs es dasfelbe ift, welches auch parifer Handfchrift erhalten (James S. 6). 6) Eine arabifche,

in der Stichometrie des Nicephorus und in der Synopfis
Athanafii unter den Apokryphen des Alten Teftamentes
aufgeführt wird (f. den Text diefer Verzeichnifse jetzt
auch bei Zahn, Gefch. des Neuteftamentl. Kanons II, I,
300 und 317). In beiden fleht es zwifchen jüdifchen
Apokalypfen wie Henoch, Teftamente der zwölf Patriarchen
, Teftament und Himmelfahrt Mofis, Buch Eldad und

ebenfalls in einer Parifer Handfchrift (James S. 7). James
hat fich nur mit letzterer eingehender befchäftigt. In
der vergleichenden Inhalts-Ueberficht der beiden griechifchen
Recenfionen (S. 35—42) giebt er in der dritten
Columne auch eine Ueberficht über den Inhalt der
arabifchen Recenfion. Bruchftücke des Textes der letzteren
(in englifcher Ueberfetzung) find im Anhang von

Modad, Apokalypfe des Elias. Es ift alfo wahrfcheinlich, ! Barnes mitgetheilt (S. 131—139). Derfelbe giebt dort
dafs es auch jüdifchen Urfprungs und apokalyptifchen aucn Auszüge aus den Teltamenten des Ifaak und Jakob,

Charakters war, wenn es auch in jenem Verzeichnifse
nur als ldßoactf.t (ohne Andeutung des Inhaltes) bezeichnet
wird. Nach der Stichometrie des Nicephorus
hatte es nur 300 Stichen, war alfo von geringem Umfange1
). Ob damit eine bei den gnoftifchen Sethianern ge

welche in der arabifchen Recenfion mit dem des Abraham
vereinigt find (S. 140—154).

Die ganze Erzählung über Abraham dreht fich
darum, dafs diefer trotz wiederholter Befehle
Gottes fich hartnäckig weigert zu fterben. Zubrauchte
Apokalypfe des Abraham zufammenhängt, 1 näChft wird der Erzengel Michael zu ihm gefchickt, um
dürfte mindeftens fehr fraglich fein [Epiphan. haer.yg, 5: ;nm feinen bevorftehenden Tod anzukündigen. Michael
all-nv ös st; ovoiimoq Idßouup, ry xai atrov.cilifnv kommt in Geftalt eines Kriegsmannes [ctQyiOTQÜnyo;,
q uoy.ovaiv si.vai, zntotjg xaydaq sfinXetov), ebenfo die Zu- | wircj von Abraham freundlich bewirthet, kann es aber

felbft nicht über fich gewinnen, feinen fchweren Auftrag
auszurichten. Er entfernt fich unter einem Vorwand,
kehrt in den Himmel zurück, und erklärt Gott, er könne
einem fo gerechten Mann den Tod nicht ankündigen.
Gott fchickt ihn fofort wieder auf die Erde mit dem
Befehl, feinen Auftrag auszurichten. Zur Erleichterung
der Sache werde Gott dem Ifaak einen Traum fehicken,
welchen Michael deuten folle (c. 1—4 der längeren
Recenfion). So kommt Michael abermals zu Abraham,
welcher ihn erft jetzt allmählich erkennt (c. 5—6). Ifaak
träumt, er habe die Sonne und den Mond über fich ge-
fehen; dann habe ein Mann zuerft die Sonne und dann
den Mond weggenommen. Dies deutet Michael dem
Abraham dahin, dafs Abraham die Sonne, Sara der
Mond fei, er felbft Michael der Mann, welcher beide aus
diefer Welt hole. Abraham müffe ihm alfo nun folgen.
Diefer aber weigert fich entfchieden zu gehen (c. 7). Als
Michael Gott über feinen Mifserfolg Bericht erftattet,
wird er fofort wieder zu Abraham gefchickt, um ihm
vorzuftellen, dafs er fich in das allgemein menfchliche
Loos fügen müffe (c. 8). Michael thut, wie ihm befohlen
. Nun bittet Abraham, Gott möge ihn doch noch
in diefem Leben die ganze Welt und alle Dinge fehen
laffen; dann wolle er willig gehen (c. 9). Diefe Bitte
wird erhört. Michael hebt ihn im Cherub-Wagen in den
Aether empor und zeigt ihm die Gefchicke der Menfchen
und das Gericht (c. 10—n). Unter anderm fieht er auch
eine Seele, bei welcher die guten und die böfen Handlungen
sich genau die Wage halten. Auf Abrahams Wun feh
thut Michael Fürbitte für fie bei Gott, und fie wird gerettet
(c. 12—14). Abraham wird nun wieder nach Haufe ge-

fammengehörigkeit mit dem Apokryphum tcöv zqiwv
ttazQiaoyßr, welches in den Const. apost. VI, 16 erwähnt
wird.

Der Wunfeh, jenes alte jüdifche Apokryphum zu
befitzen, ift fehr begreiflich. Ich fürchte aber, dafs James
fich Illufionen hingiebt, wenn er meint, uns dasfelbe
wieder gefchenkt zu haben. Die apokryphifche Erzählung
über den Tod Abrahams, welche er zum erftenmale
publicirt, exiftirt griechifch in zwei verfchiedenen Recenfionen
. Dazu kommen dann noch mehrere Ueberfetzungen
. 1) Für die längere griechifche Recenfion hat
James fechs Handfchriften benützt, drei Parifer, eine
Wiener, einen Bodleianus und eine Handfchrift in Jeru-
falem, welche Harris abgefchrieben hat. Die Handfchriften
find ziemlich jung; die meiften gehören dem
15.—16. Jahrhundert an, nur zwei find etwas älter. Zur
Grundlage für feine Ausgabe hat James eine vom
J. 1315 datirte Parifer Handfchrift gemacht [Bibl. Nat.
Fonds Grec 770). 2) Für die kürzere griechifche Recen-

1) Was das Verhältnifs der beiden Verzeichnifse zu einander anlangt
, fo hält James S. 7—8 die Synopfe für älter als die Stichometrie;
und er beruft fich hiefiir auf Zahn, welcher die Abfaffung der Synopfe
um 500, die der Stichometrie um 850 n. Chr. anfetze [The Synopsis is,
ke thinks, a produetion of cit. 500 A. D. the Stichometry was drawn
up at Jerusalem in cir. 850 A. £>.). In beiden Beziehungen ift aber
Zahn's Anficht völlig falfch referirt. Zahn hält, ebenfo wie Credner und
Ref., die Stichometrie für älter als die Synopfe. Jene fetzt er ,in die
Zeit von 320—600, vielleicht vor 500' (II, I, 311), diefe ,gewifs nicht
vor dem 6. Jahrhundert' (II, I, 315). Nur darin weicht Zahn von Credner
und dem Ref. ab, dafs er nicht die uns erhaltene Stichometrie, fondern
eine mit ihr nahe verwandte Lifte als Vorlage der Synopfis betrachtet.
Das Datum 850 bei Zahn bezieht fich auf die Zeit der Einfügung der
Stichometrie in die Chronographie des Nicephorus (II, 1, 296 f.).