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Ausgabe:

1893 Nr. 8

Spalte:

204-205

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Cooke, G. A.

Titel/Untertitel:

The history and song of Deborah, Judges 4 and 5 1893

Rezensent:

Budde, Karl

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Theologifche Literaturzeitung. 1893. Nr. 8.

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den nachdrücklichsten Widerfpruch geltend machen, fo wäre ein weit wahreres, runderes und günstigeres Bild

nämlich gegen die unglaubliche Ueberfchätzung der
Delitzfch'fchen Commentare und dagegen, dafs Ferdinand
Hitzig als Grammatiker auf eine Stufe mit Heinrich
Ewald gerückt wird.

Ich fchliefse mit nochmaliger Empfehlung des trefflichen
Buches an Alle, die fich mit der Sprache des

entftanden. Aber dafür bildet, wie gefagt, auch die um-
faffende Gelehrfamkeit Cheyne's ein Hindernifs. Von hundert
und aber hundert Seiten ftrömen ihm Anflehten und
Aeufserungen Anderer zu, die er nicht fernzuhalten verlieht
, die er verwerthen, mit denen er fich auseinanderfetzen
mufs. Da ift es freilich fchwer, aus dem Vollen,

Alten Teftaments zu befchäftigen haben. 1 Eigenen zu fchöpfen und durch pfychologifche Ver

Strafsburg i. E. Friedr. Schwally.

Cheyne, T. K., M. A., D. D., Aids to the devout study of

criticism. Part I. The David-Narratives. Part IL The
book of Psalms. London, Unwin, 1892. (396 S. 8.)
7 s. 6d.

tiefung die in der Üeberlieferung schlummernden Schätze
zu Tage zu fördern. Das verfteht G. A. Smith in feinem
Jefaja, auf den Cheyne S. 73 empfehlend verweift, unvergleichlich
beffer. Aber auch die grundfätzliche An-
fchauung, nämlich eine gefchichtlich fich entwickelnde
und fortfehreitende, darum relative Offenbarung und
religiös-fittliche Erkenntnifs, in ihrer relativen Gröfse zu
meffen nach der Zahl und Bedeutung der Schritte, um
die fie dem Ziele näher kommt, tritt, fo oft fie auch an-

Das Buch beabfichtigt nicht, die deutfehen Fach-
genoffen Neues zu lehren; es foll vielmehr wefentlich 1 gedeutet wird, doch nicht fo klar zu Tage, wie es zu
dazu dienen, des Verfaffers wiffenfehaftliche und kirch- j wünfehen wäre. Das zeigt fich vor allem auch in dem
liehe Haltung vor der englifchen Gemeinde zu recht- ' Auffatz ,Die Infpiration der Pfalmiften' S. 141 —164.
fertigen und gegen mannigfache Angriffe, befonders auf j Einige Einzelheiten feien noch zu dem Charakter-
Grund feines Buches ,The origin 0/ t/er Psalter' (vgl. diefe bilde David's bemerkt. Obgleich Ch. Sam. II, 8 aufS. 7
Z. 1892 Nr. 10), zu vertheidigen. Er veröffentlicht zu die- j nach Kittel als redactionelle Arbeit auf älterer Grund-
fern Zwecke eine Auswahl der Kanzelvorträge, die er j läge aufführt, nimmt er doch die fürchterliche Graufam-
als Canonicus von Rocheiter in jedem Sommer zu halten 1 keit David's gegen die Moabiter v. 2, in ihrem ganzen
berufen ift, und zwar flammen die über David im erften j fchneidenden Gegenfatze zu deren Gaftfreundfchaft gegen
Theile und die über Pf. 51 aus dem Jahre 1891, die übrigen ! David's alte Eltern (I, 22, 3f.), als baare Münze an. Vgl.
des zweiten Theiles aus mehreren vorhergehenden Jahren. { dagegen mein Buch Richter und Samuel S. 250 f. Der
Die letzteren waren bereits in der Zeitfchrift The Ex- | ganze Moabiterkrieg David's dürfte ungefchichtlich fein.
posetor veröffentlicht. Alle find durchgefehen und in eine ; Obgleich andererfeits Ch. in Kön. 1,2,2—9 mir Recht giebt.
weniger homiletifche Form gebracht unter Beifügung j dafs nur v. 2—4 deuteron. Zufatz, die Verfe 5—9 urmannigfacher
Erläuterungen, kritifcher Einleitungen und j fprünglich feien, will er doch dies .Testament David's',
Anmerkungen. ■ die Blutvermächtnifse gegen Joab undSimi, als ganz un-

Was die wiffenfehaftlichen Grundlagen des Buches gefchichtlich befeitigen, (S. 34. 64ff.) Dafs David damals
betrifft, fo find diefe für den zweiten Theil längft bekannt, fchon zu altersfchwach gewefen fei, um foweit zu denken
fie find genau die gleichen wie in des Verf.'s oben an- j und irgend welche Befehle zu geben, läfst fich nicht begeführten
umfaffendem Werke. Er fetzt fie einleitungs- weifen. Als Ausflufs der Graufamkeit und Rachfucht aber
weife in dem Auffatze ,Das kritifche Studium des Pfal- 1 erfcheinen diefe Aufträge nur vom modernen Standpunkte
ters' S. 129—140 auseinander. Diefem entfpricht für den j aus, vom antiken dagegen als liebevolle Fürforge des
erften Theil des Auffatz ,Wie das Buch Samuel entftand' j fterbenden Vaters, als Schutzmafsregeln für feine ganze

S. 3—15. Für den Aufbau im Grofsen bietet Cheyne
darin lediglich dieQuellenfcheidungvonKittel inKautzfch's
Ueberfetzung (von ihm irrig Kautzfeh zugefchrieben); im
Einzelnen ftimmt er meift meinen Löfungen zu, fo S. 11
hinfichtlich des Textes der Goliath-Gefchichte und c. 21,
ioff. im Vergleich mit c. 27fr., S. 12 für c.24 und die
Umftellung von 0.25 und für die beiden Erzählungen von
Saul's Tod.

Das pofitive Ziel des Buches ilt der Nachweis, dafs
richtig, wahrhaft fromm, betriebene Bibelkritik den Glau

Nachkommenfchaft gegen die drohende, fehr wefenhafte
Gewalt ungefühnten Blutes und eines ausgefprochenen
PTuches. Dafs das Vaterherz davon noch auf dem Sterbebette
gequält wird, ift wohl begreiflich (vgl. Richter und
Samuel S. 264).

Natürlich wollen die erhobenen Ausstellungen Cheyne
's tapferem Kampfe nicht entgegenarbeiten, fondern ihn
nur unterstützen. Er hat fo Grofses geleistet, dafs er nicht
allem braucht gewachfen zu fein. Erreicht er dies Ziel,
die Ueberzeugung der grofsen Maffen, nicht ganz, fo-

ben nicht untergrabe, fondern nur kräftige und vertiefe, i liegt das nicht an der Sache, fondern an den Schran
Zu Beifpielen wählt er das Charakterbild David's und I ken, die auch der besten Perfönlichkeit gesteckt find
die Goliath-Gefchichte, fowie eine Reihe von Pfalmen. I Andere werden in die Brefche treten, um in dankbarer

Nachfolge feines Vorbildes die von ihm gefchmiedeten
Waffen wirkfamer zu fchwingen.

Strafsburg i. E. K. Budde.

Gewifs ein richtig geflecktes und fchönes Ziel, auch wird
des Verf.'s Ringen danach nicht ganz vergeblich fein
aber für befonders glücklich wird man fein Verfahren,
für befonders grofs wohl auch feine Anlage dazu fchwer-
lich erklären dürfen. Das erllere ift zu apologetifch, die j

zweite zu überwiegend gelehrt. Jedes apologetifche Ver- Cooke, Rev. G. A., M. A., The history and song of Debo-
fahren fetzt die ergriffene Sache von vorneherein in | rah Judges IV and V. Oxford, Clarendon Press Depot,
Nachtheil, indem es den Standpunkt des Gegners als 8 , * c 0. , ,

Ausgangspunkt, alfo als Grundlage der Erörterung an- Iö92, W b" Sr- ».) 1 s. O d.

erkennt. Die ganze Fragestellung mufs dadurch fchief
und für die gute Sache ungünstig werden. Sehr deutlich
zeigt fich das bei dem Charakterbilde David's. Dadurch,

Wie es fcheint, eine Differtation aus Driver's Schule;
jedenfalls erinnert die Arbeit auf Schritt und Tritt an
das fachkundige, ruhige, umsichtige Verfahren diefes

dafs von den kurzfichtigen Beurtheilungen vom Stand- I Gelehrten. Sie zerfällt in 2 Theile: 1) The history, die
punkte des modernen Menfchen, dem bekannten,Räuber- j Üeberlieferung, ihre Verzweigung und Zufammenfetzung
Hauptmann', ausgegangen wird, bleibt zuletzt nur ein und ihre gefchichtlichen Grundlagen behandelnd, 2) the

recht zweifelhaftes und nichts weniger als einheitliches
Bild von diefem doch zweifellos grofsen Manne übrig.
Wäre von vorneherein die Höhenlage der Zeit David's
in fittlicher und religiöfer Beziehung kurz und fcharf gezeichnet
worden, um dann einfach thetifch vorzugehen,

text and the versions, philologischer Commentar zu
Rieht. 4. 5. Da history in der Ueberfchrift einen etwas
anderen Sinn hat, fo wäre hier oder dort beffer ein anderes
Wort gewählt worden. Der erfte Theil beweist in
fehr klarer und überzeugender Ausführung, dafs in c. 4