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Ausgabe:

1892

Spalte:

164-165

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Frederichs, Julius

Titel/Untertitel:

De Secte der Loisten of Antwerpsche Libertijnen (1525-1545) 1892

Rezensent:

Reusch, Franz Heinrich

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Theologifche Literaturzeitung. 1892. Nr. 6.

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wichtigeren Handfciiriiten auch da Neues und Befferes
zu geben vermocht; ja eine Reihe griechifcher Stücke
aus dem Cod. Coislin. 294 hat er zum erften Male
publicirt.

So empfangen wir denn im Anfchlufs an die Reihenfolge
in den flavifchen Codices zuerft S. I—62 die Schrift
;iH>i zoü avTtSoiaiov, S. 63—69 einen im urfprünglichen
Wortlaut völlig verlorenen Tractat ,über das Leben und
die vernünftige Handlung', S. 70—283 die 3 Bücher von
der Auferftehung (ein Paar Fragmente von S. 349 gehören
hieher und S. 284—289 bringen als Epimetrum Ab-
fchnitteaus Hieronymus und Origenes, die zur Orientirung
über die in de resurr, bekämpfte Lehre des ürig. dienen
), S. 29O—339 die drei Abhandlungen über die Speifen
und die rothe Kuh, über den Ausfatz und über den Igel,
alle 3 von zweifellofer Echtheit, obwohl fonft nirgends
erwähnt, die zweite auch geftützt durch die neuentdeckten
griech. Fragmente des Coisünianus. Hier bricht der
Slave ab; der Vollftändigkeit halber fügt Bonw. noch
das bereits bekannte sxtov 7t.eqi ziliv ytvrpcüv (S. 340—344)
und die Ueberrefte aus der Streitfchrift gegen Porphyrius
(S.345—348) hinzu, um mit Fragmenten aus dem kbyoc,
real fictQivQiov fowie aus dem Hiob-Commentar und
einigen u/roouuouazia (349—55) zu fchliefsen.

Die Anlage der Ausgabe ift derart, dafs, wo griechifcher
Text vorhanden ift, diefer zuerft gedruckt wird,
gleich darunter der zugehörige handfehriftliche Apparat,
möglichft eingefchränkt in dem berechtigten Intereffe
der Ueberfichtlichkeit, dann folgt der parallele (flavifch-)
deutfehe Text, auch da wieder mit Apparat, falls einmal
die Handfchriften auseinandergehen oder corrumpir-
te Lesarten bieten; die Citate werden am Rande be-
ltimmt und endlich bieten Anmerkungen ganz unten
allerlei Stoff zur Förderung des Verftändnifses, zumeift
Parallelen aus der patriftifchen Literatur. Vier Indices
find beigefügt, glücklicherweife alle unter Mitberückfich-
tigung des Symposion, das nach Allatius-Jahn's Seiten-
und Zeilenzahlen citirt wird: einer die benützten Bibel-
ftellen, ein anderer die Citate aus nichtbiblifchen Schriften
enthaltend ; hinter dem Verzeichnifs der Eigennamen folgt
von S. 364—408 ein ftaunenswerthreicher Index verborum.
Eine Einleitung (S. V—XLVIII) orientirt überGefchichte
und heutigen Stand der Methodius-Forfchung, über die
benützten Handfchriften und fonftigen Quellen, wobei
auch die Frage nach Echtheit und Werth der in Betracht
kommenden Stücke geftreift wird, und über den Plan
der vorliegenden Ausgabe. Eine Reihe von Nachträgen
und Correcturen werden gegeben, die testimonia vete-
rum zufammengeflellt, die angewendeten Sigla erläutert.

Ich habe über die Genauigkeit der Ueberfetzung kein
Urtheil; der Verfaffer äufsert fich über feine Leiftung
fehr befcheiden, wie er auch die gütige Hilfsleiftung
Anderer, die ihm zu Theil geworden, nicht oft genug
rühmen kann: jedenfalls hat er alles ihm Mögliche ge-
than,um durch engften Anfchlufs an feine Vorlage diefe
felber und nicht feine Auffaffung von ihr bekannt zu
machen; und als gediegenen Arbeiter kennt man B. lange,
als folchen hat er fich auch hier, wo man irgend ihn
controliren kann, bewährt. Der Stil B.'s ift ja ein unglaublich
harter, — ich rede nicht von der Ueberfetzung
— einzelnes ift geradezu unverftändlich; dafs jede Inhaltsangabe
mangelt, empfindet man um fo fchmerzlicher, als
keinerlei Ueberfchriften einem fagen, in welche Schrift
des Meth. die oder die Seite hineingehört; auch das ift
ein unliebfamer Fehler, dafs im Text die Capitel immer
mit römifchen, die §S mit arabifchen Zifern bezeichnet
werden, bei der Citirung aber beide mit letzteren, fodafs
Confufion unvermeidlich wird, weil genau die gleiche
Benennung auch auf Seiten und Zeilen geht. Befonders
zahlreiche Druckfehler finden fich in den Vorbemerkungen
, auch eigentliche Verfehen,wie wenn S. XIX gefagt
wird, Routh habe in den Reliqu. s. t. II, 1 ss. den Text
der Praeparatio (Eufeb's; herausgegeben. Dort fleht nur

das Stück aus dem vermeintlichen Maximus und nicht
S. 1 ff. fondern S. 75 ff. —S. XXXI giebt B. eine dankenswertem
Collation von 2 Hippolytos-Fragmenten, die er
in dem Coislin. 294 gefunden; bei dem 2. ift ihm entgangen
, dafs es viel näher bei Hipp. ed. Lagarde p. 12,
4—13, 10 fleht, als bei dem fpäten Machwerk von p.
ioof.Ueber das flavifche Idiom, dem jenes Corpus Meth.
angehört, erfährt man nichts Genaues; dafs bei einem
anderen wichtigen Codex mehrere Hände zu unterfcheiden
find, nur ganz beiläufig. Die Angabe der Bibelftellen ift
nicht abfolut befriedigend und der Index biblicus, foweit
ich fehe, der am wenigften exaete; auch im Index nominum
fehlt z.B.' Isoonnlvfia und Oveanaoiavog, bei HnXoiuöv die
Stelle 265,3 und m dem ind. verb. fleht ein Artikel
äyyt/.r/.6g vor, einer hinter äyyelog, wir lefen aysvnrwg
ftatt aysvqztog u. f. w. Der Text ift am forgfältigften cor-
rigirt, hin und wieder auchdieConjectur glücklich angewendet
; zu verbeffern bleibt auch da (übrigens, follte nicht
in dem fo trefflich reftaurirten Satze 347,37 noch üvw
%e in ävto&Ev cf. 29,5. 31, 4 zu ändern lein?). Aber diefe
kleinen Gebrechen lallen gar nicht in's Gewicht gegenüber
dem Verdienft, das B.'s treuer Fleifs durch dies
fchmucklofe Werk fich um die chriftliche Literaturge-
fchichte erworben hat, wir fchulden ihm dafür den
wärmften Dank und fehen mit Spannung dem 2. Bande
entgegen, der Unterfuchungen über die neu entdeckten
Schriften enthalten foll.

Ich darf zum Schlufs diefer Befprechung wohl noch
an eine andere Adreffe eine Bitte richten. Bonw. S.XXVII1
n. 1 mufs wieder einmal beklagen, wie er nur zufällig
noch in letzter Stunde erfahren hat von Fragmenten
griechifcher Kirchenlehrer des 3. bis 5. Jahrh., die C. P.
Caspari in einer norwegifchen Zeitfchrift veröffentlicht
hatte. Kann der ebenfo anfpruchslofe wie unermüdliche
Gelehrte in Chriftiania nicht auf irgend einem Wege fol-
che Schätze, die fein Scharffinn und fein erftaunliches
Wiffen gehoben, auch uns Deutfchen zugänglich machen?
Für die grofse Menge find derartige Publicationen freilich
nichts, in Norwegen wahrfcheinlich auch nicht, aber
die Mitarbeiter würden es ausnahmslos um fo herzlicher
ihm danken.

Marburg. Ad. Jülicher.

Frederichs, Julius, De Secte der Loi'sten of Antwerpsche
Libertijnen (1525—1545). Eligius Pruystinck (Loy de
Schaliedecker) en zijne aanhangers. Gent, J. Vuylsteke,
1891. (LX, 64 S. 8.) Fr. 3.50.

Diefe Schrift ift veranlafst durch die in Döllinger's
Beiträgen zur Sectengefchichte des Mittelalters II, 664
abgedruckte Summa doctrinae quorundani dominum, qui
nunc Antwerpiae et passim in aliquibus Brabantiae et
Flandriae locis permulti reperiuntur ac nunc Loistae
ab auetore Eligio, liomine illiterato et mechanico, nunc
Libertini a carnis libertatc, quam illorum doctrina per-
mittere videtur, appcllintur. Der Verf., ein Schüler des
Prof. P. Fredericq zu Gent, des Herausgebers des Corpus
documeniorum Inquisitionis Neerlandicae (f. Th. L.-Z. 1889,
144), weift nach, dafs es fich hier um eine Secte,
nicht des Mittelalters, fondern des 16. Jahrhunderts handelt
, um die Anhänger des Loy d. i. Eligius Pruyftinck,
auch Loy de Schaliedecker (Schieferdecker) genannt, der
1526 zu Antwerpen von der Inquifition zur AbfChwörung
feiner Ketzerei und zu einer Bufse verurtheilt, 25. Oct.
1544 als rückfälliger Ketzer lebendig verbrannt wurde.
Der Verf. fucht nachzuweifen, dafs mit dem ,Rumpel
Geyft', von dem Luther in dem Briefe an die ,Chriften
zu AntorfP vom J. 1525, und mit dem novum genus pro-
pketarum ex Antwerpia asserentium, Spiritum sanetum nihil
aliud esse quam ingenium et ratio)iem naturalem, in dem
Briefe an Spalatinus vom 27. März 1525 nicht die Anhänger
von David Joris, fondern die von Loy gemeint