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Ausgabe:

1892 Nr. 5

Spalte:

138

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bachmann, Philipp

Titel/Untertitel:

Die wichtigsten Symbole der reformierten und katholischen Kirche 1892

Rezensent:

Lobstein, Paul

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Seite 1

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'37

Theologifche Literaturzeitung. 1892. Nr. 5. 13S

regulären Baulichkeiten und im Umkreife die Nutz- und
Wirthfchaftsgebäude' (S. 9). Die Anlage ift der archi-
tektonifche Ausdruck für die Ideen Benedikt's betreffs
der Centralifation des klöflerlichen Lebens, derLoslöfung
desfelben von der Aufsenwelt und der Verbindung der
Mönche unter einem Oberen. Im Gegenfatz zu der
orientalifchen Klofteranlage, welche die Einfiedelei mit
einem centralen Gemeinwefen verbindet (S. 2), hat fich
die occidentale Klofteranlage felbftändig entwickelt. Zwar
fchliefsen (ich die Kloftergründungen des Weftens zunächst
an orientalifche Mufter an (S. 4; Jo. Caffianus);
doch fchon im VIII. Jahrhundert gilt die orientalifche
Anlage als Curiofität (S. 6). Die abendländifche Klofteranlage
tritt uns in der zweiten Hälfte des VII.Jahrhunderts
vollständig ausgebildet entgegen. Ihre Spuren finden
fich fchon während des VI. Jahrhunderts; ja es ift wahr-
fcheinlich, dafs man fchon im Beginne des VIII. Jahrhunderts
die .clauftrale Anlage' auf Benedikt's Zeiten
zurückführte (S. 10).

Die Ableitung des Clauftrum aus der antiken Villa
(de Caumont) trifft nicht das Richtige (S. Wahr-
fcheinlicher ift die Ableitung von den feit dem IV. Jahrhundert
erwähnten monasteria (clcricorum) inlra ecclesiam,
welche fich meistens ,in atrio ecclesiae' befanden. Das
fpätere reguläre Clauftrum ift diefem Atrium der ältesten
Qerikerklöfter nachgebildet (S. 19). Das Atrium-Clauftrum
verlegte man freilich zumeist an die Langfeite der Kirche.
Doch findet fich auch noch im XII. Jahrhundert ein
Kreuzgang im Westen der Kirche, S. M. in Capitolio in
Cöln (S. 20).

Den Abfchlufs der Entwickelung bringen die grofs-
artigen Schöpfungen des karolingifchen Zeitalters. Der
Bauplan von St. Gallen, das Idealbild einer grofsen
Klofteranlage, ift die unfchätzbare Urkunde dafür. Ungefähr
derfelben Zeit gehört an die Klofteranlage von
Eontanella, deren ausführliche Befchreibung uns in der
Chronik des Klosters erhalten ift (Reconftruction des
Grundriffes f. Fig. 1). Merkwürdig ift hier die Erwähnung
eines felbftändigen Archivs (S. 32). Nach dem IX. Jahrhundert
find nur wenige Aenderungen in der Klofter-
Architektur nachzuweifen (S. 33).

Mit diefer Entwickelungsgefchichte der abendlän-
difchen Klofteranlage befchäftigen fich die drei ersten
Capitel (I. orientalifche Anfänge; II. die Benediktiner und
das clauftrale Princip; III. Weiterentwickelung in der
Karolingerzeit). Das 4. Capitel befpricht ,die Formen
der entwickelten clauftralen Anlage'. Das 5. (Cluny und
der ordo Farfcnsis] handelt von dem bedeutenden Ein-
flufs, welchen Cluny fowohl im Süden als im Norden
auf die bauliche Gestaltung der Klöster ausgeübt hat,
freilich ohne eine Aenderung der alten Anordnung hervorzubringen
. Eingehend wird hier die im ersten Capitel
des zweiten Buches der disciplina Farfensis enthaltene
Bauordnung (vom Verfaffer ordo Farfensis genannt) gewürdigt
und die Reconftruction der Klofteranlage an der
Hand derfelben (freilich ,nicht mehr als eine mögliche
Löfung diefer Aufgabe' S. 49, vgl. Fig. 2) gegeben. Das
6. Capitel (die Klofteranlage nach der Wende des ersten
Jahrtaufends) reconftruirt den Grundrifs der Klofter-
bauten der Aebte Defiderius und Oderifius auf Monte
Caffino (vgl. Fig. 3), befpricht den uns erhaltenen Plan
des Klofters von der Cathedrale von Canterbury aus
dem XII. Jahrhundert und fchliefst mit dem Hinweife
darauf, dafs nur der Karthäuferorden in der Anlage
feiner Klöster auf das alte anachoretifche Princip zurückgegangen
fei, jedoch ohne fich von dem überkommenen
Schema befreien zu können (S. 76).

Kleinere Excurfe, fo z. B. über die Profanarchitektur
des Mittelalters (S. 261), hnd eingestreut.

Bei feiner Unterfuchung war der Verfaffer natur-
gemäfs meistens auf fchriftliche Quellen angewiefen; von
monumentalen ift wenig erhalten; doch find auch diefe,
wie jene, umfichtig und gefchickt verwerthet.

Ich bedauere, an der vorliegenden Schrift zwei Ausstellungen
machen zu müffen: die kirchengefchichtlichen
Angaben, welche fie enthält, find öfters nicht mit der
genügenden Präcifion gegeben. Der Druck ift durch
häufige Verfehen entfielst, fo z. B. S. 36, Z. 6 v. 0. mufs
es ftatt domus domibus heifsen, wie auch bei Du Cange
fleht; S. 21 Anm. 1 zähle ich 7 Druckfehler; S. 66 Anm. 1
mufs es ftatt 265 heifsen 343 u. dgl. oft- Auch die Beilagen
S. 77 ff. find nicht rein gedruckt. Mit den Abkürzungen
in diefen Quellenftellen wird man fich nicht
einverstanden erklären können.

Doch follen diefe Ausstellungen dem Danke für die
vorliegende Arbeit keinenAbbruch thun. Dafs die Arbeit
keine abfchliefsende fein kann, liegt auf der Hand; der
Verfaffer ift fich deffen auch ftets bewufst geblieben.

Halle a. S. Gerhard Ficker.

Bachmann, Pfr. Ph., Die wichtigsten Symbole der reformierten
und katholischen Kirche, deutfch hrsg. Leipzig,
Deichert Nachf., 1891. (VIII, 244 S. gr. 8.) M. 3. —

»Vielleicht ift es manchem Studierenden fowohl wie
im Amte Stehenden erwünfcht, wenn ihm in einer Zeit
konfefsioneller Polemik und konfeffioneller Gleichigltig-
keit zumal die hervorragendsten Bekenntnifse zweier
grofser Kirchengemeinfchaften leichter, als dies bis jetzt
der Fall fein mag, zugänglich gemacht find. Solchen
möchte die nachfolgende Zufammenftellung dienen, die
natürlich ebenfo wenig vollständig ift, als fie den An-
fpruch erhebt, eine wiffenfchaftliche Leistung zu fein'.
Obgleich wir es den »Studierenden und im Amte Stehenden
' zutrauen, dafs fie im Stande find, die hier in deut-
fcher Ueberfetzung mitgetheiltenUrkunden im lateinifchen
Grundtext zu lefen und zu verstehen, fo wird man das
in obigen Worten gerechtfertigte Unternehmen des Ver-
faffers dankbar begrüfsen dürfen. Vier Bekenntnifse der
reformirten Kirche, nämlich zwei von allgemeinerer
Bedeutung (der Heidelberger Katechismus und die zweite
helvetifche Confeffion) und zwei reformirte Sonderbe-
kenntnifse (die erfte helvetifche Confeffion und die 39
Artikel der englifchen Kirche) und zweitens, zur Kennt-
nifsnahme der römifchen Kirche, die Kanones und Decrete
des tridentinifchen Concils, die Constitutionen des Vatica-
nifchen Concils und der Syllabus, find durch den Verfaffer
feinen Lefern »leicht zugänglich' gemacht worden.
Sehr dankenswerth ift die Aufnahme der zwei zuletzt
angeführten Urkunden, Was die reformirten Symbole
betrifft, fo ift zu bedauern, dafs der Verfaffer die Weft-
minfter-Confeffion von 1647, welche für die Gegenwart
noch von grofser Bedeutung ift und durch die unter
den amerikanifchen Presbyterianern entstandene Bewegung
wieder in den Vordergrund des Intereffes tritt, in
feiner Sammlung nicht berückfichtigt hat.

Strafsburg i/E. p. Lobftein.

Meier, Oberhofpred. Vicepräf. Dr. Ernft Jul, Wir sahen
seine Herrlichkeit. Predigten. 2. Sammlung. 2., durch-
gefehene u. verm. Aufl. Leipzig, Teubner, 1891.
(VIII, 386 S. gr. 8.) M. 5. —

Die erfte Auflage diefer Predigten erfchien 1876.
Diefe zweite enthält zwei Predigten mehr, im ganzen 25,
welche ,aus verfchiedenen Jahrgängen unter Berück-
fichtigung der in der Gemeinde lautgewordenen Wünfche-
gefammelt wurden. Neben 7 Feft- und 2 Bufstags-
Predigten finden fich 16 für Sonntage, fo dafs die christliche
Wahrheit von den verfchiedenften Seiten aus zur
Darfteilung kommt. Für Viele führen auch die zu
Grunde gelegten fächfifchen Perikopen auf nicht ganz
gewöhnliche Gedankenreihen.

Unterzeichneter hat fchon einmal in diefer Zeitfchrift
(1890, Nr. 19) einen Band Predigten des Verf.'s zur An-