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Ausgabe:

1892 Nr. 3

Spalte:

73-74

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kleyn, H. G.

Titel/Untertitel:

Bijdrage tot te kerkgeschiedenis van het oosten gedurende de zesde eeuw 1892

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung. 1892. Nr. 3.

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er uns in wefentlich befferem Texte geboten, mit vielem
Fleifse erklärt; doch wünfchte man an manchen Stellen,
er hätte im Grofsen ebenfo viel gethan, wie im Kleinen.
Literargefchichtlich von grofser Wichtigkeit ift es, dafs
H. (im 21. Fragment) das Kerygma Petri citirt hat.
Auf eine andere Stelle, die m. W. allein Hilgenfeld
(a. a. O. S. 504) beachtet hat, im 38. Fragment möchte
ich die Aufmerkfamkeit noch lenken. Hier giebt Hera-
kleon die Meinung zu erkennen, dafs Jefus nach feinem
Tode länger mit feinen Jüngern verkehrt habe, als vor
demfelben. Er ift alfo jenen chriftlichen Lehrern des
2. Jahrh. zuzurechnen, die zwifchen Oftern und Himmelfahrt
nicht 40 Tage annahmen, fondern mehr als ein
Jahr, refp. einen noch längeren Zeitraum. Wahrfchein-
lich theilte H. die Meinung feines Mitfchülers Ptolemäus
(Jren. I, 3, 2), dafs es gerade 18 Monate gewefen feien.
Diefe Ueberlieferung wird demnach in der ganzen
Schule Valentin's geherrfcht haben, d. h. von Valentin
felbft flammen. Das giebt zu denken.

In dem Anhang ftellt der Verfaffer in fehr dankens-
werther Weife Beruhrungen zwifchen Valentin und He-
rakleon zufammen, giebt Verbefferungen zum Text der
Exccrpta ex Theodoto nach dem Florentiner Ms., welches
er felbft verglichen hat, und befpricht eine textkritifch
fchwierige Stelle aus dem 24. Fragment genauer. Ein
Index der in den Fragmenten Herakleon's vorkommenden
wichtigeren Worte bildet den Befchlufs der forg-
fältigen Arbeit.

Wilmersdorf bei Berlin. A. Harnack.

Kleyn, H. G., Bijdrage tot te kerkgeschiedenis van het
oosten gedurende de zesde eeuw. (Overgedrukt uit
den .Feestbundel aan Prof. M. J. de Goeje.') Leiden,
1891. (19 S. Lex.-8.)

Herr Profeffor Kleyn in Leiden, durch fein treffliches
Buch über Jacob (Baradäus) von Telia Allen bekannt
, die der Gelchichte der Monophyfiten einige Aufmerkfamkeit
zugewendet haben, bietet in diefem Schriftchen
einige Excerpte aus der Chronik des Dionyfius von
Teilmahre [f 845]. Er hat fie der übrigens unvollkommenen
Abfchrift entnommen, die Martin von dem
vaticanifchen Codex der Chronik gemacht hat und die
in der Parifer Nationalbibliothek fich befindet. Aufser
wenigen Stücken bei Affemani B. 0. II p. 98—116 ift
von diefer Chronik bisher nur der erfte Theil durch Tu 11-
berg veröffentlicht. Der erlte und zweite Theil aber
find die unwichtigften, fofern uns ihre Vorlagen, Eufe-
bius und Sokrates, erhalten find. Der 3. Theil, die Gelchichte
von Theodolius II. bis zum Tode Jufunians, ift
aus dem Gefchichtswerk des Johannes von Ephefus entlehnt
(vgl. Land, Joh. v. Ifphef. S. 38), das uns für
diefe Partien nicht vorliegt. Von dem 4. Theil, der die
Ereignifse von Juftinians Tod bis auf die Zeit des Verf.'s
führt, glaubt Land nach Dionysius' eigener Aussage
(Affem. /. c. s. 100. Land 40.41) annehmen zu dürfen,
dafs er felbffändig, jedenfalls ohne Kenntnifs des 3. Theils
des Johannes von Ephefus (herausg. von Cureton,
überfetzt von Schönfelder) gearbeitet ift. Kleyn
tritt dem (S. 5 oben) entgegen, ohne feine Anficht zu begründen
. Seine Excerpte beziehen fich auf die Zeit
von Anaftafius bis zum Tode Juftinians (Affemanis
Bruchftücke gehören dem 4. Theil des Werkes an, 591
bis 775). Die Ereignifse des Jahres werden in knapper
Form hinter dem betreffenden Datum angeführt. Kleyn
macht darauf aufmerkfam, dafs auf die chronologifchen
Angaben kein Verlafs ift, da in die Berechnung Willkürlichkeiten
und offenbare Fehler eingedrungen find.

Es ergiebt fich nun, dafs zwifchen dem von Dionyfius
Mitgetheilten uud den betreffenden Partien der
Historia miscellanea, die als Ganzes fälfchlich unter dem
Namen des Zacharias Rhetorgeht [Land, Anecd.syr.(ijo)

T.IVJ, fichgrofse Uebereinftimmung findet, und derSchlufs
1 liegt nahe, wird auch wohl richtig fein, dafs in den fpä-
teren Büchern der Historia eben auch Johannes von
Ephefus ausgefchrieben ift. Ich hoffe, diefen Spuren
nachgehen zu können, wenn ich die Zeit finden werde,
die Historia miscellatiea mit Bezug auf ihre Quellen
einer nähern Unterfuchung zu unterwerfen. Vielleicht
darf ich bei diefer Gelegenheit bemerken, dafs eine
deutfche Ueberfetzung der Historia, angefertigt von
Herrn Gymnafiallehrer Ahrens zu Ploen in meinen
Händen ift, die jedem Intereffenten zur Einficht offen
flehen würde. Herr Ahrens ift mit der Bearbeitung der
kriegsgefchichtlichen Capitel befchäftigt; ich hoffe, die
kirchengefchichtlich wichtigen Theile in nicht zu langer
Zeit herausgeben zu können.

Es ift nur ein kleiner Beitrag, den Kleyn's Zeilen
der Forfchung übermitteln, aber er ift dankenswerth.

Giefsen. G. Krüger.

Salamon, Bifchof de, Ungedruckte Memoiren. Erlebnifse
des Internuntius in Paris während der franzöfifchen
Revolution (1790—1801), erzählt von ihm felbft. Genehmigte
Ueberfetzung der franzöfifchen Ausgabe
des Abbe Bridier von Matthias Sierp. Münfter i/W.,
Regensberg, 1891. (XXXIX, 320 S. gr. 8.) M. 5. —

Louis de Salamon, geb. 1750 (1759?) zu Carpentras,
alfo auf päpftlichem Gebiete, Auditor der Rota zu
Avignon und Mitglied eines Collegiatftiftes dafelbft, kaufte
1785 die Stelle eines geiftlichen Rathes am Parifer Parlamente
, lebte feitdem den gröfsten Theil des Jahres
zu Paris und verkehrte in dortigen vornehmen Kreifen.
Er trat in Correfpondenz mit der Römifchen Curie (in
einem S. 277 theilweife abgedruckten Briefe an den
Cardinal Zelada vom 12. Juni 1786 berichtet er über
feine Bemühungen zu Gunften des Cardinais Rohan in
der Halsbandgefchichte), und als der Nuntius Dugnani
Ende 1790 Paris verlaffen hatte, wurde er zum Internuntius
ernannt (S. 196), Ende 1792 zum apoftolifchen
Vicar für ganz Frankreich (S. 103. 150). Als Vertreter
des Papftes erhielt er von Rom u. a. die Breven
von 1791 gegen die Civilconftitution der Geiftlichkeit
und beförderte fie an die franzöfifchen Bifchöfe, liefs fie
auch in franzöfifcher Ueberfetzung drucken, obfehon
I die Veröffentlichung von päpftlichen Erlaffen damals
j ftrenge verboten war (S. XXVIII. 286). Er beförderte
auch alle für die Curie intereffanten neuen literarifchen
i Erfcheinungen nach Rom; Pius VI., berichtet er (S. 205),
,war recht neugierig und hatte mich gebeten, ihm alle
Caricaturen und jüngft erfchienenen Bücher zu fenden,
auch wenn fie gegen feine Perfon gerichtet wären'. Es
gelang ihm, während der ganzen Revolutionszeit feine
geheime Correfpondenz mit Rom fortzufetzen (S. 180).
j Im Jahre 1796 unterhandelte er, wovon fonft nichts be-
1 kannt ift, mit dem Directorium über ein Concordat;
| dasfelbe, berichtet er (S. 199), fei fchon gedruckt gewefen
, die Verhandlungen feien aber abgebrochen worden,
weil ein nach dem Vorfchlage des Directoriums von
den Bifchöfen und Prieftern abzulegender Eid dem Papfte
mifsfallen habe. Als im Oct. 1801 Cardinal Caprara als
1 Legat nach Frankreich kam, übertrug er Salamon die
| Verwaltung des Erzbisthums Rouen und der vier anderen
I Diöcefen der Normandie bis zur Ernennung der neuen
Bifchöfe (S. 275). 1806 wurde er Titularbifchof von
ürthofia, 1820 Bifchof von Saint-Flour, wo er 1829 Harb.

Von der Correfpondenz Salamon's mit Rom ift leider
trotz aller Bemühungen des Herausgebers der Memoiren
so gut wie nichts aufzufinden gewefen (S. XXIX). Die
1 Memoiren, die er (um 1810) für eine befreundete Dame
gefchrieben, berichten fehr wenig über feine amtliche
Thätigkeit, dagegen ausführlich über feine perfönlichen
Erlebnifse während der Revolution. 1792 wurde er ver-