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Ausgabe:

1892

Spalte:

57-63

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Siegfried, Carl

Titel/Untertitel:

Hebräisches Wörterbuch zum Alten Testament 1892

Rezensent:

Budde, Karl

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 3. 6. Februar 1892. 17. Jahrgang.

Siegfried und Stade, Hebräifches Wörterbuch

zum Alten Teftamente (Budde).
Freudenthal, Die Erkenntnifslehre Philos von

Alexandria (Wendland).
Campbell, Critical Studies in St. Luke's gospel

(Joh. Weifs).
Friedrich, Di unechtheit des galaterbrifes

(H. Holtzmann).
Beck, Erklärung des Briefes Pauli an die Ephefer

(FI. Holtzmann).

Harris, Some interesting Syrian and Palestinian
Inscriptions (Schürer).

Texts and Studies ed. by Robinson, I, 2: The
Passion of S. Perpetua ed. by Robinson
(Harnack).

Texts and Studies, I, 4: The f ragments of He-
racleon by Brook e (Harnack).

FCleijn, Bijdrage tot de kerkgeschiedenis van
het oosten gedurende de zesde eeuw (Krüger).

Salamon, Ungedruckte Memoiren (Reufch).
Kattenbufch, Lehrbuch der vergleichenden

Confeffionskunde, 2. Lfg. (Ph. Meyer).
Moorhouse, The teachingof Christ (Joh. Weifs).
Bauerfeind, Das altkirchliche Perikopenfyftem

der abendländifchen Kirche (Baffermann).
Becker, Die chriflliche Volksunterweifung

(Stähelin).

Fürftenau, Das Grundrecht der Religionsfreiheit
(Köhler).

Siegfried, Carl, u. Bernh. Stade, Proff. DD., Hebräisches
Wörterbuch zum Alten Testamente. Mit zwei Anhängen:
I. Lexidion zu den aramäifchen Stücken des Alten

gr. 8.) M. 15. -

Am 17. November 1883 veröffentlichte C. Siegfried
in diefer Zeitfchrift die umfangreiche, Auffehen erregende
Anzeige der 9. Auflage von Gefenius' Handwörterbuch
zum A. T., herausgegeben von Mühlau und Volck.
Nicht gar lange nachher fickerte unter den Näherftehen-
den die frohe Kunde durch, dafs Siegfried und Stade
fich zufammengethan hätten, der theologifchen Welt

Allerlei der Alphabete, die reichbefetzte Mufterkarte von
Worten verwandter Sprachen, unter denen man für die
Erklärung des hebräifchen Wortes wählen mochte. Das
, hat auf der einen Seite den Vortheil, dafs der Benutzer
Teftamentes. II. Deutfch-hebraifches Worterverzeich- j nicht immer wieder durch Nebenfachen abgelenkt und

nis. Leipzig, Veit & Co., 1892. (1. Abtlg. 480 S. irre gemacht wird, auch der Verfaffer felbd nicht fo

leicht fich verleiten läfst, einer angenommenen Ableitung
zu Liebe der hebräifchen Wirklichkeit eine wächferne
Nafe zu drehen. Vor allem aber wird dadurch breiter
Raum gewonnen für unvergleichlich wichtigere Dinge,
und unfere beiden Verfaffer haben davon den erwünfch-
teften Gebrauch gemacht.

Zunächd bietet jeder Artikel eine möglichft voll-
ftändige Ueberficht fämmtlicher vorkommenden Formen,
ein neues Handwörterbuch zu fchenken, und fo warten J bei den Verben zu jeder Conjugation befonders, fo dafs

wir feit ungefähr 7 Jahren mit Spannung und allgemach
vielleicht mit Ungeduld des Werkes, von dem etwa die
erden beiden Drittel in diefem Bande vorliegen, der

der Nachfchlagende fufort ein gcfchloffenes Bild von
der formellen Erfcheinung des Wortes, feiner Ab-
wandlungsfähigkeit, erhält. Vereinzelte Bildungen find

Red uns für die erde Hälfte des laufenden Jahres | darin ausgezeichnet, verdächtige mit dem nöthigen Fin
in fichere Ausficht gedellt id. Aber fo fchwer uns das | gerzeig oder Vorfchlägen zur Abänderung verfehen,
Warten geworden fein mag, fo wird doch niemand, der j die Grammatik überall reichlich angeführt, fo dafs es
den Umfang der zu leidenden Arbeit zu fchätzen weifs ■ an Anregung zu weiterer Vertiefung der Einficht nicht
und die Berufspflichten der beiden Verfaffer in gebüh- fehlt. Dasfelbe löbliche Bedreben, datt aller Theorie
rende Anrechnung bringt, fich über die aufgewandte j die hebräifche Wirklichkeit felbd zum Worte zu laden,

Zeit wundern; im Gegentheil, nur zwei fo erfahrene
rüdige und unermüdliche Arbeiter wie fie konnten der
Aufgabe fo fchnell Herr werden. Dafs der Dank dafür
ihnen nicht fehlen wird, dafür bürgt die Tüchtigkeit der
Leidung.

Das Buch trägt als Wahlfpruch das Wort Gottfr.

zeigt fich dann in dem dodlichen Theil der Artikel.
Durchgängig weid der Text viel mehr hebräifchen Satz
auf, als man gewohnt war, da es Grundfatz id, jede
Wendung, jede Redensart in ihrem vollen hebräifchen
Gewände vorzuführen, ehe der deutfehe Werth dafür
gegeben wird. Die möglichen Verbindungen aber wer-

Hcrmann's: Est etiavi nesciendi quaedam ars. Die Ver- j den in viel gröfserer Mannigfaltigkeit geboten, als bis

fader haben nichts wiffen wollen von der Vergleichung
der verwandten Sprachen, und der Etymologie nur
hie und da ein befcheidenes Plätzchen eingeräumt. Man
kann diefem Entfchluffe nur die freudigde Zudimmung
fchenken. Denn je gröfsere Fortfehritte in wirklich me-
thodifcher Erforfchung diefer FYagcn in der Neuzeit gemacht
find, Fortfehritte, die doch vorläufig den Umkreis
des Möglichen und des Sicheren vielmehr verengern
als erweitern, umfoweniger gehört ihre Erörterung in
den Rahmen eines Handwörterbuches. Nur wo gründliche
Forfchung aus dem Bereiche der verwandten
Sprachen die fichere oder wahrfcheinliche Deutung bisher
nur nach unficherer Ueberlieferung erklärter Worte

her; man überzeuge fich, um blindlings ein Beifpiel herauszugreifen
, wie unvergleichlich reicher das Wort anb
fich hier entfaltet, als in den neueden Auflagen voti
Gefenius. Die Behandlung eines folchen Wortes durch-
zulefen id ein Genufs und ein Gewinn, nicht nur für
den Anfänger, fondern, oft in ungeahnter Weife, auch
für den Fortgefchrittenen; weil darin ein farbiges, lebendiges
, abgefchloffenes Bild mit einem Blicke überfehen
werden kann. Es bietet fich zunächd ein Ausfchnitt
aus dem Sprachgute, der im höchden Grade geeignet
id, in die Eigenart der Sprache, in hebräifche Gedankenbildung
und Sprachfarbe einzuführen. Sehr häufig aber verbindet
fich damit ein gutes Stück Cultur-und Religionsge-

herzutragen kann, mufs das Ergebnifs mit einem kurzen fchichte, und die Verfaffer thun alles, was in den Gren-
Hinweis herübergenommen werden; aber auch hier wird I zen des Wörterbuches möglich id, um auch dies an- und

ein Zuviel an Vorficht vorläufig höheres Lob verdienen
als voreilige Vertrauensfeligkeit. Verfchwunden id fo
mit einem Male all der Wud des Wurzelgrabens, die
Unmenge der blofs podulirten Wortdämme, das bunte

auszubauen, man vergleiche nur wie unter -qjj auf die
Stellen für das Sklavenrecht, unter rni? auf" die Stellen
für die Tage gebotener Feier von der Arbeit ver-
wiefen wird. Nothwendig bringt diefe feinere Verzwei-

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