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Ausgabe:

1892

Spalte:

637-639

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Furrer, Konrad

Titel/Untertitel:

Wanderungen durch das heilige Land 1892

Rezensent:

Guthe, Hermann

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638

Rahlfs mit Ewald als aus D'Oiarl 5H»i neugebildet anfleht.
Bezieht fich diefer Ausdruck, wie er nachweifl, auf die
Kerubim auf der Bundeslade, fo trat das Bedürfnifs der
Neubildung mit deren Verfchwinden bei der Zerftörung
Jerufalems ein: nicht zu lange nachher, aber wegen des

dafs der Verfaffer der Verbefferung des Textes fehr
forgfältige Arbeit gewidmet hat. Es ift ficherlich keine
leichte Sache, eine vor fad 30 Jahren verfafste Befchrei-
bung einer Paläftinareife neu herauszugeben. Denn da
in der Zwifchenzeit doch recht Vieles für die genauere

mbnri und bnp nach der Verbannung, mufs der Pfalm 1 Erforfchung des h. Landes gethan worden ift, fo tritt
gedichtet fein. Auch der Dichter ift bekannt: es ift der an unzähligen Stellen die Verfuchung an den Verfaffer
von Lagarde aus Pf. 34, 23 erfchloffene ,Phadaias', mit j heran, die neuen Entdeckungen nicht ganz mit Still

dem für Rahlfs der ,PhadaeP von Pf. 25, 22 zu einer
Perfon zufammenfällt. Eine Durchmufterung der Zeitmerkmale
der ganzen Gruppe läuft in das Endergebnifs
aus: ,fpätere Zeit des Exils und die Zeit bald nach dem

fchweigen zu umgehen, während er doch fich fagen mufs,
dafs er als gewiffenhafter Berichterftatter folche Dinge
nicht in feinem Berichte über die 1863 gemachte Reife erwähnen
darf. Ich mufs es dem Verfaffer nachrühmen,

Exil'. Es folgt jener Abfchnitt über 155 und 155, die in dafs er diefer Verfuchung gegenüber im Allgemeinen
8 von jenen io 'Pfalmen (31. 38 nicht) 9 und 5mal vor- fehr zurückhaltend gewefen ift. An einigen Stellen ftutzt
kommen (unter 29 und Iimal im ganzen Pfalter). In aber doch der kundige Lefer und wundert fich z. B.
muftergültiger Weife werden die Ueberlieferung, die darüber, dafs Dr. Furrer in der Erzählung feiner Reife
Formen, die Wurzel und ihre Bedeutung, die Bedeutung von 1863 fchon von dem erft 1865/66 entdeckten Dfchil-
der Wörter abgehandelt. Das Ergebnifs ift fcharfe Un- dfchnlije redet (S. 182). Eine ähnliche Schwierigkeit war
terfcheidung der Formen und der Bedeutung bei Gleich- mit den Illuftrationen zu überwinden, die der erften Auflieft
der Wurzel, entfprechend arabifchem 'amj'a, nicht ! läge von einer Ausnahme abgefehen ganz fehlten. Bilder,
ganija. 155, ift ein nichtreligiöfer Begriff und bezeichnet j die den Befund vom Jahre 1891 darftellten, konnten meift
,den von Noth Niedergedrückten, den in elender Lage ; nicht zur Veranfchaulichung einer Reife von 1863 ge-
Befindlichen überhaupt'; 155 hat religiöfen Sinn: ,üch , braucht werden. Auch diefer Schwierigkeit ift der Verf.
Gott gegenüber in Knechtsftellung verfetzend', genauer j mit Gefchick begegnet. Ich kann wenigftens bezeugen,

dafs der Siloahteich, Gethfemane, die fog. Königsgräber
und die Abrahamseiche gegenwärtig ganz anders ausfeilen
; ob fie 1863 gerade fo wie die Bilder S. 69. 80.
249. 112 ausgefehen haben, kann ich freilich felbft nicht
fagen. Immerhin wird die erfte Auflage für den Forfcher
ftets ihren Werth behalten als das zuverläffigfte Zeugnifs
über Furrer's Reife von 1863. Der Lefer dagegen wird
lieber zur zweiten Auflage greifen. Er findet dort die Vorzüge
der erften, anziehende Darftellung, treue Schilderung
, ftetige Vergleichung der gegenwärtigen Sitten und
Zuftände mit den Angaben und Worten der Bibel, in
gefteigertem Mafse. Denn der Verf. hat es nicht unter-
laffen, die fortgefchrittene Durchforfchung der gefchicht-
lichen Nachrichten für fein Buch auszunutzen und in
feine Erzählung noch zahlreichere Ausfagen der Bibel
oder Hinweife auf fie einzuflechten als früher. Er unterhält
auf diefe Weife den Lefer nicht nur, fondern regt
ihn zum Nachdenken über das angeführte Bibelwort
an. Das Buch ift daher nicht nur denen zu empfehlen
, die etwas über das heilige Land erfahren wollen,
fondern auch die werden ihre Freude daran haben, die
fleh über die Eigentümlichkeit der biblifchen An-
fchauungen und Sitten aus dem modernen Leben des
Orients unterrichten laffen wollen.

Zu den Vorzügen der zweiten Auflage gehört ferner,
dafs Verf. die alte Geographie des Landes ficherer handhabt
und in der Anwendung der alten Namen forgfäl-
tiger verfährt. Hiervon ausnehmen mufs ich freilich
S. 370, wo W;? et-tlne am See Genezareth als .Quelle
von Dalmanutha' bezeichnet ift. Das ift doch zu kühn!
Furrer. Dr. Konr., Wanderungen durch das heilige Land. Noch zwei Bemerkungen!

2 verm. und verb. Aufl. 10 Lfgn. Zürich, Art. Inftitut , s- 31 fegt F- v°n dem fog. Mittelpunkt der Erde
Orell Füssli, Verl., 1891. (VIII, 472 S. m. Abbildgn. j J?. d^r1 ^r^1^6 in Jfrufalem, er fei ,ein fchlichtes
' »um 1. Sinnbild dafür, dafs an der Statte, wo die Welt Gottes

u. Karten, gr. 8.) a M. -.80. gröfste Liebe fah> die Völker VQm Aufgang und vom

Wohl jeder, der feine Studien den Zuftänden des Niedergang fich zufammenfinden follen". Weshalb ift
heiligen Landes zugewandt hat, kennt das oben ge- hier nicht auf den griechifchen Text von Pf. 74(73), 12
nannte Buch oder weifs es wenigftens, dafs Dr. Furrer verwiefen worden (slgyaoaro OcorrjQtav b> (iioa> xiq yijq),
die Berge und Thäler Paläftina's zu Fufs durchwandert 1 der doch in Verbindung mit Ezech. 5,5. 38, 12 den Na-
und was er dabei gefehen und erlebt, in anziehender men veranlafst hat? — S. 49 wird die Stelle Jef. 54, n
Form veröffentlicht hat. Diefes Buch liegt nun in ,zweiter ,Ich will deine Steine in Schminke legen' dahin gedeutet,
vermehrter und verbefferter Auflage' vor. j ,wie die Augen durch die fchwarzgefchminkten Augen-

Dr. Furrer reifte im Jahre 1863, alfo vor bald j Uder fchöner und gröfser erfcheinen, fo werden fich
30 Jahren; fein Buch erfchien in erfter Auflage 1865. j die Quader durch den eingetieften und dadurch etwas
Die neue Auflage unterfcheidet fich fchon äufserlich fehr j dunkleren Rand um fo ftattlicher hervorheben'. Meiner
zu ihrem Vortheil von der früheren, durch gröfseres Meinung nach ift hier, falls man den Text nicht ändern
Format, durch befferes Papier, durch fchöneren, lesba- ' will, -tie bildlicher Ausdruck für den fchwarzen Asphalt-
reren Druck und durch Beigabe von 62 Illuftrationen. Und j mörtel, deffen Verwendung bei alten Bauten in Jerufa-
wer den Text der beiden Auflagen vergleicht, wird finden, lern gefichert ift (f. meine Ausgrabungen bei Jerufalem

*

.derjenige, welcher fich in jeder Beziehung dem Willen
Jahwe's unterordnet'. Der folgende IV. Abfchnitt benimmt
,die Stellung der Anawim in der Gefchichte'. Der Verf.
findet in ihnen eine, ob oder nicht ausdrücklich fich
fo nennende, Partei der exilifchen Zeit, identifch mit dem
Knechte Jahwe's des Deuterojefaia. Der Sänger diefer
Partei wäre alfo in der letzten Zeit des Exils und der
erften danach Pedaja, der Dichter der behandelten
Pfalmengruppe. Aus den 2 Seiten des zweiten Haupt-
theiles fpringt heraus, dafs 155 auf gefchichtlichem Wege,
durch den Sprachgebrauch der Propheten, dennoch eine
religiöfe Färbung angenommen hat. Von den drei Ex-
curfen, die in Lagarde'fcher Weife ,in fngam vacui1
hinzugefügt fcheinen, indeffen alle Bezug auf den Gegen-
ftand haben, fei der fehr lehrreiche und feine über das
Kere 1>>55 an der einzigen Singularftelle Num. 12, 3
hervorgehoben. —

Die Stärke der Abhandlung liegt trotz aller fonftigen
feinen Bemerkungen auf dem philologifchen Gebiet.
Während die Ausführungen über 155 und 155 ficher
bleibenden Gewinn bringen und auch fbnft viele äufserft
werthvolle Beobachtungen eingeftreut find, dürften die
gcfchichtlichen Ergebnifse, fo geiftreich fie gewonnen
werden, fo viel Beftechendes fie an fich haben, doch
über den Werth geiftreich begründeter Vermuthungen
fich nicht erheben und den Raum für andere Erklärung
der Erfcheinungen neben fich freilaffen.

Strafsburg i/E. K. Budde.