Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1892 Nr. 2

Spalte:

35-38

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Klöpper, Alb.

Titel/Untertitel:

Der Brief an die Epheser 1892

Rezensent:

Holtzmann, Heinrich Julius

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

35

Theologifche Literaturzeitung. 1892. Nr. 2.

36

alieuus1, p. 26), verkauft unter die Sünde. In Folge def-
fen wird nun auch die Auslage von v. 15 ganz klar.
Während in Wirklichkeit weder der Unwiedergeborene
an und für fich fagen wird, noch viel weniger
der Wiedergeborene von fich fagen kann: ,Was ich
in's Werk fetze, begreife ich nicht; denn nicht, was
ich will, das treibe ich, fondern was ich haffe, das
thue ich': werden diefe Worte als ein ,Bekenntnifs'
des aus feinem chriftlichen Gnadenftande heraus in die
Zeit feines unerlösten Lebens sub lege zurückblickenden
Paulus voll begreiflich. ,Ich habe (will PI. fagen)
damals — das Praef. vergegenwärtigt nur lebhaft den
früheren Zuftand — nicht begriffen, was ich ausrichtete',
nicht eingefehen, dafs ich (bei allem guten Willen gegenüber
Gott) mit meinem äufserlichen Gefetzestreiben
und -Fanatismus nur Todes- und Verderbenswerke ausrichtete
. Denn nicht das eigentlich von mir Gewollte
trieb ich, fondern das von mir Verabfcheute. Ich wollte
das höchfte Gut, die vollkommene Gerechtigkeit der lex
spiritualis erlangen, habe aber — weil homo carneus
und Spiritus egens — Alles gethan, um gerade jenes
hohe Ziel zu verfehlen und in das (gehafste, verabfcheute
) Verderben, in den Tod mich zu ftürzen. Während
Saulus und die Juden überhaupt ,Dei milites esse
sibi videbantur, reapse gladiatorcs peccati erant. Nam
Jesus dicit: sine nie nihil potestis facerek (p. 30).

Was fich für diefe neue Auffaffung von Rom. 7, 7 ff.
fagen läfst, hat der Verf. gefchickt beigebracht. Und
auch feitens derer, die derfelben nicht ihren Beifall füllten
geben können, verdient die Abhandlung von W. (bei der
freilich im Einzelnen noch Manches richtig zu ftellenwäre)
ernftliche Erwägung.

Ein formeller Mangel der Studie ift das fchwer-
fällige und incorrecte Latein, das vor der Herausgabe
einer gründlichen Revifion bedurft hätte. Con-
ftructionen wie: id patuit ut ftatt quod (p. 34), suspicor
ut (p. 40) und Wortbildungen wie perventa (p. 37), irre-
genetos (p. 62), fide/e ftatt fideliter (p. 55), rcmansus
esset (p. 45) u. a. m. gehören in keine wiffenfchaftliche
Arbeit. Auch an Accent- und Druckfehlern und an
einigen dicken Schnitzern ift leider kein Mangel.

Wir hoffen, dem begabten und exegetifch gefchul-
ten Verf. — allerdings ohne diefes Beiwerk — noch
öfters auf dem Gebiete N. T.licher Auslegung zu begegnen.

Friedberg i. Heff. Wilh. Weiffenbach.

Klöpper, Prof. Dr. Alb., Der Brief an die Epheser, erläutert
. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprechts Verl.,
1891. (IV, 192 S. gr. 8.) M. 4. 40.

Wenn ich den Verfaffer des vorliegenden Commen-
tars noch in meiner Einleitung 2, S. 287 unter den Ver-
theidigern der Echtheit angeführt habe, fo gefchah dies
zwar vornehmlich in Erinnerung an feine Erftlingsfchrift
von 1853, daneben aber doch auch unter dem Eindrucke
feines Commentars zum Kolofferbrief (vgl. diefe Zeit-

fchrift, Jahrg. 1883 Nr. 1, Sp. 19). Was nach dem vor I Güter, die das theokratifche Bundesverhältnifs in fich

den, welche eine ernfte und entfchloffene Wiffenfchaft
auf diefen Weg gewiefen und jeden anderen als ungangbar
dargethan haben.

In der Vorrede bezeichnet der Verfaffer das, was
er hier bietet, im Vergleich mit dem, was er vor 9Jahren
in Ausficht geftellt hat, mit Recht als eine nur verkürzte
Darlegung feiner Anflehten. Aeufserliche Hemmungen
haben leider Hörend eingewirkt, und nur mit
Hülfe von Collegen und jungen Freunden ift wenigftens
des Verfaffers eigene Exegefe zu zufammenhängender
Darftellung gelangt. Auf Auseinanderfetzung mit anderweitigen
Äuffaffungen verzichtet der Commentar faft
ganz.

Die Einleitung hat ihre Vorzüge, fofern die Schwierigkeiten
fowohl der Encyclika, als der Adreffen nach
Ephefus und Laodicea gut dargethan werden und das lexi-
kalifch-ftiliftifche Capitel felbftändig gearbeitet ift, fo dafs
die bisher veranstalteten Sammlungen der fprachlichen
Eigenthümlichkeiten dadurch bereichert werden. Dafs
immerhin der ganzen Sache auch noch andere, freilich
nach demfelben Schlufsergebnifs drängende, Seiten abgewonnen
werden können, fieht man aus dem gleichzeitigen
Commentare v. Soden's, wie überhaupt beide
Werke gerade auch auf diefem Punkte fich ergänzen.
Dagegen giebt unfer Ausleger, was den eigenthümlichen
Lehrgehalt des Briefes betrifft, nur eine kurze Ueber-
ficht der in Betracht kommenden Hauptpunkte, während
er die Ausführungen dazu dem Commentar vorbehält.
Hier erfolgen fie zum Theil in Form ausführlicher Ex-
curfe und Digreffionen, wie zu 2, 16. 22 (S. 14 fleht
fälfehlich 2, 19) und 3, 12. Der Text des Commentars
giebt Ueberfetzung und Erklärung, die Noten find fprach-
licher, lexikalifcher, biblifch-theologifcher Art.

Wir heben aus der Fülle des Gebotenen zwei Punkte
hervor, die theils von allgemeinerem Intereffe, theils auch
von Belang find für die individuelle Auffaffung unferes
Erklärers. Derfelbe widmet eine Erörterung von befon-
derem Gewicht der Frage nach dem Zwecke des Briefes.
Im Gegenfatze zu Pfleiderer (das Citat S. 17 aus Ur-
chriftenthum S. 654 f. ift zu verbeffern in S. 684 f.;, welcher
auch den dogmatifchen Theil des Schreibens unter
den Gefichtspunkt einer Bekämpfung antinomiftifch und
hyperpaulinifch gerichteten Heidenchriftenthums gerückt
hatte, nimmt er ein durch alle Theile des Briefes fich
hindurchziehendes Beftreben wahr, die heidenchriftlichen
Adreffaten vor der Einwirkung einer, ihre Heilsfreudigkeit
mit Störung und Lähmung bedrohenden, judenchrift-
lich gearteten Parteibeftrebung durch Wiederbelebung
der urfprünglichen paulinifchen Impulfe ficher zu ftellen
(S. 18). Infonderheit fei die Spitze der Erörterung von
2, 7—10 gegen folche Beftrebungen gerichtet, welche
das chriftliche Hochgefühl der Lefer, der Gnade allein
ihre Seligkeit zu verdanken, zu dämpfen und an deffen
Stelle eine judenchriftlich gerichtete Werkgerechtigkeit
zur Geltung zu bringen fich bemühten, woran fich 2,
II—22 der Hinweis darauf (chliefse, dafs ihnen alle jene

9 Jahren erlchienenen Werke (S. 7) ,immerhin im Bereich
formaler Denkbarkeit liegt, dafs der Ephefer-
brief nicht gleichzeitig mit dem Kolofferbrief fei und
auch nicht denfelben Verfaffer mit ihm theile', das ift
jetzt Thatfache geworden, es ,ift uns die Ueberzeugung

befafste, in vollkommenftem Mafsc durch Chriftus zu
Theil geworden find, die Heidenchriften daher nicht
mehr das feien, wozu judenchriftlicher Hochmuth fie
herabdrücken wollte, und was fie felbft in kleinmüthigcr
Selbftunterfchätzung fich einredeten, Gäfte und Fremd-

erwachfen, dafs in dem Epheferbriefe nicht Paulus felbft | linge, d. h. Chriften zweiter Claffe (S. 22. 76F). Um

die Feder geführt hat, fondern dafs ein aus feiner [ diefen feinen Zweck zu erreichen, befolgt alfo der Autor

Schule Hervorgegangener in einer Zeit, in welcher das ! ad Ephesios ,die Methode, für denjenigen Theil der

Lebenswerk des Apoftels bereits abgefchloffen war, fich Kirche, für den er felbft als ihm fpeciell zugehörigen

zu der Abfaffung desfelben berufen gefühlt hat' (S. 17). j Repräfentanten fich zu erkennen giebt, den judcnchrilt-

Wenn ein fo vorfichtig und gründlich verfahrender Theo- j liehen, auf alles Verzicht zu leiften, wovon er weifs, dafs

löge, der überdies in allen feinen Veröffentlichungen j in weiteren Kreifen desfelben ein nicht geringes und für

feit faft 40 Jahren beftimmte confervative Neigungen
verrathen hat, fchliefslich zu folchem Endurtheil fich gedrängt
fieht, fo darf man darin gewifs einen unzweideutigen
Beleg für die unentrinnbare Macht der Motive fin-

die Beurtheilung der gläubigen Heiden zu deren Un-
gunften ausfallendes Gewicht gelegt wird; theils um
die Judenchriften, die er als Lefer feines Briefes mit
in Rechnung zieht, zur Nacheiferung in diefem Punkte