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Ausgabe:

1892

Spalte:

421-425

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zycha, Jos. (Ed.)

Titel/Untertitel:

Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum. Vol. XXV, sect. VI, pars II 1892

Rezensent:

Jülicher, Adolf

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42 1 Theologifche Literaturzeitung. 1S92. Nr. 17. 422

theilen, allerdings mit Einfchlufs der Frage nach der
Integrität des Briefes. Reichlich die Hälfte von den
456 Seiten des Buches find lediglich Referat. S. 1—22
wird über die Zerftückelung des Galaterbriefes in ver-
fchiedene Beflandtheile durch Fierfon berichtet, S.
23—231 (!!) über den Angriff Loman's; S. 233—452
folgt dann ,die Beurtheilung'. Referent ift der unmafs-
geblichen Meinung, dafs die Beftreitung der Echtheit des
Galaterbriefes ein Curiofum ift, das zu einer eingehenderen
Behandlung kaum herausfordert. Wenn es aber doch
einmal fein mufs, dann wenigftens kurz und nicht auf
452 Seiten! Es foll damit nicht geleugnet werden, dafs
die Kritik Loman's auf Punkte aufmerkfam gemacht
hat, welche eine nähere Erwägung verdienen, als fie bisher
gefunden haben. Dafs die heidenchriftliche Literatur bis
nach der Mitte des zweiten Jahrhunderts fo wenig von
Paulus Notiz nimmt, ift in der That ein Problem, welches
die Kanonsgefchichte ernfthafter, als es in der Regel ge-
fchieht, ins Auge faffen mufs. Aber diefe Thatfache nun
dadurch zu erklären, dafs zur Zeit des Verfaffers der
Apoftelgefchichte, ja wahrfcheinlich noch zur Zeit Juftin's
die paulinifchen Briefe gar nicht exiftirt hätten, ift doch
das denkbar Verkehrtefte. Die breitfpurigen Erörterungen,
welche der Verf. aufwendet, um dasGegentheil zu beweifen,
bringen weder neues Material noch neue Gefichtspunkte.
Unfere Erkenntnifs der gefchichtlichen Entwickelung des
zweiten Jahrhunderts wird alfo dadurch nicht gefördert;
und die theologifche Wiffenfchaft wie die Kirche hätte
kaum etwas verloren, wenn der Verf. feinen grofsen Fleifs
und feine Kraft anderen Aufgaben zugewendet hätte.
Immerhin ift das Buch für denjenigen, der von Loman's
Anflehten genauere Kenntnifs nehmen will und fie lieber
deutfeh als holländifch lieft, ein bequemer Führer.

Kiel. E. Schürer.

Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum, editum con-

silio et impensis academiae litterarum caesareae Vin-
dobonensis. Vol. XXV pars 2. Wien, Tempsky,
1892. (gr. 8.) M. 7. 60.

Inhalt: Sancti Aureli Augustini contra Felicem , de natura
boni, epistula Secundini, contra Secundinum, accedunt Evotlii de
fide contra Manichaeos et commonitorium Auguftini quod fertur
praefatione utriusrjue partis praemissa, recensuit Iof. Zycha. (LXXXVI
u. S. 799—997).

Die vorliegende zweite Hälfte des 25. Bandes des
Wiener Corpus Script, eccl. lat. enthält die weiteren an- I eher" fchädlich afs dankenswerth, weil fie dem Lefer das

Worten fucht. Ein paar Worte über die editio prineeps
vom Jahre 1506 und die der Mauriner von 1680 p. LXXXff.
machen hier den Schlufs.

Zu meinem Bedauern mufs ich jetzt, im Befitze des
vollftändigen Werkes, das von mir bei Befprechung der
erften Hälfte (Nr. 5 diefer Zeitg. Sp. 131 f.) gefällte un-
günftige Urtheil beftätigen oder fteigern; foweit man ohne
eigene Nachvergleichung von Handfchriften die Arbeit
des Herausgebers controliren kann, erweift fie fich durchaus
als eine ungenügende. Es ift recht beklagenswerth,
dafs das grofse Unternehmen der Wiener Akademie,
dem wir fchon eine Reihe ganz vorzüglicher Väterausgaben
verdanken, durch fo mangelhafte Leiftungen wie
diefes Stück der Auguftin-Edition verunziert wird.

Das Verzeichnifs der citirten Bbelftellen ift faft werthlos
. Beifpielsweife find für den I. Brief des Johannes
5 Verfe mit 6 Fundorten aufgezählt. Aber ftatt 1 Joh.
1,15 ift zu lefen 1,5; Auguftin benützt fie 610, 14, nicht
Z. 15 und aufserdem 598, 9 und 844, 14. Statt I Joh. 2,1
müfste es 2, I. 2» heifsen und bei 3, 2 ftatt 621,27: 26. Bei
letzterem Verfe fehlen ganz die Belegftellen 779, 16 und
814,22 (dortheifstes unter demTexte fälfehlich 3,3). Völlig
überfehen find I Joh. 2,7 in 419,27, I Joh. 3, 15 in 521,24
und I Joh. 4,2. 3 in 276,19! Das Staunen über fo viele
Defecte wird fich nicht mindern, wenn man hört, dafs
der gröfsere Theil der weggelaffenen Stellen beim
Evang. Joh. notirt ift, wie auch eine Stelle aus Hiob 2, 10
in 603,5 als Joh. 2,10 oder I Cor. 7,38 in 754,21 als I Tim.
7, 38 einregiftrirt wird. Viele von den falfchen Angaben
des Index find in den Noten unter dem Text noch vermieden
; dafs dort gemachte Fehler im Regifter verbeffert
werden, ift um fo feltener: Pfalm 15 3, 11 von p. 174,6
ift zwar p. 986 in 143 verbeffert; die richtige Zahl für
die Verfe, nämlich 10—15 vermifst man immer noch,
und in Nachwirkung jenes Verfehens fleht %p 143 hinter
rl> 147 u. 148. Ein Mangel, den dies Regifter mit anderen
im Wiener Corpus gemein hat, ift der, dafs bei längeren
Citaten nur der Anfangsvers genannt wird, alfo ftatt I Cor.
10,1—11 nur IO, I; ftatt 10,19—31 nur IO> l9'i ^att -Act.
I, I—26 nur 1, 1. Unter dem Texte fetzt Zycha wenigftens
noch ein sq. hinzu, wenn 2 Verfe, ein sqq., wenn
mehr als 2 citirt werden, leider das letztere auch in vielen
Fällen, wo das Stück, das aufscr dem Anfangsverfe ein-
gefchaltet wird, nicht den' unmittelbar folgenden Vers
mit umfafst, z. B. zu 340, 13 (vielmehr 10) vergleicht er
II Cor. 3, i4sqq. lt. 3, 14. 16. Im Judex fallen diefe Fingerzeige
ganz fort, vereinzelte Anfätze zu genauerer Bezeichnung
wie Gen. 19, 33. 35; Phil. 2, 9. II; Col. 1, 15. 16 find

timanichäifchen Schriften Auguftin's, die 2 Bücher contra falfche Gefühl beibringen könnten, als bekomme er durch-
Felicem, das Protokoll einer am 7. und am 12. Dec. 404 zu ; weg beftimmte Angaben. Ich möchte die dringende Bitte
Hippo zwifchen dem katholifchen Bifchof der Stadt und ] aussprechen, dafs an mafsgebender Stelle für das Corpus
einem manichäifchen Agitator abgehaltenen Disputation | Vindoboncnsc Gleichmäfsigkeit nach diefer Seite hin ge-

(p. 801—852), den Tractat de natura boni (p. 855—889), die
epistula Secundini Manichaei ad sct. Augustinum, eine von
einem italifchen Manichäer vorgenommene Herausfor-

fchaffen würde; fo gut W.von Härtel bei Cyprian unter
dem Text und im Index Anfang und Ende der Schrift-
citate angeben konnte, werden andere Mitarbeiter die Zeit

derung des abtrünnigen Auguftin (p. 893—901) und Aug.'s 1 hierfür auch erübrigen. Der Werth der Regifter und zwar
Antwort darauf, contra Secundinum Uber (p. 905—947). [ für alle denkbaren Zwecke, nicht nur für die der Itala-
Anhangsweife find beigegeben — in erheblich engerem j Forfchung, wächft ja ungeheuer, wenn Präcifion in diefem
Druck — die Abhandlung des Bifchofs Euodius von Uzala Punkte zur Pflicht gemacht worden ift. —Warum übrigens
de fide contra Manichaeos, die zuerft als auguftinifch ver- ! Z. alle in der epistula Secundini benützten Bibelftellen
öffentlicht wurde (p. 951—975) und das Commonitorium j von feinem Index ausgefchloffen hat, begreife ich nicht,
Augustini quod fertur (p. 979—982), eine kurze Anweifung
zur Behandlung übertretender Manichäer feitens der Kirche.
Ein Index scriptorum (p. 983—995) fchliefst den Band;
eine Pracfatio von LXXXVI Seiten referirt über die
von Zycha benützten Handfchriften nach der Reihenfolge
der in dem Bande abgedruckten Werke oder verzeichnet
die als vorausfichtlich werthlos nicht verglichenen Manu-
feripte: literargefchichtliches Intereffe wird nur bei den
beiden Stücken des Anhangs bekundet, wo der Herausgeber
die Fragenach der Plchtheit, übrigens bei dem Commonitorium
ziemlich zur Bejahung geneigt, zu beant-

da er doch die von Fauftus citirten unbedenklich mit
aufnimmt; ich würde fogar die im Anhang vorkommenden
ficher mit herangezogen haben, vielleicht durch eine
Klammer als nichtauguftinifch kenntlich gemacht; für
Italaftudien ift die Kenntnifs eines Bibeltextes aus Uzala
unter Umftänden noch wichtiger als die eines hipponen-
fifchen. Einen grofsen Defect endlich fehe ich darin, dafs
der Judex Scriptorum'' die reichlichen Citate, die gerade
diefer Band Auguftin's aus manichäifchen Schriften enthält
, einfach ignorirt, als wäre Mani kein scriptor Wie
werthvoll würde doch eine Sammlung der aus der epistola