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Ausgabe:

1892 Nr. 17

Spalte:

419-420

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schwally, Friedrich

Titel/Untertitel:

Das Leben nach dem Tode 1892

Rezensent:

Siegfried, Carl

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Seite 1

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419

Theologifche Literaturzeitung. 1892. Nr. 17.

420

der Bibel dem Lefer das ,mot-a-mof, wie wir früher in
der Schule tagten, zu erfparen und ihn, mutatis mutandis,
mit dem jbon francais' zu erfreuen? II, 22 1. ftatt Weiber,
Weiler.

Strafsburg i. E. L. Horft.

Marti, Ffr. Privatdoc. Lic. Karl, Der Prophet Sacharja. der
Zeitgenosse Serubbabels. Ein Beitrag zum Verftändnis
des alten Teftamentes. Freiburg i/B., J. C. B. Mohr,
1892. (VIII, 124 S. gr. 8.) M. 3.—

Der Verfaffer, von dem kürzlich zwei wiffenfchaft-
liche Studien über Sacharja in den theologifchen Studien
und Kritiken 1892 H. 2 u. 4 veröffentlicht sind, hat die
vorliegende Schrift über Sach. c. 1—8 für den weiteren
Leferkreis gebildeter chriftlicher Laien beftimmt. Daraus
erklärt fich zunächft der einleitende Abfchnitt, der fich
bemüht bei der Gemeinde für die hiftorifche Kritik überhaupt
einigermafsen Stimmung zu machen, und daher ge-
nöthigt ift, Dinge zu begründen, die fich für den wiffen-
fchaftlichen Lefer von felbft verftehen. Ein zweiter
Abfchnitt zeichnet den gefchichtlichen Hintergrund, von
dem die prophetifche Geftalt des Sacharja fich abhebt.
Er ift klar und anfprechend gefchrieben namentlich in
der Darftellung des Wirkens der grofsen Propheten der
chaldäifchen und perfifchen Periode. Der 3. Abfchnitt
giebt abfchnittweife Ueberfetzung und Erklärung von
Sach. 1—8. Die Erläuterung geht weniger auf das
Einzelne als auf die prophetifchen Grundgedanken und
deren inneren Gehalt ein und hat eine praktifche Richtung
. Vielfach wird der Ton der Paränefe angefchlagen
und die Anwendung auf Zuftände der heutigen Zeit gemacht
oder Vergleichung der prophetifchen Anfchauungen
mit den chriftlichen angeftellt vgl. S. 65. 71. f. 80 f. 97 u. a.;
S. 75 klingt ganz fo, als fei dies etwa in einer Bibel-
ftunde vor der Gemeinde gefprochen worden, der Verf.
fucht hier von Sach. 2, 1—9 aus den Socialdemokraten
beizukommen. — S. 80 hätte wohl etwas fchärfer das
Ungenügende diefes prophetifchen Gottesbegriffs mit
feiner Betonung der alleinigen Ehre Jahve's dargethan
werden können. — Im Allgemeinen kann die Schrift
weiteren Kreifen als belehrend und genufsreich empfohlen
werden.

Jena. C. Siegfried.

Schwally, Friedr., Das Leben nach dem Tode nach den
Vorftellungen des alten Israel und des Judentums
einfchliefslich des Volksglaubens im Zeitalter Chrifti.
Eine biblifch-theologifche Unterfuchung. Giefsen,
Ricker, 1892. (VIII, 204 S. gr. 8.) M. 5.—

Wir haben in neuerer Zeit eine ganze Anzahl Ungenannter
biblifcher Theologien des A.T.'s erhalten, welche
trotz allerVerfchiedenheiten doch darin zufammenftimmten,
dafs fie die religiöfen Anfchauungen und Gebräuche des
alten Israel für eine moderne Vorftellungs- und Em-
pfindungsweife erklärlich zu machen und von dem
Standpunkte der neueren chriftlichen Theologie aus
zu deuten Tüchten. Da hörte man etwa über das Faften
die Erklärung, es fei ,die naturgemäfse Aeufserung der
tiefften inneren Beugung und Demüthigung vor dem allgewaltigen
heiligen und gerechten Gott'. Kein Zweifel,
dafs der Urheber diefer Erklärung von folchen Empfindungen
zum Faften getrieben werden würde —
eigentlich müfste er danach immer faften — erfahren wir
denn aber dadurch das Minderte über die Gründe, welche
das alte Israel zum Faften veranlaffen? Das ift's doch,
was wir allein wiffen wollen. — Oder, wenn wir hören,
dafs eine Leiche deshalb verunreinigte, weil Gott ein
Gott der Lebenden war, fo ift das gewifs eine fcharf-
finnige und geiftreiche theologifche Reflexion, aber dafs

ein altorientalifch.es Volk fie vor taufenden von Jahren
gemacht haben follte, ift doch das denkbar Unwahr-
fcheinlichfte. — Wir begrüfsen darum mit Freuden die
vorliegende Monographie, weil fie, anftatt uns mit modernen
dogmatifchen Phantafien zu quälen, fich voll und
ganz auf den Boden der hiftorifchen Forfchung ftellt
und mit den Mitteln einer exacten hiftorifchen Methode
arbeitet. Natürlich ift auch hier vieles Combination oder
Hypothefe, es bewegt fich aber beides auf dem durchaus
geficherten Boden der Thatfachen und kann an diefen
feine Correctur erfahren. — Der Verf. hat feinen Stoff in
3 grofse Abfchnitte zerlegt. Das r. Capitel: ,der alte
Glaube' behandelt auf Grund der Quellen die Anfchauungen
, welche das alte Israel vom Tode und vom Leben
nach dem Tode hatte, und die religiöfen Gebräuche,
welche fich daran knüpften. Hier wird gezeigt, dafs Alles
fich durch die animiftifchen Religionsvorftellungen des
Ahnencultes erkläre. Das 2. Capitel: ,die Zerfetzung
des alten Glaubens' weift nach, wie durch den Jahvismus
allmählich die animiftifcheReligionsftufe verdrängt wurde.
Alte Anfchauungen und Bräuche halten fich trotzdem
lange, ja beliehen trotz des inneren Widerfpruchs gegen
die höhere Religion auch in manchen Refiduen bis heute
im Judenthum fort. — Das 3. Capitel: ,der neue Glaube
in der Makkabäerzeit und im Zeitalter Jefu Chrifti'
fchildert, wie das altisraelitifche Poftulat einer fittlichen
Vergeltung im Zufammenhange mit dem Meffianismus
eine ganz neue reiche Lehre vom Jenfeits, von Aufer-
ftehung, von Weltgericht und Vollendung des Gottesreichs
hervortreibt, die in jüdifcher und chriftlicher Apo-
kalyptik die verfchiedenften Ausprägungen erhält. —

Die Unterfuchung fchweift dabei nirgends ins Allgemeine
ab, ftets hat es der Verf. mit dem concreten Quellenmaterial
, feiner Auslegung und Gruppirung zu thun, fo
dafs wir empfehlen möchten, diefe Arbeit als ein Mufter-
beifpiel für ähnliche monographifche Behandlung fogen.
biblifch-theologifcher Stoffe zu berückfichtigen. — Um
diefe Anzeige nicht zu weit auszudehnen, befchränken
wir uns auf Beanstandung nur von ein paar Einzelheiten.
Nach S. 85 follen alle Vorfchriften über ,unrein' gegen
fremden Cult gehen? Auch die Reinigung oder der Wechfel
der Kleider Ex. 19,10 Gen. 35,2? vgl. zur arabifchen
Sitte Wellhaufen Skizzen III, 106.— Zu S. 176 bemerken
wir: Finfternifs ift allerdings kein Widerfpruch
neben dem höllifchen Feuer, wohl aber das Zähnklappen
der Verdammten M. 8,12 etc., das doch wohl auf den-
felben froftigen Strafort weift, den der Verf. S. 181 be-
fchreibt. — S. 168 Z 18 v. u. mufs es wohl heifsen: ,die
Seelen der Gerechten', denn wer follte denn fonft in den
Hades verfetzt werden, als ,die Seelen der Geftorbenen'?
S. 163 Z. 14 v. u. ift wohl zu lefen: ,für welche Zeit' ft.
für folche. Seltfam ift der Druckfehler S. 150 Z. 3 v. u.
forttl. Theol. ft. proteft. Th., S. 85 lies aöirEvf, ft. uQdevr,
S. 127 Lengerke ft. Lergerke, um anderer Kleinigkeiten
zu gefchweigen. Zu S. 61 A. erinnern wir daran, dafs
gerade der Hiob ftichifch gedruckt ift in A. Merx, das
Gedicht von H. 1871.

Jena. C. Siegfried.

Schmidt. Archidiak. Lic. Dr. Paul Viktor, Der Galater-
brief im Feuer der neuesten Kritik befonders des Prof.
Dr. Loman in Amfterdam fowie des Prof. Rudolf
Steck in Bern. Ein Verfuch. Leipzig, Aug. Neu-
mann's Verl., 1892. (XV, 459 s- Sr- 8-) M- 6.—
Ein brennender Eifer für die gute Sache und redlicher
Fleifs, das ift das Befte, aber auch fo ziemlich
Alles, was man dem Verf. diefes Buches nachrühmen mufs.
Es behandelt das im Titel angedeutete Problem nicht
etwa nach allen Seiten hin, fondern will ,zunächft' nur
,die gegen die äufseren Zeugnifse [in Betreff der Echtheit
des Galaterbriefes] geltend gemachten Bedenken' beur-