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Ausgabe:

1892 Nr. 14

Spalte:

351-353

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ahrens, K.

Titel/Untertitel:

Das Buch der Naturgegenstände 1892

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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Theologifche Literaturzeitung. 1892. Nr. 14.

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472—477 entwirft Smith auf Grund fehr ausführlicher
Literaturangaben ein anfchaulicheres Bild namentlich von
denfpäteren Lebensjahren Villegaignon's. Wenn dieR. E.
nur eine Flugfchrift desfelben .gegen Friedrich III. v. d.
Pfalz' nennt, wird hier eine ganze Reihe von theolo-
gifchen Briefen und Schriften V.'s vorgeführt. Man erkennt
daraus, dafs der Mann mit der Feder ebenfo ftreit-
luftig war, wie mit dem Schwert.

Die zweite Gruppe von Arbeiten ift durch zwei Abhandlungen
vertreten: 1. The historical geography of the
Christian Church. By PI. Wodward Hulbert und 2.
Report on a proposed Series of Denominational Histories
tobe published under the auspices ofthe Am.Soc. of Ch. Hist.
By A. H. Newman. Ich brauche diefe Ueberfchriften wohl
nur anzugeben, um den Wunfeh auszudrücken, dafs diefe
Entwürfe zur Ausführung gelangen mögen. Eine mög-
lichft vollftändige kartographifche Darfteilung der Ent-
wickelung des Chriftenthums würde ebenfo wie eine Ge-
fchichte der verfchiedenen chriftlichen Denominationen
in Amerika auf fehr dankbare Benutzer und Lefer auch
bei uns rechnen dürfen.

Endlich bietet H. Mitchell Mac Cracken auf Grund
einer mühevollen Durchficht der Lehrpläne von 218 Colleges
Vorfchläge über The place of church history in the
College course of study. In den kirchengefchichtlichen
Unterricht ift derjenige in der Bibl. Gefch. eingefchloffen
gedacht. Was davon feither in Amerika geboten wird,
erkennt man am kürzeften aus der Forderung, die der
Referent ftellt: , What place should ch. hist. occupy in the
ideal Am. coli. ? Such a place as would make it difficult
for any College graduate to go forth without as fair a
knowledge of the outlines of ch. hist. as he possesses of
the outlines of the hist. of England or of his own country.
Experience seems to establish one hour a week throughout
a course of three or four years as the minimum time for
acquiring as muck as has been named'.

Rumpenheim. S. Eck.

Ahrens, Gymn.-Lehr. K., ,Das Buch der Naturgegenstände
'. Herausgegeben und überfetzt. Kiel, Haefeler,
1892. (VIII, 84, 71 u. III S. gr. 8.) M. 10. —

Im erften Jahrgang diefer Zeitung (1876 Nr. 26)
durfte der Unterzeichnete den fchönen Beitrag zur Phy-
fiologus-Literatur zur Anzeige bringen, welchen Land
im 4. Band feiner Anecdota Syriaca veröffentlicht hatte,
und hob dabei deffen Bemerkung hervor, dafs diefes im
Alterthum und Mittelalter fo verbreitete und berühmte
Werk in neuerer Zeit faft ganz vergeffen fei, in unferen
encyklopädifchen Werken keine Erwähnung finde. Für
die PRE2 trifft diefe Bemerkung noch heute zu; in der
9. Aufl. der Encyclopedia Britannica hat Land felbft
1885 diefem Mangel abgeholfen (Bd. 19, nicht 17,
Ahrens S. 4) und eine ganze Reihe Einzelfchriften und
-Ausgaben find feither über den Phyfiologus erfchienen:
1877 der äthiopifche von Hommel, 1889 der isländifche
von Dahlerup, im gleichen Jahr die ,Gefchichte des Ph.'
von Lauchert mit einem griechifchen und einem althoch-
deutfehen Texte. Von demfelben 1890 ein weiterer
Beitrag ,zum Ph.', im 5. Band der ,Romanifchen For-
fchungen' (Feftfchrift für K. Hofmann). Ahrens fcheint
denfelben nicht zu kennen: Ref. weift umfomehr auf
denfelben hin, weil im gleichen Band nicht blofs ,der
waldenfifche Ph.', zum erftenmal herausgeben von
Alfons Mayer, zu finden ift (S. 392—418), fondern auch
— an einem Ort, an dem Niemand es fuchen würde —
eine Revifion von Hommel's Ueberfetzung des äthio-
pifchen Ph. (S. 13—36). Auch in der Wochenfchrift für
klaffifche Philologie 1890,12 kommt eine wichtige Anzeige
von Traube über mehrere hiehergehörige Schriften von
Delisle, Tobler, Mann und Reinfeh, die S. 4 Erwähnung
verdient hätten. Vgl. auch Krone in Beyfchlag's D.-Ev.

Bl. 1890. 4. 262—271l). Ahrens felbft hat fchon in einem
Gymnafialprogramm von Plön (1885) über den jetzt von
ihm vorgelegten Text gehandelt und glaubte damals, in
demfelben die Grundform des Ph. und eine der Quellen
fehen zu dürfen, die Bafilius bei feinen Homilien über
das Hexaemeron benützte. Diefe Anficht mufs er jetzt
zurücknehmen, trotzdem ift die von ihm veranftaltete
Ausgabe höchft verdienftlich, weil fein Text mit feinen
125 Abfchnitten weitaus der umfangreichfte ift und Einleitung
und Ueberfetzung, Dank vor allem auch den
Beiträgen feines Lehrers G. Hoffmann, eine grofse Reihe
neuer Auffchlüffe enthalten, weniger freilich über die
urfprüngliche Entftehung des Werks, als über fprach-
liche und fachliche Einzelheiten. Der Text ift ftellen-
weife fehr verderbt; denn er ruht auf einer einzigen, dazu
erft im Jahr 1712 entftandenen Handfchrift cod. syr. 9 des
India Office in London. Ueber 130 Verbefferungen find
von Hoffmann am Schluffe beigefügt und bei der Ueberfetzung
meiftens fchon befolgt. Eine fehr naheliegende
ift gleich zum Eingang nachzutragen: ,Die Belehrung,
welche die Thiere empfangen, erfolgt nicht vollftändig,
auf dem Wege des Unterfcheidungsvermögens': fchreibe:
durchs Wort, rationell, r^Kb^» ftatt n^bB (vgl.
Feige, Kardagh 15, 6). In der Einleitung ift befonders
ausführlich die Frage behandelt, wie fich BNG — fo
kürzt der Verf. feinen Titel — und der Syrer Land's zu
den Homilien des Bafilius verhalten; das Ergebnifs des
Verf.'s ift, dafs beide nicht das griechifche Original des
Bafilius, fondern eine und diefelbe fyrifche Ueberfetzung
benützt hätten. Im cod. add. 17143 des britifchen
Mufeums (aus dem 5.1 Jahrh.) find gerade die in Betracht
kommenden Homilien 7—9 fyrifch vorhanden; es wäre
der Mühe werth gewefen, an diefer Hdf. diefe Auf-
ftellung zu prüfen. Ebenfo weift Hoffmann zu c. 82 u.
93 auf Jakob von Edeffa als mögliche Quelle für
mehrere Stücke hin, die fich in den gewöhnlichen Phy-
fiologustexten nicht finden. Glücklicherweife ift auch
deffen grofses Werk über das Hexaemeron noch erhalten
, und enthält nach den Auszügen, die Abbe
Martin im Journ. As. 1888 gab (f. vor allem S. 127.
131), fehr viel naturgefchichtliches Material. Auch dies
ift nicht erwähnt und nicht eingefehen worden. Dafs
Ref. am wenigften geneigt ift, dem Herausgeber aus
diefer Unterlaffung einen Vorwurf zu machen, braucht
er nicht zu betonen; beide Fälle follen nur zeigen, wie
dringend nöthig es ift, dafs das reiche, für die Patriftik
zur Verfügung Behende fyrifche Material einmal vorgelegt
oder bearbeitet werde. Vielleicht dafs die von Frankreich
aus angekündigte Patrologia Syriaca diefem Bedürfnifs
abhelfen wird? Unter Verweifung auf die Eingangs angeführte
Anzeige oder die genannten Werke über den
Ph. fei noch gefagt, dafs BNG zu derjenigen Klaffe
gehört, welche nur das naturgefchichtliche Material
giebt, die allegorifche Ausdeutung aber wegläfst. Wie
fehr aber auch den Theologen diefes Material angeht
und nicht blofs den biblifchen, fei nur an der in der
Anmerkung zu c. 122 angeführten Notiz gezeigt, dafs
der Knoblauch dem Magnet feine Kraft nehme. Ift
dies doch fogar in die Bekenntnifsfchriften der evange-
lifchen Kirche eingedrungen, um die Wirkung zu ver-
anfchaulichen, welche die Sünde dem menfehlichen
Willen gegenüber habe. {FC. I, 17. Näheres darüber
im Korr.-Bl. für die Gymn. und Realfchulen Württembergs
1887). Der biblifche Theologe aber möge bei-
fpielsweife zum Sprachgebrauch von filBT in Gen. I,
c. 90 vergleichen, wonach die Fröfche viele Verwandlungen
durchmachen, bis fie die tYlBI, nachher noch
genauer fflBn filW°) ihrer Erzeuger erhalten,

oder aus c. 39 fich erinnern laffen, warum es gerade die
jungen Raben find, deren Schreien Gott hört, aus c.65

1) Auch Krumbacher's Gefchichte der byzantinifchen Litteratur enthält
reiche Nachweife.