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Ausgabe:

1892 Nr. 14

Spalte:

348-349

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Godet, F.

Titel/Untertitel:

Kommentar zu dem Evangelium des Johannes. 3., völlig umgearb. Aufl 1892

Rezensent:

Link, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1892. Nr. 14

348

Denkmäler an Vorbildern und Seitenftücken liefern, fo
die Bruchftücke der Schöpfungsgefchichte, die vorfint-
fluthliche Stammtafel, die Sintfluthgefchichte u. dgl. m.
Möchten doch Kautzfeh und Socin den folgenden Auflagen
ihres Buches einen ähnlichen zweiten Theil folgen
laffen.

Endlich ift der Analyfe voraufgefchickt im I. Theil
eine Dreizahl von Abhandlungen. Die erfte, ,Höhere
Kritik und die Wiffenfchaft der Urkun den-Ana-
lyfe', bietet demjenigen, der ohne Kenntnifs der Sachlage
herantritt, den Beweis nicht nur des Rechtes, fondern
der Nothwendigkeit diefer Arbeit an der Heiligen Schrift.
Durch eine äufserft lehrreiche Darlegung des Verfahrens
der antiken Schriftfteller überhaupt und des Befundes bei
zahlreichen Werken; durch die fchlagenden Seitenftücke
der Entdeckung der ,Lehre der 12 Apoftel', nachdem
man dem Werke fchon durch Quellenfcheidung
auf die Spur gekommen war, und des ,Diateffaron Ta-
tian's', das zuerft Profeffor Moore mit grofsem Scharflinn
angerufen hatte, wird diefer Beweis hier in aller
Kürze fo glücklich geführt, wie er fchwerlich anderwärts
zu finden ift. Ein zweiter Auffatz führt dann ebenfo
in die Anwendung hiftorifcher Kritik ein, belegt ihr Recht
auf altteftamentlichem Gebiete und entwickelt in kurzen
Zügen ihre Ergebnifse am Hexateuch; ein dritter bietet
eine Ueberficht der Quellenfcheidung des ganzen Hexa-
teuchs nach den heften Gewährsleuten. Nimmt man die
fchöne, gedrungene Ueberficht der Gefchichte der Pen-
tateuchkritik hinzu, mit der Profeffor Moore (S. XXIII
—XXX) das Werk empfehlend einführt, fo wird man
geftehen müffen, dafs ein Katechismus der Methode alt-
teftamentlicher Wiffenfchaft von fo hohem Unterrichts-
werthe bisher nicht annähernd geboten ift, und mufs
nicht nur die Studirenden, fondern alle nach gründlicher
Belehrung über die Heilige Schrift Verlangenden in den
Ländern englifcher Zunge um einen fo treuen und klugen
Führer beneiden.

Wir aber wollen gleichzeitig daraus lernen, dafs die
altteftamentliche Wiffenfchaft Amerika's, die uns Moore
vor wenig Jahren (ZATW 1888. 89) im Beginn einer
mächtigen Entwickelung vorführte, fchnelleSchritte macht
und ohne Schaden für uns nicht überfehen werden darf.
Das beweift Bacon felbft auch feitdem durch fein rüftiges
Weiterfchaffen; denn feine Auffätze über JE in den
mittleren Büchern des Pentateuchs (bisher über Ex. 7—
12 und Ex. 1—7 in Journal of Biblical Literature IX. X)
halten hinter Kuenen, Wellhaufen, Dillmann, Jülicher,
Kittel eine Nachlefe, die reichen Ertrag abwirft.

Strafsburg i/E. K. Budde.

Kaatz, Dr. Saul, Die Scholien des Gregorius Abulfaragius
Bar Hebraeus zum Weisheitsbuch des Josua ben Sira,

nach vier Handfchriften des Horreum mysteriorum
mit Einleitung, Ueberfetzung und Anmerkungen
hrsg. Frankfurt a./M., Kauffmann, 1892. (34 S. gr. 8.)
M. 1. 25.

Schon 6 mal konnte der Unterzeichnete in der
Theolog. Lit.-Zeitung auf Stücke hinweifen, die aus dem
grofsen biblifchen Scholienwerk des 1286 geftorbenen
Barhebraeus veröffentlicht wurden (78, 15. 17. 79, 23.
80, 9. 84, 4. 89, 12). Auch heute ift dies wieder der
Fall. Nicht zur Anzeige kamen die Scholien zu den
Salomonifchen Schriften, die Lagarde's Schüler A. Rahlfs
1887 herausgab, und die zu Ruth und den apokryphi-
fchen Zufätzen zu Daniel, die von Heppner 1888 veröffentlicht
wurden. Auch die Halle'fche Doctor-Differta-
tion von Laffer Weingarten: die fyrifche Maffora nach
B. H. der Pentateuch (1887) gehört hierher. Ueber
20 Autoren haben nun, meift in Doctordiffertationen, feit
60 Jahren an der Veröffentlichung des Werks gearbeitet,
das fein Verf. in nicht ganz 8 Monaten niedergefchrieben

Wer darf den Schlufsftein auffetzen? wer eine Gefammt-
ausgabe unternehmen? Im September 1888 ift zu den
bisher in Deutfchland bekannten 3 Hdff. jungen Datums
durch Sachau eine vierte hinzugekommen, die nach ihm
,nicht lange nach des Verf.'s Tod gefchrieben ift,
| vielleicht gleichzeitig'. Kaatz hat fie mit Recht feiner
i Textgeftaltung zu Grund gelegt; ihre Sigel A erfcheint
im krit. Apparat nur 3mal und bef. wichtig ift S. Ii,
n. 5, wo faft 3 Zeilen nur in ihr erhalten find. Darnach
müfsten die 3 andern Hdff. auf einen gemeinfamen
Archetypus zurückgehen und es wäre der Mühe werth,
auch die übrigen Hdff. in den europäifchen Bibliotheken
an diefer Stelle auf ihr Verhältnifs zu A zu prüfen.
Jedenfalls wird diefe Hdf. künftig in erfter Linie in
Betracht kommen.

Der hier vorgelegte Theil des Scholienwerks bietet
begreiflicherweife verhältnifsmäfsig weniger Notizen, als'
andere, die fachlich von Intereffe wären; doch möge
die Bemerkung aus dem Vorwort des B. H. erwähnt
fein, dafs Sirach die Makkabäer nicht erwähne, alfo vor
ihnen gelebt habe. Dagegen find die fprachlichen Bemerkungen
, namentlich zu den feltenen Pflanzennamen
in c. 24 von grofsem lexikalifchem Intereffe. In den Anmerkungen
, die der Herausgeber hinzufügt, zeigt er fich
im allgemeinen fehr gut unterrichtet. Zu den S. 20 zufam-
mengeftellten Legenden über Sirach hätte noch die ,Biene'
des Salomo von Bofra citirt werden können. Das Wort, das
er S. 27, 4 nicht finden konnte, fleht in dem von ihm
benutzten PS., col. 2981 und über ">"ut (ozvga!-) war bei
Lagarde, Mitt. 1, 234. 4, 373. Ueberficht 179 r befferes
zu holen, als bei dem über ico Jahr alten Michaelis.
Im letztgenannten Werke S. 127 f. auch Auffchlufs,
warum das Rebhuhn c. 10, 30 ItiqoEicrjg heifst. Der
Veröffentlichung fehlt leider nach Form und Inhalt diejenige
Pünktlichkeit, welche die Arbeiten aus der Schule
Lagarde's auszeichnete. Die Zeilen find nicht gezählt,
die Sigeln im krit. Apparat nicht ftets in gleicher Reihe
und finnlos durch Punkte getrennt — P. G. S. ftatt
GPS —, die Correctur nicht forgfältig — f. eine Verwechslung
von -r und j. S. 8, ^ und S. 9, X und
S. 15, s und a S. 31; vgl. weiter 13, 6; 14, 1. Z.; 17, 7
(durch die tollen römifchen Ziffern verfchuldet); 32, n. 1.2.
33, 23. Auch die Ueberfetzung ift da und dort nicht ganz
pünktlich S. 21, 1.7.24,6; c. 37, 18 ift das entfeheidende
,Schöpfer von allem' weggelaffen. Und warum ift auf
dem Titel der Verfaffer des Weisheitsbuches Jofua genannt
? um dem Namen Jefus möglichft fern zu bleiben?
Auch in der Widmung der Schrift ift der Todestag des
Vaters nur nach dem ifraelitifchen Kalender gegeben
(7. Thifchri 5645]. Man fieht, Ref. kann kein ungetheiltes
| Lob fpenden, mufs auch noch beanftanden, dafs auf
dem Titel die ,Einleitung' als befondere Leiftung hervorgehoben
ift — fie befteht aus i Seiten! —, aber er
erkennt gerne an, dafs der Herausgeber gute Kenntnifse
befitzt und fich fchon durch die Wahl und Ausführung
der Arbeit ein Verdienft erworben hat.

Tübingen. E. Neftle.

Godet, Prof. Dr. F., Kommentar zu dem Evangelium des

Johannes. 3., völlig umgearb. Aufl. Deutfch bearb.
von j-Pfr. E. R. Wunderlich u. Stadtpfr. C. Schmid.
Vom Verfaffer durchgefehene u. gutgeheifsene Ausg.
2 Tie. — [1. T.: Hiftorifch-kritifche Einleitung. —
2. Tl.: Die Exegefe.] Hannover, C. Meyer, 1890—92.
(VII, 196 u. IV, 640 S. gr. 8.) M. 16. —

Die vorliegende dritte, völlig umgearbeitete deutfehe
Ausgabe des viel gebrauchten Godet'fchen Commentars
zu dem Evangelium des Johannes beruht auf der dritten

j franzöfifchen Auflage aus den Jahren 1881 und 1885.

| Von der in der Zwifchenzeit erfchienenen einfehlägigen