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Ausgabe:

1892

Spalte:

345-347

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bacon, Benjamin Wisner

Titel/Untertitel:

The Genesis of Gensis 1892

Rezensent:

Budde, Karl

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 14. 9. Juli 1892. 17. Jahrgang.

Bacon, The Genesis of Genesis (Budde).
Kaatz, Die Scholien des Gregorius Abulfaragius

Bar Hebraeus zum Weisheitsbuch des Jofua

ben Sita (Neftle).
Godet, Kommentar zu dem Evangelium des

Johannes, 3. Aufl. (Link).
Papers of the American Society of Church

History, vol. III (Eck).

Ahrens, Das Buch der Naturgegenftände,
herausg. u. überf. (Ntftle).

Lenz, Briefwechfel Landgraf Philipp's des Grofs-
müthigen mit Bucer, 3. Thl. (Enders).

Staatsraifon und Recht, die confeffionellen Wirren
in Livland (Eck).

Walter, Bifchof Dr. Ferdinand, weil. General-
Superintendent von Livland (Eck).

Baffermann, Gefchichte der evangelifchen
Gottesdienftordnung in badifchen Landen
(Kawerau).

Frantz, Lehrbuch des Kirchenrechts, 2. Aufl.
(Köhler).

Bacon, Benjamin Wisner, The Genesis of Genesis, a study
of the documentary sources of the first book of Moses
in accordance with the results of critical science illu-
strating the presence of Bibles within the Bible, with
an introduction by George F. Moore, professor in
Andover Theological Seminary. Hartford [America],
The Student publishing Company, 1892. (XXX, 352 S.
gr. 8.) $ 2. 50.

Gute Gedanken liegen oft in der Luft. Als Kautzfeh
und Socin ihr fchönes Buch ,Die Genefis mit äufserer
Unterfcheidung der Quellenfchriften überfetzt' herausgaben
, ein Buch, das verdienten Beifall gefunden hat,
den auch der wunderliche Einfpruch Kloftermann's nicht
hat fchmälern können, war jenfeits des Weltmeers ein
Werk im Plane fertig und in der Ausarbeitung fchon

fodafs dem Lefer auf Schritt und Tritt die Nachprüfung am
Urtext ermöglicht wird.

Der Analyfe folgt im III. und letzten Theil die Synthefe.
Sind dort die Beftandtheile im fortlaufenden Zufammen-
hang des Textes der ,Revised Version'' unterfchieden,
fo werden hier die eigentlichen Quellen einzeln heraus-
gelöft und in ihrem urfprünglichen Zufammenhang nach
einer eigenen Ueberfetzung des Verfaffers nach einander
abgedruckt, zuerft J1, dann E, dann P (P2) und endlich
in einem Anhang J2. Hier find alle Novellen, Einfchübe,
Zufätze der Redaction entfernt, alle einleuchtenden Text-
verbefferungen und Umftellungen vollzogen. Wird fchon
dadurch die Ueberzeugungskraft der geleifteten kritifchen
Arbeit bedeutend verftärkt, fo ift es ferner richtig und
höchft förderlich, dafs Bacon überall die fehlenden Bindeglieder
ergänzt, mit Benutzung aller Anhaltspunkte, wo
folche vorhanden find (z. B. Jof. 24, 2. Gen. 20, 13 für

weit vorgefchritten, das denfelben Gedanken zur Aus- j die vorabrahamifche Einleitung von E), nach eigenem

führung brachte, die ,Genefis der Genefis' von Benjamin
W isner Bacon. Böte das Buch nichts weiter als das
unfrige, fo möchte man der amerikanifchen Theologie
zu ihrem ,Kautzfch-Socin' Glück wünfehen, ohne der
Erfcheinung für uns irgend welchen Werth beizumeffen.
Indeffen fo fteht es nicht; vielmehr hat Bacon nicht nur
die Löfung der Aufgabe in manchen Punkten felbftändig
weitergeführt, fondern fie auch an fich weiter gefafst,
•kühner angegriffen und praktifch noch ungleich wirk-
famer ausgeftaltet.

Der II. Theil des Werkes allein, S. 95 — 224, deckt
fich mit dem europäifchen Doppelgänger in feinem ganzen
Umfang. In 9 verfchiedenen Schriftforten werden die
Quellen J, E, P, ihre Novellen und die verfchiedenen
Redactionen unterfchieden; dankenswerth ift die Wiederholung
des Quellenbuchftaben (j, E, P, R) zu Anfang
jeder Zeile, in der ein Wechfel eintritt. Weggefallen ift
hier die befondere Schrift für JE, d. h. ,Stucke, deren
Zuweifung an eine der beiden Quellen (J oder E) unmöglich
fchien'. Es mag gewagt erfcheinen, die Theilung
überall durchzuführen; aber jedenfalls gefchieht dies in
aufsergewöhnlich fcharffinniger, den Stand der Unter-
fuchung entfehieden fördernder Weife. Die Gründe für
das, was über das Bisherige hinausgeht oder davon abweicht
, werden in 4 Auffätzen der Zeitfchrift Hebraica
(October 1890—Juli 1891) ausführlich dargelegt. Ferner
kommt zu den Winken der Anmerkungen, die ähnlich
wie bei K.-S. den Text begleiten, noch eine fortlaufende
Fiifsnote von gröfstem Werthe. Darin werden im
Anfchlufs an winzige Ziffern im Texte Beweisftellen
aus ficher zugewiefenen Abfchnitten für die wichtigften
Sprachmerkmale angeführt, auf Grund deren die Scheidung
vollzogen ift, daneben auch für den abweichenden
Sprachgebrauch der anderen Quelle unter ,67.' (contrast),

Urtheil, wo dergleichen nicht zu Gebote fteht. Das heifst
nicht das Gräschen wachfen hören wollen, wie ängftliche
Kurzfichtigkeit behaupten möchte, fondern wird durch
Zweck und Erfolg durchaus gerechtfertigt. Dafs niemand
für folche Arbeit mafsgebendes Anfehen in An-
fpruch nimmt, braucht gar nicht erft gefagt zu werden;
durch Klammern werden zudem alle diefe Zufätze forg-
fältig gekennzeichnet. Aber die Anfchaulichkeit wird
dadurch fehr erhöht; der durch die eindringendfte Be-
fchäftigung gefchulte Verfaffer kommt dem Lefer, der
nur noch wirre Trümmer fieht, zu Hülfe und zeigt ihm
vor allem, wie wenig nur zu fehlen braucht von dem
urfprünglichen Ganzen. Die Durchführung diefer Arbeit
wirkt felljft rückwärts auf die Analyfe, denn ohne fie
läfst fich die Thätigkeit der Redaction gar nicht über-
fehen, vor allem Umftellungen nur feiten aufweifen. Selbft
Fachmänner werden erftaunen, in welchem Mafse der
Wiederaufbau der Quellen durch diefe forgfältige Arbeit
geglückt ift. Vorarbeiten waren hier kaum vorhanden:
aufser Wellhaufen's Abdruck von P für die Hälfte der
Genefis und meiner Arbeit an Gen. 1—12, 3 wüfste ich
nichts zu nennen. Doch fei mir geftattet zu erwähnen,
dafs in der Handfchrift meiner Bearbeitung des Hexa-
teuchs für die nun aufgegebene Einleitung in das Alte Tefta-
ment Proben folcher Auslöfung und Herftellung der einzelnen
Quellen, und zwar (was Bacon am ganzen Werke
nicht konnte) in Spalten nebeneinander, dazu auch mit
den Nachweifen des Sprachgebrauches durch Ziffern und
Fufsnoten wie bei Bacon in Theil IL, fortlaufend geboten
werden. Der Anhang, in welchem Bacon J2, die vom
Zweiftromland her beeinflufste Umgeftaltung der Urge-
fchichte, abdruckt, erhält wieder dadurch die erwünfehtefte
Beleuchtung, dafs unter dem Texte in anderer Schrift
alles gegeben wird, was die babylonifch- affyrifchen

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