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Ausgabe:

1892 Nr. 1

Spalte:

9-11

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Vliet, J. van der

Titel/Untertitel:

Studia ecclesiastica. Tertullianus. I 1892

Rezensent:

Jülicher, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1892. Nr. 1.

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saunt tritici semina sicut aliorutn seminum quoniam nuda j Grammatiker und zwar von einer an Pedanterie ftreifen-
mittuntur in terra et simul corrußta deorsum snrgunt in ! den Sorgfalt ift — wofür eine Reihe von Belegen eintritt;
voluntate dei corporata et vestita. (27) non solum corpus öfters giebt er die f. E. richtige Auslegung eines bisher
quod mtSSUtn est surgit, sed quamplurimum benedicens. I mifsverftandenen Satzes; am häufigften fucht er verderbte
(28) et si non oportet a seminibus tantum facere parabo- Texte durch Conjectur zu heilen oder eine überlieferte

/am sed a dignioribus corporibus, (29) vide quia Jonas
Amatlii fdius, Ninevitis cum non praedicaret sed cum fu-

Lesart, die in den Drucken bei Seite gefchoben worden
ih, wieder ins Recht zu fetzen. In der Exegefe ift er

gisset, a cacto gluttitus est, (30) et post triduum et tres I z. B. S. 24 glücklich, wo er (in ad nat. I c. VII) bei haec

noctes ex altissimo inferno tandem exaudivit deus oratio
nem Jonae et nihil illius corrußtum est neque capillus
neque palpcbra. (31) quanto magis vos pusilli fide et eos

denuntiata ab aliis sustinent prodi das ab aliis zu prodi
zieht mit dem Sinne: Werden die Neophyten, wenn
ihnen für die Aufnahme in die Chriftengemeinde fo gräfs-

qui crediderunt in Christum Jliesum excitabit sicut ipse liehe Leiftungen zugemuthet (angekündigt) werden, das
surrexit. (32) sicut enim super ossa Helisaei propliete j nicht fofort felber anzeigen, würden fie dulden, dafs
mortuus missus est a filiis Israel et resurrexit corpus et erft Andere hingehen und es verrathen? Doch kommen
anima et ossa et Spiritus; quanto magis vos pusille fidei auch ftarke Verfehen vor, wie wenn S. 55 als Subject
a mortuis in illa die resurgetis habentes sanam carnem j von didicerit und docuerit (de praescr. h. 36 med) der
sicut et Christus resurrexit. (33) similiter et de Helia 1 Apoftel angenommen, anftatt isla quam felix ecclesia! Die
propheta filium viduae a morte resuscitabit. quanto magis Textemendationen beliehen häufig nur in anderer Interpunktion
, fo S. 55, wo der erfte Satz in c. 40 des Uber
de praescr. h. nicht als Frage- fondern als Ausfagefatz

vos dominus Jhesus in voce tube in notu oculi a morte
resuscitabit, statt et ipse a mortuis resurrexit. tipum enim
nobis in suo corpore ostendit. (34) quod si quid aliud re-

gefafst wird. Apol. 30 (S. 39) corrigirt v. d. V. fogar

epistis, c/it vobis deus in testimoninm, et molestus mihi nur einen Druckfehler. Bisweilen fchliefst er fich älteren

nemo sit; ego enim Stigmata Christi in manibus habeo,
(35) ut Christum lucrer et Stigmata crucis eius in corpore
meo, ut veniam in resurrectionem ex mortuis. (36) et si
quisquam regulam aeeepit per felices prophetas et sanetum
evangelium, manet, mercedem aeeipiet et cum resurrexent
a mortuis vitam aeternam consequatur. (37) qui autem
haec praeterit, ignis est cum tllo et cum eis qui sie prae-
currunt, qui sine deo sunt homines, (38) qui sunt genera
viperarum, (39) quos repellite in domini potestate, et erit
vobiscum ßax, gratia et dilectio. Amen.

Exphcit epistula ad Corinthios tertia.

Incipit eiusdem Pauli apostoli ad Laodicenses.

Conjecturen an, von Gothofredus (S. 30), Härtel, Reiffer-
fcheid u. A., vertritt auch wohl gegen Reiff. (S. 44) die
Lesart des Agobardinus. Seine eigenen Correcturen
find häufiger Einfchübe als Aenderungen. Ein grofser
Theil befonders der erfteren erfcheint mir überflüffig —
z. B. S. 45 in Scorp. 4 quoquo modo venercr praeter unicum
ft. quo oder S. 95 de pud. 11 ein (hoc) vor hodie potes-
tas indulgentiae. Andere find wenig überzeugend, wie wenn
wir S. 29 ad nat. II c. 7 lefen follen ft. quotiens siletur de
eiusmodi ßoetica, non modo non horretis: ,q. s. d. eiusmodi,
poeticam non m. non hl; etwa 10—15 möchte ich für
zweifellos falfch erklären, z. B. dafs de pud. 7 in sie etsi
ethnicorum reliquum numerum iustum ait non ideo Chris-
Berlin. A. Harnack. j tiauos esse ostendit cm non nach etsi eingefchoben werden

--foll. Der Sinn ift: Auch wenn die ,gerecht' titulirten

Vliet Conrect. Dr. J. van der, Studia ecclesiastica. Ter- 'übrigen 99 zur felben Kategorie mit dem verlorenen

tullianus. I. Critica et interpretatoria. Leiden, Brill,
1891. (VIII, 102 S. gr. 8.) M. 2. —

Ein holländifcher Philolog, Schüler des auch bei
uns wohlbekannten Cobet, bietet hier Erträge feiner
Befchäftigung mit der altkirchlichen Literatur, die genug
Brauchbares enthalten, um uns weiteren Veröffentlichungen
mit Intereffe entgegenfehen zu laffen. Die Dar-
ftellunCT ift etwas breit, aber das Latein des Vcrf.'s von
tadellofer Klarheit, eine nicht geringe Zahl von Druckfehlern
(allein auf S. 77 find es 5) verbeffert der Lefer
meift leicht, zumal v. d. Vliet durch zwei- und dreifache
Bezeichnung der behandelten Stellen das Auffinden
fo bequem gemacht hat. Doch druckt er am liebften
vom Texte Tertullian's felber fo viel ab (S. 4f. 29 Zeilen
hintereinander), dafs man kaum nachzufchlagen

brauchte _ wenn es nicht eben Tertullian wäre, bei

dem über Wortlaut und Sinn feiten ohne Berückfichti-
gung des ganzen Zufammenhanges entfehieden werden

Schaf (ethnicus) gehörten, würden fie dadurch noch nicht
als Chriften erwiefen. Vollends wird S. 92 in de anim.
52 durch den Einfchub von quam zwifchen multo violen-
tior mors und quae per aliena grassatur der Sinn verdorben
, der dahin geht: Wenn Chilon, Piaton, Craffus
fcheinbar fchön geftorben find, in Wahrheit ift folch ein
Tod, der durch das gerade Gegentheil von Tod heran-
ftürmt, der zum Sterben zwingt, wo es zu leben fo
überaus köftlich wäre, nur noch viel graufamer.

Doch dem fleht gegenüber eine Reihe von fehr zu
erwägenden oder fofort einleuchtenden Conjecturen.
Ich nenne hier nur de pud. 9 (S. 95), wo v. d. VI.
poenitentiae (oder vielleicht poenitentir) ftatt ut moechiam
. . pocnilentiä donent; de anim. 46 (6.,92), wo im Schlufsfatz
circumveniridatt re gelefen werden foll, oder ad nat. 120
(S. 27) emendate vosmet ipsos prius, nisi quod (si) emen-
daveritis, non punietis und ad nat. II 2 (S. 27) saue mira
(ft. mera) sapientia ßhilosophorum, während freilich das
haud] vor sapiens expers veritatis entfehieden abzu-

kann. | lehnen ift.

S. 1—10 fpricht der Verf. über den Stil Tert.'s im allge- Ich glaube mir den Dank der Lefer zu erwerben,

meinen und einzelne Eigenthümlichkeiten desfelbcn: er j wenn ich fie bei diefer Gelegenheit aufmerkfam mache
bringt da nicht gerade Neues, aber gute Belege für dasBe- J auf einen Beitrag zur Tertullian-Kritik, den P. de Lagarde
kannte; Tert.'s Verhältnifs zur weltlichen Literatur, fpeciell j — halb — veröffentlicht hat in .Septuaginta-Studien' (der
zu Vergil und Apulejus wirdS. 10—16 gut behandelt. Den ! Gött. Akademie vorgelegt 7. II. 1891) S. 73—88. In Apol.
Reft des Buches (S. 16—102) füllt Erörterung einzelner j c. 19 hat bekanntlich ein Cod. Fuldensis vor dem omnes
fchwieriger Stellen in dem bisher fixirten Texte Tert.'s — j itaque der übrigen Zeugen noch einen bei Oehl. eingo

die neue Wiener Ausgabe wird, foweit fie in Betracht
kam, gebührend gewürdigt — und zwar aus den Schriften
ad nat., Apol., de idol., de fuga, Scorp., depat., de praescr.
h., adv. Marc. I—III, adv. Hermog., adv. Valent., de anim.,
de pudic, de pall., de exhort. cast. und de spect.

klammert gegebenen Abfchnitt. Dielen erweift Lag. als
eine Doublette zu dem Reft von c. 19 und 20, indem er
beide Theile in zwei Reihen ftückweife, wie fie fich ent-
fprechen, abdruckt. Dafs die eine Reihe nicht unabhängig
von der anderen ift, kann keinem Lefer jetzt

Was er beibringt, ift nach Umfang, Charakter und mehr entgehen; die Vermuthung, dafs in der erften ein
Werth fehr verfchieden. Zu adv. Herrn. XIX, p. 76—78 J Stück der gemeinfamen Vorlage von Tertull. und Minuc.
führt er aus, dafs Tert. nicht blofs Rhetor, fondern auch | Felix aufgefunden ift, hat fehr viel für fich: aber auch