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Ausgabe:

1892

Spalte:

258-260

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Zur 400jährigen Geburtstagsfeier Martin Butzers 1892

Rezensent:

Bossert, Gustav

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reiche pofitive Berührungspunkte zwifchen Thomas und
Maimonides werden fchliefslich S. 31—92 nachgewiefen.
Die Verformung zwifchen der biblifchen Offenbarung
und ariftotelifcher Philofophie, welche die chriftliche
Scholaftik befchäftigte, war durch die jüdifche Religions-
philofophie fchon früher angeftrebt worden. Kein
Wunder, dafs die Scholaftik fich durch den /Führer der
Verirrten' des Maimonides lebhaft angeregt und gefördert
fand. Guttmann zeigt dies an der Lehre des Aqui-
naten von der Offenbarung, von Gott, von der Schöpfung,
von den Engeln und der Prophetie und von dem Zweck
der biblifchen Gebote.

Leipzig. Guftaf Dalman.

Epstein, Abraham, Eldad ha-Dani, feine Berichte über
die X Stämme und deren Ritus in verfchiedenen
Verfionen nach Handfchriften und alten Drucken,
mit Einleitung und Anmerkungen, nebft einem Ex-
curfe über die Falafcha und deren Gebräuche. [Auch
hebräifcher Titel.] Prefsburg, 1891. [Wien, Lippe.]
LI, 192 S. gr. 8.) M. 3.40.

Die Erzählungen des um 88oin den Mittelmeerländern
auftretenden Eldad von den in Aethiopien lebenden
Israeliten werden von Epftein in den verfchiedenen vorhandenen
handfchriftlichen und gedruckten Recenfionen
gefammelt. Die in neuerer Zeit bekannt gewordenen Nachrichten
über die Falafcha Abeffmiens werden zur Ver-
gleichung dargeboten. Epftein neigt der Anficht zu, dafs
Eldad in der That ihm bekannte Verhältnifse abeffinifcher
Juden bei feinen Schilderungen benutzte.

Leipzig. Guftaf Dalman.

Epstein, Abraham, Moses ha-Darschan aus Narbonne.

Fragmente feiner literarifchen Erzeugnifse nach
Druckwerken und mehreren Handfchriften mit Einleitung
und Anmerkungen. [Auch hebr. Titel]. Wien,
[Lippe], 1891. (52 S. 8.) M. 1.—

Epftein hält Mofes ha-Darfchan (um 1030 lebend)
für den Verfaffer des Midrafch der zehn Gebote, von
dem er am Schluffe der Schrift eine handfchriftliche
Recenfion mittheilt. Sonft exiftiren von M. h. D. nur
Fragmente bei Jizchaki (Rafchi). E. fammelt diefelben,
ohne die von ihm früher fchon (in Berefchit - Rabbati,
Berlin 1888) behandelte Frage nach dem Verhältnifse
Mofes ha-Darfchan's zu jenem von Raymundus Martini
benutzten Midrafch zur Genefis aufs neue zu erörtern.

Leipzig. Guftaf Dalman.

Epstein, Abraham, myE» ülpbTH tnp JWn© "l (Rabbi
Simon Kara und der Jalkut Schimoni). Krakau 1891.
[Wien, Lippe.] (22 S. gr. 8.) M. —.75.
Nachdem Zunz in feinen ,GottesdienftlichenVorträgen'
das grofse haggadifche Sammelwerk des fogen. Jalkut
Schimoni in den Anfang des 13. Jahrhunderts gefetzt
hatte, wurde 1843 von Rapoport die Abfaffung diefes
Werkes in das elfte Jahrhundert verwiefen und Simon
Kara zugefchrieben. Grätz und Karpeles haben in ihren
Gefchichtswerken die Meinung Rapoport's als erwiefene
Thatfache behandelt. Epftein weift nach, dafs ihr jedes
fichere Fundament fehlt, und dafs Zunz das Richtige getroffen
habe. Am Schluffe theilt Epftein Einiges über
Handfchriften und Drucke des Jalkut mit und erwähnt,
dafs kein Manufcript des Jalkut zum Pentateuch exiftire.
Ein vollftändiges Jalkutmanufcript zum ganzen Alten
Teftament befindet fich aber im Befitze Halberftamm's
in Bielitz und wurde von Rabbinovicz bei feinen Vari-
antenfammlungen zum Talmud benutzt (f. Dikduke So-
phrim, Tractat Sukka, unpaginirtes Schlufsblatt).

Leipzig. Guftaf Dalman.

Strack, Prof. Dr. Herrn. L., Der Blutaberglaube bei Christen

und Juden. [Schriften des Inftitutum judaicum in Berlin,
Nr. 14.] München, C. H. Beck, 1891. (VI, 60 S. gr. 8.)
M. 1.—

Die Veranlaffung zur Herausgabe diefer Schrift bildete
die durch die Ermordung eines (jüdifchen) Mädchens in
Korfu aufs neue veranlafste öffentliche Erörterung der
Frage, ob das Judenthum irgendwelchen Gebrauch von
Menfchenblut fanctionire. Strack zeigt durch Mittheilung
reichen Materials, dafs das Blut in der Geheimmittellehre
fowohl des Alterthums als neuerer Zeit bei
verfchiedenen Völkern — auch in Deutfchland — eine
grofse Rolle gefpielt habe, und dafs das Judenthum fol-
chem Aberglauben, foweit er fich auch im jüdifchen
Volke zeigte, zu jeder Zeit entgegengewirkt hat. Damit
war auch gerichtlichen Unterfuchungen die Richtung an-
gewiefen, in welcher unter Umftänden die Motive eines
Verbrechens zu fuchen feien. Leider beweifen die von
einem jüdifchen, fogar im Talmud angedeuteten ,Blut-
ritual' redenden Kundgebungen von gewiffer Seite, dafs
Parteileidenfchaft und das Intereffe an dem Befitz eines
zugkräftigen Agitationsmittels oft für Belehrung durch
gewiffenhafte Fachmänner unzugänglich machen.

Leipzig. Guftaf Dalman.

1. Erichson, Alfr., Martin Butzer, derelfafftfche Reformator
. Zu deffen 400jähriger Geburtsfeierden elfäffifchen
Proteftanten gewidmet. 3. Aufl. Strafsburg i E., Heitz,
1891. (77 S. 8.) M. —. 40.

2. Zur 400jährigen Geburtstagsfeier Martin Butzers. M. B u t z e rs

an ein chriftlich Rath vnd Gemeyn der ftat Weiffen-
burg Summary feiner Predig dafelbft gethon. (Neudr.)
— Bibliographifche Zufammenftellung der gedruckten
Schriften Butzer's von F. Mentz.— Ueber den handfchriftlichen
Nachlafs und die gedruckten Briefe Butzer
's. Verzeichnis der Litteratur über Butzer. Von
A. Erich fon. Strafsburg i/E., Heitz, 1891. (VI, 181
S. m. 3 Abbildgn. gr. 8.) M. 6. —

Am 11. November 1891 hat die evangelifche Kirche
des Elfaffes das 400jährige Gedächtnifs der Geburt Martin
Butzer's gefeiert, und fie hat daran wohlgethan. Ift doch
neben Luther kaum ein Mann der Reformationszeit fo
von den ultramontanen Streitern gehafst und befchimpft
worden als Butzer, der gleich Luther feinen Eheftand
im Schmutz herumziehen laffen mufs, welchen die kühne
Phantafie und die prickelnde Freude an derartigen Dingen
bei den modernen Gefchichtslügnern erzeugt. Selbft
feine Entlaffung aus dem Dominikanerorden bemängeln
diefe Herren, als wäre fie erfchlichen, ohne zu bedenken
, dafs fie damit der päpftlichen Kirchenleitung ein
fehr fchlechtes Zeugnifs ausftellen. Butzern hatte einft
Baum in feinem ,Capito und Butzer' ein fchönes Denkmal
gefetzt, das feinen Werth behalten wird, denn es ift
frifch, ja mit einem Hauch franzöfifchen Efprits ge-
fchrieben und hat die handfchriftlichen Quellen reichlich
benützt. Aber es ift ein fchwer benützbares, für
weitere Kreife nicht zugängliches Buch. In kunftvoller
Weife hat Baum die Lebensgefchichte Capito's und
Butzer's und die Reformationsgefchichte Strafsburgs in
einander verwoben, aber dem Buch fehlt aufser einem
Regifter die Ueberfichtlichkeit. Erichfon, der durch feine
bisherigen Studien in hervorragender Weife dazu berufen
war, hat ein kurzes volksthümliches Lebens- und Charakterbild
Butzer's gefchrieben, das den Gelehrten wegen feiner
Ueberfichtlichkeit willkommen fein wird. Bei aller Kürze
bietet Erichfon auf den 77 Seiten fehr Vieles. Gröfsten-
theils fchöpft er aus den Urkunden und läfst Butzer und
feine Zeitgenoffen womöglich mit ihren eigenen Worten

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