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Ausgabe:

1891

Spalte:

137-139

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bois, Henri

Titel/Untertitel:

Essai sur les origines de la philosophie Judéo-Alexandrine 1891

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N?: 6. 21. März 1891. 16. Jahrgang.

Bois, Essai sur les origines de la philosophie

Judeo-Alexandrine (Schürer).
Philonis Alexandrim libellus de opificio mundi

ed. Cohn (Schürer).
Krenkel, Beiträge zur Aufhellung der Gefchichte

und der Briefe des Apoftels Paulus (Bahnfen).
Langen, Die Klemensromane (Harnack).
Noeldechen, Tertullian (Harnack).

Schaff, A Select Library etc. Second Series
vol. I, Eusebius (Krüger).

Ufener, Der heilige Theodofios (Krüger).

Döllinger, Die Papft-Fabeln des Mittelalters,

2. Aufl. (Harnack).
Döllinger, Kleinere Schriften (Derf).

Linder, Simon Sulzer und fein Antheil an der
Reformation im Lande Baden (Kawerau).

Andrea, Zwanzig Predigten, wieder herausg.
von Schmoller (Kawerau).

Cafpari, Die evangelifche Contirmation (Kawerau
).

Schmidt, Kirchenrechtliche Quellen des Grofs-
herzogthums Heflen (Koehler).

Bois, Lic. Dr. Henri, Essai sur les origines de la Philosophie
Judeo Alexandrine. Paris, Fischbacher, 1890. (414 S.
gr. 8.).

Unter .jüdifch-alexandrinifch er' Philofophie verlieht
der Vf. diejüdifch-helleniftifche Philofophie überhaupt
, indem jene Bezeichnung nur a parte potiori zu
nehmen fei. Er fchliefst alfo in jenen Begriff auch die

rückfichtigen gewefen (A. Palm, Qoheleth und die nach-
ariflotelifche Philofophie, Mannheim 1885; Tyler, Modem
Review, April und Juli 1882).

Der zweite Theil behandelt zunächft die Septua-
ginta-Ueberfetzung des Alten Teftamentes (S. 130—
159). Verf. fetzt fich hier namentlich mit Dähne auseinander,
der zum Erweis des griechifchen Einfluffes bei den LXX
zwar manche unhaltbare Argumente beigebracht, bis zu

judifch-helleniftifche Philofophie Paläflina's mit ein. Die I einem gewiffen Grade aber doch Recht habe; denn bei
Urfprünge derfelben werden aber nicht, wie man nach j den LXX feien neben einzelnen Anfchauungen, welche der
dem Titel erwarten könnte, allfeitig, fondern nur theil- griechifchen Philofophie entlehnt feien, auch fchon die
weife unterfucht, nämlich nur innerhalb der Gren- j Grundzüge des jüdifch-alexandrinifchen Gottesbegriffes
zen des biblifchen Schriftthums, mit Einfchlufs der und die Anfätze zur Logoslehre vorhanden,
fogenannten Apokryphen (Sirach und Weisheit Salomo- j Vorwiegend negativ ift dagegen das Refultat der
ms) Die intereffantefte Figur an welche man beim Unterfuchung wieder bei Jefus Sirach (S. 160-210).
Lefen jenes Titels denkt der Alexandriner Anftobul, , Dafs diefer in dni Punkten (Auffaffung der Perlon

wird daher gar nicht erwähnt. Der Verfaffer rechtfertigt
diefe Sclbftbefchränkung S. 2 damit, dafs bei weiterer
Ausdehnung ,die Unterfuchung zu viel Zeit und die
Darftellung zu viel Raum erfordert hätte', eine Begrün

Henoch's und Angelologie) fich der jüdifch-alexandrinifchen
Anfchauung nähere und in einigen anderen (Prä-
deftination und Freiheit, Lehre vom Zorn) von griechifchen
Ideen beeinflufst fei, erklärt B. für möglich, vielleicht

düng, die dem Referenten nicht recht einleuchten will wahrfcheinlich, aber nicht für f.cher (S 183: tont cela
da bei etwas knapperer Darftellung der Gegenjand auf | g$t 7// peut.Strg pM/e; mais ,nfin * llcst
demfelben Räume fehr wohl hatte erfchopfend behan- certaiu) ln Lder Lehre von der Weisheit fei Sirach ,nicht

delt werden können, und da mit dem Referenten ge
wifs auch die meiften anderen Lefer auf das Erfcheinen
des Buches noch geduldig ein oder zwei Jahre gewartet
haben würden.

Die Einleitung S. 3—52 giebt eine zweckmäfsige,
wenn auch nicht gerade Neues bietende Ueberficht über
die Entftehungsgefchichte desjüdifchen Hellenismus, wobei
richtig hervorgehoben wird, dafs auch das paläfti-
nenfifche Judenthum erhebliche Einwirkungen durch den
Hellenismus erfahren hat (S. 25—38).

Der erfte Theil (S. 53—128) befchäftigt fich mit
Koheleth, bei welchem manche neuere Kritiker in ver-
fchiedener Weife Einflüffe der griechifchen Philofophie
glauben gefunden zu haben. Als die Hauptvertreter
diefer Anficht gelten dem Verfaffer: Tyler (Ecclesiastes,
London 1874), Plumptre {Ecclesiastes, Cambridge 1882)

n beftimmter Weife mehr jüdifch-alexandrinifch als das
Alte Teftament4 (p. 203 sq.: pas explicitement plus judeo-
alexandrin que l'Ancien Testament). Denn gerade auf
dem Punkte, an welchem er wefentlich über das A. T.
hinausgehe, nämlich in der Tendenz, Weisheit und Gefetz
zu identificiren, fei die jüdifch-alexandrinifche Philofophie
ihm nicht gefolgt; was er aber mit der letzteren gemein
habe, gehe nicht wefentlich über das A. T. hinaus (S.
204). Wenn dies richtig ift — und Ref. hält es in der
Hauptfache für richtig — fo mufs man freilich fragen,
weshalb Sirach doch fo ausführlich behandelt und anderes
bei Seite gelaffen wird, was für die Erkenntnifs
der .Urfprünge4 der jüdifch-alexandrinifchen Philofophie
viel belangreicher gewefen wäre. Andererfeits wurde
eine ausfuhrliche Unterfuchung Sirach's deffen ganze
Lebensweisheit und Lebenserfahrung zu charakterifiren

und Edm. Pf leiderer (Die Philofophie des Heraklit von gehabt haben, was aber von Bois' Darftellung deshalb
Ephefus, 1886, S. 255—288), deren Auffaffungen im Ein- I ausgefchloffen ift, weil er fich, wie Gfrörer und Dähne,
zelnen freilich fehr auseinandergehen, in jenem Haupt- 1 lediglich die Frage (teilt, ob Sirach ein Vorläufer der
punkte aber zufammentreffen (über Tyler und Plumptre jüdilch-alexandrinifchen Philofophie gewefen fei — In

vgl. bef. auch das Referat von Kleinert, Theol. Stud
und Krit. 1883, S. 761—782). Bois widmet jedem jener
drei ein befonderes Capitel und kommt zu dem Reful-
tate, dafs keiner feine Thefe erwiefen habe, dafs alfo
Einflüffe der griechifchen Philofophie bei Koheleth nicht
nachzuweifen feien. Für das vom Verf. behandelte Thema
ift demnach das Refultat diefer Unterfuchung lediglich
ein negatives. Uebrigens wäre auch noch die von Siegfried
, Theol. Litztg. 1889, 196 genannte Literatur zu be-

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einem erften Excurfe (S. 313—344) befpricht B. fehr eingehend
die Frage nach dem Alter des Sirach. Er hält
den im 50. Cap. erwähnten Simon für Simon I, und ver-
fteht das 38. Jahr, in welchem der Enkel des Jefus Sirach
nach Aegypten gekommen ift, nicht vom 38. Regierungsjahre
«des Euergetes, fondern vom 38. Lebensjahre
des Schreibers. Demnach fetzt er die Abladung des Sirach
um 280—250 vor Chr. Diefe Ausführungen find
nicht neu und fcheinen mir auch nicht richtig; denn unter