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1891 Nr. 3

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83

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Jahresbericht über das höhere Schulwesen. IV. Jahrgang 1889 1891

Rezensent:

Bornemann, Wilhelm

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83

Theologifche Literaturzeitung. 1891. Nr. 3.

84

Jahresbericht über das höhere Schulwesen, hrsg. von Conr.
Rethwifch. IV. Jahrg. 1889. Ergänzungsheft. Evan-
gelifche Religionslehre von Prof. Dr. Leop. Witte.
Berlin, Gaertner, 1890. '(34 S. gr. 8.) M. — 90.

In einem ,Ergänzungsheft' der Rethwifch'fchen
Jahresberichte über das höhere Schulwefen' hat Pro-
feffor D. Leopold Witte zum zweiten Male die evange-
lifche Religionslehre behandelt. In den Rubriken: I der
Unterrichtsbetrieb (Nr. I—5); II Lehrmittel: 1) allgemeine
Lehrbücher (Nr. 6—9); 2) zum Katechismus (Nr. 10—31);

3) zur biblifchen und Kirchengefchichte (Nr. 32—50);

4) Hülfsmittel zum Bibelftudium (Nr. 51 -61); 5) Kirchenlied
und Schulandachten (Nr. 62—71) bringt der Bericht-
erftatter eine werthvolle und eingehende Ueberficht über
nicht weniger als 71 Bücher, Programme und Auffätze
aus dem Jahre 1889, die fich unmittelbar oder mittelbar
auf den Religionsunterricht beziehen. Ueber eine Reihe
der behandelten Schriften würde mein Urtheil allerdings
anders lauten; doch ift hier nicht der Ort, das weiter
auszuführen. An mehreren Punkten ift der Bericht Witte's
nicht genau. Wenn es z. B. von den ,Schulandachten'
des Unterzeichneten heifst: ,eine Ordnung nach dem
Kirchenjahr ift nicht innegehalten, nur die Paffionszeit
tritt befonders hervor', fo ift das ein liebenswürdiger
Euphemismus für die Thatfache, dafs ich in die herausgegebene
Auswahl überhaupt keine Andachten aus der
Paffionszeit aufgenommen habe. Wenn es in demfelben
Zufammenhange weiter heifst: ,eine anderweitige Ordnung
ift auch nicht erfichtlich', fo ift auch diefe Bemerkung
wohl etwas eilig hingefchrieben; denn die Andachten
find, wie auch die erfte Zeile des Vorworts ausdrücklich
fagt, nach den Texten, d. h. nach der Reihenfolge der
biblifchen Bücher geordnet. Nicht aus perfönlicher Empfindlichkeit
erwähne ich folche kleinen Verfehen des
Berichts, fondern als die mir zunächft liegenden Beifpiele
mehrfacher Ungenauigkeiten, die fich ein Berichterftatter
nicht zu fchulden kommen laffen follte.

Magdeburg. W. Bornemann.

Entgegnung.

Herr Profeffor Bornemann in Magdeburg hat mein ,Hilfsbuch für
den evangelifchen Religionsunterricht' in Nr. 26 des Jahrg. 1890 der
theologifchen Literaturzeitung einer Kritik unterzogen, zu der ich nicht
fchweigen darf. Ich werde bei meiner Entgegnung dem Herrn Profeffor
in dem von ihm angefchlagenen Tone nicht folgen, fondern mich mög-
lichft objectiv verhalten.

1. Ich ftelle Folgendes feft: Herr B. rühmt an meinem Hilfsbuch,
es fei ,umfaffend und planvoll angelegt, mit grofsem Fleifs und
grofser Liebe gefchrieben und mit praktifchem Gefchick gegliedert
und durchgeführt'.

2. Herr B. fällt darauf in überrafchender Weife das Urtheil: Das
Buch ift unbrauchbar. Er begründet dasfelbe durch viererlei:

a. Es fei viel zu breit gefchrieben. — Ift das der Fall, wie
konnte er dann urtheilen, es fei mit Gefchick durchgeführt!
Beide Urtheile widerfprechen einander.

b. Es fchlage ein Verfahren ein, welches mehr der Homiletik als
dem Unterricht entfpreche. — So habe ich es gewollt, und
viele rühmen an meinem Buch, was Herr B. tadelt. Es thut
mir leid, dafs Herr B. den Grundfätzen, wie ich fie in der
Einleitung zu Theil I und 2 ausgeführt habe, nicht zuftimmt.

c. Es erfpare den Schülern die Arbeit des Nachdenkens und die
Freude des eigenen Findens in grofsen und kleinen Dingen. —
Das kann nur bei mechanifchem Gebrauch des Buches ge-
fchehen, aber nicht bei richtiger methodifcher Behandlung.
Denn in entwickelnder Weife in die erfchloffenen Tiefen einzudringen
, erfordert nach meiner Erfahrung immerhin noch
grofse Geiftesarbeit feitens des Schülers und des Lehrers.

d. Das Buch wimmele von unrichtigen und unklaren Behauptungen
und biete an manchen Stellen fogar Unfinn dar. (Das
ift der Hauptgrund des Herrn B. für die Unbrauchbarkeit des
Buches). — Bietet ein Buch Unfinn dar, wie kann es dann
mit Gefchick durchgeführt fein! Entweder ift das eine
oder das andere Urtheil richtig.

Herr B. hat fich nun Mühe gegeben, durch eine zwei Spalten
lange Anführung von einzelnen Stellen aus meinem Buch fein
L rtheil zu begründen. Ich erkläre ihm hiermit, dafs unter den
angeführten Stellen in der That einige find, welche Irrthümer,

allerdings fehr geringfügiger Art, enthalten. Alles übrige ift
weder unrichtig, noch unklar, noch unlinnig. Herrn B. in extenso
zu widerlegen, ift leider nicht möglich, da er faft keine feiner
Auslagen begründet hat.

3. Ich geftatte mir, da mir der Herr Profeffor Bornemann Unklarheit
und Unfinnigkeit zum Vorwurf macht, auf die Darftellungs-
weife desfelben aufmerkfam zu machen. Herr B. fchreibt zwar
in der 21/., Spalten langen ,Kritik' felbft nur weniges; aber felbft
in diefem wenigen dürfte es nicht fchwer fein, iprachliche und
fachliche Irrthümer nachzuweifen.

Hiernach darf ich getroft dem Lefer das Urtheil darüber über-
laffen, in wie weit Herr B. fähig und berechtigt ift,
mein Buch einer Kritik zu unterwerfen. Im übrigen
wünfche Ich, dafs Herr B. als Schriftfteller (er hat auch jüngft
ein Religionsbuch: .Unterricht im Chriftenthum' herausgegeben)
nicht Kritiker finde, die ihm ähnlich find.

4. Ich weife es mit Entrüftung zurück, dafs Herr B. gegen diejenigen,
welche — auch ohne ihren Namen zu nennen — mein Buch
günftig beurtheilt haben, recht häfsliche Verdächtigungen ausspricht
. Hierbei fetze ich allerdings voraus, dafs er mit den
,anonymen Recenfenten' Beurtheiler meines Buches in feinem
Schlufspaffus hat bezeichnen wollen.

Pofen. E. Meinke.

Zu meiner Rechtfertigung befchränke ich mich auf Folgendes:

1) Punkt 4 ift unbegründet, weil feine Vorausfetzung falfch ift. Ich
hatte, als ich die Anzeige fchrieb, noch keine einzige Befprechung des
Meinke'fchen Buches gelefen, habe auch mit keinem Worte zu einer derartigen
Anwendung meiner Schlufsbemerkungen Anlafs gegeben.

2) Punkt 3 ift ganz hinfällig. Der fromme Wunfeh bezüglich
meines Buches ift keine Widerlegung meiner Anzeige. Mit dem Nachweis
der behaupteten .fprachlichen und fachlichen Irrthümer' meiner Befprechung
hätte der Herr Divifionspfarrer fich felbft und der Sache mehr
gedient und den einzig richtigen Weg der Entge gnung einge-
fchlagen. Weshalb hat er das unterlaffen?

3) Was Punkt 2, d anlangt, fo überlaffe ich es den Lefern, nach
den angeführten Beifpielen zu entfeheiden, ob mein Urtheil zu hart war,
und ob es einer befonderen Begründung im Einzelnen noch bedurfte.

4) Was Punkt 2, b und c anbetrifft, fo bin ich noch nicht deshalb
im Unrecht, weil andere anders urtheilen. Ich erhalte alfo mein Urtheil
aufrecht.

5) Punkt 2, a und d erledigen fich dadurch, dafs ein Buch in mehrfacher
Hinficht mit praktifchem Gefchick durchgeführt fein und dabei
doch fchwerwiegende Fehler haben kann. Das günftige Urtheil im Allgemeinen
wird dann einfach durch die vorhandenen Mängel eingefchränkt
oder umgeftimmt. Wenn es aber um der Logik willen verlangt werden
follte. fo bin ich bereit, mein Urtheil, dafs das Meinke'fche Buch mit
praktifchem Gefchick durchgeführt fei, zurückzunehmen.

Magdeburg. W. Bornemann

Bibliographie

von Cuflos Dr. Johannes Müller.

Berlin W., Opernplatz, Königl. Bibliothek,

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