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Ausgabe:

1891 Nr. 3

Spalte:

59-62

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zahn, Adf.

Titel/Untertitel:

Das Deuteronomium. Eine Schutzschrift wider modern-kritisches Unwesen 1891

Rezensent:

Budde, Karl

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59 Theologifche Literaturzeitung. 1891. Nr. 3. 60

C. 34 f. gehört ebenfalls zu den deuterojefaianifchen
Stücken. Intereffant ift endlich die Bemerkung S. 408:
.... ,fraglich bleibt es, auf wie viele Propheten die
deuterojef. Redeftücke zu vertheilen find. Das Einfachfte
wäre es, den einen anderen Jefaia für den Verf. auch
von c. 24—27. c. 23. 21, 1—10. 13, 2—14; 23. c. 34—35
(etwa in diefer chronologifchen Folge) zu halten. Aber
über diefe[r] Frage liegt ein undurchüchtiger dichter
Schleier'.

Wohlthuend berührt es, dafs folche Sätze, in denen
Unterfchiede in der Auffaffung auf dogmatifche Gründe
zurückgeführt wurden, mehrfach geftrichen oder doch der
verletzenden Schärfe beraubt worden find (i40f. gegen
3ii4; 401 gegen :!405 f.). Diefer Umftand ift ein Beweis
dafür, dafs D. in der letzten Zeit mehr als früher Werth
darauf gelegt hat, gefchichtliche Fragen der Bibelkritik
nicht ohne weiteres als religiöfe auszugeben, dafs er die
Probleme der Bibelforfchung nicht in Abrede gehellt,
fondern in weiterem Umfange ausdrücklich anerkannt und
nicht dadurch zu löfen verbucht hat, dafs er fie in Poftu-
late verwandelte. In den verfchiedenen Ausgaben namentlich
diefes und des Genefis-Commentars fpiegeln fich
eben manche nicht ohne Mühe errungenen Fortfehritte
der Bibelkunde in den letzten Jahrzehnten; zugleich aber
auch die enge Fühlung, die D. mit der Bewegung der
gefammten Theologie, auch der fyftematifchen, unterhielt.
Vielleicht darf als ein Beleg dafür die der 4. Auflage
eigenthümliche Bemerkung zu Jef. 8, 8 (dein Land, Im

der feine Sache gründlich verfteht, ans Werk. Er beweift
im 1. Abfchnitt (S. 1 — 51) die Echtheit, d. i. die
mofaifche Abfaffung des Deuteronomiums, und zwar
des ganzen Deuteronomiums mitfammt der Ueberfchrift
und ohne jede Gloffe, im 2. Abfchn. (S. 52—71) die Einheit
des Deuteronomiums, im 3. Abfchn.. (S. 72—78) beleuchtet
er von diefer Anficht aus das Verhältnifs des
Deuteronomiums zum Tetrateuch, im 4. S. 79—92 das
zur ganzen übrigen Bibel. Ein Anhang bietet Mittheilungen
aus der Vorlefung von Johannes Wichelhaus über die
Genefis und ein Bekenntnifs des Amerikaners W. Henry
Green, dem er als leuchtendem Vorbild der Apologetik
gegen kritifche Verirrungen feine Schrift gewidmet hat.
Ex occidentc lux fo heifst es jetzt auch auf diefem Gebiete
. Und es ift gut, dafs der Verf. folchen Erfatz in
Bereitfchaft hat; denn manche feiner deutfehen Hülfs-
mannfehaften drohen ihn im Stich zu laffen. Hat doch
W. Preffel, der in dem grofsen Iudex librorum prohibi-
torum et approbatorum S. 1 — 5 ohne jede Ausftellung
empfohlen wird, kürzlich in einer populären Schrift
eine Quellenfcheidung der Urgefchichte vorgelegt. Green
S. 121 leugnet ausdrücklich die Zufammenfetzung von
Gen. 1—12.

Zahn's Nachweis braucht nicht widerlegt zu werden
und läfst fich nicht widerlegen. Er braucht es nicht,
weil er nichts Neues bringt und längft Gefagtes nicht
braucht wiederholt zu werden; er läfst fich nicht widerlegen
, weil fein Traditionsglaube allen Gründen gewachfen

manuel) aufgefafst werden: .Aber diefe altteft. Anrufung 1 ift. Das lehrt diefe Schrift auf jeder Seite; es beruht auf
des Namens des künftigen Chriftus (Act. 9, 14. I Cor. 1,2) begreiflicher Selbfttäufchung, wenn der Verf. in feiner
laffen wir uns nicht fo leicht entreifsen'. Ich vermuthe, Selbftanzeige (Luth. Theol. Lit.-Bl. 1890, Nr. 45) verfichert:

dafs diefer (zunächft gegen Bredenkamp gerichtete) Satz
im Hinblick auf neuere Darftellungen der Chriftologie
hinzugefügt worden ift.

Von neuen Anfatzen der einzelnen Weisfagungen
erwähne ich, dafs D. jetzt Jef. 10, 5—c. 12 entfehiedener

,Für Gründe habe ich, es ift in Befcheidenheit gefagt, Ver-
ftändnifs'. Indeffen lohnt es wohl, fich die Ausrüftung
etwas näher anzufehen, mit welcher der Verf. an feine
Aufgabe herantritt, wie auch die Sorgfalt, deren er fich
befleifsigt. Zunächft, was die Kenntnifs des Hebrä-
in die Zeit des Hiskia und c. 22, 1 —14 in das Jahr 701 j ifchen angeht. S. 28 lefen wir: ,010 mann jyab (Deut,
fetzt. Ueber die chronologifchen Fragen ift S. 23—26 17, 16) kann fehr gut heifsen: wegen der Fülle der Roffe;
auf Grund der babylonifch-affyrifchen Denkmalliteratur I der Plural [!] ftärkt den Ausdruck vgl. Am. 4, 9, Prov.
eingehender als früher gehandelt. Schade, dafs nicht 25, 27'. S. 14: .Diesfeits des Jordans (Deut. 1, 1) kann
auch die Infchrift des Cyruscylinders dem Buche beige- ! auch das Oftjordanland bezeichnen und es redet hier
geben ift. Gegen die Annahme von Verfetzungen ein- , nicht der Weftpaläftinenfer'. Man glaubt dem JTPn ~0J>3
zelner Abfchnitte, von Gloffen und Textverderbnifsen j gegenüber an einen Druckfehler; aber eine gelehrte Note
hat D. im Wefentlichen feine ablehnende Stellung bei- ' belehrt uns eines Befferen: .Richtig Calov. Vox "Oys

behalten. Die Ueberfetzung ift fehr feiten geändert,
z. B. 53, 1.

Leipzig. H. Gut he.

notantc Vatablo notat et ultra et citra ut non nisi ex loco
loquentis et audientis judicari possit, utra significatio ob-
tineat. Das giebt auch Riehm zu'. Alfo: fchreibe flugs
.diesfeits'. Die Beherrfchung der Quellen. S. 9 f.
wird bewiefen, dafs nirgends in der Bibel grofsen Männern
Zahn, Dr. Adf., Das Deuteronomium. Eine Schutzfchrift der Vergangenheit Reden in den Mund gelegt werden;

wider modern-kritifches Unwefen. Gütersloh, Berteis- da heifst, ef.j- >die ^ed^,n ln den Königsbüchern find auf
„ ,„ „, ,T , 1 die prophetifchen Quellen zurückzuführen, die dort ge-

mann, 1890. (VIII, 122 S. gr. 8.) M. I. 6b. 1 nannt werden'. S. 46: ,die Literatur in den Propheten-

Wem man heutzutage etwas anhängen will, dem j fchulen [erwacht]; die Propheten Joel und Hofea in Juda,
fagt man nach, er fei an der Socialdemokratie fchuld. Jona und Arnos in Israel treten auf. Kenntnifs der
Müffen wir uns das als evangelifche Chriften vom römifchen ' kritifchen Literatur. S. 78 heifst es: ,E. Böhmer (von
Papfte gefallen laffen, fo mag es in Einem hingehen, i ihm die Quellen der Genefis 1853)'. So wenig fich
wenn wir es als Bibelforfcher von dem Vertreter refor- j E. Böhmer das Werk feines Lehrers anmafst, fo wenig
mirter Orthodoxie hören müffen. Freilich ift es hier ; brauchen wir wohl auch die herrliche Mifchbildung ,das
nur Zugabe zu dem anderen Vorwurf, dafs die Verödung Spinutiöfefte', die in feinem mitgetheilten Ausfpruch fleht,
der Kirche, die Unkirchlichkeit ganzer Provinzen, uns j ihm in die Schuhe zu fchieben. Die neuefte, franzöfifche
zur Laft fällt. Wie erleichtert mufs fich der Verfaffer ■ Phafe der Kritik des Deuteronomium ift dem Verf. gänz-
fühlen, wie leicht alle feine Gefinnungsgenoffen im prak- lieh entgangen; er hätte da mehr Grund gefunden, zu
tifchen Amt, nachdem er von fich und ihnen, auch denen j klagen. — Soviel alfo fcheint klar, dafs dem Verf. ein
in folchen Provinzen, wo fie faft allein die Leitung und [ wenig docta ignorantia beffer zu Geficht geftanden hätte,
Pflege der Kirche in Händen haben, die Verantwortung I als diefe iguorans doctrina. Seine Selbftanzeige fchliefst
an die richtige Stelle abgewälzt hat! — der Verf. mit dem ftolzen Worte: ,Ich denke, es ift hohe

Der Verfaffer will aber nicht nur anklagen, nicht Zeit, dafs fich die Apologetik für den Pentateuch beffer
nur fchimpfen — man kann es nicht anders nennen — rüftet, als es bisher gefchehen ift'. Das Wort behält
auf alle, die ihm nicht paffen, von Delitzfch und König feine Wahrheit.

bis Kuenen und Wellhaufen, er will auch widerlegen I Auch einige Fragen werden erlaubt fein. Der Verf.
und beweifen. Er hat fich dafür das Deuteronomium weift S. 5. ff. immer und immer wieder die Unmöglichgewählt
und geht mit dem vollen Selbftbewufstfein eines, keit nach, dafs ,ein Prophet unter falfcher Maske fo