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Ausgabe:

1891 Nr. 24

Spalte:

595

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bernhard, Johs.

Titel/Untertitel:

Biblisch-theologische Untersuchungen. 1. Hälfte: Die Versuchung unseres Herrn Jesu Christi 1891

Rezensent:

Holtzmann, Oskar

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Theologifche Literaturzeitung. 1891. Nr. 24.

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über den juden- oder heidenchriftlichen Leferkreis der
Briefe oder in der Erklärung einzelner fchwierigen Stellen
meine Auffaffung von der des Verfaffers abwich, da
blieb es bei der von dem Verf. aufgeftellten'. Das ift
doch eine Zurückhaltung, die wohl nur da erlaubt fein
dürfte, wo man auf das hiftorifche Verftändnifs der h.
Schrift eben nicht den Hauptwerth legt.

Giefsen. Oscar Holtzmann.

Bernhard, Part. Jobs., Biblisch-theologische Untersuchungen.
1. Hft. Die Verfuchung unferes Herrn Jefu Chrift.
Lübeck, Lübcke & Hartmann, 1890. (VII, 60 S.
gr. 8.) M. 1.50.

Ein Schüler des Tübinger Beck befpricht in wefent-
lich dogmatifchem Intereffe und mit vielem Pathos die
Verfuchungsgefchichte. Es verfteht fich alfo von felbft,
dafs er an Gottes Wort gebunden fein will; die kleinen
formellen Unterfchiede der drei Synoptiker berühren ihn
aber wenig. Mit den meinen Auslegern hält er fich an
Matthäus, ,bei welchem die abfchliefsende Verfuchung
des Teufels: bete mich an! — mit richtiger Würdigung
der fachlichen Klimax zuletzt erzählt ift': es ift ja klar,
dafs die fachliche Klimax auch die gefchichtliche Reihenfolge
ift. Im Uebrigen zerfällt die Schrift in vier Ab-
fchnitte: der erfte legt die Möglichkeit, der zweite die
Nothwendigkeit, der dritte die Thatfächlichkeit der Verfuchung
dar; im vierten wird Ausgang und Bedeutung
der Verfuchung gewürdigt. S. 11, Anm. 2 erklärt der
Verf. von gewiffen Elaboraten der proteftantenverein-
lichen Theologie: ,derartigen blasphemifchen Unfinn zu
lefen, fpüre ich keine Verpflichtung'. Ich will hoffen,
dafs ein in wiffenfchaftlicher Arbeit fo tüchtiger Paftor
nicht blofs die Elaborate aus dem Kreife des Proteftanten-
vereins, fondern auch die geringwerthigen Arbeiten eines
,Ritfchl und der ganzen modernen Theologie' (S. 11)
keines Blickes würdigt: dann wird er ihnen auch nicht
zumuthen, dafs fie auf fein ,Zeugnifs' hören und dasfelbe
der Welt als Wahrheit empfehlen.

Giefsen. Oscar Holtzmann.

Hilliger, Benno, Die Wahl Pius' V. zum Papste. Leipzig,
Fock, 1891. (VIII, 152 S. gr. 8.) M. 3.50.

Um über die Wahl Pius' V. zur Klarheit zu gelangen,
geht der Verfaffer in feiner Unterfuchung bis auf den
Anfang des Pontificats Pius' IV. zurück. Demgemäfs be-
fchäftigen fich die beiden erften Capitel fpeciell mit
Pius IV. und feiner Umgebung. Da der Verf. aufser
dem gedruckten Material auch fehr viele ungedruckte
Actenftücke aus dem fpanifchen Staatsarchiv zu Siman-
cas benutzen konnte, war er im Stande, über den Pon-
tificat diefes Papftes ein ganz neues Licht zu verbreiten.
Der Charakter des Papftes hat hierdurch nicht gewonnen.
Im Gegenfatz zu Ranke ift das Urtheil, das Hilliger über
Pius IV. fällt, ein fehr hartes. Es ftützt fich hauptfächlich
auf die vom Papft verfolgte Hauspolitik. Hilliger
beweift, dafs die Behauptung Rankes, wonach das alte
Gefchlecht der Nepoten, welches nach felbftändigen
Fürftenthümern ftrebte, mit den Caraffa zu Grunde gegangen
fei, nicht aufrecht erhalten werden kann. Die
Beftrebungen Pius' IV. für feine Nepoten unterfcheiden
fich von denen früherer Päpfte nur durch den Mangel
an Erfolg. Während des erften Theils feines Pontificats
find alle Bemühungen des Papftes darauf gerichtet, für
feinen Neffen Federigo Borromeo ein Fürftenthum zu erlangen
und dem mit den Borromeo verfchwägerten Cardinal
v. Mantua die Wege zum päpftlichen Stuhl zu ebnen
. Diefem Zweck dient fowohl die Vernichtung der
Caraffa, über die wir hier zum erften Mal authentifchen
Auffchlufs erhalten, als auch die Cardinalspromotion
vom 26. Febr. 1561. Als dann die Pläne des Papftes
durch den im November 1562 u. März 1563 erfolgten

Tod Federigo's und des Cardinais v. Mantua durchkreuzt
werden, erfetzt er den erfteren durch den Nepoten Han-
nibal von Hohenemps, auf den er daher alle Ehren zu
übertragen fucht, die er für Federigo von König Philipp
von Spanien zu erlangen gewufst hat. Indefs noch bevor
ihm dies gelungen ift, wird er felbft vom Tode ereilt
. Diefes hindert ihn auch, feine Pläne für die Be-
fetzung des päftlichen Stuhles vollftändig durchzuführen.
Nur das erreicht er noch, dafs er durch eine neue Cardinalspromotion
vom 12. März 1565 die Nepoten in den
Stand fetzt, jede ihnen mifsliebige Wahl zu verhindern.
Im 3. Capitel fchildert H. die von den grofsen kath. Mächten
mit Rückficht auf die bevorftehende Wahl beobachtete
Haltung, die aus der inneren Lage der betreffenden Staaten
abgeleitet wird. Befonders intereffant ift die Stellung der
franzöfifchen Regierung. Sie wünfcht die Wahl eines
Papftes, welcher den Proteftanten in Betreff der Lehre
gewiffe Zugeftändnifse macht, damit auf diefe Weife die
religiöfen Gegenfätze, die das Land mit Vernichtung bedrohen
, gemildert und die Parteien mit einander verlohnt
werden. In dem Cardinal von Mantua glaubt fie eine
hierzu geneigte Perfönlichkeit gefunden zu haben, für
deffen Wahl fie daher die andern Fürften zu gewinnen
trachtet. Diefem Zweck foll auch die bekannte Zu-
fammenkunft Katharina's v. Medici mit Philipp II. in
Bayonne gedient haben. Der Verf. hat diefe Dinge indefs
nur fkizzirt, da er fich hierüber an einem anderen
Ort ausführlicher auszufprechen gedenkt. — Nachdem
wir dann im 4. Capitel über die Stellung aufgeklärt find,
welche die italienifchen Fürftenhöfe v. Ferrara, Florenz
und Parma zu der Wahl einnehmen, kommen wir mit dem
letzten Capitel an die Schilderung des Conclaves. Gegenüber
der von Ranke ausgefprochenen Anficht, dafs Carlo
Borromeo von Anfang an die Wahl des Cardinais Aleffan-
drino gewünfcht habe, zeigt Hilliger, dafs er ohne fefte
Candidatenlifte in das Conclave trat. Zuerft dachte er
an die Wahl Amulio's; da aber diefer durch eine Vereinigung
der Gegner excludirt wurde, ftellte er Morone
als Candidaten auf. Erft als diefer die erforderliche Anzahl
von Stimmen auf fich nicht vereinigen konnte und
Borromeo die Ueberzeugung gewonnen hatte, dafs er
mit feiner Partei allein nicht im Stande fei, feine Candidaten
durchzubringen, andererfeits aber die Gefahr drohte,
dafs der von den Florentinern unterftützte Montepul-
ciano Erfolg haben, oder durch die bevorftehende Ankunft
der Franzofen die Wahl ganz ins Ungewiffe würde
geftellt werden, hat er fich mit Farnefe über die Can-
didatur Aleffandrino's geeinigt. Da man auch Morone
dafür zu gewinnen wufste, und die Gegner vollftändig
unvorbereitet waren, gelang es, die Wahl durch Adoration
durchzufetzen.

Weimar. H. Virck.

Dausch, Prieft. P., Die Schriftinspiration. Eine biblifch-ge-
fchichtliche Studie. Gekrönte Preisfchrift. Freiburg
i/Br., Herder, 1891. (VII, 241 S. gr. 8.) M. 3. 50.

Verf. verfteht unter Infpiration die Mitwirkung des
göttlichen Geiftes bei Abfaffung der heiligen Schrift. Er
hat fich zur Aufgabe gefetzt, das gefchichtliche Bewufst-
fein um jene Prärogative zu erforfchen, welche die hl.
Schrift vor andern Büchern auszeichnet; nachdem er das
Gebiet der Kirchengefchichte durchwandert, fafst er
das Refultat feiner Beobachtung in einigen kurzen Sätzen
zufammen. Seinen Standpunkt als Priefter der römifch=
katholifchen Kirche betont er ausdrücklich und ift bemüht
, fich in Uebereinftimmung mit den Lehrentfcheid-
ungen derfelben zu halten. Demgemäfs verhält er fich
ablehnend gegen die proteftantifchen Anflehten; doch
mufs ich lobend anerkennen, dafs die Form feiner Polemik
anftändig und würdig ift; wenn er ausdrücklich anerkennt
, dafs die neuere katholifche Theologie von