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Ausgabe:

1891

Spalte:

594-595

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lange, J. P. (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Theologisch-homiletisches Bibelwerk. Die Heilge Schrift Alten und Neuen Testaments, mit Rücksicht auf das theologisch-homiletische Bedürfnis des pastoralen Amtes... Des Neuen Testamentes 14.

Rezensent:

Holtzmann, Oskar

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

28. November 1891. 16. Jahrgang.

N°- 24.

Solger, Das Urevangelium (O. Holtzmann).

Gloel, Die jüngfte Kritik des Galaterbriefes
(O. Holtzmann).

Theologifch-homiletifches Bibelwerk von Lange.
Des Neuen Teftamentes 14. Tl. Die Briefe
Petri und Judä (O. Holtzmann).

Ber nhard.Biblifch-theologifcheUnterfuchungen,

I. Hft. (O. Holtzmann).
Hilliger, Die Wahl Pius'V. zum Papfte (Virck).
Daufch, Die Schriftinfpiration (Sachfse).
Erhardt, Mechanismus und Teleologie (Beffer).
Fi feher, Einleitung in die Gefchichte der neuern

I'hilofophie (Gottfchick).

Fifcher, Gefchichte der neuern Philofophie,
2. Bd. Leibniz, 3. Aufl. (Gottrchick).

Eucken, Die Lebensanfchauungen der grofsen
Denker [Schlufs] (Gottfchick).

Kuyper, De opleiding tot den dienst des woords
bij de Gereformeerden, 1. deel (Weiffenbach).

Solger, Ernfl, Das Urevangelium. Studien zur Entwick- j heit der vier paulinifchen Hauptbriefe führen mufs. Unter

lungsgefchichte der chrilllichen Lehre und Kirche.
Jena, Mauke, 1890. (IV, 129 S. gr. 8.) M. 3.60.

Es ift eine harte Aufgabe, fich durch diefes Gewirr
phantaftifcher Einfälle durchzuarbeiten. Es fehlt demVer-
faffer nicht an Scharffinn, wenn man fo will, auch nicht
an Belefenheit, aber es fehlt ihm an jeder Schulung und
Ordnung feiner Gedanken. So hat er offenbar auch mehr
in den Büchern herumgeblättert, als fleifsig und aufmerk-
fam aus ihnen gelernt. Da kann er z. B. S. 42 ein Wort,
das Pfleiderer hinfichtlich der Apoftelzufammenkunft über
Petrus gefchrieben hat, ganz forglos auf die Cornelius-
gefchichte beziehen. Als Mufter feiner Arbeit feien
einige kurze Sätze angeführt. S. 35: Ruhte doch fogar
auf Petrus der Verdacht, welchem fpäter Johannes in
feinen Aufzeichnungen Ausdruck gab (Job. 18, 16), um
den Verrath des Judas gewufst zu haben. — S. 50: Um
(das Brotbrechen) feierlicher zu machen, gedachte man
die Handlung noch durch Hinzufügung des Kelches zu
erweitern. — S. 54 wird hervorgehoben, dafs das Wort
aflttQtia in der ganzen Bergpredigt nicht vorkomme.
,Da "demnach die Sünde, d. i. das widergefetzliche Thun,
das Nichtglaubcn an Gott (Joh. 15, 22) und an Jefum
(Joh. 12, 44; 19, 9; Act. 18, 6) und an feine Lehre (Joh.
7, 16. 17) im Einzelnen lag und von ihm jederzeit, fobald
er nur felbft den Trieb und Willen dazu hatte (Hebr.
12, I; Joh. 6, 44) oder dazu angeregt wurde (Jac. 15, 19.
20), überwunden werden konnte (Luc. 7, 50; 15, 20; 17,
21. Joh. 6, 45), fo konnte Jefus fernerhin auf die Taufe
der Bufse verzichten'. In einer Anmerkung hiezu wird
das Wort 2 Cor. 5, 21 xbv fit] yvaviu a^iuyriav dahin erklärt
, dafs Jefus eine Sünde im Sinne Pauli weder kannte
noch lehrte. Den Lefern der Theologifchen Literatur-
Zeitung dürfte damit diefes Buch genügend empfohlen fein.

Giefsen. Oscar Holtzmann.

zeichneter kann auf feine Befprechung des dem Steck'-
fchen verwandten Buches von Völter (Th. LZ. 1890 Nr.
17, Sp. 421 ff.) verweifen. Wenn Gloel S. 94 fagt: ,eine
derartige Kritik ift nur geeignet, das Mistrauen gegen
jede gefchichtliche Unterfuchung der neuteftamentlichen'
Literatur bei Vielen zu verftärken', fo ift es erfreulich,
fofort den doch durchaus confervativ urtheilenden Theologen
das Recht eingehender gefchichtlicher Unterfuchung
der neuteftamentlichen Schriften vertheidigen zu fehen.
Da kann man über A-G und Joh.-Ev. anders als Gloel
denken und es doch ernft und redlich bedauern, dafs
ein fo aufrichtig arbeitender Theologe unferer Wiffenfchaft
frühzeitig entriffen worden ift.

Giefsen. Oscar Holtzmann.

Gloel, Prof. Dr. Johs., Die jüngste Kritik des Galaterbriefes,

auf ihre Berechtigung geprüft. Erlangen u. Leipzig,
Deichert Nachf., 1890. (IV, 96 S. gr. 8.) M. 1.80.

Diefe Schrift des leider unlängft verftorbenen Erlanger
Theologen unterfucht in durchaus ruhiger und
fachlicher Weife die Berechtigung der Steck'fchen Kritik
des Galaterbriefs, fowie der vier paulinifchen Hauptbriefe
überhaupt. Referent kann nur feine Uebereinftimmung
mit Gloel in allen wefentlichen Punkten ausfprechen.
Auch er hält eine eingehende Prüfung diefer Briefe auf
ihre Echtheit für wiffenfehaftliche Pflicht und glaubt, dafs

diefe Prüfung einmal zur Vorficht vor Ueberfchätzung ! Meinung des Referenten, fondern auch die Meinung des
der zwifchen diefen und den andern Paulinen beliebenden j neuen Herausgebers der Fronmüller'fchen Arbeit. PVller
Unterfchiede, dann aber auch zur Anerkennung der Echt- | fagt im Vorwort: ,wo — in einzelnen Fragen, wie z. B

593 594

Theologisch-homiletisches Bibelwerk. Die Heilige Schrift
Alten und Neuen Teftaments, mit Rückficht auf das
theologifch-homiletifche Bedürfnis des paftoralen Amtes
in Verbindung mit namhaften evangelifchen Theologen
bearb. und hrsg. von J. P. Lange. Des Neuen
Teftamentes 14. Tl. Die Briefe Petri und der Brief
Judä. Theologifch-homiletifch bearb. von weil. Pfr.
Dr. G. F. C. Eronmüller. 4. verb. Aufl., befolgt
von Pfr. Lic. L. Puller. Bielefeld, Velhagen & Kla-
fing, 1890. (V, 158 S. gr. 8.) M. 1.60.

Die fleifsige und genaue Art diefes wefentlich paftoralen
Zwecken dienenden Commentars ift längft ebenfo
bekannt, wie feine Ablehnung alles deffen, worin die
wiffenfehaftlich arbeitende Theologie von den Anfchau-
ungen des 17. Jahrh. abweicht. Nicht als ob wir hier ur-
fprüngliches Lutherthum vor uns hätten; die Anfchauung
von der Heilsaneignung, die S. II vorgetragen wird:
,nur durch den Gehorfam des Glaubens und bei dem
feiten Vorfatz, uns den PVrderungen des göttlichen Ge-
fetzes zu unterwerfen, bekommen wir Antheil an der verhöhnenden
Kraft des Blutes Jefu' pafst fehr wenig zu dem
fchönen S. 12 N. 7 angeführten Worte Luthers. Aber
gerade die häufige Bezugnahme auf Lutherworte und
auch auf die ältere orthodox-lutherifche Auslegung, der
fortlaufende Hinweis auf den religiöfen Werth der einzelnen
Schriftgedanken, die Mittheilung bedeutfamer, an
den Text fich anfchliefsender Predigtthemata fichern
diefem Commentar auch da feinen Werth, wo man bezüglich
der gefchichtlichen Auffaffung weit von den
Verfaffern abweicht. Das ift offenbar nicht blofs die