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1891 Nr. 22

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539-541

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Cypriani Galli poetae Heptateuchos ex recensione Rud. Peiper 1891

Rezensent:

Preuschen, Erwin

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Theologifche Literaturzeitung. 1891. Nr. 22.

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der dazu berufen war, wie nicht leicht ein zweiter unter
den Lebenden, das Werk von Tobler mit bewunderungswürdigem
Fleifse aufgenommen, allfeitig verbeffert und
fafl um's dreifache vermehrt. Nicht viele Länder mögen
lieh einer Bibliographie rühmen, wie fie in dem faft
800 Seiten umfaffenden Werke Röhricht's für Paläftina
vorliegt. Nicht weniger als 3515 Verfaffer von Schriften
und 747 Kartographen flehen darin verzeichnet. Mit
äufserfter Sorgfat ifl R. allen Ausgaben und, wo immer
möglich, auch allen Ueberfetzungen der fachbezüglichen
Werke nachgegangen, auch das Unbedeutende und Werth-
lofe der Vollfiändigkeit wegen aufnehmend. Der Kritik,
die Tobler's Buch einen eigenthümlichen Reiz giebt, hat
fich R. enthalten, um fein Werk nicht allzufehr anschwellen
zu laffen. Dafür giebt er das objectiv Bibliographifche
in weit gröfserer Fülle. Nimmer hätte es Referent für
möglich gehalten, dafs die Zahl der Nachweife Tobler's
noch in dem Mafse fich Reigern liefse, wie es in
Röhricht's Buch gefchehen ift. Letzteres ifl nicht nur
ein Zeugnifs ungewöhnlichen Sammlergefchickes, fondern
auch einer hohen ethifchen Kraft, die mit felbfllofer
Hingabe ein nur von Wenigen ganz zu würdigendes
grofses Werk gefchaffen hat. Ks wird dasfelbe für alle
Zeit ein Standard work bleiben. Dafs bei einer folchen
Riefenarbeit fich immer noch Addenda und Corrigenda
anbringen laffen, liegt in der Natur der Sache begründet.
So find z. B. die geographifchen Artikel des Referenten
in Schenkel's Bibellexikon nicht genannt. Aber folche
Kleinigkeiten können den Werth des grofsartig angelegten
und ausgeführten Buches nicht beeinträchtigen.
Schade, dafs er die Literatur nur bis 1878 verzeichnet
hat. Wohl findet fich eine treffliche Fortfetzung in der
Zeitfchrift des deutfehen Paläftinavereins, aber auf Jahrgänge
vertheilt und daher zum Nachfchlagen unbequem.
Freilich in Einem Bande wäre dann der Stoff nicht zu
bewältigen gewefen, da in diefen 12 Jahren die Paläftina-
literatur lawinenartig gewachfen ift.

Möge das Werk, das deutfeher Gründlichkeit und
Gewiffenhaftigkeit alle Ehre macht, die verdiente Anerkennung
finden. Ein nicht geringer Schmuck desfelben
ifl die Art, mit der fein Verfaffer der Vorgänger und
Mitarbeiter gedenkt.

Zürich. K. Furrer.

Cypriani Galli poetae Heptateuchos ex recensione Rud.
Peip e r. [Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum,
vol. XXIII.] Wien, Tempsky, 1891. (XXXIX, 348 S.
gr. 8.) M. 10. —

Den vorliegenden Band des Wiener Corpus füllt zum
gröfsten Theile

1. die metrifche Paraphrafe der Bücher Genesis —
Judicnm, welche unter dem Namen Cyprian's überliefert
ifl. Stücke diefer ziemlich hölzernen Verfifica-
tionen hatte J. B. Pitra im Spicilegiuni Solesmense
I, 171fr., den Reil in den Analecta sacra V, 181 ff.
veröffentlicht. Seitdem hat fich namentlich ein eng-
lifcher Gelehrter J. B. Mayor Verdienfte um den
Text erworben {The latin Heptateucli 1889). P ei per,
der fich fchon durch die Herausgabe des Avitus auf
diefem Gebiete bewährt hat, giebt hier eine Recenfion
des Textes auf Grund neuer Collationen. Die Hand-
fchriften find fpärlich und ihr Verwandtfchaftsverhältnifs
ifl einfach: fie gehen alle auf einen Archetypus zurück,
den ein Cod. Laudunensis 279 {saec. IX) am beflen re-
präfentirt. Dies hatte im wesentlichen fchon Pitra erkannt
{Spicileg. Solesm. I, p. XXXVII). Die Aufgabe
des Herausgebers befland alfo hauptfächlich darin, den
lext des Archetypus fo gut wie möglich herzuftellen
und ihm, wo nöthig, durch Conjecturen aufzuhelfen.
Diefe Aufgabe hat Peiper mit Gefchick gelöft. Der Text

weicht allerdings von dem Pitra's nicht fo fehr ab, als
es nach dem prooem. p. XIII Rheinen könnte; aber wir
haben doch nun einen einigermafsen zuverläffigen Apparat
. Aufserdem ifl an nicht wenig Stellen durch die Bemühungen
des Herausg., den K. Becker und John Mayo r
unterftützt haben, ein befferer Text hergeftellt worden,
als wir ihn bisher hatten. So z. B. Gen. 495, wo aus
dem verderbten Text zwei Verfe herausgefchält werden,
von denen der eine freilich das erfle Hemiftich verloren
hat. An anderen Stellen ifl der Herausg. weniger glücklich
gewefen: Genef. 447 ift die Correctur armenti für
armenta unnöthig; ebenfo Ex. 7 numerosa für iuiiu-
merosa der Hs. u. a. m. An anderen Stellen wäre eine
Correctur des überlieferten Textes am Platze gewefen:
Genef. 86 ifl ftatt insueto zu lefen insuetum; V. 228 ifl
ein metrifches Unding; entweder mufs es heifsen: tres-
que creat natos Sethum Chamnm Japhetumque, was mir
richtig zu fein fcheint, oder Chamumque Japhetumque find
umzuftellen — das letztere würde fich vom biblifchen
Text entfernen —; u. a. Auf alle Fälle ift aber jetzt
ein wefentlich gelicherter Text hergeftellt, wofür dem
Herausg. alle, die fich mit den Reffen der Itala be-
faffen, Dank wiffen werden. — In der Einleitung hat
Peiper die Verfafferfrage erörtert (p. XXIIIff.). Er kommt
zu dem Refultate, dafs die Paraphrafe von einem Gallier
Namens Cyprian herrühre, der ungefähr zu Anfang des
5. Jahrh. gelebt habe. Da die Handfchriften die Gedichte
einem Cyprian beilegen, fo mag der Verf. fo geheifsen
haben. Allein bevor fich die Lebenszeit diefes Cyprian
feftftellen läfst, mufs das Verhältnifs feiner Paraphrafe
zu Victor und Avitus erff genauer unterfucht werden,
als dies bisher gefchehen ift. So lange eine folche Unter-
fuchung hierüber noch ausfteht, fehlt der Vermuthung
aller Boden.

2. An Cyprian fchliefsen fich verfchiedene kleinere
Gedichte an. Zunächff de Sodoma und de Jona, welche
in den Hff. theils Cyprian, theils Tertullian beigelegt
werden und die daher unter den Werken der beiden ihre
Stelle gefunden haben {Cypriani opera cd. Härtel. III.
283 ff.; Tertulliani opera ed.Yx. O ehler. II. 798 ff). Peiper
giebt den Text auf Grund neuen Materiales, daher vielfach
verbeffert. Ebenfo die versus ad quendam Sena-
torem, welche den Namen Cyprian's tragen. Den Be-
fchlufs machen die Hilarius Pictavienf. fälfehlich zuge-
fchriebenen Gedichte in Genesin, eine freie Paraphrafe
der Genefis bis c. 9 nicht ohne dichterifchen Schwung,
de martyrio Maccabaeorum, inhaltlich fich etwas an die
passio S. Felicitatis et Septem filiorum eins anlehnend
und hier in einer kürzeren und einer interpolirten längeren
Recenfion mitgetheilt, und endlich das fragmentari-
fche Stück de Evangelio.

Die Indices am Ende des Bandes erfüllen nur zum
Theil ihren Zweck. Gut ift nur Index I: auetorcs Imitator
es und Index IV: metricus. Index II: nominum
und III: verborum et locutionum find unzuverläffig. In II
fehlt bei Adam Cyprian, Genes. 93: bei Aevam Genes.
37; bei Chalcb Cypr. Judic. 147; bei Pharaonis Exod. 174
u. a. m. Antiochus (Hilarius, Macc. 1. 76 u. m.) fehlt
überhaupt; ebenfo Theseus, Senat. 61. Olympus fucht
man im Index II und nicht im Index III. Bei diefem
letzteren ift auf die Bedürfnifse theologifcher Lefer zu
wenig Rückficht genommen; fonft hätten Worte wiepecca-
tum u. a. nicht fehlen dürfen. Aufserdem ift auch er nicht
vollftändig {carbunculus fehlt Genef. 59. chaos fehlt Macc.
306 u. a.). Druckfehler find verhältnifsmäfsig feiten: p. III
lies cPAchery ft. Dachery, S. 7 ift am Schlufs von V. 152
und 166 das Anführungszeichen ausgefallen; S. 15 lies in
der Ueberfchrift ftatt 8, 20: 9, 20. Arriani (S. XXVI) und
Deuteronomius (S. 290) find auch als Druckfehler häfslich.
Auch im Regifter find verfchiedene Fehler flehen geblieben
: S. 305 bei Gabaon C. JN 321 ft. 320; S. 306 unter
Hebräern E 128 ft. 138; S. 307 unter Israhelitarum K 175
ft. 1175; Lantech G 179 ft. 169. S. 315 bttumen G 394 ft.

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