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Ausgabe:

1891 Nr. 21

Spalte:

517

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bissell, Edwin C.

Titel/Untertitel:

A practical introductory Hebrew grammar 1891

Rezensent:

Müller, August

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Theologifche Literaturzeitung. 1891. Nr. 21.

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Form des Vorangehenden verfafst und dadurch dem
Werke wenigftens in der Hauptfache einen Abfchlufs gegeben
. Diefer Abfchnitt wie jene Zufätze find durchaus
der Arbeit des Meifters würdig, und mit derfelben Sorgfalt
haben der Herausgeber und der ihn unterftützende
Mr. Ashley Bevan den Druck überwacht, zu dem Prof.
Nöldeke noch einige fachliche Bemerkungen beige-
fteuert hat. Mir find nur ein paar ganz vereinzelte und
unbedeutende Verfehen vorgekommen: Seite 30 Zeile 6
ift zu lefen Leutholf; S. 135 Z. 5 v. u. t£$; und Seite
104 Anm. war ftatt Kuenen's Onderzoek vielleicht beffer
M. A. Levy's Bearbeitung von Munk's Paläftina (Breslau
1871) S. 295 Anm. 1 zu citiren: eine Stelle, auf die
mich Nöldeke's Artikel ,Sprache' in Schenkel's Bibellexikon
V S. 365 hingewiefen hat.

Halle a/S. A. Müller.

Bissell, Prof. Edwin Cone, A practical introductory Hebrew
grammar. Hartford, Conn., the Hartford Theological
Seminary, 1891. (IX, 134 S. gr. 8.) geb. $ 1. 75.

Das Buch des Herrn Biffell verdient das Beiwort
feines Titels ^practica? in hohem Grade. Es enthält
aufserder elementaren Formenlehre von Anfang Uebungs-
beifpiele und Uebungsftücke; die Anordnung des Stoffes
ift, ohne die natürliche Reihenfolge ganz aufzugeben,
nach einem wohldurchdachten, erfichtlich auf gründlicher
Lehrerfahrung beruhenden Plan fo geftaltet, dafs der
Schüler vom erften Augenblick die Sprache handhaben
lernt. Dabei find die zu behaltenden Vocabeln nach ftatifti-
fchen Grundfätzen fo ausgewählt, dafs vor allem die
häufigften eingeprägt werden; und im weiteften Umfange
find die Hilfsmittel der Mnemotechnik herbeigezogen.
In letzterer Beziehung berührt uns die Methode des prak-
tifchen Amerikaners zunächft fonderbar, häufig faft ko-
mifch: wir finden es noch begreiflich, wenn S. 40 für das
Verhältnifs zwifchen der Wurzel "tÜO und 1J3 an robe
und to rob erinnert wird, find aber geneigt, ganz un-
politifch zu lächeln, wenn S. 52 "ni enemy, oppressor mit
Hilfe des Tsar aller Reufsen eingeprägt werden foll.
Vielleicht find wir darin zu fchwerfällig; immerhin fcheint
die Gefahr nahe zu liegen, dafs z. B. die Zufammen-
ftellung von Ona mit 'Sansc. gras (Eng. grass), devour1
falfche Ideen über etymologifche Methoden in den
Köpfen der Lernenden zeitigen könnte. Hier müfste der
Lehrer fortwährend warnen. Zu leugnen ift aber fchwer-
lich, dafs die pädagogifchen Kunftgriffe, welche in dem
Werke verkörpert find, zur fchnellen Erreichung des
Unterrichtszieles wefentliche Hilfe leiflen können. Jedenfalls
ift der Verf. befliffen gewefen, der Wiffenfchaftlich-
keit nichts zu vergeben. Er ift erfichtlich wohl bewandert
in der neueren fprachvviffenfchaftlichen Literatur,
und wenn er auch z. B. in der Lautlehre zur Vereinfachung
der Methode nicht überall ftrengwiffenfchaftliche
Anfchauungen vorträgt, find feine praktifchen Regeln
doch überall fehr gefchickt fo gefafst, dafs fie nichts
präjudiciren, keine geradezu verkehrten Begriffe in den
Schülern erzeugen: wer auf Grund diefes Buches prak-
tifch Hebräifch gelernt hat, wird einem Curfus in wiffen-
fchaftlicher hebräifcher Grammatik folgen können, ohne
auf Schritt und Tritt umlernen zu müffen. Das Sprachmaterial
ift überall correct gegeben (über einzelne in der
Sprache nicht vorkommende Formen und aridere Kleinigkeiten
wollen wir nicht rechten) und eine Menge von
Stoff auf engen Raum zufammengedrängt. Ich glaube,
dafs Herrn Biffell's Buch, das auch fehr genau gedruckt
ift, in den Ländern englifcher Zunge mit grofsem Nutzen
wird gebraucht werden können.

Halle a/S. A. Müller.

Buhl, Prof. Dr. Frants, Kanon und Text des Alten Testamentes
. Leipzig, Akadem. Buchh. (W. Faber), 1891.
(VI, 262 S. gr. 8.) M. 6. —

Das vorliegende Buch ift eine durch Nachträge ins-
befondere der neueften deutfchen Literatur und andere
Zufätze erweiterte Ueberfetzung des urfprünglich dänifch
gefchriebenen Werkes desfelben Verf.'s, betitelt: ,Den

I gammeltestamentlige skriftoverlevering 1885'. Man wird
dem Verf. für diefe Bereicherung unferer wiffenfchaft-
lichen theologifchen Literatur nur Dank ausfprechen

j können. Das gelehrte Material ift von ihm mit einer
folchen Reichhaltigkeit und hinfichtlich des Wefentlichen
in fo grofser Vollftändigkeit beigebracht, aufserdem
zeigt feine Darftellung eine folche Beherrfchung des oft
fo verwickelten Stoffs und fchreitet in fo klarem und
angenehmen Fluffe fort, dafs es ein Vergnügen ift, das

j Buch zu lefen, felbft in folchen Fällen, wo man mit

1 feinen Ausführungen nicht übereinftimmen kann.

Sehr richtig hebt der Verf. S. 1 hervor, dafs der
Begriff Kanon eher da war als der Name. Wir hätten
nur gewünfcht, er wäre deutlicher der irrthümlichen Auf-
faffung entgegengetreten, als hätten die Juden von jeher

| eine Reihe von Glauben und Lehre normirenden Schriften

j gehabt, während man doch nach dem Exil fich zunächft
nur auf das mündlich vorgetragene und erläuterte Gefetz
verpflichtet fühlte (Neh. 8, 8. 18). In diefem erkannte man
natürlich Jahve's Willen, aber den modern theologifchen
Ausdruck ,Offenbarung' (S. 2) würden wir hiebei nicht

| anwenden. — Dafs es fchon vor Chriftus auch einen
feft abgefchloffenen 3. Kanon gegeben habe (S. 25—27)

1 hat uns der Verf. nicht wahrfcheinlich gemacht. Aus
Luc. 24, 27. 44 fcheint uns hervorzugehen, dafs man damals
zwei feite, wenn auch noch nicht unwiderruflich

1 abgefchloffene Sammlungen ,GefetzundPropheten' kannte,
dafs aber die dritte mit Pfalmen bezeichnete eben noch in

I einem gährenden Zuftande fich befand. Die im Tempel-
dienft gebrauchten Pfalmen haben ficher eine Zeit lang

I ifolirt als gleichartige Gröfsen neben Gefetz und Propheten
geftanden, bevor man fich entfchlofs, ihnen noch
andere Schriften anzureihen. Die Bedeutung des neutefta-
mentlichen Schriftbeweifes für den Kanon (S. 49) wird
durch das, was der Verf. S. 50 anführt, doch erheblich
verringert. — Den Verfuch des Verfaffers (S. 72 f.), die
Synagoge bei der Abgrenzung des Kanon's a totit prix
zu rechtfertigen, müffen wir als mifslungen erklären.
Dafs im Buche Efther irgend ein Offenbarungswerth
ftecke, wird fich auch mit der gröfsten Kunft nicht
erweifen laffen. Und aus Refpect vor der Synagoge die
alte Dreitheilung des Kanons auch in unfern Bibeln
wieder herftellen zu laffen (S. 74), könnten wir nicht em-

j pfehlen. Aus dem Sammelfurium der K'tnbim würden
unfere Gemeinden nicht klug werden, da fie von den
hiftorifchen Gründen diefer Reihenfolgen keine Ahnung

I haben und fich auch fchwer würden hineindenken können
. — Ebenfowenig können wir uns entfchliefsen, an
das Verlangen des Königs Ptolemäus Philadelphus nach
einer griechifchen Thora zu glauben. Die Gegengründe
des Verf.'s (S. 115 f.) Rheinen uns herzlich wenig zu ver-

I fchlagen. Er fagt: Die hiftorifche Fälfchung im Arifteas-

; buche wäre für einen Juden zu originell u. a. m. — Was
Frankel anlangt (S. 124), fo hat er mit demNachfpüren nach
Midrafchim in der LXX bedeutend übertrieben. Was
fpeciell Jof. 13, 22 betrifft, fo vergl. man dagegen die
treffende Bemerkung von J. Hollenberg, der Charakter
der alex. Ueberfetzung des Buches Jofua 1876, S. 4 A. 2.

Unbedingt möchten wir Jer. 36, 23 nicht als Inftanz
gegen den Gebrauch der Lederrollen gelten laffen (S. 198 ).
An den Geftank hat vielleicht der hitzige König nicht-
gleich gedacht. — Noch möchten wir uns erlauben, einige
Nachträge hier hinzuzufügen. Zu S. 3 wäre nachzutragen
die deutfehe Ausgabe von Wilderboer's Schrift über den
Kanon (Gotha 1891); S. 33 wäre vielleicht für Anfänger

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