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Ausgabe:

1891

Spalte:

513-517

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wright, William

Titel/Untertitel:

Lectures on the Comparative Grammar of the Semitic Languages 1891

Rezensent:

Müller, August

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N° 21. r7- October 1891. 16. Jahrgang.

Wright, Lectures on the Comparative Grammar
of the Semitic Languages 1A. Müller).

Bisseil, A practical introductory Hebrew Grammar
(A. Müller).

Buhl, Kanon und Text des Alten Teftaments
(Siegfried).

Stengel, Griechifche Kultusaltertümer (Harnack
).

Hatch, The Influence of Greek Ideas and Usages

upon the Christian Church (Schürer).
Paulson, Fragmentum vitae Sanctae Catharinae

Alexandrinensis metricum (Preufchen).
Luthers Tifchreden aus den Jahren 1531 und

153z, hrsg. von Preger (Enders).
Die Predigt der Kirche, hrsg. von Leonhardi,

X, XI u. XIII (Everling).
Mangold, 32 Predigten (Baffermann).

Mehlhorn, Heidelberger Univerfitätspredigten
(Baffermann).

Jacoby, Der erfte Brief des Apoftels Johannes,
in Predigten ausgelegt (Derf.).

D ä c h f e 1, Ordnung des öffentlichen Gottesdienftes
und der kirchlichen Handlungen (Achelis).

Dach fei, Liturgifches Handbuch für die Gemeinde
(Derf.).

Dach fei, Kanzelbüchlein (Derf.).

Wright, -j-Prof. William, LL. D., Lectures on the Compa- I nifs eines ganz obfcurenJargons abhängen. Es liegt auf
rative Grammar of the Semitic Languages, from the pa- der Hand, wie viel für uns alle, die wir aus einer be-

pers ofW. W. [ed. by W. Rob ertson Smith]. Cambridge
, at theUniversity Press, (1890). (XI, 288 S. 8.) 14 s.

Kein wiffenfchaftliches Werk mag unter gewöhnlichen
Verhältnifsen allgemeineren Nutzen ftiften, als ein Handbuch
, das von einem wirklichen Meifter feiner Wiffen-
fchaft verfafst ift. Sein Ueberblick über das Ganze befähigt
ihn, die Zufammenhänge überall klar zu erkennen
und zu Gunften der Lernenden das Sichere und Charak-
teriftifche herauszuheben, und feine Beherrfchung alles
Einzelnen läfst ihn überall Neues und Anregendes
für die Gereifteren einfluchten. So ift auch Wright's
nachgelaffene Vergleichende Grammatik der femitifchen
Sprachen ein Buch, deffen kein Semitift und kein Theolog
, der fich wiffenfehaftlich mit dem A. T. zu befchäf-
tigen gefonnen ift, wird entrathen können, möge er
ein fertiger Mann oder ein ftrebfamer Anfänger fein.
Uer letztere wird, follte er auch nur einigermafsen
Hebräifch und die Anfangsgründe des Arabifchen und
Syrifchen gelernt haben, das Buch ohne Schwierigkeit
fo weit ftudiren können, dafs er den gröfsten Nutzen
davontragt. Es find auch der Form nach Vorlefungen,
welche Wright als akademifcher Lehrer gehalten hat,
und ich habe niemals Vorlefungen gehört oder gelefen,
welche vollkommener dem Zwecke des Unterrichtes an-
gepafst gewefen wären. In Bezug auf die Klarheit des
Vortrages, die Gefchicklichkeit und doch Einfachheit
der Anordnung, die Auswahl der Thatfachen, die Fähigkeit
, felbft fchwierigere Probleme dem Verftändnifse der
nur elementar vorgebildeten Zuhörer oder Lefer zu eröffnen
, bekenne ich feit Schleicher's Buche über die
Deutfche Sprache und Max Müller's und Whitney's Vorlefungen
über die Wiffenfchaft der Sprache nichts annähernd
Vortreffliches gelefen zu haben; und dabei han-

fchränkteren, meift an die Hauptdialekte gebundenen
Befchäftigung mit diefen Sprachen unfere linguiftifchen
Anfchauungen zu fchöpfen gewohnt find, die Lehre eines
Mannes werth ift, der eben Alles ohne Ausnahme 1)
kannte und zu beurtheilen verftand. Befonders, da fein
Urtheil ebenfowenig ein befchränktes wie ein unklares
gewefen ift.

Der Titel des Buches ift richtig gewählt, obwohl er
anfeheinend in zwei Beziehungen dem Inhalte nicht ganz
genau entfpricht. Die Vorlefungen find zuerft im Jahre
1877 als a short course of clanentary lectures über the
Comparative Grammar of Hebrew, Syriac and Arabic gehalten
und niedergefchrieben worden: und obwohl fie
feitdem wiederholt umgearbeitet, ja zum Theil neu aufgezeichnet
wurden, flehen auch in der letzten Redaction
die genannten drei Sprachen im Vordergrunde. Aber
die übrigen Dialekte, vorzüglich das Aethiopifche, find
in fo weitem Umfange herbeigezogen, dafs kaum irgendwo
eine Form eines —■ auch der entlegenlten — Dialekte
fehlt, die für die vergleichende Darftellung von Intereffe
war. Zweitens umfafsen die Vorlefungen nicht das ganze
Gebiet der Grammatik; abgefehen von der Syntax, die
heutzutage noch Niemand in einem folchen Buche fuchen
wird, fehlt die Lehre von den Zahlwörtern und Partikeln
; und die Bildung der Nomina, abgefehen von
Genus, Numerus und Cafus, ift nur als Einleitung zu der
Behandlung des Verbums, deffen Formen bei Wright
von denen des Nomens abhängen, kurz angedeutet. Aber
die Andeutung genügt, um den Standpunkt zu erkennen,
auf welchen fich Wright in der feither brennend gewordenen
Frage vom Urfprunge der femitifchen Nomina
geftellt hatte; und Zahlwörter und Partikeln find im Vergleich
zu dem Uebrigen doch nicht von fo grofser Wichtigkeit
, dafs ohne fie von vergleichender Grammatik'

delt es fich hier nicht blofs darum, an der Hand einer nicht gefprochen werden dürfte. Wenn alfo keine for-
beliebigcn Anzahl erlefener Beifpiele wiffenfehaftliche mell vollftändige, fo doch eine das Wefentliche um-

Anfchauungen und Begriffe zu erläutern, fondern ein voll
ftändiges fprachliches Syftem darzuftellen. Nicht minder
grofs aber ift die Bedeutung des Werkes für uns ältere

faffende Reihe von ,Vorlefungen über die vergleichende
Grammatik der femitifchen Sprachen' liegt vor uns.

Wright's Gefammtauffaffung des Organismus und der

Semitiften. Ich kenne aufser Wright nur noch einen j Entwickelungsgefchichte der femitifchen Sprachen deckt
lebenden Semitiften, der, abgefehen vom Affyrifchen, j fich ziemlich genau mit derjenigen, welche Olshaufen's
alle vorhandenen femitifchen Sprachen einfchliefslich Lehrbuch der hebräifchen Sprache zu Grunde liegt. Wer

der nur infehriftlich erhaltenen in der gleichen Weile
beherrfchte: und das mufs der, welcher es unternimmt,
ein Syftem der vergleichenden Semitifchen Grammatik
herzuftellen. Die fchönften Theorien über irgend eine
beliebige Claffe von Formen können an einer einzigen
epigraphifchen Thatfache fcheitern, und die richtige Erklärung
eines beftimmten Vorganges kann von der Kennt-

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die Einleitung zu Olshaufen's Werk aufmerkfam durchlieft
, wird hier und da bei der Reconftruction der einzelnen
Urformen, kaum irgendwo aber in den allgemeinen
Grundfätzen eine Verfchiedenheit zwifchen den Aufftell-

1) Auch das rulyrifche wird von Wright überall berückfichtigt;
doch betont er ftets, dafs er nur gebe, was er von Anderen gehört habe!

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