Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1891 Nr. 20

Spalte:

506-508

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ebeling, Friedrich

Titel/Untertitel:

Handreichung für KIndergottesdienste. 25 Unterredungen über Sonntagsevangelien, nebst einer vierfachen Perikopenreihe für Kindergottesdienste 1891

Rezensent:

Schlosser, Georg

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

505

Theologifche Literaturzeitung. 1891. Nr. 20.

506

Aufgaben der Gemeinde, z. B. bei dem Text Ap.-Gefch.
3, 1—10: der Beitrag der Kirche zur Löfung der focialen
Frage. Aber im ganzen überwiegt bei dem Verf. das
Beftreben, die Schriftwahrheit in fich felbft zur Darfteilung
zu bringen ; abgefehen davon, dafs hierfür nicht
alle Arten der Predigt geeignet find, würde doch gerade
für diefe Predigtweife noch eine gröfsere Klarheit und
Gefchloffenheit zu erftreben fein. So manches Wort,
gegen das an fich nichts zu fagen wäre, tritt ftörend in
den Zufammenhang ein, und manche finnige Beziehung,
welche der Verf. aufnimmt, würde nicht zum Schaden
der Predigt beffer unterbleiben. Es ift nicht gut, wenn
der Hörer den Eindruck bekommt, dafs der Prediger
fich noch mit anderen als mit ihm allein auseinanderfetzt
. Ueberhaupt vermiffen wir oft die unmittelbare
Anregung der Hörer, den lockenden und gewinnenden,
auch den ftrafenden Ton bei den lehrhaften Auseinander-
fetzungen und Behauptungen. Nicht ungern fcheint der
Verf. gewiffe Eigenthümlichkeiten der Auslegung und j
befondere Urtheile, bei aller Betonung des lutherifch-
confeflioncllen Standpunkts, zur Geltung zu bringen.
Der homiletifche Bau der Predigten hat uns wenig be
friedigt. Nach dem Text folgt eine, oft unverhältnifs-
mäfsig lange Auseinanderfetzung, welche das Thema
vorbereitet, aber nicht feiten fchon allerlei vorwegnimmt
, was dann nachher wiederholt werden mufs, und
die Aufmerkfamkeit der Hörer für das, was kommt,
fchwächt. Diefer Einleitung folgt ein längeres Gebet.
Nach diefem wird die propositio ausgefprochen, und
dann die partitio ziemlich umftändlich entwickelt. Auf
die Faffung der Dispofition ift trotz der analytifchen
Textbehandlung viel Fleifs verwendet, und oft ift fie
wohlgelungen, während fich öfter auch ein ftörendes
Mifsverhältnifs zeigt zwifchen den allgemeinen Sätzen j
und dem Textesinhalt oder zwifchen der Faffung der j
Theile und dem Hauptfatz.

Halle aß. A. Wächtler.

Beck, Pfr. Badepred. Herrn., Zwanzig Predigten über ausgewählte
Texte. Würzburg, Hertz, 1890. (VII, 181 S.
gr. 8.) M. 2.— ; geb. M. 3.—

Auch Lefer, welche den Verf. nicht predigen hörten, !
dürfen den drängenden Freunden aus deffen Curgemeinde j
dankbar dafür fein, dafs fie ihn zur Herausgabe diefer
Sammlung veranlagst haben. Die 20 Predigten bilden
zwar weder bezüglich der Zeit, für welche fie beftimmt
find, noch bezüglich der Gegenftände, welche fie behandeln
, ein Ganzes, und einzelne find augenfeheinlich |
auch nicht vor der Curgemeinde gehalten. Aber alle
beftätigen, was der Verf. im Vorwort fagt, dafs es ihm
das vornehmfte Anliegen fei, ,aus dem gegebenen Gottesworte
zu fchöpfen und das Waffer des Lebens mitteilt
der Predigt in das Menfchenleben zu leiten'. Dies ift ihm
faft durchgängig gelungen. Gerade für eine Curgemeinde
weifs er den richtigen Ton zu treffen und er verfteht es I
anfeheinend, bei rückhaltlofer und unverkürzter Dar- i
legung der evang. Wahrheit auch folche anzuziehen, 1
welche ihr ferner flehen. Wenn wir gegenüber den an- I
faffenden Stellen in mehreren Predigten bei anderen
wünfehen müfsen, dafs der Verf. feine Ausführungen
weniger allgemein gehalten und die Erkenntnifs für das,
was den Hörern felbft fehlt, gerade da noch lebendiger
gemacht haben möchte, wo er die Schäden unferer Zeit
aufdeckt, fo mag dies in der Art der Curgemeinde j
feine Entfchuldigung finden. Den Tadel, ,dafs nicht !
immer die fchulgerechte Form der Predigt gewahrt wor- I
den ift' (S. V), braucht der Verfaffer nicht zu fürchten.
Die Predigten bezeugen, dafs der Verf. die Form keineswegs
vernachläffigt, weil er fie beherrfcht und fo anzuwenden
weifs, wie es dem Text und dem Inhalt der
einzelnen Predigt entfpricht.

Halle a/S. A. Wächtler.

1. Ebel ing, Diak. Friedr., Handreichung für Kindergottesdienste
. 25 Unterredungen über Sonntagsevangelien,
nebft einer vierfachen Perikopenreihe für Kindergot-
tesdienfte. Leipzig, Hinrichs, 1891. (X, 193 S. gr. 8.)
M. 2. 40; geb. M. 3. —

2. Der Kindergottesdienst. Eine illuftrierte Monatsfchrift zur
Förderung der gottesdienftlichen Pflege der Jugend.
Unter Mitwirkung von Prof. Achelis, Konfift.-R. D.
Dibelius, Prof. D. Haupt etc. hrsg. von Paftoren L.
Tiesmeyer, G. Volkmann, P. Zauleck. 1. Jahrg.
Oktbr. 1890—Septbr. 1891. 12 Hfte. Bremen, Mor-
genbeffer. (1. Hft. 24 S. gr. 8.) M. 2. —

1. Rein formal katechetifch beurtheilt find vorliegende
25 Unterredungen ganz vortrefflich. Der Verfaffer verfteht
zu fragen und weifs durch gefchickt geftellte
Fragen den Gehalt der biblifchen Gefchichten ungezwungen
auseinanderzulegen.

Aber fchon von diefem Standpunkt aus drängen fich
einige Bedenken auf. Die Unterredungen find nach
des Verf.'s Sinn für Kinder von 10 bis 14 Jahren berechnet
. Aber felbft für folche find die Fragen nicht feiten
zu fchwer. Allerdings behält der Verf. für folche Fälle
vor, dafs der Fachmann die geeigneten Hilfsfragen zu
ftellen wiffen werde. Ich fürchte nur, dafs dadurch die
fchon fehr ausführlichen Katechefen in's Ungemeffene
verlängert werden, und dafs fich vielfach die darauf verwendete
Zeit und Mühe nicht lohnen werde. Denn
das ift eben doch die Gefahr bei folchen Katechefen,
dafs man wohl Antworten erhält, aber es find blofse
Worte. Jeder Religionslehrer weifs, wie rafch die Kinder
bei der Hand find, mit allerlei Schlagworten: Sünde,
Gnade, Glaube u. f. w., zu operiren, ohne fich dabei etwas
zu denken, und dafs es nicht fchwer ift, diefen vor-
räthigen Befitz erklecklich zu erweitern auch über das
Gebiet der Anfangsgründe chriftlicher Erkenntnifs hinaus.
Dem Verf. mufs nun freilich nachgerühmt werden, dafs
er fich ernftlich bemüht, diefe ausgefahrenen Geleife zu
vermeiden und aus jeder Gefchichte das Befondere und
Eigenartige zu erheben. Aber der Schade liegt meines
Bedünkens zum Theil in der einfeitigen katechetifchen
Methode felbft begründet. Sie mufs ihr Gegengewicht
finden in dem lebendigen Zeugnifs des Lehrers, das in den
ununterbrochenen, oft mühfam durch allerei Vorbereitungen
fich durchwindenden Fragen meift nicht recht zur
Geltung kommt.

Diefe Unterredungen find zudem für den Gebrauch
in Kindergottesdienften beftimmt, und follen dem ent-
fprechend ein Mittelding zwifchen Predigt und Katechefe
fein. Mit grofsem Gefchick hat der Verf. beide Formen
miteinander verbunden. Jede Unterredung hat eine
ftrenge thematifche Dispofition, die am Schlufs mit allen
Theilen und Unterabtheilungen in einer Ueberficht wiederholt
wird. Es ift daran eine energifche Gedankenarbeit
und grofser Fleifs gewendet, und Anfänger in der
Kunft des Katechifirens und nicht minder folche im
Predigen können viel daran lernen. Aber die Schwächen
der beliebten fog. analytifch - fynthetifchen Predigtweife
machen fich doch bei diefer Mifchform von Katechefe
und Predigt ganz befonders geltend. Von anderem abgefehen
verführt fie nur zu leicht dazu, unter einem mehr oder
weniger weiten und formalen Thema eine Reihe doch
nur lofe zufammenhängender Gedanken zu verknüpfen,
nur deshalb, weil fie eben im Text angedeutet find.
Willige erwachfene Hörer werden fich ja auch aus einer
folchen Predigt einen oder den anderen guten Gedanken
und Eindruck mit nach Haufe nehmen. Kindern gegenüber
aber, bei denen die Fähigkeit aufzunehmen, oder auch
nur aufzumerken, naturgemäfs fehr viel geringer ift, gilt
es in ganz befonderem Mafse, dafs fich der Meifter in
der Befchränkung zeigt. Solche Befchränkung laffen