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Ausgabe:

1891

Spalte:

489-490

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Elhorst, Hendrik Jan

Titel/Untertitel:

De profetie van Micha 1891

Rezensent:

Siegfried, Carl

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. SchÜrer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 20.

3. October 1891.

16. Jahrgang.

E Ihorst, De profetie van Micha (Siegfried).
Godet, Kommentar zu dem i. Briefe an die

Korinther (Weiffenbach).
Studia biblica et ecclesiastica vol. II Sc III

(Schürer).

Li Hey, The Lord's Supper (Lobflein).
l'etavel-Olliff, Le probleme de 1'immortaHte
(Lobflein).

Zahn, Evangelium in den Epifteln (Wächtler).

Beck, Zwanzig Predigten über ausgewählte Texte
(Wächtler).

Ebeling, Handreichung für Kindergottesdienfte

(Schloffer).
Der Kindergottesdienft, I. Jahrg. (Derf.).

Elhorst. Predikant Hendrik Jan, De profetie van Micha. — Bei feiner Anordnung findet der Verf. dann keine
Academisch proefschrift. Arnhem, K. van der Zande, i Veranlaffung, dem Micha andere Stücke abzufprechen
1801 (X 173 S er 8) f 1 50 als c. 4, 9—14 5, 8, welche in nachexilifche Zeit fallen

" • t > 73 • 8 • v • • • uncj welche ein nachexilifcher Redactor mit dem echten

Diefe fehr forgfältig und gründlich gearbeitete Doc- J Micha vereinigte. — Der zweite Theil giebt den nach
tordiffertation macht den Vcrfuch, die Michakritik auf den oben gegebenen Aufftellungen geordneten, hie und da
eine ganz neue Grundlage zu ftellen. In einem erften 1 emendirten Text nebftUeberfetzung und Erläuterungen. —
Theile giebt der Verf. zunächft einen Ueberblick über Manches ift fehr anfprechend: fo befonders die Einord-
die neuerdings über diefes Prophetenbuch geführten nung von c. 2, 6 hinter 3, 5, auch die Herftellung der
kritifchen Unterfuchungen, die er fehr eingehend zur ' urfprünglichen Weisfagung von Jef. 2, 2—4 = Mi. 4,
Darfteilung bringt (S. 1—40). Hierauf läfst er S. 43—62 1—3; Mi 4, 4; Jef. 2, 5. Mi 4, 5; Jef. 2, 6 (S. 75). Da-
eine eben fo in's Einzelne gehende Beurtheilung diefer gegen die Trennung von 3, II durch Zwifchenfchiebung
vcrfchiedenen Anflehten folgen, welche ihm fämmtlich des Stücks 2, 12. 13 von 3, 12 erfcheint uns ganz finn-
nicht genügen. Namentlich erklärt er fich gegen die An- widrig. — Jedenfalls ift aber die Arbeit der Beachtung
'nähme tendentiöfer Interpolationen, welche er für un- zu empfehlen.

glaublich hält (S. 47. 58), da der Widerfpruch gegen jena c SieCTfried

die Meinung des prophetifchen Autors doch fofort her- J • s •

vortrete. Indeffen dürfte doch zu fagen fein, dafs nicht je- i

der Interpolator fofort das Gefühl diefes Widerfpruchs Godet, Prof. Dr. F., Kommentar zu dem 1. Briefe an die
zu haben braucht oder aber dafs ein Interpolator auch das Korinther. Deutfch bearbeitet von P. u. K. Wunder-
Gefchick haben kann, den Widerfpruch durch einzelne iich, 2 Thle. Vom Verfaffer autorifierte deutfehe
feine Correcturen, zu verdecken, wie wir ja davon bei , A Hannover, Meyer, 1886 u. 88. (204 u. 267 S
tendentiofen 1 extanderungen analoge Beifpiele haben.— jf ' ' t •J-

Nachdem der Verf. auf die befchriebene Art den Platz §r- »•) M- 9-40.

gefäubert hat, unternimmt er die Löfung der Schwierig- Wenn wir deutfehen Theologen auf Grund jahrzehnte-

keiten nach einem neuen Principe, nämlich nach dem j langer Erfahrung uns daran gewöhnt haben, mit
der Textumftellungen und vereinzelter Textberichtig- dem Begriff ,Commentar' in fehr vielen Fällen den
ungen. Nach feiner Annahme hat zunächft ein Ab- , Nebenbegriff einer rudis indigestaque moles zu verbinden,
fchreiber durch Hintereinanderfchreiben von Abfchnit- fo verfällt das oben genannte Buch des berühmten und
ten nebeneinanderftehender Columnen feiner Vorlage bei ehrwürdigen Neuchäteler Theologen nicht der gleichen
den Capiteln 2 und 3 eine Verwirrung hineingebracht, Verdammnifs. Vielmehr ift es für Lefer, die an den
die fo zu löfen ift, dafs man nacheinander ordnet: c. 2, fchwerfälligen Hopliten-Schritt deutfehen Gelehrtenftils
I—5 3, 1—5 2, 6—II 3, 6—II 2, 12—13 3, 12. Durch gewöhnt find, eine wahre Erquickung, den fo lichtvollen
diefe Verftellung find auch falfche Verstrennungen fo- j und geiftreichen, in eleganter, leichtfliefsender und durch-
wie Textbefchädigungen herbeigeführt. Zu 2, 6 ift von v. 5 1 fichtiger Sprache (einem Charisma fo vieler Schriftfteller

mfii büpa zu ziehen, )M2^ zu em. in Bi^O», 5,&i in 512T
und an v. 6 extr. find aus v. 7 die 3 erften Worte bis
Bp'yi anzufchliefsen. — In ähnlicher Weife haben die Ab

franzöfifcher Zunge) gegebenen Ausführungen Godet's
auch wenn man ihnen oft nicht beiftimmen kann —
zu folgen. Auch die Ueberfetzung verdient, im Ganzen

fchreiber bei c.4.5 und bei c. 6. 7 Verwirrung angerich- betrachtet, grofses Lob, wenn auch das franzöfifche
tet, aus welcher der Verf. auf S. 76 f. 86 f. durch Auf- Original fich des Oefteren deutlich verräth. (Wenigftens
Heilung der nach feiner Anficht richtigen Anordnung find Phrafen wie: ,Fragen machen', II, 74 u. 174, oder:
den Text löft. Es folgen einander: c. 6, 1 — 5 7, 1—6 ,Irrthum, von welchem--befangen', II, p. 104, die

6, 6—16 7, 13 7, 7—20 4, 1—8 5, 1—7 4, 9—14 5, 8— Erfcheinungen (sc. Chrifti) des Petrus, der Zwölfe, des
14. Im Uebrigen find aber noch weitere Verfchiebungen Jakobus, II, p. 185. 187, u. a. m. kein Deutfch).

von ganzen Capitelcomplexen eingetreten. Der ganze Seinem eigentlichen ,Commentar' (I, p. 18—204; II

Text beftand aus viergrofsen Stücken: c. 1. — c.2.3, — c. 6. p. 1—258) fchickt God. eine ,Einleitung' (I, p. 1—17)

7, — c. 4. 5. Die Verftellung der beiden letzten Stücke j voraus, während er dem Schluffe desfelben noch eine
entftand durch die Abfchreiber. An der Herftellung die- 1 4theilige fog. ,Schlufserörterung' (II, p. 258—267), be-
fes Wirrfals find nach dem Verf. im Ganzen 4 Abfchrei- [ handelnd: 1) das gefchichtliche Refultat (II, p. 258!.)
ber betheiligt. Den Antheil eines jeden fucht er S. 93 f. ! 2) die kirchlichen Aemter (II, p. 259—262), 3) die Ergenau
zu beftimmen. Wir werden da in ein fo verwickel- 1 haltung des Textes (II, p, 262—267), 4) die Briefe des
tes Syftem der Irrungen hineingeführt, dafs man fich fragt, | Apoftels (II, p. 267), folgen läfst. Auch dem Grundftock
wie die Abfchreiber anftatt eben einfach abzufchreiben j des Commentars felbft übrigens find einzelne (meift fehr
auf bisweilen fo fchwierige Irrthümer verfallen konnten, i werthvolle) Anhänge, bezw. epifodifche Excurfe mit wei-

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