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Ausgabe:

1891 Nr. 19

Spalte:

481-482

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hoffmann, D. H.

Titel/Untertitel:

Sünde und Erlösung. Zwölf Predigten in der Fasten- und Osterzeit gehalten 1891

Rezensent:

Achelis, Ernst Christian

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Seite 1

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481 Theologifche Literaturzeitung. 1891. Nr. 19. 482

auch nicht über die bis dahin vollbrachte Verwirklichung
derfelben, fondern nur ein Urtheil über das 12.
Bandchen; denn nur dies liegt zur Befprechung vor.
Dies 12. Bändchen giebt S. V—XXIII eine klare, gut ge-
fchriebene und bei aller Wärme und Verehrung nüchterne
Monographie des geiftvollen und tief religiöfen
Freikirchenmannes; es folgen in einer, foweit Referent
zu beurtheilen vermag, gefchickten Auswahl acht Reden
Vinet's und acht Anmerkungen befchliefsen das
Büchlein. V. verlangt vom Lefer gefpannte Aufmerk-
famkeit und entfchiedene Anftrengung des Denkens; er
belohnt aber beides durch eine Fülle tiefer und in ihrem
eigenthümlichen Licht anregender Gedanken. Namentlich
die Reden über die Unduldfamkeit und die Duldfam-
keit des Evangeliums, über ,den Blick' find wahre Perlen
religiöfer Effays. Die Ueberfetzung ift fliefsend und in
gutem Deutfch gefchrieben; nur der dritte Satz der erden
Rede fcheint verfehlt und die Anm. 3 auf S. 24 u. 143
hat keinen Sinn. Die Ausdattung des Werkes id ge-
fchmackvoll.

Marburg. E. Chr. Achelis.

Hoffmann, Päd. D. FI., Sünde und Erlösung. Zwölf Predigten
, in der Faden- u. Oderzeit gehalten. 2. Aufl.
Halle a/S., Mühlmann's Verl., 1890. (VI, 98 S. gr. 8.)
M. 1. 60.

Referent, felbd wenn in dem Vorgetragenen hie und da
der Phantafie ein zu grofser Spielraum follte eingeräumt
fein, es für überaus heilfam hält, dafs der Gemeinde eine
bei aller Keufchheit dennoch klare und einheitliche, die
Confequenzen aus Chridi Erlöferleben und Erlöfungs-
werk darlegende eschatologifcheGefammtanfchauung geboten
werde. Die Probleme der heutigen fydematifchen Theologie
find nicht eschatologifcher Art, fo wenig, dafs die
Gefahr nicht ausgefchloffen ift, die evangelilche Theologie
werde in eine Periode reiner Diesfeitigkeit eintreten
. Und doch bedarf und verlangt die Gemeinde bei
der ftündlichen Erinnerung an Tod und Grab und Ewigkeit
, bei der bleibenden Verbindung der Lebenden mit
den Heimgegangenen durch die göttliche Lebensmacht
der nicht aufhörenden Liebe, bei der ftetigen Erfahrung
dafs aller Menfchen inneres und äufseres Lebenswerk ein
Stückwerk bleibt und die Vollendung wie des Ganzen, fodes
Einzelnen gebieterifch fordert, — die Gemeinde verlangt
eine klare und einheitliche, aus dem Verföhnungsglauben
an Chriftus geborene Antwort auf die Fragen des Glaubens
, der Hoffnung, der Liebe. Wird die Antwort verweigert
durch das achfelzuckende Non liquet, fo wird
dem Glauben Unzähliger entweder das befte Theil
der Freudigkeit genommen, oder es werden ihm Wege
der Willkür und Phantafterei eröffnet, und die Secten
ernten, wo fie nicht gefäet haben. Darum foll dem Herrn
Verf. für die letzten Predigten feiner Sammlung vorzugs-
weife gedankt fein.

Im Jahre 1873 erfchien diefe kleine Sammlung von I Zum Schlufs fei aufdie formellen Vorzüge dieferPre-
Predigten des ehrwürdigen Herrn Verf.'s zum erften Male; I digten noch aufmerkfam gemacht; keine Phrafe in der gan

nach 17 Jahren ift die Nachfrage noch nicht erlofchen, fo
dafs eine zweite Aufl. nöthig wurde. In mehrfacher Beziehung
find es Mufterpredigten, die dem Studium befon-
ders der Pfarrer und Candidaten aufs Wärmfte zu empfehlen
find und die dem Privaterbauungsbedürfnifs gebildeter
Gemeindeglieder ,Frucht und Freude fchaften'
werden. An vorbildlichen Serienpredigten, vor allem
thematifcher Art, ift heute kein Ueberflufs; es fpringt
an unferer Sammlung in die Augen, wie förderlich die
Behandlung eines folchen Thema's wie ,Sünde und Er-
löfung' für die Klärung und Beteiligung der Erlcenntnifs in
der hörenden Gemeinde fein mufs. Mit drei Predigten über
die Sünde, ihr Wefen, die Erbfünde, die Mitfchuld an
fremder Schuld, beginnt der Herr Verf.; nach einer Predigt
über den Zorn Gottes folgen drei über die Er-
löfung von der Schuld, die Herrfchaft, die Strafe der
Sünde. Die Verheifsung und die Wichtigkeit der
Ofterthatfache werden uns in weiteren zwei Predigten
ans Herz gelegt, und den Schlufs machen drei eschato-
logifche Predigten über die Vernichtung des Todes,
die Auferftehung des Fieifches, das ewige Leben

zen Sammlung; alles lebt, nichts ift gemacht, alles ift geboren.
Die gewöhnlichften Bilder aus dem Leben der Natur
treten uns morgenfchön vor die Augen und heimeln fich
ins Herz; die verwendeten Analogien find nie gebucht,
fie fprechen ohne weiteres für fich und für die Sache.
Der Stil trägt keine Spur der concipirten Abhandlung;
es ift lediglich ein Redeftil, lebhaft, wie man in demfel-
ben nur fprechen, nicht fchreiben kann. Und doch find
die Predigten gefchrieben, gedruckt; aber man hat den
Redner vor Augen und hört indem man lieft. Endlich
noch ein Vorzug: die Predigten müffen ftudirt, fie können
nicht geftohlen werden; dagegen ift die überall hervortretende
Individualität des Herrn Verf.'s die unüber-
fteigliche Schutzwehr. Ein Verfehen ift S. 33 ff. zu no-
tiren; der griech. und der luther. deutfche Text fpricht
nicht von ,Sünde', fondern von .Sünden*.

Marburg. E. Chr. Achelis.

Menzel, Paft., Vier Stiftungspredigten über die Auferstehung
der Todten. Leipzig, Hinrichs, 1890. (62 S. 8.) M. — 80

Von 1 Mofe 3 4—6 werden wir bis Off. 21, I—8 ge- . „. . ~ * ,

*fr *, A. T..-, Texte, *£, *f ^ÄÄÄ«"S

4 Gottesdienfte befonders für die ,Alten und Schwachen
unter euch' geftiftet habe, die eigentlich ,drüben in der
Begräbnifskapelle' gehalten werden follten. In welcher
die Freude an der Art der Behandlung bleibt vollends ^a*Jt, für welche Gemeinde dies gefchehen folle, wer Frl.
uneefchmälert. Da ift nichts von einem todten Dorna. V' b ffevvefen fe., davon erfahren Wir nichts. Möghcher-

dem der erften Predigt auch der des Karfreitags, entnommen
find. Dafs Referent einer anderen Verföhnungs
lehre zuneigt, als der hier vorgetragenen der traditionel
len lutherifchen Orthodoxie, thut nichts zur Sache, und

ungefchmälert. Da ift nichts von einem todten Dogma,
nichts von kalt juriftifcher Anfchauung auf Korten der

weife ift im Teftament beftimmt, dafs die 4 Predigten

religiöfen zu (puren; alles ift eingetaucht und belebt von übefr die }e*ztrcnr D,n?e Sfhalten, werden, möglicher-
demlebendigenStromwahrhaftigenevangelifchenChriften- welfe auch' dafs h> gedruckt werden follen. In d.efem
glaubens, der verwandte Saiten im Herzen laut ertönen

und das Bewufstfein dogmatifcher Differenz faft verdummen
läfst. Viele Lefer werden mit dem Referenten in
Conftatirung diefer Differenz wohl nicht übereinftimmen;

Fall wurde die Veröffentlichung zu entfchuidigen fein.
Eine andere fachliche Entfchuldigung giebt es wohl nicht.
Denn weder im Inhalt noch in der P"orm bieten die Predigten
etwas des Druckes Werthes. Statt nach dem
Titel über ,die Auferftehung der Todten' zu predigen

fie werden ihre Anfchauungen erft bei den eschatologi- ^-"a ' V T l TS % u" , Predlge»>
fchen Predigten von denen des Herrn Verf.'s abweichend der Ve,rf' uber, d'e dre11. Todtenerweckungen Jefu

in den Evangelien und über die evangel. Ofterperikope.
Stil und Logik laffen viel zu wünfchen übrig; was «-ebo-
ten wird, erhebt sich nicht über das Niveau recht mittel-
mäfsiger Dorfpredigten; Druckfehler finden fich in Menge.

finden. Referent ift gerade für diefe jedoch dem Herrn
Verf. befonders dankbar. Nicht nur deshalb, weil er als
in theologiicher Meinung die Anfchauungen des Herrn
Verf.'s durchaus theilt — es ift die Eschatologie von R.
Rothe, die darin vorgetragen wird; auch deshalb, weil

Marburg. E. Chr. Achelis.