Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1891 Nr. 2

Spalte:

29-33

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lobstein, P.

Titel/Untertitel:

La doctrine de la sainte cène. Essai dogmatique 1891

Rezensent:

Schürer, Emil

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2, Seite 3

Download Scan:

PDF

29

Theologifche Literaturzeitung. 1891. Nr. 2.

30

diefer Gefchichte annahm, wenn er felbft nichts weiterI Tilgung, etwa wegen der doppelten Erwähnung des
zu geben hatte, und warum der Schlufs nicht wiederum ! Kelches Vers 17—18 und V. 20, ift unwahrfcheinlich, da
in Jahwe's Rathsverfammlung fpielt. — man aus diefem Grunde doch nicht die folennen Worte

Das Ergebnifs des Verfaffers ift folgendes. Von
gröfseren Abfchnitten find dem Buche fremd: a) 12,4
bis 13,2. b) 24,5—9. T4—2I- c) 26,2 — 27,1. d) 27,7—31,1.
e) 32,1—37,24. f) 40,15—41,26. Die Stücke a bis d
fallen einem erften Bearbeiter zu, der zu Gunften Hiob's
im Verhältnifs zu den Freunden arbeitet; dadurch wurde
die zweite Bearbeitung (e. f.) herausgefordert, eine Cor-
rectur vom theologifchen Standpunkt zu Gunften Gottes
im Verhältnifs zu Hiob. Der erfte Bearbeiter benutzte
vielfach vorgefundenes Gut.

Der Beftand von bisher beftrittenen Capiteln wird
durch Grill von 16 auf 20, alfo die Hälfte des Buches,
erhöht. Nächft Studer, der fünfzehn Capitel ftreicht, hat
Grill mit vierzehn daran den höchften Antheil. Ob fein
Beitrag einen wirklichen Fortfehritt bezeichnet, wird
Jeder aus dem Angeführten entnehmen können. —

Von Arbeiten, die für die behandelte Frage wefent-
lich in Betracht kommen, find Bickell's Carmina veteris
testamenti metricc und Dichtungen der Hebräer II 1882
und Cheyne's lob and Solomon 1887 unbenutzt geblieben.
Strafsburg i. E. <^*/-*-4 K Budde.

Lob st ein, Prof. F., La doctrine de la sainte cene. Essai
dogmatique. Lausanne, 1889 [Strasbourg,C.F. Schmidt].
(206 S. 8.) M. 2. 40.

Als einen ,dogmatifchen Verfuch' bezeichnet fich
diefe vortreffliche und werthvolle Monographie. Aber I Brod wird gebrochen, 2) es wird den Jüngern ge

V. 20, fondern V. 17—18 getilgt haben würde. Dazu
kommt, dafs augenfeheinlich auch fonft gerade die letzten
Capitel des Lucas mit alten, in die meiften Handfchriften
übergegangenen Gloffemen verfehen find.

Nach Feftftellung der älteften Berichte ermittelt
Lobftein in fehr um fichtiger Weife das Thatfächliche
des Vorganges (S. 31—38). Die einzige wefentliche
Differenz der beiden Berichte ift die, dafs die Aufforderung
zur Wiederholung der Handlung in dem Berichte
des Marcus fehlt. Diefelbe ift aber durch den Bericht
des Paulus völlig ausreichend beglaubigt (S. 33 und 79
bis 80). Nach letzterem ift auch zwifchen der Darreichung
des Brodes und der des Weines ein Zwifchen-
raum von einiger Dauer anzunehmen (S. 33).

Was ift nun der Gedanke, den Jefus durch die
Handlung und die dabei gefprochenen Worte ausdrücken
wollte? Lobftein geht mit Recht davon aus. dafs Jefus
hier dasfelbe thut, was von den Propheten des Alten
Teftamentes nicht feiten gefchieht: er fpricht einen Gedanken
nicht nur aus, fondern ftellt ihn auch durch eine
äufsere Handlung plaftifch dar: Ct que Jesus annonce
a ses disciples, il le represente en meine temps et le fi-
gure a leurs ycux, d'une moniere plastique et sous une
forme sensible, dans un drame bref et saisissant (S. 46).
Es find alfo nicht nur Brod und Wein bedeutfame Sinnbilder
, fondern die ganze Handlung hat eine Bedeutung.
Sehr treffend unterfcheidet Lobftein drei Acte: I) das

die dogmatifchen Refultate find hier aufgebaut auf dem I geben, 3) fie follen es effen. Im Wefentlichen diebreiten
Untergrunde exegetifcher und hiftorifcher Er
örterungen, in der Weife, dafs letztere vier Fünftel des
Ganzen einnehmen und nur ein Fünftel den conclusions
dogmatiques gewidmet ift. Obwohl aber Exegefe und
Gefchichte in den Dienft der Dogmatik geftellt find,
werden ihre Operationen in fo objectiver Weife vollzogen
, dafs man diefe Arbeit eines Dogmatikers gar
manchen Exegeten als Vorbild empfehlen könnte. Sie
würden daran zugleich lernen, dafs fchliefslich auch die
Dogmatik nicht fchlecht fährt, wenn die Exegefe ihre
Arbeit fauber vollbringt: fie ftellt dann nicht feiten die
religiöfen Gedanken in reicherer Fülle und fruchtbarerer
Geftalt an's Licht, als es unter Anwendung der dogmatifchen
Brille zu gefchehen pflegt. Iam missa, quanto
vicinior et similior primae omnium missae, quam Christus
in coena fecit, tanto christianior. Diefes Wort Luther's
hat der Verfaffer feinem Werke als Motto vorangeftellt.
Und er hat feine Richtigkeit durch die angeflehten
Unterfuchungen bewährt.

Das erfte Capitel (S. 22—84) behandelt La pensec
de Jesus. Es wird zunächft feftgeftellt, dafs wir nur
zwei felbftändige Berichte über die Abendmahls-Ein-
fetzung haben: den des Marcus und den des Paulus.
Von Marcus ift Matthäus abhängig, von Paulus der dritte
Evangelift (S. 25—28). Im Intereffe der Vollftändigkeit
hätte hier noch erwähnt werden können, dafs die betreffenden
Sätze bei Lucas nach dem Urtheile neuerer
Kritiker vielleicht gar nicht zum urfprünglichen Beftande
des dritten Evangeliums gehören. Weftcott und Hort
haben die Worte von in vueg vfitov didbutvnv Luc. 22,19
bis i.y.yi i vnutvoY 22,20 eingeklammert, weil fie diefelben,
wie manches Andere in den letzten Capiteln des Lucas
für den Zufatz eines fpäteren Ueberarbeiters halten. Sie
fehlen bei wichtigen abendländifchen Zeugen (cod. Canta-
brig/ensis und fechs Itala-Texten, von welchen zwei ftatt
delfen Vers 17—18 hieher fetzen). Im Cureton'fchen
Syrer fehlt wenigftens Vers 20, und fleht an deffen
Stelle Vers 17—18 (f. Baethgen, Evangelienfragmente
1885, S. 85). Es ift in der That fehr wahrfcheinlich,
dafs der cod. Cantabr. und die mit ihm gehenden Itala

felben Momente laffen fich auch beim Kelch unterfchei
den. Damit foll dargeftellt werden: 1) dafs Jefu Leib
im Tode gebrochen wird, 2) dafs dies für die Jünger, zu
ihrem Heile gefchieht, 3) dafs fie das hiermit dargebotene
Gut fich auch aneignen follen (S. 46—47, vgl. bef. in
Betreff des dritten Punktes S. 47: De meine que je vous
convie a manger de ce pain. ainsi vous etes appeles a vous
assimilcr le fruit de ma mort. les effets salutaires de ce
don de moi-meme, de ce corps brise et livre pour vous).
Dafs diefe Auffaffung richtig ift, fcheint mir zweifellos.
Es würde viel dogmatifcher Streit erfpart worden fein,
wenn man beachtet hätte, dafs die Handlung als folche
eine fymbolifche Bedeutung hat, analog den fymbolifchen
Handlungen der altteftamentlichen Propheten. Vielleicht
darf aber die Uebereinftimmung zwifchen Bild und Sache
noch etwas enger gefafst werden. Es foll doch wohl
dargeftellt werden, dafs Jefu Tod nothwendig ift, dafs
fein Leib gebrochen werden mufs, damit er den Seinen
zum Heil gereiche. So mufs ja auch die leibliche Nahrung
der Vernichtung anheimfallen, damit fie den Körper
nähre. Sollte diefe Uebereinftimmung zufällig fein, und
nicht vielmehr gerade um ihretwillen die fymbolifche
Handlung gewählt fein?

Nach Klarftellung der wefentlichen Momente unter-
fucht Lobftein das Verhältnifs der Handlung Jefu 1) zum
altteftamentlichen Paffa, und 2) zu der Bundesfchliefsung
Exod. 24, 3—8. Er findet nach beiden Richtungen hin
eine Anlehnung, wenn auch in freier Weife (S. 49—66).
Mir fcheint eine folche eigentlich nur in Bezug auf
Exod. 24, 3 — 8 deutlich vorzuliegen (I Kor. 11, 25:
meto t6 unrfotnv r) xatn) diaihfxrj eotiv h> rt?> htm
ctiuari). Von einer Anlehnung an die Idee und den
Ritus des Paffa kann man höchftens in ganz unbeftimmter
Weife fprechen, da Jefus nicht andeutet, dafs er das
wahre Paffa fei. Lobftein felbft führt fpäter aus dafs
fchon in der Art, wie die Handlung von der älteften
Gemeinde vollzogen wurde, die Anlehnung an das Paffa
faft verfchwunden fei, und er findet dies fehr merkwürdig
(S. 86 f. 89 f.). Aber liegt denn eine folche in der Handlung
und den Worten Jefu irgendwie beftimmt vor? Man

Texte hier den urfprünglichen Text haben. Denn eine j fchafft fich nur felbft Schwierigkeiten, wenn man das