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Ausgabe:

1891

Spalte:

445

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Patzig, Edwin

Titel/Untertitel:

De Nonnianis in IV orationes Gregorii Nazianzeni commentariis 1891

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Boor (Zeitfchr. f. Kirchengefch. XII, 2, 303—322) geprüft
und als im Wefentlichen richtig anerkannt. Immerhin
gaben befonders G.'s Anfätze über die Zeitfolge der
Notitiae V, VI, IX und VIII (Parthey) Gelegenheit zu
Verbefferungen. De Boor glaubt wenigftens G.'s Ausführungen
dahin richtig ftellen zu können, dafs der alte
Text der jetzt nur in Bruchftücken erhaltenen Nolitia VII
(aus dem Ende des 7. oder dem Anfang des 8. Jahrhunderts
flammend und einem Epiphanius zugefchrie-
ben) nach und nach mit Zufätzen verfehen worden ift,
von welchen Recenfionen wir noch zwei befitzen:
I) die aus derfelben Handfchrift hergeleiteten No-
titien VIII und V + VI + IX aus der Zeit des Patriarchen
Nicephorus und 2) die um 2—3 Jahrzehnte jüngere
Notitia I. Diefe letztere und zwar fowohl ihren kirchlichen
wie ihren profanen Theil hat nun Geizer nach
mehreren Handfchriften herausgegeben, und die von ihm
in Cod. Coisl. CCIX entdeckten vta tuv.hy.u aus der
Zeit Leos des Weifen, welche an Stelle der von Parthey
(Not. II) lateinifch abgedruckten, aber erft der Zeit des
Comnenen Alexius angehörenden öiaxvmoaic, zu treten
haben, beigefügt. Die Vorrede, welche manches aus dem
oben citirten Auffatz wiederholt, beweift, u. A. eingehend
den profanen Urfprung vom Vers 530—Ii 10 der Notitia
und beftimmt (abweichend von der früher gegebenen
Datirung) die Zeit des Georgius Cyprius auf die erften
Regierungsjahre des Kaifers Phocas (Anfang 7. Jh.) Ein
ausführlicher Commentar, treffliche Regifter und vier
Karten, von Geizer felbfl angefertigt, find beigegeben.
De Boor's Unterfuchungen konnte G. noch nicht benutzen
.

Giefsen. Guffav Krüger.

Patzig, Dr. Edwin, De Nonnianis in IV orationes Gregorii
Nazianzeni commentariis. Leipzig, [Hinrichs' Sort.], 1890.
(30 S. gr. 4) M. I. 50

Von den Commentaren, die der Abt Nonnus zu vier
Reden Gregors von Nazianz (Ren beiden l.öyoi atijhevci-
"jioi gegen Julian, der Rede ttc tu Stylet (pioia tiüv ini~
(pai'tiwv und der Gedächtnifsrede auf Bafilius) verfafst
hat, ift eine kritifche Ausgabe (Btbliothcca Teubneriand)
in Vorbereitung. Patzig's Programm giebt zunachft Auskunft
über die Handfchriften und über die Schriftfteller,
welche die Commentare benutzt haben (Cosmas, Bafilius,
Nicetas, Elias von Kreta, Suidas, Tzetzes, Eudocia), um
dann in einem dritten Abfchnitt von dem Commentator
felbfl zu handeln. Er fucht feftzuflellen, dafs Nonnus,
der übrigens durch eine handfchriftliche Ueberlieferung
nicht ohne Weiteres als Verfaffer beglaubigt ift — auch
Maximus Confeffor wird genannt — in Syrien oder Pa-
läftina vielleicht im Anfang des 6. Jh. lebte. Beiläufig
weift er nach, dafs Johannes Malalas wenigftens die erften
17 Bücher feines Gefchichtswerks kurz nach 527 herausgegeben
haben mufs.

Giefsen. Guftav Krüger.

Thikötter, Paft. prim. Dr. Jul., Giordano Bruno und das
hierarchische System Roms. Bremen, Nöfsler, 1890.
(48 S. 8.) M. —.80.

Noch einmal Giordano Bruno! Wenn diefe Zeilen
etwas hinterdrein kommen, werden fie vielleicht um fo
mehr dazu dienen, auf diefes Schriftchen hinzuweifen, das
die dem Nolaner gezollte Verehrung auf ihr rechtes Mafs
zurückführt, dem gegenüber der Beurtheiler ihn eher zu
rechtfertigen in der Lage ift. Der Verf. ift bemuht, auf
Grund einer Entwickelungsgefchichte der Scholaftik ihm
feine Stellung zuzuweifen. Er flehe, meint er, mit ihr
auf gemeinfamem Grunde, nämlich dem der griechifchen
P'ormalphilofophie, zuletzt des Neuplatonismus. So fei

er in doppeltem Sinn ein Opfer Roms: feiner Theologie,
an der er Schiffbruch leiden mufste, wie feiner Inquifition.
Wir können hinzufügen, in dreifachem, fofern auch feine
fittliche Haltung durch feine Losreifsung von der kirchlichen
Autorität in die Brüche geht. So wird fein Wiffens-
drang, feine poetifche Weltanfchauung nicht geleugnet,
aber Originalität oder Bahnbrechung für die Zukunft
wird ihm abgefprochen. Der Cufaner reite das neuplato-
nifche Phantafie-Rofs mit Mitra und Bifchofsftab, im Cifter-
zienfer- und Dominikanergewande, der Nolaner tummle es
,im weltlichen Jockeykleide'. — So berechtigt der Proteft
gegen die Vergötterung G. B.'s, befonders dagegen ift,
dafs man feinen Gottesbegriff als den der Zukunft hin-
ftellt, fo fittlich bedenklich viele Stellen feiner Schriften
find, fo gewifs er nichts weniger als eine exakte Natur-
kenntnifs hat, dennoch fcheint uns hier feine Bedeutung
unterfchätzt. Bewundernswerth ift es doch, wie diefer
Mönch ahnt, was in abftracten Gedanken der Scholaftik
Zukunft athmet wie bei Niko. von Cufa und Raimundus
Lullus, wie der moderne, durch Naturbetrachtung befruchtete
Geift nach allen Seiten hin fich regt, im Einzelnen
wie blitzartig Zukunftsgedancken vorwegnehmend. So begreiflich
und heilfam es ift, dafs dem übermäfsigen Brunokultus
diesfeits und jenfeits der Alpen einmal entgegengetreten
wird, Verf. dürfte von dem Vorwurf der Einfeitig-
keit nach der andern Seite nicht freizufprechen fein. Wir
geben ihm, wenn es fich um wiffenfchaftliche und ftreng
philofophifche Ergebnifse handelt, vollftändig Recht und
find ihm dankbar, dafs er uns auch die Zufammenhänge
des Philofophen mit der fcholaftifchen Theologie dargelegt
hat, aber ein Menfch, wie G. B., bleibt bei alledem
der er ift, der aus der Larve der Anfchauungen feines
Zeitalters mit dem Flügel der Phantafie und eines ftürmi-
fchen Wahrheitsdranges emporftrebende Denker und
Dichter.

Leipzig. Härtung.

1. Herold, Max, Alt-Nürnberg in seinen Gottesdiensten. Ein

Beitrag zur Gcfchichte der Sitte und des Kultus.
Gütersloh, Bertelsmann, 1890. (V, 333 S. m. 1 Bild,
gr. 8.) M. 4.— ; geb. M. 4.80.

2. Lösche, Prof. D. Dr. Georg, Die Kirchen-, Schul- und
Spital-Ordnung von Joachimsthal. Ein Cultus- und Cultur-
bild aus der Reformationszeit Böhmens. Decanats-
rede in erweiterter Geftalt. [Aus: Jahrb. d. Gefellfch.
f. Gefchichte d. Proteftantismus in Oefterr.') Wien,
Manz, 1891. (54 S. gr. 8.) M. —.80.

Es find zwei Beiträge zur Cultus- und Culturgefchichte
von hervorragendem Werth, die wir zu verzeichnen haben.
Beide verdienen das Intereffe fchon um der Stätte willen,
auf welche fie unfere Blicke lenken. Für wen, der Sinn
hat für die Poefie des Mittelalters, befitzt nicht alles,
was mit Alt-Nürnberg zufammenhängt, eine zauberifche
Anziehungskraft? Ift doch Nürnberg, das Melanchthon einft
Deutfchlands Auge und Licht nannte, heute in fo mancher
Hinficht das Schatzkäftlein des deutfchen Reichs mit
feiner ungezählten Fülle von gefchichtlichen Erinnerungen
in Stein und Bild, Sitten und Sprüchen. Und wem andrer-
feits, der mit der Gefchichte der Reformationszeit vertraut
ift, wird nicht das Herz warm bei der Nennung des
Namens Joachimsthal, der Stadt des ehrwürdigen Mathefius
und des liebenswerthen Nicolaus Hermann, der Stadt,
die vor andern eine Stadt auf dem Berge war, eine
Leuchte evangelifchen Glaubens und Lebens, evan-
gelifchen Zeugenmuths und Heldenthums, bis fie, eines
der vielen Opfer evangelifcher Schwäche, der Gegenreformation
! zum Opfer fiel. In das gottesdienftliche
Leben der alten Reichsfladt Nürnberg läfst uns der hiezu
befonders berufene, von Jugend auf mit Nürnberg als
feiner Heimathftadt vertraute Herausgeber der ,Siona',

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