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Ausgabe:

1891

Spalte:

25-29

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Grill, Julius

Titel/Untertitel:

Zur Kritik der Komposition des Buchs Hiob 1891

Rezensent:

Budde, Karl

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 2. 24. Januar 1891. 16. Jahrgang.

Grill, Zur Kritik der Kompofition des Buchs
Hiob (Budde).

Lobstein, La doctrine de la sainte cene
(Schürer).

rtwQyiaöijq, Tltgl zov vTioiivr/iiazog zov
ayiovßnnoXvzov dg zov 7tpo<pnztjv Actvu'ß
(Harnack).

rsvjgyiädrig, TovdylovlInnoXvzov imoxönov
xal ßdgzvQog nsgl bgäaeojg zov ngo(p-nzov
davrift Xöyog 6' (Derf.).

Myer, Qabbalah (Dalman).

Lange, Der Papftefel (Kawerau).

Publicationen des Vereins für Reformationsge-
fchichte (Boffert).

Otto, Gefchichte der Reformation im Erzherzogthum
Oefterreich (Staehelin).

Tobien, Kirchengefchichte von Schwelm
(Staehelin).

Monrad, Aus der Welt des Gebets (Schlofler).
Krais, Kirchliche Simultanverhältnifse nach

bayerifchem Rechte (Köhler).
Warneck, Ultramontane Fechterkünfte (Pay).

Grill, Prof. Dr. Jul., Zur Kritik der Komposition des Buchs

Hiob. Tübingen, [Kues], 1890. (80 S. 4.) M. 2. 40.
Ehe ich an die Würdigung diefer Arbeit herantrete,
habe ich eine Klage vorzubringen, eine Klage pro domo
im wörtlichen Sinne, für das Haus, in welchem ich nebft
vielen Andern mit meinen wiffenfchaftlichen Arbeiten
Obdach fuche. Aus den letzten fünf Jahren find mir
vier gröfsere Arbeiten zum Buche Hiob von deutfehen
Verfaffern bekannt geworden: Kleinen, Das speeififeh
Hebräifche im B. H. (Stud. u. Krit. 1886), Volck's Com-
mentar (bei Strack und Zöckler 1889), Preifs, Zum Buche
Hiob (Theol. Stud. u. Skizzen aus Oftpreufsen 1889),
endlich die vorliegende Schrift. Zur unverdienten Ehre
rechne ich es mir an, dafs Alle meine Anfchauung von
dem Buche anfuhren, wenn auch keiner fich ihr anfchliefst.
Ich würde nichts darin finden, wenn fie eben um deswillen
mit Stillfchweigen übergangen würde. Indeffen,
bekämpft man mich — ich bekenne gerne, aufser Grill,
in freundschaftlichem Tone — fo foll man mich auch
kennen, und zweifellos will man es auch. Von allen
jenen Gelehrten aber kennt keiner meine Abhandlung
,Die Capitel 27 und 28 des Buches Hiob' (Zeitfchr. f. d.
alttelt. Wiff. 1882 S. 193—274;, alle Stützen ihre Abwehr
lediglich auf meine Erftlingsarbeit vom Jahre 1876. Wäre
auch diefe übergangen; Stände meine zweite Aeufserung
an entlegenem Orte oder unter einem ablenkenden Titel;
handelte es Sich dabei nur um nebenfächliche Dinge;
wäre es nur der Eine oder der Andere, dem dies Ueber-
fehen begegnet wäre: ich würde mich weder gewundert
noch beklagt haben. Hier aber handelt es Sich um die
traurige Thatfache, dafs in fünf Jahren vier Fachfchrift-
fteller, darunter drei ordentliche Profefforen auf Hoch-
fchulen deutfeher Zunge, beweifen, dafs Sie die einzige
Fachzeitfchrift, die wir für unfere Disciplin befitzen, nur
zehn Bände aus den letzten zehn Jahren, einfach nicht
benutzen oder doch nicht beherrfchen. Das letztere
mufs man bei Grill annehmen, da er ja felbft feit 1885
Mitarbeiter der Zeitfchrift geworden ift. Wahrfcheinlich
auch bei Volck. Denn in der Einleitung, wo er faft eine
ganze Seite auf die Widerlegung meiner Anficht verwendet
, ohne deren Begründung zu kennen, theilt er dem
Tefer mit (S. 4 Anm. 5), dafs ich meine Vertheidigung
der Echtheit der Elihu-Reden ,fpäter' zurückgenommen
hatte. Da ich davon nichts weifs, kann ich nur annehmen,
dafs er von eigenem Lefen oder von Hörenfagen S. 269
meiner zweiten Abhandlung dunkel im Sinne hat, wo
ich nur eben nicht das gerade Gegentheil fage. — Man
mufs Sich fragen, wo man wiffenfehaftliche Einzelunter-
lucliungen, bei denen doch niemand der berichtigenden
oder vervollkommnenden Mitarbeit Anderer entrathen
mag, veröffentlichen foll, um nicht im Verborgenen zu

reden. Meine Abhandlung ift darum nicht vergeblich
gefchrieben. Sie hat mir die herzliche Zuneigung meines
fo hart angefafsten Gegners, des ehrwürdigen G. Studer,
erworben; der freundfehaftliche Briefwechsel, den er an
ihre Zufendung anknüpfte, hat erft mit feinem Heimgang
ein Ende gefunden. —

Der meinem Gefühl nach pleonaftifche Titel der
vorliegenden Schrift will offenbar, dafs das Buch Hiob
das Ergebnifs einer zufammenfetzenden (richtiger: vermehrenden
) Thätigkeit ift, als zugestandene Thatfache
nachdrücklich hervorheben. Es gilt, die Gründe dafür
zu verstärken und weitere Stücke nachzuweifen, die nicht
zum Grundstock des Buches gehören. Auf den erften
Seiten zeigt Grill, dafs hiezu der Lehrzweck des Buches
ohne Cirkelfchlufs nicht verwandt werden könne; dafs
daher in erfter Linie der Zufammenhang des Kunftwerks
in logifcher und pfychologifcher Beziehung entfeheiden
müffe, während erft in zweiter und dritter Linie biblifch-
theologifche und culturgefchichtliche, fowie Sprachliche
Gründe in Betracht kommen. Eine dankenswerthe Auseinandersetzung
. Nach einer gefchickten Inhaltsangabe
(S. 5—13) nimmt er dann die feiner Meinung nach hinzugefetzten
Stücke, fo wie fie im Buche aufeinander
folgen, durch. Er beginnt mit der neuen Entdeckung,
dafs c. 12,4 ff. 13,1 f. Einfchub fei. Diefer umfangreichste
Abfchnitt (S. 13—30), der einzige, der eine durchaus
neue Beobachtung bietet, darf als beftes Mufter für
Methode und Werth feiner Arbeit betrachtet werden.
Der Befund ift meines Erachtens kein giinftiger. Obgleich
S. 13 zugegeben wird, dafs Sich Sophar's Angriff
in c. 11 ebenfo auf Gottes unergründliche Weisheit
Stützt, wie der Bildad's in c. 8 auf feine unwandelbare
Gerechtigkeit; ebenfo S. 15, dafs ihm Hiob darauf mit
c. 12 im Grunde richtig dient (genau fo, wie mit c. 9
dem Bildad), bemängelt er nachträglich das ganze Capitel
, im Grofsen wie in den einzelnen Theilen. Eine
gewiffe Schwierigkeit enthalten ja die Verfe 7—15 wie
viele andere Abfätze des Buches; aber man mufs auch
nicht gleich auf die Schwierigste Erklärung verfallen.
Nicht ,an allem diefem' wird es in v. 9 heifsen müffen,
fondern ,unter allen diefen [Gefchöpfen]'. Befonders
aber ift v. 12 als Einwand von gegnerifcher Seite zu
faffen wie 21,16. I9a. Dann tritt das iiay v. 13 keineswegs
,unvermittelt und hart' ein (S. 23), fondern vortrefflich
und nothwendig. So hätte Sich Grill die gelehrten
Erörterungen (S. 21) über das vorausgefetzte
Alter Hiob's, das ihm etwa zur Berufung darauf in v. 12
ein Recht gäbe, fparen können. Diefe Auffaffung aber
wird nicht einmal erwähnt; vielleicht wäre ihm hier doch

meine Abhandlung S. 251 f. von Nutzen gewefen. _

Findet Grill ferner S. 14 dies Eingehen Hiob's aut
Gottes Weisheit, alfo v. 7 ff, überflüffig, da Sophar's

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