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Ausgabe:

1891 Nr. 16

Spalte:

411-412

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Funcke, Otto

Titel/Untertitel:

Christi Bild in Christi Nachfolgern oder der Weg zur wahren Lebensfreude 1891

Rezensent:

Hans, Julius

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Theologifche Literaturzeitung. 1891. Nr. 16.

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pofition immer wieder ausdrücklich in Erinnerung gebracht
wird. Ein mit guter — in vielen Kreifen leider
nicht gebräuchlicher — Abwechslung gewählter, dem
Predigtinhalt angepafster Kanzeigrufs fteht voran und
klingt gewöhnlich in der Mitte und am Ende der Rede
wieder. Oft könnte die Einleitung ohne Schaden fehlen.
Der ruhige Abhandlungston der Predigten, deffen red-
nerifcher Mangel durch viele Ausrufungs- und Fragezeichen
nicht verdeckt wird, hat den Vortheil, dafs eine
wohlthuende, warme Klarheit durch diefelben geht,
welche zwar trotz der bis ins Einzelne gut disponirten
Gedankengänge die berührten Glaubensfragen nicht
immer in ihrer herzbewegenden Tiefe erfafst, aber doch
in vielfeitige Beleuchtung fetzt. Durch den Umftand, dafs
der Kern der kleinen Sammlung — von der vierten bis
zur zehnten Predigt -— ,aus der langen, bangen Zeit der
grofsen deutfchen Kaifertrauer flammt', tritt die ,reichs-
und kaifertreue' Gefinnung im Lichte des Evangeliums
anfprechend hervor. Schwerlich wird aber diefer patrio-
tifche Zug in einer Sylvefterp redigt (1887) die fchroffe,
parteipolitifche Aeufserung rechtfertigen: /Diefer Geift
Chrifti hat auch im Anfang diefes Jahres dem echten
deutfchen, Ordnung und Obrigkeit liebenden Geifte zum
Siege verholfen und in dem neuen, wahrhaft deutfchen
Reichstage die Schmach des vorigen getilgt' (S. 51).
Ueberrafchend ift auch die Bemerkung: ,kein vorchrift
liches Volk hat an ein perfönliches, bewufstes Fortleben
gedacht' (S. 153). Von den fprachlichen Mängeln erwähne
ich das oft überflüffige ,0' und ,ja', das auffallend
häufige ,die, die', zumal in der Wendung: ,nicht nur die,
die . . . fondern auch die, die*. Eine Gefahr für den
Prediger ift die Breite, ein Nachtheil der nicht genügend
gewürdigte Wahrheitskern des Scherzwortes: was nicht
per du geht, ift perdu. Jedoch Predigten, fo frei von
Ueberfchwenglichkeiten, mit folcher liebevollen Hingebung
an das Evangelium und fleifsigen Vorarbeit
werden ihre Segensfpuren aufzuweifen haben. —

St. Goar aRhein. O. Everling.

Funcke, Paft. Otto, Christi Bild in Christi Nachfolgern, oder
der Weg zur wahren Lebensfreude. Bremen, C. Ed.
Müller's Verl., 1891. (XVI, 400 S. 8.) M. 3. —; geb.
M. 4. —; mit Goldfehn. M. 4. 20.

,Ich entfchuldige mich nicht, dafs ich fchon wieder
ein Buch herausgebe', fagt Funcke in der Einleitung zu
der obengenannten Schrift. ,Ich gebe meinen Zuhörern
das Befte, was ich zu geben und was ich zuvor von Gott
erbeten habe. Warum follte ich das geredete Wort nicht
auch als ein gefchriebenes Anderen geben, die nun einmal
für meine befondere Art empfänglich find?' Ich
finde, dafs er Recht hat. So lange feine Bücher gekauft
werden, find offenbar Leute vorhanden, diefielefen wollen.
Und hat einmal ein Prediger eine über den Bereich feiner
Kanzel hinausgehende Gemeinde, fo ift nicht abzufehen,
warum er nicht auch diefer immer aufs neue predigen
follte, fo lange ihm Gott Kraft und Luft dazu fchenkt.
Auch wenn man nicht zu den für Funcke's befondere Art
Empfänglichen gehört, wie denn auch ich mich nicht dazu
rechnen kann, wird man doch zugeben müffen, dafs
er eine eigenthümliche Gabe empfangen hat, und dafs er
im Gebrauche derfelben eine unverminderte Lebendigkeit
und Frifche zeigt.

Was er mit dem gegenwärtigen Buche will, giebt er
felbft mit den Worten an: ,Untere Abficht ift, auf den
folgenden Blättern die Charakterzüge oder wenn ihr wollt:
die einzelnen Tugenden Jefu zu zeichnen und dann, ohne
weichliche Selbftverblendung, unfer Bild in diefem Bilde
zu fpiegeln und uns zu fragen, wie wir aus unferem Bilde
heraus und in fein Bild hineinkommen'. Mit anderen
Worten: er will uns Chriftus als unfer Vorbild vor Augen
malen, er will das chriftliche Lebensideal nicht blofs in

feinen allgemeinen Umriffen, fondern auch in feiner Verwirklichung
auf den einzelnen Lebensgebieten darfteilen. Er
hat alfo diesmal keine direct apologetifche Tendenz;
nur fofern das dargeftellte Bild den Eindruck machen mufs,
dafs es feiige Menfchen find, die alfo wandeln, wird auch
auf eine apologetifche Wirkung gerechnet, worauf der
Nebentitel deutet: ,Der Weg zur wahren Lebensfreude'.
Uebrigens ift der Plan in dem vorliegenden Bande nicht
ganz zu Ende geführt. Es ift Chrifti Beten u. Arbeiten,
fein Kampf mit der Verfuchung, fein Verhältnifs zur Natur,
zum irdifchen Vaterland, zu den zeitlichen Gütern und
Genüffen des Lebens u. a. dargeftellt, immer mit näherer
Anwendung auf uns felbft. Aber ein Gebiet ift faft gar
nicht berührt: fein Verhalten zu den Menfchen. Darüber
will fich deshalb der Verfaffer in einem weiteren Bande
verbreiten, in dem er Jefu Verhalten zu den .Gläubigen
u. Ungläubigen, den Gleichgültigen u. Zweiflern, den
Juden u. Heiden, den Alten u. Jungen, den Männern u.
Weibern u. f. w.' ausführlich befprechen will.

Auf Einzelnes kann ich natürlich nicht eingehen.
Nur einen Satz möchte ich noch befonders hervorheben.
Funcke erklärt (S. 23), alle als Brüder zu begrüfsen, ,die
in Jefu den Heiland der Welt, den Retter von Sünde
und Leid erkennen und deren tiefftes Begehren es ift,
durch feinen Geift in fein Bild verklärt zu werden', und
fährt dann fort: ,Auf welchem Wege die Einzelnen zu
jener befeligenden Erkenntnifs und zu diefem heiligen
Verlangen gekommen find, ift mir gleichgültig. Nicht
nach unferer Chriftologie werden wir einmal im Himmel
gefragt werden, fondern darnach, ob wir Ihn, als den
Heiland, lieb hatten, Ihm in der Liebe gedient haben'

Augsburg. J. Hans.

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von Cuftos Dr. Johannes Müller.

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