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1891 Nr. 16

Spalte:

404-405

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Reinhardt, M. Henrici Hirtzwigii Rectoris de Gymnasii Moeno-Francofurtani ratione et statu ad Balthasarem Mentzerum epistola 1891

Rezensent:

Teichmann, ...

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Theologifche Literaturzeitung. 1891. Nr. 16.

404

gründung des Bisthums in Wohin, feine Uebertragung an [ von Ebo I, 4 von einer Leitung des Speierer Dombaus
Adalbert und die grofsen Schwierigkeiten, welche fich durch Otto zu reden (S. 51) wird z. B. kaum angängig fein
der Bestimmung feiner Diöcefangrenzen entgegenftellten. ' Ebenfowenig wird das Intereffe Lothar's an der Miffion
Nach der Unterbrechung der ruhigen Entwicklung der Otto's nur aus feiner ,aufrichtigen Frömmigkeit' (S. 83)
pommerfchen Kirche durch den Kreuzzug des Jahres 1147 hergeleitet werden dürfen, als ob nicht politifche Erlenkt
Adalbert's gefchickte Hand lie in die alte Bahn ! wägungen ftark mitgefprochen hätten. Dagegen darf
zurück und confolidirt die Errungenfchaften durch . Wiefener's Urtheil über die Stellung Otto's zu den Plänen
Kloftergründungen(S. 109—135). Den Abfchlufsdereigent- Norbert's in Bezug auf die Erweiterung feiner Metropo-
lichen Mifüonsarbeit macht die Bekehrung von Weft- ! litanrechte (S. 112) gröfsere Wahrfcheinlichkeit bean-
pommern und Rügen, welche das Zufammenwirken des fpruchen als Juritfch, wenn er Otto diefe Machterweite-
Dänenkönigs Waldemar I. und des Bifchofs Abfalom v. rung,nicht ungern'fehen läfst. Gegenüber dem anekdoten-
Roeskilde mit Heinrich dem Loewen und Bifchof Berno 1 haften Element feiner Quellen hätte Wiefener (vgl. S. 92.
von Mecklenburg herbeiführt (Cap. VI, S. 135—158). Die j 93; 105 —107) ohne Schaden für die Lebendigkeit und

Fertigung der Verhältnifse bei Fortdauer kirchenpolitifcher
Schwierigkeiten zeigt Cap. VII (S. 158—186), die weitere
Entwicklung der Bisthümer Cap. VIII (S. 187—213), die
Culturarbeit der nebeneinanderwirkendenBenediktinerund
Premonftratenfer Cap. IX (S. 213—240), der Ciftercienfer,
Dominicaner und Johanniter Cap. X (S. 240—272). Ueber
die Kirchen, die man baute, über die Bildung der Parochien,
über den Clerus und feine Befchaffenheit am Anfang des
13. Jahrh. informirt Cap. XI (S. 273—293) und wird durch

Anfchaulichkeit feiner Gefchichtsbilder gröfsere Zurückhaltung
fich auferlegen dürfen.

Marburg i H. Carl Mirbt.

Reinhardt, Gymn.-Dir. Dr., M. Henrici Hirtzwigii Rectoris
de Gymnasii Moeno-Francofurtani ratione et statu ad
Balthasarem Mentzerum epistola. Programm des ftädti-
das SdVlufscap j tifchen Gymnafiums zu Frankfurt a/M. Oftern 1891.

fchnitt durch das kirchliche und fociale Leben die Ergeb- Obige Abhandlung zur Gefchichte des Frankfurter

nifse des Chriftenthums im Volksleben zur Anfchauung
bringt (S. 293—305). Die Noten find S.306—355 zufammen-
gedruckt.

Dafs diefes Werk, welches der Verf. als die Frucht
viele Jahre umfaffender Studien bezeichnet, den Mufse-

Gymnafiums von dem gegenwärtigen Director diefer Annalt
verdient auch in theologifchen Zeitfchriften angezeigt
zu werden, da fie viele den Theologen interef-
firende Gefichtspunkte enthält. Magilter Heinrich Hirtz-
wig, ein Schüler des Giefsener Theologen Balthafar

ftunden, die ihm das geiftliche Amt liefs, feine Entflehung Mentzer, war Rector des Frankfurter Gymnafiums von
verdankt, macht es dem Recenfenten zu einer doppelt 1615—1627 und hat fich in diefer Zeit wefentliche Verangenehmen
Pflicht, auf dafselbe die Aufmerkfamkeit hin- | dienfte um diefe Anftalt erworben. Geboren ums Jahr
lenken zu dürfen. Bis ins vierte Jahrzehnt des 13. Jahrh., J 1585 zu Haina in Oberheffen, ftudirte er in Marburg, da-

bis zum Tode des Bifchofs Konrad II. von Cammin 1233
verfolgt Wiefener die Gefchichte der Kirche Pommerns.
Seitdem ift Pommern deutfches Land. Der Verf. giebt
feinem Werk nicht den Titel einer Miffionsgefchichte,
aber wenn man zur Miffionsarbeit im weiteren Sinn die
Befeftigung der Erfolge der Miffionspredigt durch Orga-
nifationen rechnen mufs, ift auf diefe Provinzialkirchen-
gefchichte jene Bezeichnung anwendbar. Dem Mangel

mals Gefammtuniverfität der hefflfchen Lande, Theologie.
Hier fchlofs er fich der flrenglutherifchen Richtung an,
deren Hauptvertreter die Profefforen D. Jon. Winkelmann
, D. Balthafar Mentzer und der Superintendent D.
Heinrich Leuchter waren. Als 1604 der Landgraf Ludwig
von Heffen-Marburg ohne männliche Nachfolge ftarb,
wurde fein Land fo getheilt, dafs Marburg an Moritz von
Heffen-Kaffel, Giefsen an Ludwig den Getreuen von

an einer die gefammte Gefchichte der Ausbreitung des j Heffen-Darmftadt fiel. Der erftere trat alsbald zum re-

Chriflenthums zufammenfaffenden Darftellung wird wohl
kaum in nächfter Zeit abgeholfen werden; nicht nur weil
die Miffionsgefchichte jetzt noch zu den ftiefmütterlich
behandelten Zweigen der Kirchengefchichte gehört fondern
auch weil ein derartig umfaffendes Unternehmen gröfsere
Vorarbeiten vorausfetzt, als fie zur Zeit vorliegen. Die
quellenmäfsige Darfteilung, welche Wiefener liefert, wird

formirten Bekenntnifs über und vertrieb 55 Geiftliche und
Gelehrte, welche ihm opponirten, aus feinem Lande;
unter ihnen auch Winkelmann, Mentzer und Leuchter.
Ludwig der Getreue nahm fich ihrer an und zog fie
nach Giefsen, welches feit 1607 der Hort des Lutherthums
in Heffen wurde. Zu den Studenten, welche mit den
vertriebenen lutherifchen Profefforen von Marburg nach

feiner Zeit für ein wichtiges Specialgebiet gute Dienfte j Giefsen zogen, gehörte auch Hirtzwig. Er wollte zuerft
leiftcn. I die theologifche Laufbahn einfchlagen und betheiligte fich

Der Wunfeh des Verf.'s, auch in weiteren Kreifen Lefer j unter dem Einfluffe Mentzer's an den theologifchen Strei-

zu finden, ift in Anbetracht feiner leichten Schreibweife ge-
wifs fchon inErfüllung gegangen. Nur feiten, wie in Cap. VII,
erfchwert ein Mangel an Ueberfichtlichkeit die Leetüre.
Eine zufammenfaffende Behandlung der Verdienfte der im
Pommernland arbeitenden Orden um die Ausbreitung der
Cultur würde deren Bedeutung noch fchärfer haben hervortreten
laffen, als dies gefchehen. Dafs die Stettiner
auf der 1. Miffionsreife Otto's die Unterwerfung unter
die chriftlichen Ordnungen von politifchen Conceffionen
des polnifchen Königs abhängig machen, dürfte mit Rückficht
auf die Verquickung von Politik und Miffion, wie fie
von Seiten der chriftlichen Regenten, Staatsmänner und
Kirchenfürften geübt wurde, eine nachfichtigerc Beurthei-
lung zu beanfpruchen haben, als fie von Seiten Wiefener's
S. 67 erfährt. Bei einem Verhalten, wie es die Stettincr
einfehlugen, wird auch in Rechnung zu ziehen fein, dafs
fie über die Tragweite der geplanten Converfion nicht
völlig im Klaren waren und an Nebeneinander von Altem
und Neuem gedacht haben werden. — Ueber Otto v. Bamberg
wird man gut thun, mit Wiefener's Darftellung die
Monographie von Juritfch zu vergleichen. Auf Grund

tigkeiten jener Zeit. 1607 hielt er an der neu gegründeten
Univerfität Giefsen eine öffentliche Disputation über
Calvin'sPrädeftinationslehre, worin er diefelbe als ,fchreck-
liche Gottesläfterung' und Calvin felbft als Belial bezeichnete
. Der Titel diefer auf der Frankfurter Stadtbibliothek
befindlichen kaum bekannten Schrift ift: De re-
probatione ad acternam damnationent. Disputatio tlieolo-
gica: De cujus subjectis thesibus annuenie Donuno Christo:
Sub präsidio Ballliasaris Mentzeri S.S. Thcol. D. et pro-
fessoris ordinarü, in Academia Giessena, publica dispu-
tatione rationem pro virili reddet M. Henricus Hirtz-
wigius Hainensis Wetteravius. In auditorio Theologico
XXIV., die Jidii, horis pronieridianis. Giessae Has-
sorum 1607. Hirtzwig ift auch lateinifcher Poet; er
fchrieb ein Drama ,Belsasar rex zur Aufführung durch
Schüler beftimmt, ein Weihnachtsfpiel ,Jcsulus' und ein
Feftfpiel zum hundertjährigen Jubiläum der Reformation
,Lutherusi. Der Verfaffer verräth darin nicht unbedeutende
poetifche Anlage. 1609 ging er in das Schulfach über
und war zuerft in Strafsburg und dann in Speyer. Von
hier ward er ans Gymnafium von Frankfurt berufen,