Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1891

Spalte:

394-400

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schmidt, Paul

Titel/Untertitel:

Anmerkungen über die Composition der Offenbarung Johannis 1891

Rezensent:

Holtzmann, Heinrich Julius

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2, Seite 3, Seite 4

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrlchs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 16. 8. Auguft 1891. 16. Jahrgang.

Doughty, Travels in Arabia Deserta, 2 vols.
(Socin).

Schmidt, Anmerkungen über die Compofition
der Offenbarung Johannis (H. Holtzmann).

Erbes, Die Offenbarung Johannis, kritifch Unterbichl
(Derf.).

Juritfch, Gefchichte des Bifchofs Otto I von
Bamberg (Mirbt).

Wie fener, Die Gefchichte der chriftlichen Kirche
in Pommern zur Wendenzeit (Mirbt).

Reinhardt, M. Henrici Hirtzwigii Rectoris de
Gymnasii Moeno-Francofurtani ratione et statu
ad Balthasarem Mentzerum epistola (Teichmann).

Berliner, Cenfur und Conftscation hebräifcher
Bücher im Kirchenftaate (Reufch).

Scholler, Kirchengefchichtliches aus dem deut-
fchen Süden (Hans).

Tavagnutti, Katholifch-theologifche Bücherkunde
der letzten 50 Jahre II u. III (Reufch).

Carriere, Die fittliche Weltordnung 2. Aufl.
(Härtung).

Schuch, Friede und Freude im Herrn, Predigten
(Everling).

Funcke, Chrifti Bild in Chrifli Nachfolgern
(Hans).

Doughty, Charles M., Travels in Arabia Deserta. 2 vols.
Cambridge, at the Univerfity Press, 1888. (XX, 623
u. XIV, 690 S. 8.) 3 Guin.

Das grofse Reifewerk Doughty's, welches wir hiemit,
obwohl etwas verfpätet, zur Anzeige bringen, ift feit den
drei Jahren, da es vorliegt, feiner Bedeutung nach in
Deutfchland zu wenig gewürdigt worden. Eine Skizze
der in den Jahren 1876—1878 ausgeführten Reife ift
übrigens bereits in den Jahren 1881 und 1882 in der Zeit-
fchrift ,Globus' veröffentlicht worden; doch giebt dicfelbe
keinen rechten Begriff von der Reichhaltigkeit des Reifewerkes
. Nur kurz fei hier hervorgehoben, welche unsäglichen
Entbehrungen der Reifende auf feinen Fahrten
zu ertragen hatte und mit welcher Kühnheit er ftets den

Nachfchlagen mittelft des vortrefflich gearbeiteten Index
H 543—690 genügt nicht! — Bemerkungen finden, die
für althebräifche Gebräuche und Anfchauungen von
höchflem Werth find; das in diefer Hinficht gebotene
Material ift um fo koftbarer, als der Reifende folche
Vergleichungen dem Lefer überläfst und fie nicht felber
anftellt. Was Doughty hin und wieder (z. B. I 316) über
die Bildung und das gegenfeitige Verhältnifs der ara-
bifchen Stämme, über die Claffen der Bevölkerung (z.
B. über die Kafte der Schmiede I 137, II 656), über die
durchgängige Multiplication aller ftatiftifchen Angaben
mit der Zahl zehn II 427 berichtet, ift uns ja theilweife
nicht neu. Dagegen ift das, was er über die religiöfen
nnd abergläubischen Anfchauungen der arabifchen Halbwilden
hier und da anführt, oft überrafchend. Auf den

zahllofen Gefahren gegenübertrat, welche ihn in feiner j eigenthümlichen Begriff des menhcl, eines fighting place
Eigenfchaft als Franke und als Chrift bedrohten; denn 0j the pozuer of the air I 449 (und passim, f. Index) und
er verleugnete, mit einer beinahe unverzeihlichen Rück- feine Verbindung mit Baumcultus mag hier blofs hinge-
fichtslofigkeit gegen fleh felbft, diefen feinen Charakter j wiefen fein. Aus den zahlreichen Bemerkungen über die

Opfer I 442, 452, wobei befonders auch der noch vielverbreitete
Gebrauch des Weihrauchverbrennens vgl. II
143 f. (beim Gelübdeopfer) auffällt, fei beifpielsweife blofs
hervorgehoben, wie Dougthy felbft gefehen hat, dafs
ein Beduine zum Behuf der Erhaltung feiner Kamele ein
Schaf fchlachtete und mit dem Blute Jesfelben den Nacken
und die Seite feiner Kamele beftrich I, 409. Vom Pefach
wiffen doch wohl diefe Leute nichts! Dougthy felbft zieht
keinen Vergleich. Auch was über Ahnencultus (z. B. I
448) und die beinahe abergläubifche Verehrung des
Mondes (I 366. 455) berichtet wird, hängt ja mit weitverbreiteten
Anfchauungen zufammen, wie auch die Facta
fowohl (I, 340) als die Fabeln (I, 128 ff.) über die Be-
fchneidungsgebräuche, ift aber wohl zu beherzigen.

Diefe kurze Anzeige kann nur einen fchwachen Begriff
von der Reichhaltigkeit des vorliegenden Werkes
geben; ihr Zweck wäre erfüllt, wenn fie in befcheidenem
Mafse zu der Erkenntnifs beitragen würde, dafs die eth-
nographifchen Probleme, welche im A. Teft. vorliegen,
neben den literarhiftorifchen bei uns ftets erneute Berück-
fichtigung verdienen.

Leipzig A. Socin.

niemals. Auch die höchft intereffanten geographifchen
Ergebnifse, wie fie auf feiner neuen vortrefflichen Karte
dargelegt find, vor allern auch die Berichte über den
phyfikalifchen Aufbau Nordarabiens mit feinen Harren
(Lavafeldern) und dergleichen wollen wir hier bei Seite
laffen; denn die Unterfuchungen über die Geographie
diefes häfslichen Landftriches Nordarabien werden, trotzdem
dafs neuerdings verfucht worden ift, alte alttefta-
mentlichen Namen von Orten und Völkern, von denen
man wenig oder nichts weifs, in Arabien nachzu-
weifen, nur wenige Theologen intereffiren. Was uns
bei dem Lefen des Reifewerkes am meiften von allgemeiner
Bedeutung erfchienen ift, find die ethnographi-
fchen Schilderungen. Doughty ift, wie aus denfelben
hervorgeht, frei von wiffenfchaftlichen Vorurtheilen: den
Charakter der Araber Arabiens, fowohl der anfäffigen
als der nomadifirenden Bevölkerung fetzt er unaufhörlich
in einer Weife ins Licht, die den Lefer, den etwa die
allzugrofse Weitfchweifigkeit der Darftellung ermüden
könnte, ftets aufs neue mit dem Buche verföhnt. Im centralen
Arabien führen die Semiten einen äufserft harten
Kampf ums Dafein; ihr Charakter zeigt fich dort, unberührt
von dem Einflufs anderer Völker, infeiner Nacktheit. Den
Urfemitismus hat der Islam nur mit einer gewiffen Tünche
überzogen; aber II 360, they cane be banded only by the
passion of religion an their greedincss of the spoil'. Stets
aufs neue illuftrirt Doughty die fox-like subtlety (of the
Senates) without invzntwid (I, 285), ihre Etymologieha-
fcherei (I 283) u. a.; daneben erkennt er aber auch die
Lernfähigkeit der Araber voll an (z. B. I. 323).

Insbefondere wird nun auch der Fachmann auf dem
tiebiete des Alten Teftaments oft unvermuthet — das

1. Schmidt, Prof. Dr. Paul, Anmerkungen über die Com-
position der Offenbarung Johannis. Freiburg i,Br., J.
C.B. Mohr, 1891. (54 S. gr. 8.) M. 1.50.

2. Erbes, Lic. Karl, Die Offenbarung Johannis, kritisch
untersucht. Gotha, F. A. Perthes, 1891. (VII,
184 S. gr. 8.) M. 3.60.

Zwei neue Beiträge zur Löfung des apokalyptifchen
Problems, jeder in feiner Weife bedeutungsvoll, keiner

393 394