Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1891

Spalte:

369

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Perthes‘ Handlexikon für evangelische Theologen. Ein Nachschlagebuch für das Gesammtgebiet der wissenschaftlichen und praktischen Theologie 1891

Rezensent:

Harnack, Adolf

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 15. 25. Juli 1891. 16. Jahrgang.

Perthes' Handlexikon für evangelifche Theologen
(Harnack).

Budde, Die Bücher Richter und Samuel (Hollenberg
).

Hafe's Gefammelte Werke (Harnack).
Rdville, Etudes sur les origines de l'e'piscopat
(Harnack).

Jenkins, Ignatian difficulties and historical
doubts (Derf.).

Giemen, Die religionsphilofophifche Bedeutung
des ftoifch-chriitlichen Eudämonismus in Juftins
Apologie (Harnack).

Preger, Ueber die Verladung der franzöfifchen
Waldefier in der älteren Zeit (Möller).

Haupt, Waldenferthum u. Inquifition im füd-
öftlichen Deutfchland (Derf.).

Litteraturdenkmäler, lateinifche, des XV. und

XVI. Jahrhunderts, i. u. 2. Hft. (Kawerau).
Hille Ris Lambers, De kerkhervorming op

de Veluwe (Kawerau),
Das Büchlein vom Brodbrechen, Neue Ausg. von

Doedes (Kawerau).
Im Reiche der Gnade, Sammlung von Cafual-

reden, hrsg. von Leonhardi, i — 3. Hft.

(Everling).

Perthes'Handlexikon für evangelische Theologen. Ein Nach- gefchichte, die Einfügung von Jof. 13, 13. 19,47, die be-
fchlagebuch für das Gefammtgebiet der wiffenfchaft- ! fonnene Heranziehung des LXX Textes icheinen mir

liehen und praktifchen Theologie. 13.—30. Lfg. Gotha,
F. A. Perthes, 1890:91. (2. Bd. 726 u. 3. Bd. VIII, 732 S.
m. Fig. gr. 8.) ä M. 1. —.

Diefes Lexikon ift nun vollendet und zeigt auch in
der Präcifion, mit welcher der Schlufs erfchienen ift,
dafs fich compilatorifche Wiffenfchaft commandiren läfst.
Diefer theologifche ,Kürfchner' ift für folche, die ihrem
Gedächtnifs aufhelfen müffen, oft recht nützlich und daher
dankenswerth. Ein auch nur halbwegs verftändiger
Mann wird freilich nicht nach einem folchen Buche greifen
, wenn er fich belehren will. Aber wie grofs ift die
Zahl derjenigen, denen die befcheidenfte wiffenfchaftliche
Kofi die liebfte ift und die nicht eher ruhen werden, bis
fie im Bunde mit fpeculativen Buchhändlern die Wiffen-
fchaften im Weftentafchenformat oder in Kreuzbändern
zu 3 Pfennigen zugeftellt erhalten!

Berlin. A. Harnack.

Budde, K., Die Bücher Richter und Samuel, ihre Quellen
und ihr Aufbau. Giefsen, Ricker, 1890. (VIII, 276 S.
gr. 8.) M. 7.50.

Die Grundlage des vorliegenden Werkes bildet eine
Reihe von Auffätzen, welche der Verf. 1887 und 1888
in der Zeitfchrift für altteftamentliche Wiffenfchaft veröffentlicht
hat. Sie erfcheinen hier ergänzt und erweitert
und zu einer zufammenhängenden kritifchen Unter- ! weift, fo ift es nur erfreulich, wenn er dem Lefer feine

befonders vortrefflich. Die Annahme zu Richter I, 22,
dafs dort urfprünglich yiDUTJ geftanden habe, wovon
das mW) der LXX und Ott? HWl der M
Correcturen feien, will mir etwas zu kühn erfcheinen,
wenigftens wenn man, wie der Verf. thut, darauf weitere
Schlüffe aufbaut. Auch den Zufatz der LXX zu ini
Bctiitrjl (II, 1) ,-/at hii xov olxov ' /rrparjZ' würdeich nicht
verwerthen. Da die Scene nach der M nicht mehr in
Bethel fich abfpielt, fo würde ich eher an eine Gloffe
(oIkov rjty denken, woraus mxov irtX = lOQarjl geworden
wäre. Dagegen wird man die Ausführung über Jof. 17,
14—18, welche zu der Annahme gelangt, dafs hier urfprünglich
dem Haufe Jofeph eine Anweisung auf feinen
oftjordanifchen Belitz gegeben werde, als die befriedi-
gendfte Löfung des jetzt ganz unverftändlichen Abfchnitts
annehmen müffen. Der Verf. bezeichnet feinen Verfuch
als ,immerhin kühn', aber er wird durch Num. 32, 39.
41. 42 glänzend beftätigt. Sehr fein ift der Nachweis,
dafs Richter 4 eine Jabin- und eine Siferagefchichte zu-
fammengefloffen fei (S. 67—71, vgl. 105 — 107). Un-
ficherer werden die Ausführungen des Verf.'s, wo er
verfucht, die Berichte über Jericho, Ai und Gibeon feiner
Quelle anzufchliefsen. Er ift fich jedoch deffen wohl
bewufst, dafs er hier nur taftende Verfuche macht, und
giebt nicht etwa das Unfichere für ficher aus. Er liebt
keine kritifchen Orakelfprüche, fondern legt dem Lefer
das ,Für' und ,Wider' gewiffenhaft vor. Wenn Budde in
der Unterfuchung feine kritifche Begabung fo fchön be-

fuchung über die Bücher der Richter und Samuelis (ein- | Vermuthungen auch da, wo er fie für unficher hält, vor-
fchliefslich I Könige 1 und 2) ausgeftaltet. Der Verf. legt, damit fie als Ferment der weiteren Unterfuchung

beginnt (S. 1—89) mit einer Unterfuchung über das Verdienen
können. Der II. Theil behandelt das Buch der

hältnifs des Buches der Richter zum Hexateuch, befon- Richter allein (S. 90—166). Hier ift mit Ausnahme der
ders zum Buch Jofua. Sie ift befonders forgfältig geführt l Befprechung der Anhänge alles neu. Der Verf. hat hier
und reich an bleibenden Ergebnifsen. Er ftellt den ur- nicht fo mühfam Zerftreutes zu vereinigen und kann da-
fprünglichen Wortlaut des kritifch fo wichtigen Cap. j her fummarifcher verfahren. Den Hergang bei der EntRichter
I wieder her, erörtert fein Verhältnifs zu den j ftehung des Richterbuchs denkt er fich fo. Die ältefte
ParallelfteHen im Jofua in überzeugender Weife, verfucht j Grundlage bildet ein Abfchnitt der Quelle J, eröffnet

dann den Text aus andern verwandten Abfchnitten im
Hexateuch zu ergänzen und nachzuweifen, dafs zahlreiche
dort verftreute Abfchnitte urfprünglich Beftandtheile
diefes Capitels gebildet haben müffen. Der Verf. zeigt
hier eine glänzende Gabe kritifcher Combination. Ein
Anhang, der auf Grund der gewonnenen Ergebnifse den
wahrfcheinlichen Wortlaut von Richter I wiederherftellt,

durch die in Richter I urfprünglich vorhandene, voll-
ftändigere Erzählung von der Eroberung Kanaans. Daran
fchloffen fich Richtererzählungen, vermuthlich die
von Ehud, Jabin, vielleicht Debora-Lied, eine Gideonge-
fchichte (ohne Abimelech), Simfon, eine F"affung des Zuges
derDaniten und vielleicht derGibeagefchichte; daneben ein
Abfchnitt aus E, fchon mit theokratifcher Pragmatik, umerleichtert
die Ueberficht über die verwickelte Unter- ! fpannend eine Faffung der Debora- und Gideongefchichte
fuchung. Trotz mancher Zweifel, die mir im Einzelnen | mit Abimelech, die Jephtah-Gefchichte, eine Faffung des
bleiben, ftimme ich ihr faft durchweg bei. Die Aus- ' Zuges der Daniten, vielleicht eine Gibea-Gefchichte. Aus
führungen über den urfprünglichen Sinn der Adonibefek- beiden fchmolz JE zufammen, Rd entfernte aus JE alles,
369 370