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Ausgabe:

1891 Nr. 14

Spalte:

359-360

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kiefer, A.

Titel/Untertitel:

Pfarrbuch der Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Nach Urkunden 1891

Rezensent:

Erichson, Alfred

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359

Theologifche Literaturzeitung. 1891. Nr. 14

360

achte und neunte in dem Uber VI naturalium des Avi-
cenna wieder. Zu den erften heben Fragen entdeckte er
Parallelen in den Mittheilungen Gerfon ben Salomo's aus
einem von ihm Ariftoteles zugeeigneten Buche über die
Seele, und macht aus fachlichen Gründen wahrfchein-
lich, dafs ibn Gabirol der Verfaffer diefer urfprünglich
arabifchen Schrift gewefen fei. Eine lateinifche Ueber-
fetzung derfelben, von Johannes Toletanus oder Hispa-
lenfis verfafst, habe fowohl Gundifalvi als Albertus
Magnus, der den Verfaffer als Collectanus (verderbt aus
Toletanus) citirt, benutzt. Rede der achten Frage des
urfprünglichen Werkes ibn Gabirol's hndet Löwenthal
ebenfalls bei Gerfon und in einer Abhandlung Gundi-
falvi's J)e immortalitate1, während Frage X wiederum
im Liber de anima enthalten fein foll. Zum Schlufs werden
Excerpte aus dem letztgenannten Buche und die in
Frage flehenden Stücke der pfeudoariftotelifchen Schrift
aus Gerfon's Schnür ha-Schamajitn mit Benutzung von
Handfchriften mitgetheilt. Das Buch Löwenthal's ift ein
Beitrag zur Aufhellung der philofophifchen Vorgefchichte
der Scholaftik. Als der fchwache Punkt der Beweisführung
L.'s erfcheint mir, dafs Frage IX und X fich
nicht als Beftandtheile des pfeudoariftotelifchen Buches
bei Gerfon nachweifen laffen, während gerade Frage X
am meiden an ibn Gabirol erinnert, und dafs es doch
fchwer vordellbar bleibt, dafs der wahre Autor jenes
Buches, wenn es ibn Gabirol war, in jüdifchen Kreifen
fo rafch vergeffen werden konnte.

Leipzig. Gudaf Da Im an.

Gunning, Dr. J. H. JHz., De Chasidim. Eene bladzijde uit
de geschiedenisvan het hedendaagsche Jodendom. Met
vele Aanteekeningen. Groningen, J. B. Wolters, 1891.
(99 S. gr. 8.) fl. 1.25.

Der Vortrag, welcher S. 1—29 den Hauptinhalt der
Schrift Gunning's bildet, hat zum Gegendande die jetzige
chafidifche (mydifche) Richtung im Judenthum. Die Ge-
fchichte des Urhebers derfelben, Israel Miedziboz, wird
S. 8—13, das geidige Wefen der ganzen Richtung
S. 14—20 befprochen und S. 20 ff. durch allgemeinere
Betrachtungen verdändlich gemacht. Die Dardellungen
von Jod, Grätz, Weifsmann, Horwitz find dafür befon-
ders benutzt worden. Die umfangreichen Anmerkungen
S. 30—83 geben einen Eindruck von der Belefenheit und
Sorgfalt des Verfaffers. Die eigentliche chafidifche Literatur
— erbauliche Vorträge, Gebete, Schriftauslegungen
, Gefetzesvorfchriften, fpeculative Verfuche — war
Gunning freilich nicht zugänglich, doch id das von ihm
entworfene Bild fachentfprechend und indructiv.

Leipzig. Gudaf Dalman.

1. Kiefer, Pfr. L.A., Pfarrbuch der Grafschaft Hanau-Lichtenberg
. Nach Urkunden. Strafsburg i/E., Heitz, 1890.
(445S.gr. 8.) M.8. -

2. Kiefer, L. A., Steuern, Abgaben und Gefälle in der ehem.
Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Strafsburg i E., [J. Noi-
riel], 1891. (83 S. gr. 8.) M. 1. —

Der Titel des erden hier angezeigten Werks läfst
keineswegs auf den Inhalt fchliefsen. Jedenfalls id das
,Pfarrbuch' keine pragmatifche Dardellung der Gefchichte
der Hanau-Lichtenbergifchen Landeskirche. Richtiger
wäre es gewefen, wenn der Verfaffer fein Buch eine
Sammlung von Documenten, die einzelnen Pfarreien der
ehemaligen Graffchaft Hanau-Lichtenberg betreffend,
überfchrieben hätte. Welches find diefe Urkunden? Den
Grunddock derfelben bilden zwei aus dem Grofsherzog-
lich-heffifchen Archiv von Darmdadt durch Kiefer an's
Licht gezogene handfchriftliche Bände, die aus dem
Fonds der durch Heffen-Darmdadt 1736 ererbten hanau-

lichtenbergifchen Länder herrühren, nämlich: Kirchenbuch
aller Pfarren in den Amtern Buchsweiler, Neuweiler
, Wildett, Balburn, Lichtenau und Hatten 1567'
und ,Saalbuch über alle Gefell und einkhommen der
Pfar und Kirchen in der Herrfchaft Lichtenberg ao. 1558'.
Das hieraus gewonnene, durch anderwärtige Forfchungen,
namentlich im Unterelfäffifchen Bezirksarchiv, bedeutend
vermehrte Material hat der Verf. in die einzelnen Notizen
eingetragen, die den 120, innerhalb des Rahmens
der ilAemter, denen de dereind zugehörten, alphabetifch
aufgeführten Ortfchaften gewidmet find, und zwar hat
er fich damit begnügt, die Mittheilungen über die kirchlichen
Güter und Einkünfte, das Perfonal, und anderes
mehr, meidens ohne jegliche Verarbeitung aneinander
zu reihen. Auf diefe Weife id unter feiner fleifsigen
Hand ein Nachfchlagebuch entdanden, das zwar allen
denjenigen, die fich mit der Specialgefchichte der betreffenden
Ländereien befchäftigen, wirkliche Diende zu
leiden geeignet id, in deffen Anlage jedoch ein jeder, der
archivalifchen Arbeiten ferner deht, fich nur mit Mühe
zurecht finden wird. Die Kirchenhidoriker werden ihm
Dank wiffen für die reichhaltigen Aufzeichnungen über
die Stiftung der Pfarreien und der Filiale, deren
Collatoren, die Einführung der Reformation, das Simul-
taneum und die Kirchenverfaffung-, fo wie für die bis
zum Jahr 1890 fortgefetzte series pastomm u. f. w. Aber
auch für die Profangefchichte findet fich eine ergiebige
Nachlefe in den zahlreichen, hie und da ein-
gedreuten Notizen über die weltlichen Schickfale der
Gemeinden, ihre Herrfchaften, die ökonomifchen Ver-
hältnifse, die Sitten und Gebräuche. Wünfchenswerth
wäre es gewefen, wenn der Verf. feinen Auszügen immer
die genaue Quellenangabe beigefügt und fämmtliche,
über den Gegendand früher erfchienene literarifchc Arbeiten
namhaft gemacht hätte, wie z. B.: die Schrift
Rathgeber's, Die Graffchaft Hanau-Lichtenberg'(Strafsb.,
1876); und für die rechtsrheinifchen Ortfchaften Stöcker's
,Schematismus der ev.-prot.-Kirche im Grossherzogthum
Baden' (Heidelberg, 1878).

Das Kiefer'fche Werk findet eine nützliche Ergänzung
in der zweiten, hier angeführten Publication, bellehend
in Tabellen über die Laden, Abgaben und Kirchengefälle
aus verfchiedenen Zeiten. Zum Verdändnifs mancher
Stelle im ,Pfarrbuch' dient namentlich die diefer Zu-
fammendellung vorangefchickte Erklärung alterthüm-
licher Ausdrücke der Kanzleifprache und der Jurisprudenz,
fo wie die kurze Belehrung über die Finanz- und Ge-
meindeverfaffung.

Strafsburg i/E. A. Erichfon.

Lob stein, Prof. P., Stüdes christologiques. Le dogme de
la naissance miraculeuse du Christ. Paris, Fischbacher
, 1890. (53 S. gr. 8.) fr. 1.25.

Diefe Studie reiht fich den früheren Studien desfelben
Verfaffers über einzelne Punkte der Dogmatik würdig
an. Mit grofser Sorgfalt wird die behandelte Frage unter
allen in Betracht kommenden Gefichtspunkten erwogen
und mit voller Wärme das Intereffe des chriftlichen
Glaubens vertreten. — Nach einigen einleitenden Bemerkungen
, welche die Frage, die er behandeln will, dahin
formuliren, ob der Glaube an Chriftus und feinen
göttlichen Urfprung eine beftimmte Auffaffung von der
Art feiner Geburt einfchliefse, unterfucht er zunächft die
biblifchen Zeugnifse und zeigt, dafs fie, fobald man eine
gefchichtliche Betrachtung befolgt, fich dem überlieferten
Dogma von der übernatürlichen Geburt nicht günftig
erweifen: die Berichte bei Matthäus und Lukas ftehen
nicht im Einklang mit einander; beide enthalten überdies
in den Genealogien den Hinweis auf die ältere An-
fchauung, die Jefus für den Sohn Jofeph's hält; wie der
Herr felbft fich nirgends auf ihren Inhalt berufen hat, fo